# taz.de -- Schulstraßenprojekt in Köln: Ein paar Hundert Meter Sicherheit
       
       > Der Schulweg ist oft gefährlich, Schulstraßen können helfen. Dennoch
       > scheuen sich viele Kommunen, Autofahrer:innen Privilegien zu nehmen.
       
 (IMG) Bild: Schulstraßen-Dämmerung in Köln-Brück: Annabels Schulweg ist sicherer geworden
       
       Kurz noch dreht sich Annabel um, winkt. Dann schließt sich die Tür hinter
       ihr, selbstbewusst tritt sie auf die Straße. Es ist ein kalter Morgen Ende
       November, 7.40 Uhr, der Himmel über Köln-Brück wird nur zaghaft heller.
       Draußen auf der verkehrsberuhigten Spielstraße ist kaum was los, einige
       wenige winterfeste Vögel zwitschern. Drinnen, im Flur einer
       Doppelhaushälfte, hat sich Annabel eben noch rosafarbene Stiefel und einen
       Wintermantel angezogen, den Schulranzen aufgesetzt. Ihr Vater, Dominik
       Becker, hat ihr einen flauschigen Schlauchschal und ein Stirnband über die
       langen Haare gestreift.
       
       Meistens fährt Annabel, acht Jahre alt, Zweitklässlerin der
       Gemeinschaftsgrundschule Diesterwegstraße im Kölner Osten, mit dem Roller
       zur Schule. An diesem Tag macht sie eine Ausnahme für die taz und lässt
       sich zu Fuß begleiten. Die meisten ihrer Mitschüler:innen kämen auch
       mit dem Roller, erzählt Annabel, manche zu Fuß. Seit die Straße ihrer
       Schule eine sogenannte Schulstraße ist, würden nur noch wenige mit dem Auto
       gebracht.
       
       Ein paar Hundert Meter und einge Abbiegungen später zeigt Annabel nach
       vorne, wo eine schmale Straße nach rechts abgeht. Da, an der Ecke, da
       beginne die Schulstraße. Morgens zur Zeit des Schulbeginns und mittags,
       wenn die Schule endet, dürfen hier keine Autos reinfahren. Ein fest
       montiertes Verkehrszeichen an der Ecke weist darauf hin. Am metallenen Zaun
       dahinter hängt außerdem ein buntes Hinweisbanner: „Vorsicht Schulstraße!“
       
       ## Eine Frau lenkt ihr Auto direkt durch die Schulstraße
       
       Mehrere Kinder kommen gleichzeitig mit Annabel an, biegen Hand in Hand zu
       Fuß in die Straße ein, kommen mit dem Roller auf dem Gehweg angefahren.
       Sobald sie das Verkehrsschild passiert haben, wechseln sie auf die Straße.
       Ab und an hält ein Auto unrechtmäßig an der Kreuzung, warm eingepackte
       Kinder klettern in Richtung Gehweg raus. Nur eine ältere Frau lenkt ihren
       Wagen langsam direkt durch die Schulstraße. Vermutlich eine Anwohnerin,
       sagt Annabels Vater.
       
       Dominik Becker, kurze Haare, Dreitagebart, dunkle Jeans und graue
       Daunenjacke, ist im Förderverein der Grundschule und hat sich um das Banner
       gekümmert. Das Verkehrsschild allein war klein – „nicht optimal“, sagt
       Becker.
       
       Die Schulstraße gibt es hier seit gut zwei Jahren. Aktivist:innen des
       weltweiten Aktionsbündnisses Kidical Mass für mehr Sicherheit im
       Straßenverkehr hatten sich dafür starkgemacht. 2023 startete die Stadt Köln
       dann ein Pilotprojekt: Vor vier verschiedenen Grundschulen führte sie Zonen
       ein, die zu den Stoßzeiten der Schulen für Motorfahrzeuge gesperrt sind.
       Alle vier Projekte – in Brück, in Höhenhaus, in Ehrenfeld und Ossendorf –
       überstanden die Pilotphase: [1][Der Hol- und Bringverkehr hatte sich
       deutlich reduziert, die Stadt bewertete den Schulweg als sicherer].
       
       Während der Pilotphase hatten sich zwar einige Anwohner:innen über das
       temporäre Autoverbot beschwert, doch mit der dauerhaften Einrichtung der
       Schulstraßen im Herbst 2024 erhielten sie von der Stadt eine
       Ausnahmegenehmigung. Drei weitere Schulstraßen in Neustadt-Süd, Nippes und
       Mülheim bereitet die Stadt Köln gerade vor.
       
