# taz.de -- Bremse für die Energiewende: Ministerin Reiche plant Einschnitte in der Solarförderung
> Das Bundeswirtschaftsministerium will Ernst machen: Solarenergie soll
> weniger gefördert werden. Das könnte vor allem kleine Anlagen treffen.
(IMG) Bild: Will die Förderung für viele Solaranlagen kappen: Wirtschaftsministerin Reiche
dpa | Das Bundeswirtschaftsministerium plant Einschnitte bei der
Solarförderung. Demnach soll die Förderung für neue, kleine Solaranlagen
eingestellt werden. Das geht aus einem der Deutschen Presse-Agentur
vorliegenden Arbeitsentwurf für eine Novelle des
[1][Erneuerbare-Energien-Gesetzes] (EEG) mit Stand 22. Januar hervor.
Insbesondere kleine Solaranlagen seien inzwischen aufgrund gesunkener
Kosten oft bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie
hohe Eigenverbrauchsanteile realisieren könnten, heißt es. Konkret soll die
Förderung für Anlagen bis 25 Kilowatt installierter Leistung eingestellt
werden.
Ein Sprecher des Ministeriums sagte, man sei noch in der internen
Vorbereitung der Novelle. An dem Entwurf werde derzeit noch gearbeitet.
Beim EEG bestehe Handlungsbedarf. „Ziele von Kosteneffizienz und
Versorgungssicherheit wurden in den letzten Jahren zu wenig
berücksichtigt.“ Vom Koalitionspartner SPD kam Kritik an den Plänen des
Wirtschaftsministeriums.
Bundeswirtschaftsministerin [2][Katherina Reiche] (CDU) hatte bereits
deutlich gemacht, neue kleine Solaranlagen auf dem Dach bräuchten keine
Förderung mehr, weil sie sich für die Verbraucher bereits rechneten. Die
Preise für Anlagen und Speicher seien deutlich gesunken. Für bestehende
Anlagen solle es Bestandsschutz geben.
## Kritik: Vorstoß bremst Energiewende aus
Der Ministeriumssprecher sagte, derzeit finanziere die Allgemeinheit über
Steuermittel Strom aus kleinen Photovoltaik-Dachanlagen, die sich bereits
ohne Förderung wirtschaftlich tragen könnten und zudem auch dann ins Netz
einspeisten, wenn kein Bedarf bestehe und sich dadurch Systemprobleme
verschärften.
Bisher gilt: Wer Solarstrom auf seinem Dach erzeugt und in das Netz
einspeist, erhält 20 Jahre lang pro Kilowattstunde einen festen Betrag.
Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Nina
Scheer, kritisierte, der Entwurf für eine EEG-Novelle enthalte Regelungen,
„die den Ausbau der Photovoltaik massiv ausbremsen“. [3][Nach den Plänen
zum Netzanschlusspaket] sei dies ein weiterer Entwurf, der den Aussagen des
Koalitionsvertrages zur Energiewende widerspreche.
Die geplante Streichung der Förderung für kleine Solaranlagen mit bis zu 25
Kilowatt Einspeiseleistung riskiere, dass das Segment der Dach-Photovoltaik
insbesondere auf Eigenheimen in den meisten Fällen unwirtschaftlich wird.
Der geplante Zwang zur Direktvermarktung für alle Solaranlagen setzt laut
Scheer technisch intelligente Messsysteme und den Zugang zu Marktdaten
voraus – für beides sei die Infrastruktur noch nicht flächendeckend
gegeben.
Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner sagte: „Die Solarförderung auf
privaten Dächern ist eine Erfolgsgeschichte – Millionen Bürger haben
investiert, das Land habe davon profitiert. Mit ihrem Gesetzentwurf droht
Katherina Reiche dieses Engagement auszubremsen.“ Die Grünen-Politikerin
Katrin Uhlig sprach von einem Angriff auf das Erfolgsmodell der
Energiewende.
## Solarbranche schlägt Alarm
Der Bundesverband Solarwirtschaft warnte vor einem Kahlschlag beim
Solarausbau. Aus dem Entwurf gehe hervor, dass die Förderung neuer privater
Solarstromanlagen komplett gestrichen werden solle. Selbst Betreiber neuer
Photovoltaik-Kleinanlagen sollten zudem ihren in das öffentliche Stromnetz
eingespeisten Solarstrom künftig direkt an der Strombörse vermarkten
müssen.
„Sollten diese Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden, dürfte die
Errichtung neuer Solarstromanlagen auf privaten Gebäuden fast komplett zum
Erliegen kommen.“ Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig sagte, die
EEG-Einspeisevergütung sei für die Mehrzahl neuer Solaranlagenbetreiber
immer noch zwingend notwendig, um eine hinreichende Rentabilität
sicherzustellen.
Der Branchenverband BEE nannte den Entwurf einen „weiteren Angriff auf die
Erneuerbaren Energien“. Die erfolgreiche Fortführung der Energiewende werde
blockiert, kritisierte die Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare
Energie (BEE), Ursula Heinen-Esser. Das bedrohe Arbeitsplätze und die
Widerstandsfähigkeit gegen Krisen.
„Die Erneuerbaren Energien sind eine der wenigen noch verbliebenen
deutschen Wachstumsbranchen, die im großen Stil Jobs geschaffen hat und um
deren Erhalt kämpft“, so der Verband. „Die Erneuerbaren ermöglichen
Investitionen auch abseits von Metropolregionen, stärken den Mittelstand
und machen unsere Energieversorgung sicherer.“
Im Arbeitsentwurf des Ministeriums heißt es, das EEG bedürfe aus einer
Reihe von Gründen einer grundlegenden Neuordnung. „Es gilt, das EEG
konsequent auf Bezahlbarkeit, Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit
auszurichten.“ Die erneuerbaren Energien seien im „Zentrum der
Stromversorgung“ angekommen. Reiche hatte deutlich gemacht, die
Erneuerbarenbranche müsste mehr Verantwortung tragen.
Im Arbeitsentwurf wird am Ziel festgehalten, den Anteil des aus
erneuerbaren Energien erzeugten Stroms am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf
80 Prozent zu steigern. 2025 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an
der Stromerzeugung nach Angaben der Energiebranche bei 58 Prozent.
27 Feb 2026
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