# taz.de -- Berliner Mobilitätsgesetz: Traurige Bilanz
> In der Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes sieht der Fuss e. V.
> nach 5 Jahren nur einen Schritt nach vorne: den Rücktritt der
> Verkehrssenatorin.
(IMG) Bild: Der Senat Wegner setzt sich gründlich dafür ein, den Autos wieder Vortritt zu verschaffen – auf Kosten anderer Verkehrsteilnehmer
Ein Dutzend Schuhpaare säumen den Zebrastreifen vor dem Sitz der
Verkehrssenatorin in Mitte. In den Schuhen stecken Schilder mit
Aufschriften wie „Mehr 30“, „Gehwege für Menschen“ oder „Bäume statt
Asphalt“. Fünf Demonstrantinnen in grünen Warnwesten stellen sich
nebeneinander auf den Gehweg, in ihren Händen Plakate mit der Aufschrift:
„2021 VERSPROCHEN“. Dann, auf einmal, zeigen sie gleichzeitig die
Rückseiten: „2026 GEBROCHEN“.
Rund 15 Menschen finden am Montagvormittag vor dem Senatsgebäude am
Köllnischen Park zusammen. Sie sind sich einig: Verkehrssenatorin Ute Bonde
(CDU) muss zurücktreten. Die Aktion findet im Rahmen einer Kundgebung der
„Fussgängerlobby“ Fuss e. V. statt. Der Verein setzt sich für mehr und
sicherere Fußwege in der Autostadt Berlin ein.
Die Wendeschilder sollen auf die Diskrepanz zwischen Wort und Tat der
Senatsverwaltung – und dadurch auf das Totalversagen von Bonde – hinweisen.
Unter der Leitung der CDU-Politikerin habe der Senat „fast nichts von dem
getan, was das Gesetz für Berlins meist verbreitete und stadtfreundlichste
Mobilitätsform verlangt“, sagt Fuss-Vorstand Roland Stimpel.
Der rot-rot-grüne Senat hatte das Mobilitätsgesetz bereits 2018
verabschiedet, welches maßgeblich aus dem „Volksentscheid Fahrrad“
hervorgegangen war. Als „erstes Mobilitätsgesetz Deutschlands“ sollte es
die Verkehrswende in der Hauptstadt substanziell vorantreiben. Im
Hauptfokus steht die „Vision Zero“: „Niemand soll mehr im Straßenverkehr
durch andere schwer oder gar tödlich verletzt werden“, wie es auf der
Landesseite (www.berlin.de) heißt.
Konkret würde das bedeuten, die Verkehrsstraßen Berlins mit mehr
Tempo-30-Zonen und Zebrastreifen zu entschleunigen. Vom „Sofortprogramm“
der 2023 angekündigten 100 Zebrastreifen habe die Verkehrsverwaltung bisher
keinen einzigen umgesetzt, sagt Stimpel. [1][Dafür hat sie vergangenen
Sommer wieder 20 Straßen in Berlin von Tempo 30 auf 50 umgezont.]
„Drei Viertel aller tödlichen Unfälle in Berlin geschehen auf Straßen mit
50 oder höherem Tempolimit“, argumentiert der Fußgänger:innen-Lobbyverein
dagegen. Trotz der „Vision Zero“ wird nach Informationen von Fuss e. V.
weiterhin in Berlin alle vier Stunden ein Mensch angefahren, der zu Fuß
unterwegs ist. Dabei bleibt laut Stimpel noch unberücksichtigt, dass
Unfälle aufgrund des Glatteises auf Berliner Gehwegen nicht in Statistiken
zu Verkehrsunfällen auftauchen.
Eine Anfrage der taz beantwortet die Verkehrsverwaltung lediglich mit einem
Verweis auf ihre Pressemitteilung zu dem vermeintlich fünfjährigen Jubiläum
des Gesetzes. Die schlittert hart an der Realität vorbei: „Entscheidend
ist, dass Mobilität nicht zum Kulturkampf wird, sondern zu einer
gemeinsamen Aufgabe mit klaren, fairen Regeln, statt ideologisch zu
übersteuern.“
Auch Ragnhild Sørensen, Pressesprecherin vom Fahrradverein Changing Cities,
hat das Statement des Senats gelesen und fragt sich, „was die Senatorin
denn geraucht hat“. Der Verein nennt „die Halluzinationen der
Senatsverwaltung Schaufensterpolitik“ und denkt mit Blick auf die
Rücktrittsforderung „in dieselbe Richtung“ wie der Fuss-Verein.
UPDATE (10.02.26, 17.30 Uhr): In einer früheren Version dieses Artikels
wurde eine Fehlinformation aus der Pressemitteilung des Senats übernommen,
wonach das Mobilitätsgesetz seit fünf Jahren bestehe. Das Mobilitätsgesetz
gibt es seit 2018. Vor fünf Jahren wurde es um einen Abschnitt zum
Fußverkehr ergänzt.
9 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Nathan Pulver
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