       Der Begriff Schulstraße ist in Deutschland noch nicht gesetzlich verankert.
       Trotzdem sind in den letzten Jahren mehr als 70 bundesweit entstanden, zum
       Beispiel in Dresden und Ulm. Meist ist Autofahren nur zeitweise verboten,
       teils wird die Einfahrt mit mobilen Absperrgittern oder versenkbaren
       Pollern abgeriegelt.
       
       ## Anwohner:innen profitieren ebenfalls
       
       In permanenten Schulstraßen, wie es sie etwa in Paris, Berlin-Mitte und
       [2][Berlin-Friedrichshain] gibt, sind Kraftfahrzeuge komplett verboten.
       Verbaute Poller versperren die Durchfahrt. Schulkinder können den Platz in
       den Pausen nutzen, Nachbar:innen ebenfalls von der Verkehrsberuhigung
       profitieren.
       
       „Straßen werden normalerweise aus der Perspektive Erwachsener und vom
       Autoverkehr aus geplant“, erklärt Juliane Haus, Mobilitätsforscherin am
       Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
       
       Dabei leben Kinder im Straßenverkehr besonders gefährlich. Sie
       [3][entwickeln erst mit etwa acht Jahren ein vorausschauendes Bewusstsein
       für Verkehrsgefahren]. Sie sind vergleichsweise klein, werden deshalb
       gerade von Fahrer:innen großer Autos schnell übersehen und eher an
       lebenswichtigen Organen verletzt, wenn ein Fahrzeug sie erfasst.
       
       Kinder atmen wegen ihrer Körpergröße mehr gesundheitsschädliche Abgase ein:
       CO2 und Rußpartikel entstehen in Bodennähe, etwa durch Verbrennermotoren
       und Reifenabrieb. Hinzu kommt: Autos machen Lärm – der verursacht Stress.
       Und wer mit dem Auto gebracht wird, begegnet auf dem Schulweg nur selten
       Mitschüler:innen. Den Kindern entgeht eine Gelegenheit für soziale Kontakte
       zu Mitschüler:innen. Und ihnen entgeht eine Gelegenheit für Bewegung, sagt
       Verkehrsforscherin Haus.
       
       Eine Schulstraße könne bei allem helfen, sagt Haus, zumindest in dem
       Bereich direkt vor der Schule. Und das ohne besonderen baulichen Aufwand.
       
       ## Elterntaxis sorgen für noch mehr Unfallgefahr
       
       Vor vielen gewöhnlichen Schulen herrscht zu Schulbeginn Verkehrschaos.
       Einige Schüler:innen kommen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Roller zur
       Schule. Jedes vierte Kind in Deutschland aber fährt Elterntaxi, wird also
       mit dem Auto zur Schule gebracht, wie [4][eine Umfrage des ADAC aus dem
       Jahr 2024] ergeben hat. Es ist ein Teufelskreis: Eltern haben den Eindruck,
       dass der Schulweg für ihre Kinder allein zu gefährlich ist. Deshalb
       chauffieren sie den Nachwuchs zur Schule – und sorgen damit für noch mehr
       Verkehr und Unfallgefahr, wenn sie kurz mal in der zweiten Reihe parken,
       Wendemanöver hinlegen oder Bushaltestellen blockieren.
       
       Insgesamt hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im ersten
       Halbjahr 2025 42.303 Unfälle auf Schulwegen registriert – fast 2.000 mehr
       als im Vorjahreszeitraum. Warum die Zahlen gestiegen sind, ist nicht ganz
       klar – laut der Versicherung unterliegen sie gewissen Schwankungen. Aber:
       „Jeder Unfall auf dem Schulweg ist einer zu viel“, sagt eine Sprecherin, es
       brauche weiter Präventionsarbeit.
       
       Daten aus mehreren europäischen Städten zeigen: Da, wo es Schulstraßen
       gibt, ist weniger Autoverkehr. In der Straße zweier Schulen im Essener
       Stadtteil Holsterhausen fuhren früher 156 Autos am Tag. Nachdem die Schulen
       die Durchfahrt morgens und mittags mit Pylonen absperrten, waren es
       [5][laut dem Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung der Ruhruni
       Duisburg-Essen] täglich nur noch zehn Pkw. Zwar entstanden in der
       angrenzenden Straße teilweise „komplizierte Verkehrssituationen durch
       wendende oder rechtswidrig im Kreuzungsbereich haltende Pkw“, diese
       Situationen bewerteten die Forscher:innen aber als weniger gefährlich
       als noch vor der Einrichtung der Schulstraße. In einer Schulstraße im 14.
       Arrondissement in Paris ging die Luftverschmutzung [6][zwischen 2021 und
       2023 um 25 Prozent] zurück.
       
