# taz.de -- Atommüll in Deutschland: Weiter widerständig
> Ein Ortsbesuch in Gorleben, Keimzelle der Anti-Atommüll-Bewegung, zeigt,
> wie unendlich die Suche nach Lagern für Verstrahltes ist.
(IMG) Bild: Gelebte Protestkultur: Treckerzug der Wendlandbauern im Jahr 2010 gegen den Castortransport zum Atommüllzwischenlager in Gorleben
Die Nacht ist frostig. Durch den Wald wabert kalter Nebel. An den Spitzen
der Kiefernnadeln glänzen kleine Eistropfen im milchigen Zwielicht. Wo die
Straße von Gorleben ins Nachbardorf Gedelitz einen Bogen macht, biegen
Autos auf einen Stichweg ab. Er führt auf eine Lichtung – und weiter zum
Einfahrtstor des Erkundungsbergwerks Gorleben, das lange Zeit im Fokus der
deutschen Atommüllpolitik stand.
Über Jahrzehnte prägten mehrere miteinander verbundene Gebäudekomplexe, der
Förderturm und die Verladeanlage, dieses Bergwerk. Unschwer lässt sich
erkennen, wie sehr sich dessen Silhouette in den vergangenen Monaten
verändert hat. Die Verladeanlage ist längst verschwunden, sie wurde mitsamt
dem brückenähnlichen Übergang zum Turm abgebrochen.
Hinter dem Zaun wird ungeachtet der niedrigen Temperatur gearbeitet.
Schwere Fahrzeuge rangieren auf dem Gelände. Sie transportieren Salz, das
einst aus der Erde geholt und ein Stück entfernt auf einer gewaltigen Halde
aufgeschüttet wurde, zurück in das Bergwerk. Insgesamt sollen rund 400.000
Kubikmeter Steinsalz in die Hohlräume befördert werden. Diese wurden für
die Erkundung des unterirdischen Salzstocks aufgebohrt oder durch
Sprengungen geschaffen. Mit den im November 2024 begonnenen Arbeiten liege
man gut im Plan, versichert Sven Petersen von der [1][Bundesgesellschaft
für Endlagerung (BGE)] der taz. „Bis Mitte Januar haben wir bereits 150.000
Tonnen Salz nach unter Tage verbracht.“
Die bundeseigene Gesellschaft ist Betreiberin des Bergwerks. Wenn keine
größeren technischen Probleme auftreten, soll die Verfüllung der Strecken,
also der unterirdischen Tunnel, im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein.
Danach werden die beiden senkrecht in die Tiefe führenden Schächte
zugeschüttet.
Mit dem Auffüllen des Bergwerks hat das wohl letzte Kapitel begonnen in der
wechselvollen Geschichte der Auseinandersetzung um ein Atommüllendlager in
Gorleben. Über Jahrzehnte wurde der Salzstock als einziger Standort auf
seine Eignung als Endlager für hoch radioaktive Abfälle geprüft. Über
Jahrzehnte entstand dort – wie selbst führende Behördenvertreter wie der
frühere Chef des Atommüllbundesamtes BASE, Wolfram König, einräumten –
unter dem Deckmantel der Erkundung ein fast fertiges Endlager. „Gorleben
ist größer gebaut worden, als es für die Erkundung nötig gewesen wäre“,
sagte König schon im Jahr 2009, damals leitete er noch das Bundesamt für
Strahlenschutz.
2020 schied Gorleben aus dem neu aufgerollten Suchverfahren für ein
Endlager aus. Offiziell aus den von Atomkraftgegnern immer wieder
vorgebrachten geologischen Gründen – der Salzstock hat Kontakt zum
Grundwasser und ein zu dünnes Deckgebirge. Vermutlich war aber auch der
ausdauernde und fantasievolle Widerstand der Lüchow-Dannenberger
Bevölkerung und ihrer auswärtigen Unterstützer:innen ein wesentlicher
Grund für den Ausschluss Gorlebens.
Bis zum Wegfall des Salzstocks als Endlager wurden annähernd zwei
Milliarden Euro buchstäblich „ins Gorlebener Salz gesetzt“, sagt Wolfgang
Ehmke der taz. Der 78-jährige Anti-Atomkraft-Veteran ist seit vielen Jahren
Sprecher der [2][Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg,] der
„BI“. Er führt Journalisten und andere Interessierte über die Lichtung vor
dem Bergwerk, die häufig Ausgangspunkt für Demonstrationen und Aktionen war
und es immer noch ist.
