# taz.de -- Rechte für Indigene in Kanada: „Eine einzige offene Tür kann alles verändern“
       
       > Jocelyn Formsma ist prominente Aktivistin für die Rechte indigener
       > Gruppen. Die Kanadierin kämpft für Erinnerung und Innovation.
       
       Jocelyn Formsma hatte nicht vor, eine der prominentesten Fürsprecherinnen
       der [1][indigenen Bevölkerung Kanadas] zu werden. Aufgewachsen in Chapleau,
       einer 3.000-Einwohner:innen-Gemeinde im Norden Ontarios, spielte sie als
       Kind viel draußen und kletterte auf Bäume.
       
       Als Kind der Moose Cree First Nation war sie Teil einer indigenen
       Gemeinschaft, die seit Langem mit den [2][Auswirkungen der Kolonialisierung
       zu kämpfen] hat und gleichzeitig ihre Kultur und Identität vehement
       bewahrt. Es war eine Kindheit, die mehr von Freiheit und weniger von
       Chancen geprägt war. „Die Welt schien begrenzt“, sagt sie schlicht.
       
       Das änderte sich für Formsma erst in der 11. Klasse, als ihre Familie in
       die Stadt zog. Durch ein Praktikum fand sie den Weg zu einem sogenannten
       Freundschaftszentrum. Das sind von Indigenen betriebene, nichtstaatliche
       Gemeinschaftszentren, von denen es über 100 in Kanada gibt. „Es bot mir die
       Möglichkeit, eine größere Welt zu sehen“, sagt sie. Seitdem weiß Formsma
       aus erster Hand, wie sehr eine einzige offene Tür den gesamten Lebensweg
       verändern kann.
       
       Essenziell waren für Formsma auch andere indigene Studierende während ihres
       Jurastudiums in Ottawa. „Ihre Anwesenheit hat mir gezeigt, dass es möglich
       ist.“ Und es war möglich. Es folgte eine steile Karriere: Erst arbeitete
       sie als Anwältin, dann wurde sie CEO der National Association of Friendship
       Centres. Genau jener Organisation, die ihr einst die Tür zu einer größeren
       Welt geöffnet hatte.
       
       Formsma war die jüngste Vorsitzende des Aboriginal Peoples Television
       Network, hielt Reden zu den Rechten indigener Völker, vor den Vereinten
       Nationen und auf der Weltkonferenz. „Das war nichts, wovon ich geträumt
       hatte“, sagt Formsma heute, „sondern einfach eine Reihe von Gelegenheiten,
       die sich mir boten und die ich ergriff, und so lernte ich dazu und
       entwickelte mich weiter.“
       
       Heute ist sie Präsidentin der Organisation Indspire, die Stipendien für
       indigene Schüler:innen und Studierende vergeben. Bei all dieser Arbeit
       für die Rechte Indigener frustriert Formsma die anhaltende Kluft zwischen
       Absicht und Handlung. „Es gibt so viele Berichte, aber nichts davon wird
       umgesetzt“, sagt sie. Anstatt Finanzmittel in gemeindenahe Programme zu
       investieren, würden diese oft in Konferenzen fließen.
       
       Insbesondere wegen der jungen Menschen bleibt Formsma aber optimistisch.
       Sie machen Hoffnung auf die Zukunft, auf die sie hinarbeitet: „Unsere
       eigene [3][Version von Wakanda] (ein fiktiver hochentwickelter Staat aus
       dem Marvel-Universum, Anm. d. Red.) sind Gemeinschaften, die innovativ und
       gesund sind und nach ihren eigenen Vorstellungen gedeihen.“ Sie hält inne
       und fasst nach: „Das Bild in meinem Kopf sind spielende Kinder, die ihre
       Sprache sprechen, sorglos, voller Liebe und Glück.“
       
       Wenn sie an feministische Solidarität denkt, fallen ihr die Frauen ein, die
       sie geprägt haben. „Während meiner Laufbahn gab es indigene Frauen, die mir
       all das beigebracht haben, was ich heute weiß, die mich ermutigt und mir
       Chancen eröffnet haben, bevor ich überhaupt bereit dafür war.“ Ihre Stärke
       und Ausdauer würden selten so gewürdigt, wie sie es verdienen. Auch das
       will Formsma ändern.
       
       6 Mar 2026
       
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