       In Köln-Brück ist es inzwischen Tag geworden, dennoch spendet die Sonne
       hinter grauen Wolken nicht viel Licht. Brück ist ein ruhiger Stadtteil,
       viele junge Familien oder ältere, alteingesessene Brücker:innen leben
       hier. Im Viertel stehen vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser, auch der
       Straßenverkehr ist hier entspannter als in Innenstadtnähe.
       
       Trotzdem: „Es gab genug brenzlige Situationen“, sagt Dominik Becker, die
       Hände tief in den Taschen seiner Daunenjacke. Als die Diesterwegstraße vor
       der Schule noch keine Schulstraße war, hätten Autos entlang der gesamten
       Fahrbahn geparkt. Wenn dann noch Elterntaxis dazu kamen, „hat es sich ganz
       schön geknubbelt“, erzählt Hannah Neumann. Neumann steht neben Becker auf
       dem Gehweg vor dem Schulgebäude. Eines ihrer drei Kinder geht dort in die
       dritte Klasse. Nachdem Kidical Mass das Pilotprojekt auf der linken
       Rheinseite ins Rollen gebracht hatte, setzte sich Neumann hier gemeinsam
       mit einer anderen Mutter für die Einrichtung der Schulstraße ein.
       
       ## Den Zebrastreifen mit Hilfe der Lokalpresse erkämpft
       
       Mit der Einrichtung wurde das Parken in der Straße verboten, ein Fußweg mit
       weißer Linie und blau-weißem Fußgängersymbol auf dem Asphalt erschaffen.
       „Es ist schon deutlich besser durch die Schulstraße, aber sie müsste Teil
       eines Gesamtkonzepts sein“, sagt Neumann in Jeans, blauer Winterjacke und
       Paisleyschal. Zwei Straßen weiter zeigen Becker und sie einen recht neuen
       Zebrastreifen, wichtig für viele Schüler:innen auf ihrem Schulweg. Den
       habe ein anderer Vater erkämpft – mit einer Petition und Berichterstattung
       in der Lokalpresse.
       
       Wenn es nach Hannah Neumann ginge, würde die Schulstraße ausgeweitet, fast
       bis zum Zebrastreifen. Dann wäre auch die Straße rund um den Schulhof und
       die angrenzende Realschule für Elterntaxis tabu. Bei den Eltern der
       Realschüler:innen müsse sie sich aber erst noch „eine Lobby
       erarbeiten“.
       
       „Ein paar Hundert Meter Schulstraße lösen natürlich nicht das gesamte
       Problem“, sagt Forscherin Juliane Haus. Abseits der Schulstraße seien
       Kinder immer noch großen Gefahren ausgesetzt. „Oft schärfen Schulstraßen
       dafür aber das Bewusstsein.“ Haus nennt Schulstraßen deshalb einen
       „Opener“: einen Öffner für andere Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung, von
       denen nicht nur Kinder profitieren.
       
       ## Vorbilder Belgien, Niederlande, Österreich
       
       In Belgien, wo die verkehrsberuhigten Zonen durch Initiativen der Stadt
       Gent in den 2010er Jahren Aufwind bekamen, steht die Schulstraße als
       Straßentyp in der Straßenverkehrsordnung – inklusive eines eigenen
       Verkehrszeichens. In den Niederlanden werden Schulstraßen seit 2020 als
       Standard vor Grundschulen empfohlen. In Österreich hielten sie 2022 Einzug
       in die dortige StVO.
       
       So weit ist Deutschland noch nicht. Zwar ist die Einführung einer
       Schulstraße auf Basis des Straßenrechts schon länger möglich: Kommunen
       können in den meisten Bundesländern die Umwidmung eines Kfz-Verkehrswegs,
       eine sogenannte Teileinziehung, anordnen – motorisierte Fahrzeuge dürfen
       die Straße dann eben zeitweise oder dauerhaft nicht mehr nutzen. Seit der
       Reform des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) im letzten Jahr können Städte und
       Gemeinden vor besonderen Orten – zum Beispiel Spielplätzen oder Schulen –
       auch leichter Tempo 30 einführen. Trotzdem schrecken noch immer viele
       Verwaltungen davor zurück, den Autofahrenden Privilegien abzuknöpfen.
       