In der Mitte des Platzes ist das ehemalige Greenpeace-Schiff „Beluga“
aufgebockt, weshalb viele im Wendland diesen Ort das „Beluga-Dreieck“
nennen. Am Rand, schon unter Bäumen, steht die nach einer 2001 verstorbenen
Aktivistin aus dem Wendland benannte Undine-von-Blottnitz-Hütte, ein
wuchtiges Rund- und Versammlungshaus aus Holz, das die widerständigen
Landwirte von der Bäuerlichen Notgemeinschaft im Jahr 2010
zusammenzimmerten.
Ein Stück weiter, auf einer Schneise, sind drei große Kreuze in den
sandigen Waldboden gerammt worden. Eines ist so stark verwittert, dass es
durch einen Baum abgestützt werden muss. Grob behauene Stämme dienen als
Bänke. Hier, an den Kreuzen, treffen sich Menschen zum „Gorlebener Gebet“,
Sonntag für Sonntag, seit fast 40 Jahren. Sie halten Andachten ab, singen
Lieder und mahnen einen anderen Umgang an mit Atommüll und der Umwelt
überhaupt. Jeden Sonntag kommen 10 bis 30 Personen zusammen, manchmal
deutlich mehr. Den Anstoß für das „Gorlebener Gebet“ gab 1988 ein großer
Protestmarsch gegen Atomkraft – mehr als 1.000 Kilometer war er lang und
reichte vom bayrischen Wackersdorf bis ins niedersächsische Gorleben. 63
Tage lang schleppten Demonstranten ein schweres Holzkreuz mit sich, das sie
am Ende des Marsches im Gorlebener Wald aufstellten.
Das „Gorlebener Gebet“ ist nicht nur eine Veranstaltung für gläubige
Christen. „Buddhisten aus Nepal haben schon die Andachten geleitet und
Muslime auch“, erzählt Christa Kuhl. Die 86-Jährige ist von Beginn an dabei
und hat selbst schon zahlreiche der sonntäglichen Treffen vorbereitet.
„Einmal sagte einer, er sei Atheist. Dass er auch gern kommen würde. Und
wir haben ihn eingeladen.“ Dass die Gebete auch nach dem Ausschluss des
Salzstocks aus dem Suchverfahren weitergehen, ist für Kuhl eine
Selbstverständlichkeit. „Unser Motto ist ja: Spiritualität und politische
Verantwortung im Widerstand. Das gilt nicht nur für einen Standort, das ist
auf die Bewahrung der Schöpfung insgesamt bezogen.“
Im Februar 1977 hatte Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Ernst
Albrecht (CDU) Gorleben per Fingerzeig auf der Landkarte zum Standort für
ein nukleares Entsorgungszentrum auserkoren. Auf einer Fläche von 12
Quadratkilometern sollten außer einem Endlager eine atomare
Wiederaufarbeitungsanlage, ein Zwischen- und ein Pufferlager sowie weitere
Komponenten für den sogenannten nuklearen Brennstoffkreislauf errichtet
werden.
Wissenschaftliche Gründe spielten für die Auswahl Gorlebens kaum eine
Rolle. Albrecht wollte mit seiner Entscheidung vor allem die DDR ärgern,
wie der 2010 verstorbene Geologieprofessor Gerd Lüttig kurz vor seinem Tod
der taz erzählte. Der Ministerpräsident habe den Standort in der Nähe der
deutsch-deutschen Grenze haben wollen, „weil die Ostzonalen uns die
Geschichte mit ihrem Endlager Morsleben eingebrockt hatten“. Morsleben, das
in Sachsen-Anhalt nahe an der Grenze zu Niedersachsen liegt, war seit 1971
das Atommüllendlager der DDR.
„Wir befürchteten immer, und das hat Herrn Albrecht auf die Palme gebracht,
dass Morsleben eines Tages absaufen würde und radioaktive Wässer in
Richtung Helmstedt fließen könnten“, sagte Lüttig. Der Ministerpräsident
habe daraufhin erklärt: „Dann machen wir das auch.“ Erst später habe
Albrecht weitere Argumente für Gorleben hergeholt, erinnerte sich der
Wissenschaftler. „Er hat gesagt, der Landkreis sei ja dünn besiedelt, und
er sei vom Landkreis angesprochen worden, man solle doch da etwas machen,
es käme doch selbigem zugute.“ Im strukturschwachen, konservativen Wendland
mit damals stabiler CDU-Mehrheit, so das Kalkül, würden die Leute schon
nichts gegen die geplanten Atomfabriken haben, und gegen die versprochenen
Arbeitsplätze erst recht nicht.
