# taz.de -- Feminismus in Pakistan: „Ich habe viele Hüte auf“
       
       > Fauzia Yazdani ist Aktivistin, Influencerin und Analystin. Schon ihre
       > Mutter sei „Hardcore“-Feministin gewesen, ohne das Wort Feminismus zu
       > kennen.
       
 (IMG) Bild: Fauzia Yazdani gibt dem pakistanischen Feminismus ein Gesicht
       
       Fauzia Yazdani ist eine pakistanische Influencerin. Ihre berufliche
       Laufbahn begann sie als Verwaltungsbeamtin, später arbeitete sie mit fast
       allen UN-Organisationen. Sie weiß, wo Einfluss strukturell etwas ändert und
       wie man Einfluss nehmen kann. Fauzia Yazdani ist politische Analystin und
       Aktivistin: für Frauen und Menschenrechte und digitale Selbstbestimmung.
       Darüber hinaus berät sie zivilgesellschaftliche Organisationen. Auch wenn
       sie den Begriff „social influencer“ kritisch sieht, nutzt Fauzia Yazdani
       ihre Stimme, um auf feministische Anliegen aufmerksam zu machen. Und sie
       wirkt in vielen Kollektiven mit. „Ich habe viele Hüte auf.“
       
       Aufgewachsen ist Fauzia Yazdani in Lahore, Pakistans zweitgrößter Stadt.
       Ihre Mutter war eine „Hardcore“-Feministin, ohne das Wort Feminismus zu
       kennen, erzählt sie. Ihr Erziehungscredo und die Werte, die sie vertrat,
       zielten auf Unabhängigkeit, auch ökonomisch. Der Gedanke dahinter: sich
       nicht unterordnen. Ihrer Mutter war es wichtig, dass sie und ihre Schwester
       eine gute Bildung erhalten und auch studieren können, sagt Fauzia Yazdani.
       
       Das Studium der Verwaltungswissenschaften absolvierte sie am Kinnaird
       College in Lahore, eine historische feministische Institution in Pakistan.
       Die Präsidentin der Universität Mira Phailbus war eine Legende.
       
       Eine Präsidentin, die die Auffassung vertrat: Junge Frauen wissen selbst,
       wer sie sind, oder sie sollen selbst herausfinden, wer sie sein wollen. Das
       Kinnaird College war die einzige Frauenuniversität in Pakistan, bei der die
       Studierenden keine Uniformen tragen mussten. In den 1970er und 1980er
       Jahren war das auch deshalb so revolutionär, weil General Zia-ul-Haq, der
       1977 mit einem Militärputsch an die Macht kam, fortan das Kriegsrecht
       ausrief. Keine gute Zeit für demokratische Bewegungen, schon gar nicht für
       feministische. Fauzia Yazdani erzählt, dass sie die Universität damals als
       Zufluchtsort empfand, weil das politische Klima im Land so erstickend war.
       Die Uni war der Ort, wo sie feministische Texte las, wo sie von älteren
       Studierenden lernte, und wo sie begann, sich in Projekten zu engagieren.
       
       ## „Mach dein Essen selber warm!“
       
       Feminismus in Pakistan ist kein neues Phänomen, es gab ihn schon in den
       1970ern, auch als Reaktion auf die Repression. Seit 2018 gibt es zum 8.
       März den „Aurat March“, die größte feministische Demonstration des Landes.
       Ein Auslöser war ein Femizid in Islamabad. Die Menschen gingen auf die
       Straße, voller Trauer, Schmerz und Wut, angesichts von Täter-Opfer-Umkehr.
       
       Seitdem gibt es viele Demonstrationen in Pakistan, bei denen
       Feminist:innen Schilder hochhalten mit dem Spruch: „Ich sitze so“. Zu
       sehen ist darauf eine breitbeinig sitzende Frau. Oder Plakate, auf denen
       steht: „Mach dein Essen selber warm!“ Am meisten polarisiert hat aber der
       Slogan „Mein Körper, meine Entscheidung“. Von konservativer Seite wurde er
       als Aufruf für Schwangerschaftsabbrüche gedeutet. Dabei ging es nicht nur
       darum, sondern um alle körperbezogenen feministischen Themen.
       
       Selbstkritisch merkt Yazdani an, dass es bislang zu wenig gelungen sei,
       Frauen auf dem Land und Frauen außerhalb akademischer Milieus zu erreichen.
       Das sei nicht die Schuld des Feminismus, betont sie. Immer wenn eine Frau
       über Feminismus spricht, interpretierten religiöse und rechte Gruppen das
       als obszön. Ein effektives Mittel, um ein Anliegen zu diskreditieren.
       
       Aber in den vergangenen fünf Jahren [1][hat sich etwas geändert]. Männer
       haben sich der Bewegung angeschlossen. Besonders nach der Covid-Pandemie
       wurde verstanden, worum es beim Feminismus wirklich geht.
       
       ## Denen ein Gesicht geben, die keins haben
       
       Für sie sei Solidarität etwas Kollektives, das nicht durch Zeit oder Raum
       eingeschränkt ist, sagt Yazadani. „Es ist eher eine Stimme oder ein Lied.
       Alle kennen diese Stimme, sobald das Lied läuft, können alle mitsingen.“
       Man erkenne und fühle den gemeinsamen Schmerz und stärke sich gegenseitig
       durch das Lied, das bedeute Solidarität für sie.
       
       Gerade in ihrem Arbeitsbereich sei Solidarität von immenser Bedeutung. Denn
       Rechte von Frauen und Kindern kann man nur kollektiv stärken. Als
       Medienschaffende und Influencerin gebe sie jenen eine Stimme, die die
       Unterdrückung unmittelbar zu spüren bekommen. Als Resonanz bekomme sie oft
       zu hören: „Was du sagst, will ich auch sagen. Danke, dass du es sagst!“
       
       Fauzia Yazdani will denen ein Gesicht geben, die keins haben. Manchmal
       nicht einmal einen Namen, aus Anonymitätsgründen, zum Schutz. Dass jene
       auch sie bei ihrer politischen Arbeit unterstützen, ist für sie ebenfalls
       Solidarität.
       
       6 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Raweel Nasir
       
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