# taz.de -- Jörg Wagners Abschied vom RBB: Abgang in die Medienhölle
       
       > Jörg Wagners „Medienmagazin“ beim RBB ist Geschichte, auch wenn die
       > Sendung weiterläuft – und Wagner erst recht weitermacht! Nur eben
       > anderswo.
       
 (IMG) Bild: Jörg Wagner: „Medienhölle“ heißt sein neuer Podcast, der kommenden Samstag an den Start geht
       
       Das Schöne an Nachrufen zu Lebzeiten ist ja, dass die Delinquent*innen
       alles mitbekommen. Dass so etwas auch umgekehrt funktioniert, hat [1][Jörg
       Wagner] am Samstag noch mal mit seinem [2][„Medienmagazin“ auf radioeins]
       bewiesen.
       
       „Be zu Le – Bestattungen schon zu Lebzeiten“ hatten sie bei [3][DT64]
       geworben, als das DDR-Jugendradio einen Tag mit bescheuerter Werbung
       privater Rundfunk spielte. Mit diesem Werbeblock eröffnete am Samstag das
       letzte „Medienmagazin“ von und mit Jörg, dessen Radiokarriere bei DT64
       begann.
       
       Für die Abschiedsvorstellung vor Publikum hatte der RBB der Sendung seine
       Dachlounge geöffnet. Genauer gesagt die RBB Media, also die Werbetochter
       des Senders, und nicht etwa seine Intendantin. Das machte Jörg in gewohnter
       Deutlichkeit klar.
       
       Und dazu passte auch der hübsche kleine Schienenbeintritt mit den
       Bestattungen zu Lebzeiten. Denn der 66-jährige Moderator tritt ja nicht
       freiwillig ab, sondern wird vom RBB in den Ruhestand geschickt. Genau wie
       ein paar andere radioeins-Aushängeschilder, die Jörg zu dieser vorfristigen
       Gruppenbeerdigung eingeladen hatte. Weil sie wie er nun aus Altersgründen
       nicht mehr weitermachen dürfen.
       
       ## Heimliche Senderikone
       
       Die RBB-Chefetage hat für derlei Sepulkralkultur nichts übrig, jedenfalls
       glänzte sie bis auf Kommunikationschef Justus Demmer durch Abwesenheit. Was
       Jörg aber Hupe sein konnte, es waren ja sonst alle da, vom
       Ex-Business-Insider-Chef über den BDZV bis zum Senderurgestein Uli Zelle.
       Der hatte im Sommer mit zarten 73 ebenfalls erfahren, dass er zwar die
       heimliche Senderikone war, aber leider eben zu alt. Wie gut, dass der
       Sandmann kein Mensch ist.
       
       Der RBB bleibt sich mit seiner Politik treu, im Sparwahn auch gleich mal
       das audiovisuelle Tafelsilber aus dem 13. Stock der Masurenallee zu werfen
       und dafür bestimmt demnächst ein paar Berater*innen für Markenbildung
       anzuheuern. Dazu passt auch, dass das „Medienmagazin“ weitergeht, aber mit
       weniger Sendungen als zuvor. Es läuft auch nicht mehr live, was offiziell
       am familienfreundlichen Arbeiten für die neue Moderatorin Teresa Sickert
       liegt. Aber dem RBB die Sicherheit gibt, zur Not reingrätschen zu können.
       „Das nennt man dann öffentlich-rechtlich komponieren“, sagte die
       Mitbewohnerin.
       
       Auch bei Jörg wurde unter Ulrike Demmer n[4][achträglich gelöscht,] sein
       Podcast zur Sendung wird nochmal redaktionell abgenommen. Passt wie Arsch
       auf Eimer zu einem Laden, in dem dafür der Chefredakteur nicht für so etwas
       zuständig war, wie sich beim Fall des Grünen-Politikers Stefan Gelbhaar
       zeigte. Der war Samstag übrigens auch da. Ex-RBB-Chefredakteur David
       Biesinger, der sich auf einen anderen Leitungsposten retten konnte, dagegen
       nicht.
       
       Souveränität sieht anders aus. Nämlich so wie bei Jörg, der seine
       Leidenschaft fürs Radio und den Medienjournalismus jetzt eben mitnimmt. In
       die „[5][Medienhölle“,] wohin es den zu Lebzeiten abservierten ganz
       freiwillig zieht.
       
       So heißt sein neuer Podcast, in dem er sich mit Philipp Nitzsche ab sofort
       weiter um die Medien kümmert. An diesem Samstag geht’s los. Da fällt das
       RBB-„Medienmagazin“ auf radioeins nämlich schon mal aus.
       
       30 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Zum-Abschied-des-Moderators-Joerg-Wagner/!6140673
 (DIR) [2] https://www.radioeins.de/programm/sendungen/medienmagazin/
 (DIR) [3] /60-Jahre-DDR-Jugendsender-DT64/!6053940
 (DIR) [4] https://medien.epd.de/article/4115
 (DIR) [5] https://uebermedien.de/112249/es-braucht-immer-jemanden-der-dich-beschuetzt-und-gute-argumente-hat-zu-sagen-lass-mal-den-wagner-machen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
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