# taz.de -- Maßnahme gegen Elterntaxis: Bremen will keine Schulstraßen, Hamburg nur ein bisschen
> Eine einfache Lösung, um die Unfallgefahr vor Schulen zu senken, ist das
> temporäre Fahrverbot morgens und nachmittags. Die Stadtstaaten zögern.
(IMG) Bild: Montags bis freitags morgens und nachmittags ist die Durchfahrt nur für Fahrräder erlaubt: Schild gegen Elterntaxis in Köln
Man kann sich [1][endlos über Elterntaxis aufregen], über Eltern, die ihre
Kinder mit dem Auto bis zur Schulpforte fahren und damit unübersichtliche
Verkehrssituationen schaffen und andere Kinder gefährden. Oder man kann
nach Lösungen suchen – und diese umsetzen.
Eine Möglichkeit sind sogenannte temporäre Schulstraßen, bei denen zu
Schulbeginn und zum Schulschluss die Bereiche vor den Schulen für jeweils
eine halbe bis ganze Stunde für den Autoverkehr gesperrt sind,
Anwohner:innen ausgenommen. 2023 hat die Stadt Köln damit begonnen, mit
vier Modellprojekten.
Nach den guten Erfahrungen dort haben andere Städte und Gemeinden in
Nordrhein-Westfalen nachgezogen. Das Verkehrsministerium weiß von 67
Schulstraßen, überwiegend an Grundschulen. „Es sind wahrscheinlich viel
mehr“, schreibt eine Sprecherin des Ministeriums der taz.
Auch in anderen Bundesländern werden seit 2024 vereinzelt Schulstraßen
eingerichtet. Doch ausgerechnet Bremen und Hamburg sind ausgesprochen
zögerlich, im dritten Stadtstaat Berlin sieht es nicht besser aus. Das ist
umso verwunderlicher, als in diesen Ländern die Grünen in
Regierungsverantwortung sind – die Partei, die im Verdacht steht,
Autofahrer:innen aus Prinzip das Leben schwer zu machen.
## Modellprojekte in Hamburg
Dabei ist Hamburg ein ganzes Stück weiter als Bremen. Hier hat im September
2024 das Parlament die Landesregierung aufgefordert, Standorte für
Schulstraßen auszuwählen und einzurichten. [2][Anfang 2025] stellte der
Hamburger Senat klar, dass er zumindest keine rechtlichen Schwierigkeiten
sehe. Ein Jahr später schreibt der Sprecher des Hamburger Verkehrssenators
der taz, man stimme sich noch zum Verfahren ab. Erste Schulstraßen würden
in diesem Jahr eingerichtet – als Modellprojekte.
Wo sich diese befinden, sagt er nicht, bestätigt aber auf Nachfrage einen
[3][Artikel der Hamburger Morgenpost]. Darin werden fünf Schulen genannt.
Zwei davon befinden sich im Bezirk Eimsbüttel, eine in Eppendorf, eine in
Altona, eine in Hamburg-Nord. Ausgewählt wurden sie nicht nach besonderer
Dringlichkeit, sondern danach, ob es den Willen zur Umsetzung gibt, sowohl
auf Behörden- als auch auf Elternseite.
Die Frage, warum die Standorte bisher nicht kommuniziert wurden,
beantwortet der Sprecher nicht. Auch nicht, warum es Pilotprojekte brauche,
wenn die Effizienz der Maßnahme [4][in Nordrhein-Westfalen belegt] werden
konnte.
An allen vier Modellstandorten reduzierte sich der Verkehr am Vor- und am
Nachmittag, an drei Standorten drastisch um bis zu 77 Prozent, wobei der
Rückgang im Winter am niedrigsten war. An einem Standort zeigte sich, dass
der Rückgang im zweiten Jahr stärker war als im ersten, an einem vierten
Standort war das Verkehrsaufkommen um maximal 32 Prozent reduziert.
Allerdings ließen die Eltern ihre Kinder jetzt offenbar nicht mehr direkt
vor der Schule aussteigen, sondern in Nebenstraßen. Denn eine Befragung von
110 Eltern ergab, dass nur sieben Prozent von ihnen ihre Kinder jetzt
anders zur Schule beförderten.
In der Regel weisen in Deutschland nur Schilder auf das Fahrverbot hin –
selten stellen Eltern ehrenamtlich mobile Sperren auf. „Es gibt immer
Leute, die sich nicht daran halten“, sagt Simone Kraus aus Köln. „Aber es
ist im Vergleich zu vorher ein Unterschied wie Tag und Nacht.“
Kraus ist eine der Initiator:innen der [5][Kidical Mass], einer
Initiative, die sich bundesweit dafür einsetzt, dass sich Kinder sicher
allein im Straßenverkehr bewegen können. Auch die Kölner Schulstraßen hat
sie mit angestoßen und ist überzeugt von der Maßnahme. „Natürlich muss noch
viel mehr getan werden, damit die Unfallgefahr für Kinder sinkt“, sagt sie.
„Aber wenigstens ist die Situation direkt an der Schule, wo sich alles
ballt, entschärft.“
## Bremen diskutiert seit sechs Jahren über Schulstraßen
Doch in Bremen sieht man das anders. Hier war es die CDU, die vor knapp
zwei Jahren nachhakte, ob es in Bremen Schulstraßen geben wird. Diskutiert
wird darüber in der Stadt seit sechs Jahren.
Anfang 2024 hatte ein [6][Vertreter des Senats] im Parlament gesagt, dass
es leider im Bremer Landesstraßengesetz nicht die Möglichkeit der
sogenannten Teileinziehung gebe, die in Nordrhein-Westfalen die rechtliche
Grundlage der Schulstraßen bildet. Es brauche daher eine Änderung der
Bundesgesetzgebung. An einer Änderung des Bremer Landesgesetzes war und ist
die SPD offenbar nicht interessiert.
Denn vor anderthalb Wochen antwortete der Bremer Senat, dieses Mal auf
Nachfrage der FDP, Schulstraßen werde es in Bremen nicht regulär geben, die
rechtliche Grundlage fehle. Zudem brauche es pro Schulstandort „mindestens
zwei Mitarbeiter:innen der Polizei Bremen oder des Ordnungsamtes“, um
das Verbot durchzusetzen. Der Senat vergisst zu erwähnen, dass auch Unfälle
Polizeieinsätze nach sich ziehen und dass Kontrollen, wenn überhaupt, nur
anfangs notwendig sind.
Der Bremer Senat erwartet auch „Auswirkungen auf den umliegenden
Fließverkehr“, das Problem der Elterntaxis werde sich verlagern. Wohin? Und
warum die Auswirkungen gravierender sein sollten als in anderen deutschen
Großstädten? Das steht nicht in der Antwort. Und selbst wenn Eltern ihre
Kinder dann in den Nebenstraßen aussteigen lassen: Dort ist die Situation
entspannter, weil nicht alle Kinder denselben Schulweg nehmen.
30 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Grundschueler-fallen-durch-Fahrradpruefung/!5920455
(DIR) [2] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/90033/22_17751_buergerschaftliches_ersuchen_vom_4_september_2024_sichere_schulwege_fuer_unsere_kinder_drs_22_16066
(DIR) [3] https://www.mopo.de/hamburg/elterntaxis-was-erlaubt-ist-und-wie-verkehrschaos-vermieden-werden-kann/
(DIR) [4] https://meinungfuer.koeln/schulstrassen
(DIR) [5] https://kinderaufsrad.org/
(DIR) [6] https://www.bremische-buergerschaft.de/dokumente/wp21/stadt/protokoll/P21S0011.pdf
## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
## TAGS
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