# taz.de -- Atommüllzwischenlager in Gorleben: Bürgerinitiative will keine Beteiligungssimulation
> Die Betreiberin muss sich das Zwischenlager Gorleben über 2034 hinaus
> genehmigen lassen – und will Bürger mitreden lassen. Gegner sind
> skeptisch.
(IMG) Bild: 113 Castorbehälter strahlen hier vor sich hin: 2034 läuft die Betriebserlaubnis für das Zwischenlager Gorleben aus
Behörden und Betreiberin haben, so hat es zumindest den Anschein, aus dem
[1][gescheiterten Endlager-Projekt in Gorleben] gelernt. Statt wie in der
Vergangenheit einen Atommüll-Standort von oben durchzudrücken, wollen sie
nun die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen. Als erster Testlauf soll die
Verlängerung der Betriebserlaubnis für das Zwischenlager von
hochradioaktiven Abfällen in Gorleben dienen. Umweltschützer aber
kritisieren das jetzt gestartete Verfahren als „Beteiligungssimulation“.
Eigentlich sieht das [2][Standortauswahlgesetz] vor, dass bis 2031
feststeht, wo das Atommüllendlager entstehen wird. Tatsächlich aber wird
sich die Suche noch Jahrzehnte hinziehen. Und bis das Endlager dann gebaut
ist und befüllt werden kann, dauert es wohl bis ins nächste Jahrtausend.
Das hat Konsequenzen für die Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle.
Sie müssen viel länger als geplant in den insgesamt 16 oberirdischen Hallen
verwahrt werden – diese stehen an den Standorten der abgeschalteten
Atomkraftwerke sowie in [3][Gorleben (Niedersachsen)], [4][Ahaus
(Nordrhein-Westfalen)] und [5][Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern)].
Diese Zwischenlager wurden allerdings nur für bis zu 40 Jahre genehmigt.
Als erstes wird die Betriebserlaubnis für das Zwischenlager Gorleben
auslaufen – und zwar im Jahr 2034. Dort strahlen, verteilt auf insgesamt
420 Stellplätze, 113 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen vor sich
hin. Insgesamt befinden sich in den deutschen Zwischenlagern etwa 1.750
Castoren.
## Genehmigungsverfahren in Gorleben eingeläutet
Der Betreiber der Anlage, die bundeseigene [6][Gesellschaft für
Zwischenlagerung (BGZ)], hat jetzt das Genehmigungsverfahren für eine
verlängerte Zwischenlagerung in Gorleben eingeläutet und will auch die
Öffentlichkeit beteiligen. Bürger:innen, die ihren Wohnsitz im Landkreis
Lüchow-Dannenberg haben, können sich [7][bis zum 18. Januar 2026 für die
Teilnahme in einer sogenannten Dialoggruppe bewerben]. Sie erhielten eine
fachliche Einordnung und könnten dann den weiteren Prozess mitgestalten,
teilte die BGZ mit.
Geplant sei, dass sich die Gruppe im kommenden Jahr viermal trifft. Sie
soll aus 25 Personen bestehen, darunter Vertreter:innen
zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie von Vereinen und Gruppierungen
in der Region. Weitere acht Personen sollen dazu gelost werden.
In der Dialoggruppe kämen „idealerweiseunterschiedliche Perspektiven
zusammen“, so die BGZ. Ein erstes Treffen ist für den 19. Februar
angekündigt. Außerdem plant die BZG öffentliche Veranstaltungen für alle
Interessierten aus der Region, bei denen ebenfalls Informationen zur
verlängerten Zwischenlagerung im Fokus stehen sollen.
## Bürgerini kritisiert das Verfahren
Diese Einladung zum Dialog hat die örtliche [8][Bürgerinitiative (BI)
Umweltschutz Lüchow-Dannenberg] auf den Plan gerufen. „Gegen einen
regionalen Dialog zu den Problemen der Zwischenlagerung für die nächsten
100 Jahre spricht natürlich nichts“, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke.
Allerdings sei das Timing fragwürdig und das Wort „Beteiligung“
irreführend.
Die Bürgerbeteiligung werde nicht viel bringen wird, fasst Ehmke die Kritik
der BI zusammen: Die Gesellschaft für Zwischenlagerung wolle bis Mitte 2026
die Betriebsverlängerung beantragen, die Treffen der Dialoggruppe seien
jedoch bis Ende des Jahres angesetzt. Die Dialoggruppe bleibe bei dem
Antragsverfahren also praktisch außen vor. Tatsächlich gebe es keinerlei
Mitwirkungs- und Mitspracherechte für die Öffentlichkeit.
„Ein neues Zwischenlagerkonzept muss mit tatsächlichen
Mitentscheidungsbefugnissen der Zivilgesellschaft erarbeitet werden“,
fordert Ehmke stattdessen. Der springende Punkt sei die finanzielle
Ausstattung für Gutachten und für juristischen Beistand einer solchen
Begleitgruppe.
Die BI will sich deshalb nicht für einen Platz in der Dialoggruppe
bewerben. „Sollte unsere fachlichen Anregungen und Fragen von Interesse für
die Dialoggruppe oder die geplanten Veranstaltungen sein, werden wir uns
einer Einladung dennoch nicht verschließen“, sagt Ehmke.
## Sicherheitskonzepte im Fokus der neuen Zwischenlager
In dem neuen Genehmigungsverfahren in Gorleben dürfte es vor allem um
Sicherheitsaspekte gehen. Das Zwischenlager wurde nach einem älteren
Konzept gebaut, [9][von möglichen Drohnenangriffen] und -abstürzen etwa war
damals noch nicht die Rede. Die Außenwände der Lagerhalle sind daher auch
nur etwa 50 Zentimeter dick, die Betondecke der Halle hat eine Dicke von
lediglich 20 Zentimetern. Neuere Zwischenlager wie das in Lubmin weisen
dagegen Wand- und Deckenstärken von deutlich über einem Meter auf.
Im vergangenen Jahr wurde aber mit dem Bau einer zehn Meter hohen
zusätzlichen Schutzmauer um das Zwischenlager begonnen. Ab März 2026 soll
über den Gorlebener Atomanlagen ein von Atomkraftgegnern seit langem
gefordertes [10][Überflugverbot gelten].
1 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Endlagerprojekt-Gorleben-und-die-taz/!5720325
(DIR) [2] https://www.gesetze-im-internet.de/standag_2017/BJNR107410017.html
(DIR) [3] /Rueckbau-der-Atommuelldeponie-Gorleben/!5998898
(DIR) [4] /Castor-Transport-in-NRW/!6109452
(DIR) [5] /Deutschlands-Energie-Gemeinde/!5871912
(DIR) [6] https://bgz.de/
(DIR) [7] https://bgz.de/2025/12/15/beteiligung-zur-verlaengerten-zwischenlagerung-bgz-startet-losverfahren/
(DIR) [8] /Anti-Atom-Aktivist-ueber-Widerstand/!5989321
(DIR) [9] /Drohnen-ueber-Atommuelllager/!6032009
(DIR) [10] https://www.umwelt.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/meyer-endlich-flugverbotszone-uber-atommull-zwischenlager-gorleben-kommt-245955.html
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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