# taz.de -- Abo Energy: Großer Windpark-Projektierer stürzt tief in die roten Zahlen
> Zahlreiche Kleinanleger haben der Firma durch den Erwerb von Anleihen
> viel Geld anvertraut. Nun sind die Kurse eingebrochen – aus mehreren
> Gründen.
(IMG) Bild: Windparkbetreiber Abo Energgy (ehemals Abo Wind) arbeitet an einem Sanierungskonzept
Die Firma Abo Energy, einer der größten Windpark-Projektierer in
Deutschland, steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Betroffen davon sind
auch zahlreiche Privatanleger, denn das Unternehmen hatte in den Jahren
2021 und 2024 zwei Anleihen herausgegeben, die sich mit einer Mindestanlage
von 1.000 Euro auch an Kleininvestoren richteten.
Mit der ersten Anleihe mit neun Jahren Laufzeit, die fast ausschließlich
[1][durch die sozial-ökologische GLS Bank vertrieben] wurde, sammelte die
Firma gut 42 Millionen Euro ein. Das Papier ist mit 3,5 Prozent verzinst –
was in der damaligen Niedrigzinsphase sehr ordentlich war – und wird nicht
an der Börse gehandelt. Die zweite Anleihe war 80 Millionen Euro schwer,
ist börsennotiert und mit einem jährlichen Zins von sogar 7,75 Prozent
ausgestattet.
Doch dann kamen die Hiobsbotschaften. Im vergangenen November gab die Firma
eine erste Gewinnwarnung heraus, die für das Geschäftsjahr 2025 einen
Verlust in Höhe von 95 Millionen Euro prognostizierte. Mitte Januar teilte
das Unternehmen dann mit, die Geschäftsführung gehe nunmehr sogar von einem
Konzernjahresfehlbetrag in Höhe von 170 Millionen Euro aus.
Eine wesentliche Ursache liege in dem „aktuell besonders herausfordernden
nationalen und internationalen Marktumfeld“, erklärte die Firma. Ein Faktor
seien die [2][überzeichneten Wind-an-Land-Auktionen im Rahmen des
Erneuerbare-Energien-Gesetzes], die zu deutlich reduzierten
Einspeisevergütungen führten. Zugleich habe man wegen gesunkener
Erwartungen an das Zuschlagsniveau der Einspeisevergütungen künftiger
Projekte Neubewertungen und damit erhebliche Sonderabschreibungen vornehmen
müssen.
## Erster Jahresverlust in der Geschichte von Abo Energy
Damit weist das 1996 gegründete Wiesbadener Unternehmen den ersten
Jahresverlust in seiner Geschichte aus. Die Firma zählt mit 1.400
Mitarbeitern zu den größten Projektentwicklern in der Branche der
erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Abo Energy GmbH & Co. KGaA, die
bis Juli 2024 noch als Abo Wind AG firmierte, hat nach eigenen Angaben
Projekte mit einer installierten Erzeugungsleistung von 3,1 Gigawatt
realisiert. Überwiegend geht es dabei um Windparks, aber auch um
Photovoltaik, Batteriespeicher und Umspannwerke. Auch in zahlreichen
Ländern im europäischen Ausland und in Übersee ist Abo Energy aktiv.
Die jüngsten Zahlen der Firma lösten einen Schock am Kapitalmarkt aus. Nach
der ersten Gewinnwarnung im November halbierte sich die Notierung der
börsennotierten Anleihe, nach den neuesten Zahlen steht sie sogar nur noch
bei rund 16 Prozent ihres Nennwerts. Auch die Unternehmensaktie hat in den
vergangenen drei Monaten mehr als 80 Prozent ihres Werts verloren.
Nun muss ein Sanierungskonzept her. Wie die Firma kürzlich per
Ad-hoc-Mitteilung verkündete, hat sie mit den Gläubigern wesentlicher
Finanzierungen bereits eine Stillhaltevereinbarung geschlossen. Das heißt,
dass die Banken ihre Finanzierungen nicht außerordentlich kündigen werden,
so lange über ein Sanierungskonzept verhandelt wird. Eine renommierte
Beratungsgesellschaft sei bereits beauftragt, ein Sanierungsgutachten zu
erstellen, heißt es; ein erster Entwurf soll in der ersten Februarhälfte
vorliegen.
In Kürze sollen auch die Gläubiger der 2024er Unternehmensanleihe
entscheiden, ob sie der Stillhaltevereinbarung beitreten und einer Änderung
der Anleihebedingungen zustimmen; eine Infoveranstaltung dazu ist für den
5. Februar terminiert, eine Abstimmung der Gläubiger für den 10. bis 12.
Februar. Die Anleger der Anleihe von 2021 sind nicht betroffen, weil deren
Anlagebedingungen etwas anders sind.
Der bekannte Informationsdienst für grüne Kapitalanlagen, [3][Ecoreporter,
rät Investoren derzeit], die Aktie und die Anleihe weder zu kaufen noch zu
verkaufen, sondern abzuwarten, wie sich Abo Energy in den nächsten Monaten
entwickelt. Ecoreporter-Chefredakteur Jörg Weber verweist auch auf die
Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), die den betroffenen
Anleiheinhabern rät, ihre Interessen zu bündeln.
Die SdK erklärte bereits, sie stehe in Kontakt mit einer Wirtschaftskanzlei
und plane, von Abo Energy die Einberufung einer Anleihegläubigerversammlung
zu verlangen, um dort von der Geschäftsführung einen Bericht zur aktuellen
Situation zu erhalten.
Anschließend solle ein gemeinsamer Vertreter der Anleiheinhaber gewählt
werden, da dieser gegenüber der Gesellschaft erhebliche Informationsrechte
habe. Die Firmenkonstruktion ist nämlich nicht ganz leicht durchschaubar,
wie die [4][Wirtschaftswoche jüngst konstatierte]: „Für Anleger ist Abo
Energy in wesentlichen Punkten eine Blackbox.“
Allen Turbulenzen zum Trotz betont die Gesellschaft, sie verfüge „über ein
signifikantes und werthaltiges Projektportfolio“. Die Geschäftsführung gehe
„auf Grundlage der bisherigen Verhandlungen mit den Fremdkapitalgebern
davon aus, das Sanierungskonzept erfolgreich umsetzen zu können“. Gerade
erst gab Abo Energy den [5][Verkauf von drei Solarprojekten in Frankreich]
mit einer installierten Gesamtleistung von 85 Megawatt bekannt.
1 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Etappensieg-vor-Gericht/!6146219
(DIR) [2] /Nach-europaeischem-Nordsee-Gipfel/!6149020
(DIR) [3] https://www.ecoreporter.de/artikel/abo-energy-will-anleihebedingungen-%C3%A4ndern/
(DIR) [4] https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/abo-energy-aktie-wie-steht-es-wirklich-um-das-unternehmen/100179064.html
(DIR) [5] https://www.aboenergy.com/de/info-center/presse/2026/2026-01-28_solar_verkauf_frankreich.html
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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