# taz.de -- Bayrischer Rundfunk: Extrawurst-Gesetz à la Bavaria
> Was Markus Söder unter Medienfreiheit versteht, riecht stark nach
> Eigenbraterei. Thüringen zeigt derweil: Es geht auch ohne Wurstigkeit.
(IMG) Bild: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nimmt im Februar als „Braveheart“ an einer Livesendung des Bayerischen Rundfunks teil
Der Freistaat Bayern geht gern seine eigenen Wege, vor allem seit sein
Ministerpräsident [1][Markus Söder] heißt. Dessen Lieblingstier ist
bekanntermaßen die [2][Wurst], auch Söders Politik hat eine ganz eigene
populistische Wurstigkeit.
Die zeigt sich nun ebenfalls bei der geplanten Neufassung des Gesetztes
über den Bayerischen Rundfunk (BR), bei der sich Bayern wieder eine
Extrawurst brät. Der Entwurf bekam letzte Woche den Segen des Kabinetts aus
[3][CSU] und Freie Wählern und soll den Auftrag des BR ein bisschen genauer
fassen. Um nicht zu sagen, den BR bei der Erfüllung seines Auftrags
politisch einhegen.
„Es wird präzisiert, dass der BR keine politischen oder gesellschaftlichen
Gestaltungsziele verfolgen darf, um damit konkrete Verhaltensänderungen
oder politische Entscheidungen herbeizuführen“, heißt es da.
Nun ist die Erhaltung der Demokratie ja auch so ein „gesellschaftliches
Gestaltungsziel“. Und der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist eigentlich
verpflichtet, diesem zu dienen, was beispielsweise auch der ARD-Vorsitzende
Florian Hager immer wieder betont.
Gilt das demnächst in Bayern nicht mehr? Natürlich soll der ÖRR nicht
einseitig für politische Richtungen oder Parteien trommeln. Wobei es lustig
ist, dass das jetzt ausgerechnet beim BR nochmal überdeutlich ins Stammbuch
geschrieben werden soll. Wenn es bislang eine gewisse Nähe zwischen einer
ARD-Anstalt und einer Regierungspartei gab, dann doch in Bayern. Zumindest
galt das, solange die CSU noch allein regierte.
Der Passus mit den „konkrete Verhaltensänderungen“ liest sich dabei wie
eine Einladung an AfD & Co, demnächst bei jeder pointierten Aussage im
Programm dem BR einen Verstoß gegen seine Grundsätze vorzuwerfen. Söder
schießt sich mit diesem gesellschaftspolitischen Gestaltungsspiel obendrein
selbst ins Knie. Für seine Pro-Würstel-Kampagnen ist dann nämlich auch kein
Platz mehr im BR, ätsch!
## Thüringen macht's besser
Und so gilt für Markus Söder mal wieder der gute alte Glückskeksspruch
„Lerne zu schweigen, und du merkst, dass du viel zu viel geredet hast.“
Dass es auch unter Unionspolitiker*innen anders geht, zeigt gerade
Thüringens Medienminister Stefan Gruhner (CDU). Anders als viele seiner
Parteikollegen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt gefällt sich Gruhner nicht in
billigem ÖRR-Bashing oder Beitragspopulismus. Sondern sagte bei der
Einführung des neuen Medienrats für ARD, ZDF und Deutschlandradio in Weimar
Sätze wie: „Die Kritik am öffentlich-rechtlichen System ist an vielen
Stellen völlig überzogen.“ Gerade die Politik müsse immer wieder
unterstreichen, „dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk eine wichtige
Säule unserer Demokratie ist“, und „wir alle aufgerufen sind, ihn zu
verteidigen“.
„Genau, alle, egal ob Fleisch- oder Veggie-Wurst-Verfressene“, sagt die
Mitbewohnerin. „Da gilt der zweite Glückskeksspruch: Alle Achtung, Sie
zeigen Zivilcourage.“
17 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Steffen Grimberg
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