# taz.de -- IG Metall: Gewerkschaft droht mit gefüllter Streikkasse
       
       > Die schwache Konjunktur macht nicht vor Deutschlands größter
       > Einzelgewerkschaft halt: Die IG Metall verliert Mitglieder, gibt sich
       > aber kämpferisch.
       
 (IMG) Bild: „Aber wenn wir eines können als IG Metall, dann ist das kämpfen“, sagt Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall
       
       Angesichts der anhaltend schwierigen Situation der deutschen Wirtschaft
       ruft die IG Metall zu einer „Initiative für Arbeit und Aufschwung“ auf. Die
       Gewerkschaft fordere die Arbeitgeber „nachdrücklich auf, die
       Deindustrialisierung dieses Landes zu stoppen und in die Zukunft zu
       investieren“, sagte die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner am Montag.
       Sie erwarte von ihnen „ein klares Bekenntnis gegen Verlagerungen,
       Standortschließungen und Kündigungen, und zwar umgehend“.
       
       Auf der Jahrespressekonferenz der IG Metall in Frankfurt am Main verwies
       Benner darauf, dass die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie
       als Reaktion auf die Krise bereits auf Milliardenbeträge verzichtet hätten.
       Im Gegenzug sei es gelungen, Zehntausende Arbeitsplätze zu sichern und
       Investitionszusagen für deutsche Standorte zu vereinbaren. „Jetzt sind die
       Arbeitgeber dran“, sagte die IG-Metall-Chefin. Es bräuchte „Mut im Wandel
       statt immer mehr Verunsicherung“. Die Chancen für Produktivitätssteigerung
       und neue Geschäftsmodelle seien da.
       
       Die Beschäftigten seien frustriert, wenn ihnen in der politischen Debatte
       vorgeworfen werde, [1][sie seien zu faul und zu krank], sagte Benner mit
       Blick auf Diskussionen um Teilzeit oder Krankenstand. Arbeitnehmer stünden
       „unangemessen unter Druck“. So sei die IG Metall zwar bereit, die Ursachen
       für hohe Krankenstände auf betrieblicher Ebene gemeinsam zu analysieren und
       Gegenmaßnahmen zu entwickeln. „Aber Beschäftigte unter Generalverdacht zu
       stellen, ist unanständig“, so Benner.
       
       Mit Faulheitsvorwürfen und Forderungen nach unbezahlten Karenztagen lenkten
       die Unternehmen und die Politik nach Auffassung der Gewerkschaft von den
       eigentlichen Problemen ab. Zu dem [2][Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels],
       das Recht auf Teilzeit abzuschaffen, sagte Benner, das sei eine „absurde
       Debatte“, über die sie „entsetzt“ sei. Es helfe der Wirtschaft nicht, „wenn
       die Geisterfahrer der Wirtschaftsunion Teilzeitbeschäftigte in Misskredit
       bringen“.
       
       ## IG Metall zeigt sich konfliktbereit
       
       In den Betrieben herrsche eine [3][„echt schwierige Stimmung“] und eine
       [4][hohe Konfliktbereitschaft], sagte Benner. Sollte der industrielle
       Kahlschlag nicht aufhören, würde die IG Metall auch tatsächlich auf
       Konflikt schalten. „Aber wenn wir eines können als IG Metall, dann ist das
       kämpfen“, zeigte sie sich selbstbewusst.
       
       Nach ihrer Vorstellung sollen Politik, Arbeitgeber und Gewerkschaften mit
       Vereinbarungen auf Länderebene eine gemeinsame Initiative „auf Augenhöhe“
       starten, die Beschäftigungssicherung mit Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz
       und Wohlstand verbindet. Es gelte, in der von externen Faktoren wie dem
       globalen Handelskrieg verursachten Krise Standorte zu sichern.
       
       Von der Bundesregierung forderte Benner, wettbewerbsfähige Energiepreise
       sicherzustellen. Die bisherigen Pläne von Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche (CDU) reichten dazu nicht aus. Die Entlastung läge nur im
       einstelligen Prozentbereich. Damit würde der Strompreis für die
       energieintensive Industrie nicht wettbewerbsfähig.
       
       Außerdem müsse die Bundesregierung sicherstellen, dass die 500 Milliarden
       Euro aus dem schuldenfinanzierten „Sondervermögen für Infrastruktur und
       Klimaneutralität“ in die heimischen Wertschöpfungsketten fließen. Darüber
       hinaus müsse für öffentliche Aufträge ein lokaler Wertschöpfungsanteil
       Pflicht werden, wobei Unternehmen mit Tarifbindung bevorzugt werden
       sollten. Generell sollte gelten: „Wer hier in Europa verkaufen will, muss
       auch hier in Europa produzieren“, so Benner.
       
       ## Mitgliederzahl sinkt auf historischen Tiefstand
       
       Das gelte auch für [5][die deutschen Autohersteller]. Es könne nicht sein,
       wie beim Automobil, aber auch der Bahntechnik oder der Windkraft, von
       staatlicher Unterstützung zu profitieren, aber trotzdem möglichst billig
       und ohne Vorgaben wo auch immer auf der Welt einkaufen zu wollen. Auch
       dürfe es eine Förderung für außereuropäische Unternehmen nur noch geben,
       „wenn Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland und in Europa
       gesichert oder geschaffen werden“.
       
       Benner berichtete, dass im vergangenen Jahr in den von der IG Metall
       vertretenen Branchen mehr als 140.000 Arbeitsplätze verloren gegangen
       seien. Das habe sich auch auf die Mitgliederzahl der Gewerkschaft
       niedergeschlagen, die trotz rund 93.000 Neuaufnahmen ⁠um 3,9 Prozent
       gegenüber dem Vorjahr gesunken ist. Damit sind jetzt noch ‌knapp 2,02
       Millionen Menschen in Deutschlands größter Einzelgewerkschaft organisiert –
       ein historischer Tiefstand. Rund 182.000 Mitglieder sind unter 27 Jahren,
       der Frauenanteil liegt bei 18,3 Prozent.
       
       An Mitgliedsbeiträgen nahm die IG Metall im vergangenen Jahr 648 Millionen
       Euro ein – dank gestiegener Verdienste der Beschäftigten eine neue
       Rekordeinnahme. „Unsere Streikkasse ist ordentlich gefüllt“, sagte die
       Tarifvorständin und Hauptkassiererin Nadine Boguslawski. In die diesjährige
       Tarifrunde für die 3,8 Millionen Beschäftigten der Metall- und
       Elektroindustrie gehe die IG Metall „entschlossen, selbstbewusst und mit
       großer Beteiligung der Beschäftigten“. Eine Nullrunde oder pauschale
       Eingriffe in die Entgelte lehnte sie ab, warnte Boguslawski: „Wenn wir uns
       mit den Arbeitgebern nicht einigen können, gehen wir in den Streik.“
       
       26 Jan 2026
       
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