# taz.de -- Papier aus dem Wirtschaftsministerium: Doch mehr Gaskraftwerke?
       
       > Wirtschaftsministerin Reiche hatte ihre Ausbaupläne für die
       > klimaschädlichen Anlagen zuletzt zurückgefahren. Offenbar war das nicht
       > ihr letztes Wort.
       
 (IMG) Bild: Toll, endlich wieder Smog. Katharina Reiche will offenbar mehr Gaskraftwerke, wie dieses in Stuttgart-Gaisburg
       
       Die kürzlich verkündete Einigung schien klar. Die EU-Kommission erlaube
       Deutschland den Bau von ungefähr 20 neuen Gaskraftwerken, erklärte
       Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) Mitte Januar. Doch dabei
       bleibt es vielleicht nicht – darauf deutet ein Ministeriumspapier hin, das
       die Deutsche Umwelthilfe (DUH) [1][veröffentlicht] hat.
       
       Die Zahl der neuen Kraftwerke, die möglicherweise in Zukunft mit grünem
       Wasserstoff laufen können, aber vorerst mit fossilem Erdgas befeuert
       werden, ist ökologisch wichtig. Auch davon hängt ab, ob Deutschland wie
       gesetzlich vorgeschrieben 2045 klimaneutral wird. In den vergangenen
       Monaten forderte Reiche oft deutlich mehr zusätzliche Gaskraftwerke, als
       jetzt in der Vereinbarung mit der EU enthalten sind.
       
       Das von der Umwelthilfe veröffentlichte Papier, das auf den 31.12.2025
       datiert ist, definiert die zwischen der EU-Kommission und dem Ministerium
       zu vereinbarenden nächsten Schritte. Den ersten Teil davon machte Reiche am
       16. Januar bekannt.
       
       Demnach sollen noch in diesem Jahr öffentliche Ausschreibungen starten, um
       12 Gigawatt (12 Milliarden Watt) zusätzlicher Kraftwerkskapazität zu
       schaffen – der größte Teil, 10 Gigawatt, in Gestalt der etwa 20 neuen
       Gaskraftwerke. Diese müssen so konstruiert sein, dass man sie irgendwann
       von Erdgas auf Wasserstoff umstellen kann. Der kleinere Rest wird
       technologieoffen ausgeschrieben.
       
       ## Wirtschaftsministerium will sich zu Papier nicht äußern
       
       Die Größenordnung entspricht derjenigen, die schon Reiches Vorgänger im
       Ministeramt, der Grüne Robert Habeck, verhandelt hatte. Der Neubau
       zusätzlicher Gaskraftwerke wird allgemein für nötig erachtet, weil Solar-
       und Windkraftwerke die Stromversorgung vorläufig nicht komplett
       gewährleisten können.
       
       Allerdings ist in dem Papier auch von weiteren Schritten die Rede. Mittels
       Ausschreibungen sollen 2027 und 2029 zusätzliche 29 Gigawatt Stromkapazität
       hinzukommen, um im Notfall Lücken zu decken. Das gesamte Paket umfasst
       damit 41 Gigawatt.
       
       Das Wirtschaftsministerium will sich zu dem Papier nicht konkret äußern.
       Aus Kreisen des Ministeriums heißt es aber, die zusätzlichen
       Ausschreibungen seien vollständig technologieneutral geplant. Das heißt:
       Bewerben könnten sich etwa auch Betreiber von Batteriespeichern, die
       Sonnen- oder Windstrom einlagern, wenn er gerade im Überfluss vorhanden
       ist. Verschiedene Kraftwerkstypen wären zugelassen – außer Anlagen, die
       Kohle verfeuern. Das heißt: Klimaschädliche Gaskraftwerke könnten sich sehr
       wohl beteiligen. Dabei kann es allerdings auch um schon existierende
       Anlagen gehen, deren Betreiber sie ohne die staatliche Hilfe abschalten
       oder auf Sparflamme laufen lassen würden.
       
       DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner kritisiert nun: „Die
       Bundeswirtschaftsministerin stellt mit ihren Neubauplänen für Gaskraftwerke
       die deutschen Klimaziele offen zur Disposition.“ Mit den „völlig
       überdimensionierten 41 Gigawatt“ wolle „Reiche den großen Energiekonzernen
       wohl langfristig ihr Geschäft sichern“. Müller-Kraenner räumt aber ein,
       „dass es bei den weiteren Kapazitäten nach 2026 keine Vorfestlegung auf
       eine Technologie gibt“, es also nicht nur um Gaskraftwerke gehe.
       
       Dennoch argumentiert der DUH-Geschäftsführer: „Uns scheint es verfrüht,
       bereits in 2027 und 2029 solch große Kapazitäten auszuschreiben.“ Denn
       viele Variablen der Entwicklung seien unklar, etwa „die weitere
       Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energien, die Geschwindigkeit des
       Netzaus- und zubaus“ und die Menge künftiger Batteriespeicher.
       
       Außerdem bemängelt die DUH, dass die Pläne keine Vorgabe enthielten, wann
       die zusätzlichen Gaskraftwerke auf klimaneutralen, grünen Wasserstoff
       umgestellt würden. Allerdings gilt sowieso das offizielle Ziel der
       Klimaneutralität 2045 – bis dahin darf kaum noch Kohlendioxid aus
       Kraftwerken entweichen. Und nach den bisherigen Regularien dürfte der
       Kohlendioxidpreis dann auch sehr hoch liegen, sodass den Betreibern nichts
       anderes übrig bleibt, als ihre Anlagen auf klimaneutralen Wasserstoff
       umzustellen oder sie stillzulegen.
       
       4 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Energiewende/Gas/251231_Non_Paper_GER_Power_Plant_Strategy.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannes Koch
       
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