# taz.de -- Nach dem Leak zum Netzausbau-Gesetz: Widerstand gegen Pläne zum Stromnetz
> Nach dem Leak des „Netzpakets“ von Wirtschaftsministerin Reiche formiert
> sich Widerstand. Gegenwind bekommt sie unter anderem von der
> Klimabewegung.
(IMG) Bild: Der Widerstand gegen das Netzpaket wächst
„Es ist gut zu wissen, wie die Ministerin tickt.“ Diese Einschätzung stammt
von Ursula Heinen-Esser, die seit vergangenem Herbst Präsidentin des
Bundesverbandes Erneuerbare Energie BEE ist. Heinen-Esser meint [1][das
„Netzpaket“] von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU): Weil
dieser Gesetzentwurf zum Ausbau der Stromnetze offensichtlich einigen
Mitarbeitern des Ministeriums zu krass erschien, leakten sie den
Referentenentwurf. Seitdem wächst der Protest.
„Die Erneuerbaren sind systembestimmend“, erklärte Heinen-Esser, „bis 2030
sollen sie 80 Prozent des Strombedarfes decken.“ Aktuell sind es erst 56
Prozent, 2026 wird das Jahr, in dem sich entscheidet, ob das Ziel
erreichbar wird. Ursula Heinen-Esser hat das gleiche Parteibuch wie Reiche,
beide waren zur selben Zeit parlamentarische Staatssekretärinnen im
Bundesumweltministerium unter Kanzlerin Angela Merkel, und beide waren das
zu jener Zeit, als die Energiewende zum ersten Mal abgewürgt wurde und die
Bundesrepublik die Photovoltaik-Industrie an Südostasien verlor. Jetzt sagt
Heinen-Esser: „Planungssicherheit ist für Investition essenziell, deshalb
müssen Vergütungen, Entgelte und Zugänge vorhersehbar bleiben.“
Aber genau diese Essenz fehlt nach Ansicht der Branche dem geleakten
Gesetzentwurf. Den Vorwurf, mit diesem den Zubau neuer Wind- und
Solarkraftwerke völlig auszubremsen, kontert Katherina Reiche via
[2][Interview] mit dem Handelsblatt: „Das stimmt nicht.“ In der
Öffentlichkeit würden lediglich Leaks früherer Entwürfe kursieren. „Wir
befinden uns noch in der Ressortabstimmung. Es folgt die Verbändeanhörung,
die Branche muss gehört werden und ihre Vorschläge einbringen können“,
sagte dort die Ministerin.
## Ein Knackpunkt nennt sich „Redispatch“
Gegenwind bekommt Katherina Reiche auch aus der Umwelt- und Klimabewegung.
[3][„Rettet die Erneuerbaren Energien“] – zwei Petitionen [4][unter dieser
Überschrift] wurden bislang knapp 600.000-mal unterzeichnet. Mit einem
riesigen Windradflügel und ausrangierten Solarpaneelen demonstrierten
Aktivisten am Mittwoch vor Reiches Ministerium.
„Mit dem Netzpaket von Katherina Reiche würde der Ausbau der erneuerbaren
Energien jäh ausgebremst“, erklärte Christoph Bautz. Der Campact-Vorstand
erinnerte an die großen Demonstrationen für die Energiewende,
beispielsweise als Reiches Vorvorgänger Sigmar Gabriel (SPD) 2014 den
Erneuerbaren zu Gunsten der Kohle zu Leibe rücken wollte. „Das war ein
breites Bündnis“, sagt Bautz – und das zeichne sich auch diesmal bei den
Plänen von Katherina Reiche ab.
Ein Kritikpunkt nennt sich Redispatch: Wenn viel Strom im Netz ist, kann
der Netzbetreiber einen Windpark abregeln. Für den nicht produzierten Strom
erhält der Betreiber derzeit eine Entschädigung. Die will Katherina Reiche
streichen, wie sie im Interview erklärt: „Die Kosten für Strom, der
aufgrund von Netzengpässen nicht genutzt werden kann, betragen mittlerweile
fast drei Milliarden Euro im Jahr.“ Diese Summe werde auf alle Verbraucher
umgelegt und erhöhe so die Stromkosten – mit negativen Auswirkungen auf die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und höheren Rechnungen für
alle Stromkunden. Reiche: „Das kann doch nicht die Lösung sein.“
„Kein Anspruch auf Entschädigung bedeutet: Keine Investitionen mehr“, sagt
dazu BBE-Präsidentin Heinen-Esser. Wenn dieses Prinzip Gesetz würde, werde
die Energiewende tatsächlich drastisch ausgebremst. Unterstützung erhält
die CDU-Politikerin von den Grünen. Parteichef Felix Banaszak nennt den
Gesetzentwurf einen „Paket des Irrsinns“ und erinnert daran, dass Reiche
schon einmal das Fundament der Energiewende angegriffen hat: „Bislang waren
das nur Ankündigungen, jetzt ist Reiche zum Angriff übergegangen.“
Und für den bieten sich viele neue Möglichkeiten. „Aus beihilferechtlichen
Gründen läuft das Erneuerbare-Energien-Gesetz zum Jahresende aus“, sagt
Heinen-Esser. Katherina Reiche muss das Gesetz also neu schreiben.
19 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Netzpaket-der-Bundesregierung/!6153458
(DIR) [2] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/interview-reiche-verteidigt-energieplaene-und-gasspeicher-politik/100201271.html
(DIR) [3] https://dabeisein.gruene.de/forms/katherina-reiche-zerstort-die-energiewende-und-macht-uns-abhangig-rette-die-erneuerbaren-energien-mit-uns
(DIR) [4] https://aktion.campact.de/klima/energiewende-retten-lobby-ministerin-reiche-stoppen/teilnehmen
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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