# taz.de -- Nach Einsatz von V-Mann bei der IL: Anschlag gegen Bremer Verfassungsschutz-Chef
> Das Haus von VS-Chef Thorge Koehler wurde mit Farbe beworfen. Zuvor hatte
> der Geheimdienst offenbar acht Jahre einen V-Mann eingesetzt.
(IMG) Bild: Erlebte einen Farbanschlag auf sein Privathaus: Bremens Verfassungsschutzchef Thorge Koehler
Unbekannte haben in der Nacht auf Samstag einen Farbanschlag auf das
Wohnhaus des Leiters des Bremer Verfassungsschutzes verübt. Sie hätten mit
Farbe gefüllte Christbaumkugeln gegen die Hauswand geworfen, teilte die
Polizei am Samstag mit. Außerdem wurden an einem in der Nähe abgestellten
Auto die Scheiben eingeschlagen und Reifen zerstochen. Das Auto gehörte
nicht Verfassungsschutzchef Thorge Koehler, sondern einer Nachbarsfamilie.
Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.
Die Pressestelle der Polizei ergänzt ihre Mitteilung um eine Einordnung der
Bremer Innensenatorin. Eva Högl (SPD) verurteilte die Tat demnach als
„absolute Grenzüberschreitung.“ Der Angriff stehe „vermutlich mit der
vermeintlichen Enttarnung einer V-Person in der linksextremistischen Szene
in Zusammenhang“, wird Högl zitiert. Tatsächlich gibt es auf dem Portal
tumulte.org seit Samstag ein Bekennerschreiben, in dem der „Hausbesuch“ mit
dem Einsatz eines V-Manns begründet wird.
Anfang Januar hatte die Interventionistische Linke in Bremen nach eigenen
Angaben einen V-Mann des Verfassungsschutzes [1][in ihren Reihen enttarnt.]
Vergangenen Freitag wandte sich die IL über Indymedia selbst mit einem
längeren Statement an die Öffentlichkeit. Laut IL hatte Dilan S. die Gruppe
seit 2017 für den Verfassungsschutz beobachtet; er habe enge Freundschaften
und Liebesbeziehungen zu Mitgliedern der IL gepflegt. Während einer
Krankheit hätten Aktivist*innen sich um ihn gekümmert.
Die IL versucht in ihrer Mitteilung aufzuzeigen, dass der Verfassungsschutz
D. S. auch nach eigenen Maßstäben nicht hätte einsetzen dürfen. Schließlich
sei er – unter anderem wegen Angststörungen – psychisch labil und
finanziell wohl von den Zahlungen des Verfassungsschutzes abhängig gewesen.
Die Linken-Fraktion Bremen forderte nach Veröffentlichung des Statements
ein Ende des Einsatzes von V-Leuten. Sollten die Schilderungen der IL
zutreffen, sei „davon auszugehen, dass der Verfassungsschutz massiv die
Grundrechte der Betroffenen verletzt hat“. Der Aufbau von Freundschaften
und Liebesbeziehungen sowie die finanzielle Abhängigkeit des V-Manns vom
Geheimdienst sei spätestens seit dem [2][Urteil des
Bundesverfassungsgerichtes von 2022 eindeutig rechtswidrig], so
Fraktionssprecher Nelson Janßen. Es sei am Verfassungsschutz nachzuweisen,
dass die Vorwürfe nicht zutreffen.
Der Anschlag wurde schon am Samstag von mehreren politischen Fraktionen
verurteilt. Die Bürgerschaftsfraktion der Grünen etwa wünschte
Verfassungsschutzleiter Koehler und seiner Familie „viel Kraft“. Die
CDU-Opposition nahm in ihrer Stellungnahme die Partei Die Linke in die
Verantwortung: Deren Senatorinnen, Landessprecher und Fraktionsvorsitzenden
müssten „klar sagen, wo sie stehen“, forderte die Fraktionsvorsitzende
Wiebke Winter ein.
## Die Linke distanziert sich – und kritisiert den Geheimdienst
Das taten Politiker*innen der Linken; noch am Samstag erschienen auf
Social Media Distanzierungen. „Das ist eine Aktion, für die ich keinerlei
Akzeptanz aufbringe“, so der Fraktionsvorsitzende Janßen auch gegenüber der
taz. „Es ist wirklich krass, dass hier ein Anschlag auf das private Umfeld
verübt wird.“ Verfassungsschutzchef Koehler habe er auch persönlich sofort
sein Mitgefühl ausgesprochen.
Seine Kritik am Verfassungsschutz hält Janßen aufrecht. „Der Angriff ändert
ja nichts an der Frage, ob der Einsatz von V-Leuten legitim sein kann.“ Die
SPD-Innensenatorin bewertet das offenbar anders. „Der Angriff zeigt
überdeutlich, dass gewalttätige Extremisten völlig zu Recht in Bremen
intensiv beobachtet werden und im Fokus der Sicherheitsbehörden stehen“,
wird Högl in der Pressemitteilung der Polizei zitiert.
In dem Bekennerschreiben für den Anschlag auf Koehler grenzen sich die
Verfasser*innen übrigens von der IL ab: „Die IL […] nennt verschiedene
Gesetze, die gebrochen wurden“, heißt es dort. „Dies interessiert uns
nicht. Wir wollen den Verfassungsschutz abschaffen unabhängig davon, ob er
sich an seine eigenen Regeln hält.“
25 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lotta Drügemöller
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