Doch Albrechts Rechnung ging nicht auf. Viele Lüchow-Dannenberger lehnten
die Atomanlagen strikt ab. Schon am Abend der Standortbenennung, am 22.
Februar 1977, demonstrierten in Gorleben Hunderte empörte Bürger. Drei
Wochen später versammelten sich bereits 20.000 Menschen am geplanten
Baugelände. Ein nie aufgeklärter Waldbrand hatte das Gebiet kurz zuvor
verwüstet und erst mal wertlos gemacht.
Die Bürgerinitiative, die ursprünglich wegen eines im nahen Langendorf
geplanten, aber nie realisierten Atomkraftwerkes gegründet worden war,
verzeichnete großen Zulauf, erinnert sich Ehmke im Gespräch mit der taz:
„Das war eine bunte Mischung. Hausfrauen, Bäuerinnen und Bauern, Fischer
und Naturschützer. Auch Schriftsteller und Künstler, etwa Nicolas Born, Uwe
Bremer und Kai Hermann, der für den Spiegel und den Stern schrieb.“
Mit den auswärtigen Atomkraftgegnern aus den Städten, die zu jener Zeit
gegen die Bauzäune in Brokdorf und Grohnde anrannten und sich dort heftige
Auseinandersetzungen mit der Polizei lieferten, hatte man im Wendland
zunächst nicht viel zu tun. „Wir waren Provinz und wir wollten in der
Provinz Politik machen“, sagt Ehmke. „Man konnte die Leute nur da abholen,
wo sie sind. Wären die Aktionsschritte zu schnell gewesen, hätte das
politische Lernen nicht reifen und wachsen können.“
Im März 1979 brachen Landwirte aus dem Wendland zu ihrem Treck nach
Hannover auf. Sie wurden dort von mehr als 100.000 Demonstranten begeistert
empfangen. Lüchow-Dannenberger und Auswärtige protestierten erstmals
gemeinsam in großem Stil. Das beeindruckte auch die Politiker. Eine
Wiederaufarbeitungsanlage in Gorleben sei politisch nicht durchsetzbar,
telegrafierte Albrecht an Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD). Die Erkundung
des Salzstocks ging aber weiter, bei der Endlagersuche blieb Gorleben für
weitere Jahrzehnte als Standort gesetzt. Auch zwei Zwischenlager und eine
„Pilotkonditionierungsanlage“ zum Verpacken von Atommüll entstanden im
Gorlebener Wald.
## Republik Freies Wendland im Mai 1980
Im Mai 1980 besetzten Tausende Atomgegner ein Stück Land über dem Salzstock
und riefen die [3][„Republik Freies Wendland“] aus. Auf dem sandigen
Waldboden bauten sie Hütten aus Baumstämmen, Stroh und Glas, eine Küche,
ein großes Rundhaus für Versammlungen, Latrinen, einen Schweinestall, zwei
Türme und ein Passhäuschen mit Schlagbaum, wo „Wendenpässe“ ausgestellt
wurden und über dem die grün-gelbe Wendlandfahne flatterte. Nach einem
Monat räumte die Polizei im bis dahin größten Einsatz der bundesdeutschen
Geschichte das Gelände. Viele Beamte hatten ihre Gesichter geschwärzt,
Bulldozer walzten die Hütten nieder. Als Letztes zerrten die Polizisten die
Leute aus den Türmen heraus.
In der Folgezeit erlahmte im Bundesgebiet der Schwung der
Anti-Atom-Bewegung. Bürgerinitiativen fielen auseinander, viele Aktive
engagierten sich in anderen gesellschaftlichen Konflikten oder zogen sich
zurück. Doch in Gorleben blieb der Widerstand lebendig. Als Tieflader 1984
die ersten Fässer mit schwach radioaktivem Atommüll ins Wendland karrten,
verbarrikadierten Tausende Lüchow-Dannenberger mit Baumstämmen, Autos und
ihren eigenen Körpern sämtliche Zufahrtsstraßen in den Landkreis. „Wenn du
die Atomanlagen vor der Nase hast“, sagt Ehmke, „kannst du dir nicht
aussuchen, ob du dich mal engagierst und mal nicht.“
So auch bei den Castortransporten, die zwischen 1995 und 2011 mit hoch
radioaktivem Atommüll ins Gorlebener Zwischenlager rollten und von
Tausenden Demonstrierenden immer wieder blockiert und gestoppt wurden. Am
Ende, blickt Ehmke auf diese turbulenten Jahre zurück, „wurde auf der
Straße und der Schiene letztlich der Atomausstieg ausgehandelt, es ging
doch nicht nur um Gorleben, es ging ums Ganze“.
