# taz.de -- Niederlage für Umweltorganisation BUND: Gericht lehnt Eilantrag gegen Castortransport ab
       
       > Ein Gericht macht Weg für Atomtransporte von Jülich nach Ahaus frei.
       > Damit könnten schon nächste Woche radioaktive Brennelemente durch NRW
       > rollen.
       
 (IMG) Bild: Teilnehmer:innen einer Demonstration gegen die geplanten Castortransporte auf einer Brücke über der Autobahn A2
       
       Schon in wenigen Tagen könnten radioaktive Brennelemente aus dem
       Forschungszentrum Jülich mitten durch die Ballungsräume
       Nordrhein-Westfalens ins Zwischenlager Ahaus rollen. „Ich denke, dass es
       nächste oder übernächste Woche losgeht“, so Kerstin Ciesla,
       stellvertretende Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz
       (BUND) in NRW, der taz.
       
       „[1][Trotz jahrelanger Warnungen und Proteste] könnten die Castoren schon
       nächste Woche rollen“, glaubt ebenfalls Matthias Eickhoff vom
       Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Auch ein Sprecher der
       Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), die den
       Abtransport der Brennelemente vorantreibt, sprach auf taz-Anfrage von einem
       Zeitraum von „einigen Wochen“.
       
       Hintergrund ist eine am späten Montagnachmittag bekannt gewordene
       Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Berlin-Brandenburg. Die
       Umweltschützer:innen des BUND waren gezwungen, gegen die
       Castortransportgenehmigung vor Berliner Gerichten vorzugehen – denn die
       Genehmigung erteilt hatte das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen
       Entsorgung (Base), das wiederum dem SPD-geführten Bundesumweltministerium
       untersteht.
       
       Anfang Januar hatte das [2][Verwaltungsgericht Berlin dem BUND
       abgesprochen], überhaupt klageberechtigt zu sein. Diese Entscheidung hat
       das übergeordnete OVG am Montag zwar kassiert. Inhaltlich aber folgte die
       zweite Instanz nicht der Argumentation der Umweltschützer:innen, nach der
       die Transporte gefährlich und nur unzureichend etwa gegen Drohnenangriffe
       gesichert seien: Auch wenn „Teile der Verwaltungsakten unter anderem aus
       Sicherheitsgründen nur geschwärzt zur Verfügung“ gestanden hätten, sei die
       vom Base erteilte Beförderungsgenehmigung „nicht offensichtlich
       rechtswidrig“.
       
       ## Entscheidung ist unanfechtbar
       
       Es sei „nicht ersichtlich, dass die Antragsgegnerin die Gefahr von
       Drohnenangriffen auf die Transporte unterschätzt haben könnte“, beschloss
       das OVG trotz geschwärzter Genehmigungsunterlagen. Die Entscheidung sei
       „unanfechtbar“.
       
       „Wir sind fassungslos“, sagt BUND-Landesvize Ciesla. „Trotz Zweifel in
       Sicherheitsfragen sollen nun hoch radioaktive Transporte quer durchs Land
       rollen.“ Die OVG-Entscheidung sei „aus der Zeit gefallen“, findet auch
       Helge Bauer von der Antiatomorganisation ausgestrahlt: „Der Aufruf Irans zu
       Vergeltungsschlägen in europäischen Staaten betrifft auch die geplanten
       Castortransporte.“
       
       SPD und Linkspartei in Nordrhein-Westfalen kritisieren die anstehenden
       Transporte. Die schwarz-grüne Landesregierung verstoße gegen ihren eigenen
       Koalitionsvertrag, der die „Minimierung von Atomtransporten“ versprochen
       habe, sagt der energiepolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, André
       Stinka. „Ich bleibe dabei: Spätestens wenn der erste Castor rollt, ist der
       Rücktritt der für die Atomaufsicht zuständigen grünen
       Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur überfällig“, sagt auch Hubertus
       Zdebel, atompolitischer Sprecher der Linkspartei in NRW.
       
       ## Auch Landesregierung hat Bedenken
       
       Auch in der NRW-Landesregierung selbst wachsen offenbar die Bedenken gegen
       die Transporte: „Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden
       Castortransporte gerne verzichten“, teilt NRW-Innenminister Herbert Reul
       der taz mit. Die Polizei werde aber „ihren Job machen und diesen Einsatz
       professionell begleiten“. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei
       (GdP) in Nordrhein-Westfalen, Patrick Schlüter, [3][nennt die Transporte
       dagegen schlicht „Wahnsinn“] mit „Folgen für die Sicherheit im Land“.
       
       Wie die Linkspartei und Teile von SPD und Grünen rufen Antiatominitiativen,
       Klimagruppen und Kirchen deshalb für kommenden [4][Samstag um 11.30 Uhr zu
       einer Anticastordemonstration] vor dem Rathaus in Ahaus auf. Am
       darauffolgenden Montag soll Innenminister Reul, der dann in Ahaus zu Gast
       ist, mit einer Mahnwache an seine Verantwortung erinnert werden.
       
       3 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /BUND-ueber-Atommuell-Fahrten-durch-NRW/!5980047
 (DIR) [2] /Atommuell-Tourismus-in-NRW/!6146172
 (DIR) [3] /Heftige-Kritik-an-Castor-Transporten/!6102761
 (DIR) [4] https://www.bi-ahaus.de/images/stories/2026/Demo-Aufruf-Ahaus-070326.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Wyputta
       
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