# taz.de -- Öffentlich-rechtlicher Rundfunk: Alle reden vom Wetter
> Das deutsche Fernsehen wird zum Dauerwetterbericht und alle schauen zu.
> Gut so, schließlich hat, was draußen passiert, auch mit dem Klimawandel
> zu tun.
(IMG) Bild: Das wetter: Ein Schneemann
Es wird ja immer wieder gern über die Macht der Medien spekuliert. Doch die
ist kalter Kaffee im Vergleich zu dem, was wirklich Macht über uns hat.
Nein, nicht „Markus Lanz“, auch wenn da gerade mal wieder ein
[1][Ministerpräsident in der Wortwahl] (Zensur!) danebenlag und ihn jetzt
ein Schneesturm umtost. Es geht natürlich ums Wetter.
Gefühlt war das deutsche Fernsehen der letzten Tage ja ein einziger
Wetterbericht. Mit so vielen Hochs und Tiefs, dass eine differenzierte
Betrachtung nach Hagel, Schnee und Graupelschauer hier den Rahmen sprengen
würde. Immerhin schält sich ein neues Sub-Genre in der Berichterstattung
raus. Es heißt „Menschen, die auf DB-Anzeigen starren“, weil der alte
Bahn-Slogan „[2][Alle reden vom Wetter. Wir nicht]“ leider so gar nicht
mehr gilt.
Medial ist der Ansatz „Alle reden nur noch vom Wetter“ ja auch viel
erfolgreicher. Das galt vor allem trimedial auf allen Ausspielwegen im
Rundfunk und besonders für die ARD-Dritten. Die Kolleg*innen von DWDL
haben errechnet, dass der NDR in Mecklenburg-Vorpommern mit seinen
wetterbetonten Nachrichten quotenmäßig teilweise sogar an der
50-Prozent-Hürde kratzte.
Nun hat der Norden ja auch das meiste abbekommen, wovon auch die
Teilnehmer*innen einer [3][Tagung zur Zukunft der
Öffentlich-Rechtlichen in der Evangelischen Akadamie Loccum] ein Winterlied
singen können.
## Einfach drüber?
Hier machte der Winter der Medienpolitik gleich mehrfach zu schaffen. Sie
kam nämlich [4][bahntechnisch gar nicht bis Loccum durch] und wurde deshalb
zugeschaltet. Und dann hatte die [5][Finanzierungskommission KEF ja zuvor
eine kleine Lawine losgetreten], weil die Beitragserhöhung jetzt doch nicht
so üppig ausfallen soll. Das hat der Rundfunkkommission der Länder die Füße
weggehauen wie Blitzeis.
Und so wirkten in Kommissions-Koordinatorin Heike Raab (SPD) und
Sachsen-Anhalts Medienpolitikchef Rainer Robra (CDU) auch virtuell so, als
es hätten ihnen KEF-Chef Martin Detzel höchst real Loccum-Schnee in den
Kragen gesteckt. Vor allem Robra war noch frostiger als sonst und erklärte,
die Öffentlich-Rechtlichen würden eh viel zu viel Programm machen, über 383
Stunden im Jahr wären einfach drüber.
Wie die Wetter-Berichterstattung zeigt, sind sie das aber nicht. Denn das
da draußen hat etwas mit dem Klimawandel zu tun, was durchaus in der
aktuellen Berichterstattung auftaucht(e). Vielleicht führt das bei der ARD
sogar dazu, dass sie sich bei dem ganzen Eis und Schnee ein bisschen
stärker für „[6][Klima vor 8]“ erwärmen können. Für diese tägliche
Bewusstseinsspritze, die vor der „tagesschau“ laufen soll, könnte sich
Robra eher mal aufregen. Zumal sie ja nur drei bis fünf Minuten dauern soll
und die Medienpolitik dem Rundfunk eh nicht zu sagen hat, was er genau wie
lang senden soll.
„Egal wie’s Wetter wird, die Kolumne muss dennoch sitzen, und der
Journalist darf die Leute nicht nur so dünn berieseln wollen“, sagt die
Mitbewohnerin. Und weil eine Zensur nicht stattfindet, bleibt der Satz
drin.
Anmerkung der Redaktion: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat 383 Stunden
Sendezeit pro Tag im Jahr 2024 ausgestrahlt und nicht 8.000 Minuten im
Jahr, wie fälschlich zitiert wurde. Wir bitten, das zu entschuldigen.
13 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.newsroom.de/news/aktuelle-meldungen/pressefreiheit-14/wenn-politik-medien-zu-gegnern-erklaert-streit-um-pressefreiheit-nach-guenther-auftritt-976692/
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=ilhO7ocqPKk
(DIR) [3] https://www.loccum.de/tagungen/2604/
(DIR) [4] /Sturmtief-Elli-zieht-Richtung-Sueden/!6144570
(DIR) [5] https://www.deutschlandfunk.de/kef-senkt-empfehlung-fuer-erhoehung-des-rundfunkbeitrags-100.html
(DIR) [6] https://klimavoracht.de/
## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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