Mit dem Aus für den Salzstock Gorleben stellten Politik und Behörden die
Suche nach einem Endlager auf null. In 60 Jahren Atomkraftnutzung sind in
der Bundesrepublik rund 27.000 Kubikmeter hoch radioaktive Abfälle
angefallen. Die BGE, die Bundesgesellschaft für Endlagerung, hat den
Auftrag, den dafür am besten geeigneten Standort zu finden. Das Endlager
soll mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche gebaut werden und den
Atommüll für eine Million Jahre einschließen. Als sogenannte Wirtsgesteine,
die das künftige Endlager umgeben, kommen Salzstöcke, Ton und Granit
infrage.
In mehreren Arbeitsschritten hat die BGE einen Großteil Deutschlands
bereits als vermutlich ungeeignet verworfen. Derzeit gelten noch rund 25
Prozent des Bundesgebietes als potenziell tauglich – diese Flächen liegen
vor allem in Norddeutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Westfalen und
Sachsen-Anhalt. Auch das Wendland ist mit zwei Tongebieten noch im Rennen.
In den kommenden Monaten werden weitere Zwischenstände veröffentlicht. Ende
2027 will die BGE konkrete Standortregionen zur weiteren Erkundung
vorschlagen. „So können alle Menschen sehen, dass es mit der Endlagersuche
vorangeht und wie es in ihrer Region derzeit aussieht“, sagt
BGE-Geschäftsführerin Iris Graffunder.
Voran geht es vielleicht, aber tatsächlich nur langsam. Laut Gesetz soll
ein Standort bis 2031 gefunden sein, aber das wird nicht klappen.
Inzwischen bewegen sich die Schätzungen für ein Findungsdatum deshalb
zwischen 2045 und 2065. Danach wird es noch weitere Jahrzehnte dauern, bis
das Endlager gebaut und befüllt ist. Diese Entwicklung hat bei den
Verantwortlichen Überlegungen ausgelöst, ob es nicht vielleicht doch
irgendwie schneller gehen könnte.
„Eine deutliche Beschleunigung der Endlagersuche ist möglich und nötig“,
sagt etwa Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Zum Beispiel könnte
die bislang getrennt geplante oberirdische und unterirdische Erkundung
eines Standorts in einem Arbeitsschritt zusammengefasst werden. Zudem wird
diskutiert, ob für die unterirdische Untersuchung der aufwendige Bau eines
Erkundungsbergwerks wie in Gorleben nötig ist. Auf Kosten der
Bürgerbeteiligung, so Schneider, dürfe eine Beschleunigung des
Suchverfahrens aber nicht gehen.
Wolfgang Ehmke hält genau das für „kaum vorstellbar“. Er befürchtet, dass
bei einer Zusammenlegung der ober- und untertägigen Erkundung
Klagemöglichkeiten wegschmelzen: „Wir haben auch große Zweifel, ob bei
beispielsweise der Erkundung eines Salzstocks auf ein Bergwerk verzichtet
werden kann. Jahrzehntelang wurde uns gepredigt, das sei nötig.“
Aus Sicht von Ehmke und seinen Mitstreiter:innen greift die Suche nach
einem Endlager für den hoch radioaktiven Atommüll ohnehin viel zu kurz.
Denn in Deutschland fallen auch mehrere Hunderttausend Tonnen schwach und
mittel radioaktive Abfälle an. Sie stammen vor allem aus dem Betrieb und
Abriss von Atomkraftwerken, zum Teil aber auch aus Medizin und Forschung.
Später sollen sie in das ehemalige Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in
Salzgitter gebracht werden, das die BGE derzeit zum nationalen Endlager für
diese Kategorie Atommüll umbaut.
Die Inbetriebnahme von Schacht Konrad war ursprünglich für 2013 geplant.
Mittlerweile geht BGE-Chefin Graffunder von Anfang der 2030er-Jahre aus.
Möglicherweise muss das Vorhaben auch ganz aufgegeben werden, denn beim
Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht sind noch Klagen von
Umweltverbänden gegen den Planfeststellungsbeschluss von 2002 anhängig.
