# taz.de -- Sicherheit im Straßenverkehr: Weit weg von Vision Zero
       
       > In Deutschland starben im vergangenen Jahr 2.814 Menschen bei
       > Verkehrsunfällen – mehr als 2024. Heizen die Zahlen die Debatte über ein
       > Tempolimit an?
       
 (IMG) Bild: Im Verkehr sterben nicht nur Radfahrende, aber jedes Todesopfer ist eins zu viel: Erinnerung an eine Verkehrstote in Niedersachsen
       
       Ein Tempolimit wäre gut für Klima und Umwelt, so viel ist klar. Aber es
       würde auch unmittelbar den Menschen dienen. Oder genauer: akut
       Menschenleben retten. Dass der Straßenverkehr derzeit gefährlich ist, daran
       erinnert die am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte
       [1][Unfallbilanz für das Jahr 2025]. Auf Deutschlands Straßen sind im
       vergangenen Jahr 2.814 Menschen ums Leben gekommen. Im Jahr 2024 waren es
       2.770, also zwei Prozent weniger.
       
       „Wie lange noch wollen wir diese Zahlen dulden?“, fragt Michael
       Müller-Görnert, er ist verkehrspolitischer Sprecher des ökologischen
       Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Die Lösung sei einfach und fast kostenlos,
       meint Müller-Görnert: „Tempo raus aus dem Straßenverkehr!“ Der VCD fordert
       ein flächendeckendes Limit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen, 80
       auf Landstraßen und 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts. „Das rettet
       Menschenleben, macht das Fahren entspannter und erhöht die
       Verkehrssicherheit für alle.“
       
       Übrigens spielt es in Sachen Sicherheit keine Rolle, [2][mit welchem
       Verkehrsmittel Menschen unterwegs] sind: In fast allen Bereichen sind die
       Zahlen für 2025 angestiegen. Beispielsweise sind 37 mehr
       Autofahrer*innen und 18 mehr Radfahrer*innen gestorben. Beides ist
       ein Anstieg von 4 Prozent und bezieht sich auf die Monate Januar bis
       November. Besonders deutlich gestiegen ist die Zahl bei Nutzer*innen von
       E-Scootern: um 25 Prozent.
       
       Weniger Tote im Straßenverkehr: Gegen dieses Ziel spricht sich kaum jemand
       explizit aus. Gegen ein Tempolimit als Werkzeug hingegen schon, dabei ist
       die Wirkung gut erforscht. Studien belegen, dass ein Tempolimit signifikant
       klimaschädliche Emissionen von CO₂ und anderen Treibhausgasen einsparen
       würde.
       
       ## Tempolimit: ein Drittel weniger tödliche Unfälle
       
       Unter anderem das Umweltbundesamt hat, bezogen auf das Jahr 2021,
       errechnet: Die Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 120
       Stundenkilometer auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen würde die Emissionen
       im Straßenverkehr um 7,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente reduzieren. Zum
       Vergleich: 2024 hat der gesamte Verkehrssektor in Deutschland Emissionen
       von rund 143 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten verursacht.
       
       Und dass ein Tempolimit auch unmittelbar Leben retten würde, zeigen
       [3][Zahlen der Universität Bochum] aus dem vergangenen September: 120 auf
       Autobahnen könnte demnach tödliche Unfälle um 35 Prozent reduzieren. Die
       Björn-Steiger-Stiftung [4][zeigte im Januar], dass Tempo 30 in Städten den
       Verkehr sicherer mache. Dafür untersuchte die Stiftung Daten aus 15
       Städten.
       
       Kommunen können schon jetzt leichter Tempo 30 in Städten einführen. Es
       sollte für sie zudem leichter sein, auch auf Landstraßen geringere
       Geschwindigkeiten anzuordnen, findet Swantje Michaelsen, verkehrspolitische
       Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag. „Das lohnt sich in jeder
       Hinsicht.“ Jedes geringere Tempo, das gefahren wird, stärke die
       Verkehrssicherheit.
       
       Anfang Februar hatte bereits ein breites Bündnis [5][in einem offenen
       Brief] ein Tempolimit gefordert. Da teilte das Bundesverkehrsministerium
       auf taz-Anfrage mit, dass es derzeit kein Tempolimit plane. Wie es
       inzwischen aussieht? Die taz erhielt bis Redaktionsschluss keine Antwort
       aus dem von CDU-Minister Patrick Schnieder geführten Haus. Vermutlich aber
       hat auch die am Mittwoch veröffentlichte Statistik nichts an den Plänen
       geändert.
       
       ## Vision Zero fehlt in der StVO
       
       Aber: Die Bundesregierung hat sich der sogenannten Vision Zero
       verschrieben. Die steht für das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten und
       schwerer Unfälle zu senken – bestenfalls eben auf null. „Im Straßenverkehr
       orientieren wir uns am Zielbild der Vision Zero“, steht im
       Koalitionsvertrag von Union und SPD. In die ansonsten [6][durchaus
       gefeierte Novelle der Straßenverkehrsordnung] von 2024 hat die Vision Zero
       es aber nicht geschafft, darin ist lediglich von „Verkehrssicherheit“ die
       Rede. „Ein Lippenbekenntnis, faktisch tut sie nichts“, sagt VCD-Sprecher
       Müller-Görnert. „In der Praxis gilt nach wie vor: Freie Fahrt für Autos
       statt Schutz für Menschen!“
       
       Insgesamt ist die Zahl der Unfälle mit Personenschaden 2025 um 1 Prozent
       auf 293.000 gestiegen. Die Zahl der Verletzten ist in etwa wie in 2024, sie
       liegt bei 366.000. Schwerverletzte gab es allerdings 4 Prozent weniger.
       „Dies ist der niedrigste Wert seit 1991, dem ersten Jahr, in dem die
       Verletzten getrennt in schwer- und leichtverletzt ausgewiesen wurden“,
       [7][teilt das Statistische Bundesamt mit]. Von der Vision Zero ist
       Deutschland dennoch weit entfernt.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_062_46241.html?nn=2110
 (DIR) [2] /Nationale-Fussverkehrsstrategie/!6019681
 (DIR) [3] https://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2025-09-23-wirtschaftswissenschaft-weniger-verkehrstote-durch-tempo-120
 (DIR) [4] https://www.steiger-stiftung.de/presseartikel/metastudie-zu-tempo-30-zeigt-grosses-potential/
 (DIR) [5] /Verbaende-fordern-Tempolimits-Weniger-Unfaelle-und-mehr-Klimaschutz/!6150512
 (DIR) [6] /Neue-Strassenverkehrsordnung/!6019131
 (DIR) [7] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/02/PD26_062_46241.html?nn=2110
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Götz
       
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