# taz.de -- Netzpaket der Bundesregierung: Grüne sehen „Frontalangriff auf die Energiewende“
       
       > Viel Ökostrom geht verloren, weil die Stromnetze nicht ausreichen.
       > Wirtschaftsministerin Reiche will weniger Entschädigungen für die
       > Produzenten.
       
 (IMG) Bild: Nachhaltige Energie? Im Netzpaket nur ein Nachgedanke
       
       Bundeswirtschaftsministerin [1][Katherina Reiche] (CDU) will den Ausbau von
       Windkraft und Photovoltaik stärker am Ausbauzustand des örtlichen Netzes
       orientiert sehen. Speziell aus der Branche der erneuerbaren Energien und
       von den Grünen kommt Widerstand gegen dieses „Netzpaket“.
       
       Der Hintergrund: Oft reichen die Stromnetze nicht aus, um in Stoßzeiten den
       gesamten Wind- und Sonnenstrom zu transportieren. Die Netzbetreiber lassen
       die Ökostrom-Anlagen dann temporär abschalten und entschädigen deren
       Betreiber dafür. Damit ist der schleppende Ausbau der Stromnetze bisher
       kein Hinderungsgrund für den Ausbau der Erneuerbaren. Der ist weiter
       notwendig, wenn Deutschland im Jahr 2030 sein Ziel erreichen will, dass 80
       Prozent des Stroms erneuerbar gewonnen werden. Die Entschädigungen
       [2][kommen die Netzbetreiber und letztlich die Stromkunden aber immer
       teurer zu stehen].
       
       Reiche will sie deshalb nun teilweise abschaffen. Verteilnetzgebiete, in
       denen im Vorjahr mehr als 3 Prozent des erzeugbaren Stroms wegen
       Netzengpässen verloren gingen, sollen nach dem Willen des
       Wirtschaftsministeriums künftig als „kapazitätslimitiert“ ausgewiesen
       werden. In diesen Regionen soll es dann bis zu 10 Jahre lang für Neuanlagen
       keine Entschädigung mehr geben, wenn der Strom nicht abgeführt werden kann.
       Umgesetzt werden soll das im Rahmen der ohnehin anstehenden Novelle des
       Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).
       
       Einen solchen Schritt hatte Leo Birnbaum, Chef des Energiekonzerns Eon,
       bereits im Frühjahr 2025 angemahnt. Es sei „an der Zeit, die Förderung
       erneuerbarer Energien zu überdenken und den Zubau auf die verfügbare
       Netzinfrastruktur auszurichten“, schrieb er damals.
       
       Nun hat es die Forderung in einen Gesetzentwurf geschafft. Betroffen von
       einer solchen Regel dürften große Teile des Landes sein: Im vergangenen
       Jahr wurden bundesweit zwischen 3 und 4 Prozent des Stroms aus erneuerbaren
       Energien wegen Netzengpässen abgeregelt.
       
       ## Grüne und Branchenverbände protestieren
       
       Als weitere Neuerung bringt das Ministerium auch Zahlungen der
       Anlagenbetreiber für den Netzausbau ins Spiel. Bisher steht im EEG noch der
       Satz: „Die Kosten der Optimierung, der Verstärkung und des Ausbaus des
       Netzes trägt der Netzbetreiber.“ Künftig hingegen sollen die Netzbetreiber
       von den Investoren der Erzeugungsanlagen Baukostenzuschüsse einfordern
       können.
       
       Der Protest ließ nicht lange auf sich warten. Die Grünen bezeichnen den
       Gesetzentwurf als „Energiewende-Killerpaket“, als „Abwürgeprogramm“ und als
       einen „Frontalangriff auf die Energiewende“. Auch Nina Scheer,
       energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, kritisiert, dass
       der Erneuerbaren-Ausbau „einseitig“ mit den Netzen synchronisiert werde. So
       reduziere man „die marktlichen Anreize genau für solche Technologien, die
       zum systemischen Umstieg auf die erneuerbaren Energien benötigt werden“.
       
       Die Branchenverbände zeigen sich ohnehin alarmiert: Das „Netzpaket“
       gefährde „milliardenschwere Investitionen in den erforderlichen Zubau der
       Windenergie an Land“, heißt es beim Bundesverband Windenergie. Um die
       Herausforderungen im Netz zu bewältigen, müsse „die vorhandene
       Infrastruktur besser genutzt und zügiger ausgebaut werden“. Der
       Bundesverband Solarwirtschaft sieht unterdessen die „Energiewende am
       solaren Scheideweg“.
       
       Auch aus dem genossenschaftlichen Sektor kommt Protest gegen die Pläne des
       BMWE: „Das ist ein toxischer Mix, der Investitionen abwürgt und gerade die
       bürgernahe Energiewende trifft“, erklärt die Energiegenossenschaft Green
       Planet Energy. Denn in der Praxis wären damit „Betreiber in fast allen
       Netzregionen Deutschlands gezwungen, auf Entschädigungen bei Abregelungen
       zu verzichten“.
       
       Auch der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband fordert für die
       Bürgerenergiegenossenschaften verlässliche Rahmenbedingungen, also „klare
       Regelungen zur Refinanzierung und einen sicheren Netzzugang“. Ansonsten
       würden „die Teilhabe der Menschen und damit notwendige Investitionen und
       Akzeptanz der Energiewende ausgebremst“.
       
       10 Feb 2026
       
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