       Das Land NRW gab Anfang 2024 als erstes Bundesland einen Erlass für
       Schulstraßen raus. Der ändert nichts am geltenden Straßenrecht, liefert
       Kommunen aber eine rechtssichere Erklärung für Schulstraßen und soll ihre
       Einrichtung erleichtern. Landesweit entstanden laut dem
       nordrhein-westfälischen Verkehrsministerium seitdem 58 neue Schulstraßen.
       Inzwischen gibt es ähnliche Erlasse etwa in Niedersachsen und
       Baden-Württemberg. In den Stadtstaaten Bremen und Hamburg zum Beispiel
       hapert es dafür noch [7][bei der Einrichtung von Schulstraßen].
       
       Der Kölner Verkehrsdezernent Ascan Egerer erzählt: In Köln haben selbst
       zunächst kritische Akteure, auch aus der Politik, das Konzept mitgetragen.
       Egerer hat noch mehr Maßnahmen für mehr Schulwegsicherheit auf dem Zettel:
       Zusammen mit Schulen und Eltern werden Schulwegpläne aufgestellt, um die
       Hauptwege, die Kinder zur Schule nutzen, zu identifizieren und sicherer zu
       machen.
       
       „Über das Sicherheitsrisiko von Kindern hinweg zu schauen, ist
       gesellschaftlich einfach nicht so legitim wie über das Risiko von anderen“,
       erklärt auch Juliane Haus vom WZB. Deshalb kämen Schulstraßen verglichen
       mit anderen Verkehrswendemaßnahmen gut an.
       
       ## In Frechen hat es nicht geklappt
       
       Trotzdem hat es nur ein paar Dutzend Kilometer weiter, in Frechen an der
       westlichen Grenze zu Köln, nicht geklappt. An einem kalten Morgen im Januar
       sitzt Mario Koenen, Schulleiter der Frechener Lindenschule, zurückgelehnt
       auf einem Stuhl in seinem Büro. Sein linker Fuß ruht auf seinem rechten
       Knie, die Hände nutzt Koenen ab und an, um seinen rheinischen Singsang zu
       untermalen.
       
       Vor ein paar Jahren, „da haben die Elterntaxis hier regelmäßig zu einem
       Verkehrschaos geführt“, sagt Koenen. Der Schulleiter trommelte die
       Schulpflegschaft zusammen, schrieb Briefe an die Eltern, um sie zu bitten,
       ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu bringen. „Dann kam parallel zu
       den Projekten in Köln und anderen Städten die Idee einer Schulstraße“,
       erinnert sich Koenen. Er lehnt sich noch weiter nach hinten gegen die
       türkisfarbene Lehne seines gepolsterten Stuhls, vor ihm steht eine
       Kaffeetasse im Design eines Campers: Statt eines Automarkenlogos ziert ein
       Peace-Zeichen den aufgemalten Kühlergrill.
       
       Der Vorschlag einer Schulstraße fand zunächst Anklang. Zu Beginn des neuen
       Schuljahres 2024 sollten in der Gisbertstraße und der Jägerstraße, zwischen
       denen die Lindenschule liegt, morgens und mittags keine Autos fahren
       dürfen. Die Stadtverwaltung wollte mobile Absperrbaken beschaffen. Ein
       erstes Problem tat sich auf: Es gab nicht genügend Eltern, die sich morgens
       und mittags ums Aufstellen der Baken kümmern konnten.
       
       Ein zweites Problem: die Stellungnahme der örtlichen Polizei. Die fürchtete
       einen Rückstau auf der anliegenden Hauptstraße, die ohnehin viel befahren
       ist. Die zwei kleinen Straßen auf beiden Seiten der Lindenschule gehen von
       der Hauptstraße ab. Beide sind Sackgassen, weil am anderen Ende eine
       Bahntrasse lang läuft. Koenen setzt sich auf den größeren Schreibtischstuhl
       vor seinem PC, ebenfalls türkis bepolstert, und zeigt den Verlauf der
       Straßen auf Google Maps. „Deswegen hat die Stadt Frechen die ganze Maßnahme
       ein, zwei Tage vor Schuljahresbeginn abgeblasen.“
       
       Er sei darüber „schon überrascht“ gewesen, sagt Koenen. Immerhin, sagt er:
       „Es war im Bewusstsein der Eltern, dass sie jetzt zu bestimmten Zeiten
       nicht mehr in die Straße einfahren dürfen. Alle müssten einen Plan B gehabt
       haben, wie die Kinder zur Schule kommen.“
       
       Koenens Favorit lautet: Gehgemeinschaften. „Da haben die Kinder morgens
       schon mal Bewegung, die Wahrnehmung ihrer Umwelt geschult, und sie haben
       den neuesten Tratsch und Klatsch vor dem Schulstart auch schon
       ausgetauscht.“ Die meisten Schüler:innen wohnten westlich der Schule,
       weniger als einen Kilometer entfernt.
       
