# taz.de -- Urananreicherung: Gronau grundsätzlich atomwaffentauglich
> Im westfälischen Gronau wird Uran für Atomkraftwerke angereichert. Auch
> die Produktion von Uran für Atombomben ist dort zumindest technisch
> möglich.
(IMG) Bild: Und hier sehen Sie die Anreicherungsautoklaven (Archivbild)
Noch kommen sie vereinzelt, aber zu vernehmen sind sie schon, die Rufe nach
einer deutschen Atombewaffnung. Zuletzt forderte etwa Brigadegeneral
[1][Frank Pieper im Stern taktische Atomwaffen] für die Bundeswehr.
Konventionelle Rüstung reiche zur Abschreckung nicht mehr aus. Pieper ist,
immerhin, Direktor Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er
betonte, er äußere sich als Privatperson.
Der Historiker Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte
in Bonn, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Die nukleare Frage ist der Kern
der nationalen Souveränität eines Staates. Auch Deutschland muss sich
dieser Frage stellen“, sagte er, ebenso im Stern. Dort verwies außerdem
Chemiker, Reaktorsicherheitsexperte und Whistleblower Rainer Moormann auf
die technische Machbarkeit. Prinzipiell könne die
[2][Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau] zum
Atombombenbau genutzt werden. [3][Moormann veröffentlichte 2008 eine
kritische Neubewertung der Sicherheit von Kugelhaufenreaktoren] und sorgte
über die Medien und durch Vorträge für die Verbreitung seiner Kritik.
Die Gronauer UAA ging 1985 in Betrieb und ist bundesweit die einzige Fabrik
dieser Art. Betreiber ist das Unternehmen Urenco (Uranium Enrichment
Company), einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich der
Uranreicherung. Urenco gehört zu gleichen Teilen dem britischen Staat, dem
niederländischen Staat und den beiden deutschen Energiekonzernen E.ON und
RWE. Außer in Gronau betreibt der Konzern drei weitere
Urananreicherungsanlagen in Almelo (Niederlande), Capenhurst
(Großbritannien) und Eunice (USA).
## Tausende Zentrifugen
Die Anlagen von Urenco, auch die in Gronau, arbeiten mit dem
Gaszentrifugenverfahren, um den Anteil des spaltbaren Uran-Isotops U-235 zu
erhöhen. Im Natururan ist U-238 mit einem Anteil von 99,3 Prozent das mit
Abstand häufigste Isotop, es ist im Gegensatz zu U-235 nur schwer durch
thermische Neutronen spaltbar. U-235 kommt dagegen nur zu etwa 0,7 Prozent
vor. Für den Betrieb in Atomkraftwerken muss der Anteil von U-235 auf
dreieinhalb bis fünf Prozent erhöht werden.
Erster Schritt in dem Verfahren ist die Umwandlung des festen Urans in
gasförmiges Uranhexafluorid (UF₆). Das geschieht nicht in den UAA, sondern
in speziellen Konversionsanlagen in Frankreich und Nordamerika. In den UAA
wird das Gas durch schnell rotierende Zentrifugen gejagt, dabei werden die
schwereren Uran-238-Isotope an die Außenwand gedrückt, während sich das
leichtere Uran-235 in der Mitte ansammelt.
Da eine einzelne Zentrifuge das Uran nur geringfügig anreichert, werden
Tausende von ihnen in sogenannten Kaskaden hintereinander geschaltet. Mit
derselben, [4][auch von Iran genutzten Technik] und vielen weiteren
Zentrifugen kann Uran hoch angereichert werden, auf 80 oder 90 Prozent
U-235. Damit wäre es atomwaffentauglich.
Das übrige abgereicherte, schwach radioaktive Uran, das in Gronau in großen
Mengen anfällt, wird bislang neben der UAA in großen Containern gelagert.
In der Vergangenheit wurde es auch nach Russland exportiert, wo es nach
Recherchen des [5][Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)]
und russischer Umweltschützer:innen großenteils unter freiem Himmel
aufbewahrt wird. [6][Russland liefert seinerseits angereichertes Uran für
die Brennelementfabrik im niedersächsischen Lingen].
Die Gronauer Anlage verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Der
BBU und andere Initiativen fordern schon seit Langem ihre dauerhafte
Stilllegung: Seit fast 40 Jahren demonstrieren Aktivist:innen jeden
Monat – mit einem Sonntagsspaziergang am Tor der UAA.
5 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.stern.de/politik/braucht-deutschland-atombomben--und-wie-wuerde-das-gehen--37079532.html
(DIR) [2] https://www.atommuellreport.de/daten/detail/uaa-gronau.html
(DIR) [3] https://juser.fz-juelich.de/record/1304/files/Juel_4275_Moormann.pdf
(DIR) [4] /Atomwaffen-des-Irans/!6094455
(DIR) [5] https://www.ausgestrahlt.de/blog/2019/10/08/ist-russland-wieder-unsere-atommuellhalde/
(DIR) [6] /Russisches-Uran-auf-dem-Weg-nach-Lingen/!6099365
## AUTOREN
(DIR) Reimar Paul
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