# taz.de -- Vergeltung nach Selbstmordanschlägen: Viele Tote bei pakistanischen Luftangriffen auf Afghanistan
> Laut pakistanischen Sicherheitskreisen wurden 80 militante Kämpfer
> getötet, in Afghanistan ist von 17 getöteten Zivilisten die Rede.
(IMG) Bild: Nach dem pakistanischen Luftangriff auf ein angebliches Terrorcamp im Behsud-Distrikt in Afghanistans Provinz Nangarhar am Sonntag
Das pakistanische Militär hat in der Nacht zum Sonntag mindestens sechs
Distrikte in drei Provinzen Afghanistans angegriffen. Kurz nach 20 Uhr
Ortszeit meldeten afghanische Medien, Kampfjets hätten in Barmal in der
Südostprovinz Paktika eine Koranschule getroffen. Bis Mitternacht folgten
Angriffe auch im ostafghanischen Nangrahar sowie in Chost.
Pakistans Regierung [1][bestätigte in einer Erklärung] „gezielte Angriffe
auf sieben Terrorcamps und Verstecke“ der pakistanischen Taliban sowie
eines örtlichen Ablegers des Islamischen Staates (IS). 80 „Militante“ seien
getötet worden. Parlamentsminister Tariq Fazal Chaudhry bezeichnete das als
„Vergeltungsmaßnahme für die unschuldigen Opfer des Terrorismus.“
Laut den herrschenden Taliban wurden ausschließlich zivile Ziele getroffen.
Der afghanische Rote Halbmond, die nationale Rot-Kreuz-Partnerorganisation,
meldete 17 Tote. Afghanische Medien verbreiteten [2][ein Video], in dem ein
sichtlich traumatisierter Mann erzählte, das Haus seiner Familie in Behsud
in Nangrahar sei getroffen, 16 seiner 23 Angehörigen seien getötet worden,
davon acht Kinder. Ein weiterer Toter wird aus dem Nachbardistrikt Chugiani
gemeldet.
Die Angriffe kamen nur Stunden nach einem Selbstmordanschlag auf einen
Militärkonvoi in Bannu in Pakistans Nordwestprovinz Khyber-Pakhtunkhwa.
Dabei wurden zwei Soldaten getötet, darunter ein Offizier. Am Montag vor
einer Woche fuhr ein weiterer Selbstmordattentäter eine Autobombe in einen
Polizeiposten im nahegelegenen Badschaur und tötete elf Soldaten und ein
Kind. Zu beiden Anschlägen bekannten sich Talibangruppen aus Pakistan. Die
Behörden behaupten, der zweite Attentäter sei Afghane gewesen.
## Pakistan nennt angeblich „eindeutige Beweise“ nicht
Zwei Wochen zuvor hatte ein dritter Selbstmordattentäter in einer
schiitischen Moschee in Pakistans Hauptstadt Islamabad mindestens 31
Betende und sich selbst in die Luft gesprengt. 170 Menschen wurden
verletzt. Dazu bekannte sich der IS-Ableger für Pakistan. Pakistan
behauptet, der sei mit dem afghanischen [3][IS-Ableger ISKP] identisch.
Laut Informationsminister Attaullah Tarar verfüge man über „eindeutige
Beweise“, dass die Angriffe „auf Anweisung ihrer Führung und Betreuer in
Afghanistan“ von Kämpfern verübt worden seien, die dort „unter indischer
Aufsicht ausgebildet“ worden seien.
Pakistans Luftschläge kamen nicht überraschend. Mitte der Woche hatte ein
Sprecher des Außenministeriums erklärt, wenn es um Angriffe gegen Pakistan
gehe, sei dessen Geduld „offensichtlich nicht unbegrenzt“. Bereits in den
Tagen zuvor sichteten Bewohner in Südost-Afghanistan Aufklärungsdrohnen.
Allerdings, so ein afghanischer Analyst in den sozialen Medien, habe
Pakistan „keine Beweise vorgelegt, dass es wirklich terroristische Ziele
getroffen hat“. Das Taliban-Regime in Kabul bestellte Pakistans Botschafter
ein und protestierte, kündigte aber auch „eine angemessene Reaktion zu
gegebener Zeit“ an.
## Gespräche über Anti-Terror-Vereinbarung bisher gescheitert
Nach ähnlichen [4][Angriffen im Oktober 2025 war es zu mehrtägigen
Grenzgefechten gekommen]. Dabei wurden auf beiden Seiten über 70 Menschen
getötet und hunderte verletzt, darunter viele Zivilist*innen.
Katar vermittelte zunächst eine Waffenruhe, aber [5][Verhandlungen über
eine formelle bilaterale Anti-Terror-Vereinbarung führten zu keinem
Ergebnis].
23 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/MoIB_Official/status/2025316690855354804
(DIR) [2] https://x.com/IHRF_English/status/2025372595441320036
(DIR) [3] /IS-Terror-in-Afghanistan/!6147152
(DIR) [4] /Kaempfe-zwischen-Afghanistan-und-Pakistan/!6120891
(DIR) [5] /Konflikt-Pakistan-Afghanistan/!6125319
## AUTOREN
(DIR) Thomas Ruttig
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