       Bald aber wurde der Bring- und Holverkehr mit Autos wieder mehr, bis es zu
       gefährlichen Situationen in den engen Sackgassen kam. Verletzt wurde
       niemand, weil Eltern „einen Brüller gemacht“ oder „die Kinder am
       Schlafittchen gepackt“ hätten, sagt Koenen. „Dann sind wir auf die Idee
       gekommen, morgens Zettelchen zu verteilen.“ Einen rot umrahmten Denkzettel
       für Eltern, die mit dem Auto in die Gisbertstraße eingefahren sind. Und
       einen grün umrahmten Dankezettel mit positiven Sprüchen für Kinder und
       Eltern, die ohne Auto zur Schule kommen. Die Aktion wurde nicht
       angekündigt. Schüler:innen halfen bei der Verteilung der Zettel.
       
       Koenen lächelt, als er aufsteht, um jeweils einen der Zettel zu
       präsentieren. Im Sommer 2025 lief die Aktion zum zweiten Mal, zu Beginn des
       zweiten Halbjahres soll sie wiederholt werden. „Es gibt durchaus eine sehr
       kleine Gruppe von Eltern, die immer noch konsequent mit dem Auto hier
       reinfahren“, sagt der Schulleiter. Die meisten aber seien nun
       sensibilisiert für die Sicherheit der Kinder.
       
       ## Recht viele Autos, vermutlich wegen der Kälte
       
       Nur die Hauptstraße bleibt gefährlich. „Das ist noch ein Punkt auf meiner
       To-Do-Liste“, sagt Koenen, und rutscht sich auf seinem Stuhl zurecht. Er
       wolle noch mal bei der Stadt Frechen nachfragen, ob sie dort Tempo 30
       einführen kann. Ob Koenen es nicht anstrengend findet, sich als Schulleiter
       ständig mit dem Verkehr auseinanderzusetzen? „Immer wieder zu hören, dass
       etwas nicht geht, ist frustrierend“, gibt Koenen zu. Aber er sei ja nicht
       allein, auch sein Konrektor habe sich engagiert. „Es macht mich schon froh,
       dass wir die Situation vor der Schule verbessert haben.“ Er sei
       leidenschaftlicher Fahrradfahrer, da erlebe er die Gefahren des
       Straßenverkehrs selbst unmittelbar. Die Fenster in Koenens Büro gehen zur
       Gisbertstraße raus. Da kommen an diesem Morgen recht viele Autos an,
       vermutlich wegen der Kälte.
       
       In der Schulstraße in Köln-Brück sagt Hannah Neumann rund zwei Monate
       vorher, es sei natürlich schwierig, sich umzugewöhnen. Morgens ist es in
       vielen Familien stressig, Autofahren scheint bequem. Auf dem Weg zur Schule
       legt die achtjährige Annabel verlegen den Kopf schief, schweigt kurz und
       gesteht dann, dass auch sie am liebsten mit dem Auto mitgenommen werde.
       Zumindest ein kleines Stück, den Großteil der Strecke legt sie trotzdem mit
       dem Roller zurück.
       
       Umgewöhnung ist zwar vielleicht unbequem, aber möglich, sagt Neumann: Nicht
       mit dem Auto bis vor das Schultor zu fahren, „es funktioniert“.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=992071&type=do
 (DIR) [2] https://changing-cities.org/die-zweite-autofreie-schulstrasse-in-berlin/
 (DIR) [3] https://www.verkehrswacht-medien-service.de/grundschule/kinder-im-strassenverkehr/gefahrenbewusstsein/
 (DIR) [4] https://www.adac.de/verkehr/verkehrssicherheit/kindersicherheit/schulweg/elterntaxi-hol-bringzonen/#so-viele-kinder-fahren-elterntaxi
 (DIR) [5] https://ris.essen.de/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZXgqJv1kYRxnLwFz-E4Xse6-jJDRUGu1cLt-73v1xM1Q/A1-_Bericht.pdf
 (DIR) [6] https://www.linfodurable.fr/environnement/les-rues-aux-ecoles-font-baisser-la-pollution-selon-une-recente-etude-42823
 (DIR) [7] /Massnahme-gegen-Elterntaxis/!6149257
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nanja Boenisch
 (DIR) David Klammer
       
       ## TAGS
       
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