# taz.de -- Boris Lochthofen zurück beim MDR: Neuer Direktor mit schwierigen Aufgaben
> Zurück in der Anstalt muss der neue Programmdirektor Boris Lochthofen vor
> allem eins machen: den MDR und die Öffentlich-Rechtlichen gegen die AfD
> verteidigen.
(IMG) Bild: Leipzig am 26. Januar: Hier schippen die MDR-Direktoren den Schnee noch selbst
Der Winter hat den MDR im Griff. Das merkt am Montag auch der Rundfunkrat
des Senders. Einige Mitglieder schaffen es wegen Verkehrsproblemen erst gar
nicht zur Sitzung nach Leipzig. Und weil der zuständige Betriebsdirektor
Ulrich Liebenow Urlaub hat, war auch das MDR-Gelände am Vormittag nur mäßig
vom Schnee geräumt.
Nun ist die Vorstellung eines schneeschiebenden Anstaltsdirektors so lustig
wie abwegig, passt aber zu den Herausforderungen eines anderen
MDR-Direktors. Der wird an diesem Montag frisch gewählt, ist aber ein alter
Bekannter und heißt Boris Lochthofen.
Er soll künftig die beiden MDR-Standorte in Halle und Leipzig gemeinsam als
Programmdirektor führen, was schon spannend genug wird. Überhaupt ist diese
Aufteilung ein Anachronismus aus alter Zeit, als Hörfunk (Halle) und
Fernsehen (Leipzig) noch ein mediales Eigenleben führten. Der MDR ist
längst crossmedial aufgestellt, aber weil der Standort Halle im
Staatsvertrag steht, bleibt es eben dabei. Jetzt gibt’s immerhin einen
gemeinsamen Chef.
Dass Lochthofen überhaupt antritt, ist sowieso ein kleines Weihnachtswunder
ganz nach MDR-Geschmack, wenn auch ohne Bach. Schließlich kennt er den
Laden mehr als gut. Von 2016 bis 2023 war er schon mal Direktor des
MDR-Landesfunkhauses Erfurt und wollte eigentlich Intendant werden. Doch
weil einige sehr Übriggebliebene in den MDR-Gremien Lochthofen als Linken
anstrichen, wurde das nichts.
## Verteidigung gegen rechts
Jetzt gibt Lochthofen seinen gutdotierten Job in der freien
Medienwirtschaft auf und geht zurück in die Anstalt. Natürlich verdient er
auch da als Direktor kein schlechtes Geld. Doch es geht um etwas
Wichtigeres.
Denn platt gesagt, darf/muss/soll Boris Lochthofen den MDR nun ganz direkt
gegen die AfD verteidigen. Die Partei liegt nicht nur bei den Umfragen zur
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Herbst vorne. Sie will den
MDR-Staatsvertrag und alle Verträge der Öffentlich-Rechtlichen kündigen und
den Rund- zu einem ihr genehmen Heimatfunk kleinschleifen.
Es geht aber nicht nur um die AfD oder nur um den MDR. [1][Auch die CDU in
Sachsen-Anhalt und Sachsen] gibt sich aktuell viel Mühe, die
öffentlich-rechtliche Idee mit ihrem Beitrags-Starrsinn vor die Wand zu
fahren. Damit erledigt sie das Geschäft der AfD gleich mit. Und gefährdet
so das gesamte System von ARD, ZDF und Deutschlandradio.
Was bitte nicht bedeutet, dass die Reform der Öffentlich-Rechtlichen keinen
Sinn macht. Ganz im Gegenteil, sie muss weitergehen und Anstalten wie
Gremien und der Medienpolitik noch jede Menge Sprünge über den eigenen
Schatten abverlangen.
Auch hier kann Lochthofen mit seiner (sowohl Privatwirtschaft als auch ÖRR)
Erfahrung dem Laden gerade auf diese Sprünge helfen. Und wenn nächsten
Winter die MDR-Direktoren in Halle wie Leipzig selbst Schnee schieben, ist
das Lean-Management perfekt. „Ach wie schön und zweckmäßig, eine
gemeinschaftsbildende Maßnahme, die auch die Unternehmenskultur fördert“,
meint die Mitbewohnerin.
26 Jan 2026
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(DIR) Steffen Grimberg
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