## Schacht Konrad zu klein
Dazu kommt: Schacht Konrad ist nur für bis zu 303.000 Kubikmeter Atommüll
genehmigt. Das Volumen der Abfälle wird sich aber auf rund das Doppelte
belaufen, wie die Bundesregierung einräumt. Unter anderem wäre für die
126.000 Atommüllfässer, die aus dem maroden Bergwerk Asse geborgen werden
sollen, sowie für die Rückstände aus der Urananreicherungsanlage im
westfälischen Gronau, kein Platz im Schacht Konrad.
Und dann gibt es ja noch das Problem mit den 16 Zwischenlagern, in denen
die Castorbehälter mit den abgebrannten AKW-Brennstäben und dem recycelten
Müll aus der Wiederaufbereitung derzeit aufbewahrt werden. Die
Zwischenlager wurden für einen Zeitraum von 40 Jahren genehmigt. Schon 2034
läuft die Betriebserlaubnis für das Gorlebener Lager aus, das unweit des
Bergwerks auf der anderen Seite der Straße liegt und von einer Mauer und
Nato-Draht umgeben ist. Dort strahlen, verteilt auf insgesamt 420
Stellplätze, 113 Castorbehälter mit hoch radioaktiven Abfällen vor sich
hin. Insgesamt befinden sich in den deutschen Zwischenlagern etwa 1.750
Castoren.
Der Betreiber der Anlage, die [4][bundeseigene Gesellschaft für
Zwischenlagerung (BGZ),] hat jetzt das Genehmigungsverfahren für eine
verlängerte Zwischenlagerung in Gorleben eingeläutet und will auch die
Öffentlichkeit beteiligen. Bürger:innen, die ihren Wohnsitz im Landkreis
Lüchow-Dannenberg haben, konnten sich bis zum 18. Januar für die Teilnahme
in einer sogenannten Dialoggruppe bewerben.
„Gegen einen regionalen Dialog zu den Problemen der Zwischenlagerung für
die nächsten 100 Jahre spricht natürlich nichts“, sagt der Sprecher der
Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), Ehmke. „Ein neues
Zwischenlagerkonzept muss allerdings mit tatsächlichen
Mitentscheidungsbefugnissen der Zivilgesellschaft erarbeitet werden.“
Ehmke drängt auf einen nationalen Begleitprozess für die verlängerte
Zwischenlagerung, an dem alle Standortgemeinden und die Initiativen sowie
Umweltverbände beteiligt sind. „Gorleben macht ja nur den Anfang, an allen
anderen Standorten laufen die Genehmigungen sukzessive ebenfalls aus“, sagt
er. Ein Dialog brauche Augenhöhe, das Mindeste sei eine finanzielle
Ausstattung eines Zwischenlagerforums, die Expertise aufseiten der Kommunen
und Zivilgesellschaft ermögliche.
## Lagerstätten und Sicherheit
Der Umweltverband BUND fordert „ein durchdachtes Gesamtkonzept, bei dem
alle Zwischenlagerstandorte einbezogen werden“. Wichtig sei, dass die
Lagerstätten sicherheitstechnisch den Bedingungen einer stark verlängerten
Lagerungsdauer und der aktuellen Bedrohungslage entsprächen, sagt Bernd
Redecker vom BUND-Niedersachsen. „Die Menschen an den
Zwischenlagerstandorten, die über Jahrzehnte im Glauben gelassen wurden,
dass nach 40 Jahren Schluss sei, verdienen es, mit ihren Bedenken und
Erkenntnissen ernst genommen und umfassend beteiligt zu werden.“
Auch das Zuschütten des Bergwerks wollen die Atomgegner:innen weiter
beobachten. Die BI verlangt, dass beim Rückbau des Bergwerks
Naturschutzbelange berücksichtigt werden. „Wir haben vorsorglich der BGE
einen entsprechenden Katalog schützenswerter Flora und Fauna zukommen
lassen“, sagt Ehmke.
Wünschenswert sei außerdem, dass ein Teil der Mauer um das Bergwerk für
immer bleibt. Sie steht derzeit, nach dem bereits erfolgten Abriss der
Überwachungsanlagen, auch noch dort. „Dieser Mauerrest mit den Graffiti,
die von der bewegten Geschichte des Gorleben-Widerstandes zeugen, muss ein
Denkmal für die industriepolitische Fehlentwicklung des letzten
Jahrhunderts werden“, fordert Wolfgang Ehmke. Viele der einst auf den Beton
gesprühten Parolen und zerplatzten Farbbeutel sind längst verblasst.
5 Feb 2026
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genehmigen lassen – und will Bürger mitreden lassen. Gegner sind
skeptisch.