# taz.de -- Üppige Belohnung ausgelobt: 25.000 Tacken für einen Farbbeutelwerfer
> Der Bremer Staatsanwaltschaft will wissen, wer das Haus des Chefs vom
> Verfassungsschutz angegriffen hat.
(IMG) Bild: Warf zwar nicht mit Farbbeuteln, schoss aber mit einer Pfefferpistole: der Räuber Hotzenplotz
Man muss sich die Bremer Staatsanwaltschaft als glückliche Behörde
vorstellen. Zumindest, wenn es um die Auslobung von Belohnungen geht, die
zur Ergreifung von Straftätern oder zur Beschaffung von Hinweisen
ausgesetzt werden.
Andere Bundesländer haben umfangreiche Verordnungen, in denen geregelt
wird, wer Belohnungen in welcher Höhe aussetzen darf. In Sachsen etwa darf
der Präsident des Landeskriminalamtes Belohnungen bis zu 12.500 Euro
aussetzen. Alles, was darüber liegt, muss das Justizministerium abnicken.
In Bremen ist das anders. Dort darf die Staatsanwaltschaft von Einzelfall
zu Einzelfall entscheiden und im Einzelfall des [1][Farbanschlages auf das
Wohnhaus des Leiters des Verfassungsschutzes] hat sie gerade eine Belohnung
von 25.000 Euro ausgesetzt.
Dass die Höhe symbolischen Charakter hat, ist offenkundig. „Wir wollen ein
deutliches Signal setzen“, sagt die Sprecherin der Bremer
Staatsanwaltschaft. Es gehe um einen Anschlag auf die private Umgebung des
Verfassungsschutzchefs aus der mutmaßlich linksextremen Szene. Man wolle
„sämtliche Mittel“ ausschöpfen.
## Sehr unterschiedliche Behandlung
25.000 Euro sind ein hoher Betrag für eine Belohnung. Fragt man bei der
Staatsanwaltschaft nach, woher das Geld dafür komme, braucht es ein paar
Amtsschleifen, bis die Staatsanwaltschaft weiß und mitteilen kann, dass das
Geld aus ihrem eigenen Haushalt kommt. Über Unter- und Obergrenzen kann
oder will sie allerdings nichts sagen.
Was sich sagen lässt, ist, dass Fälle dieser Art sehr unterschiedlich
behandelt werden. In Berlin etwa, wo auf das Wohnhaus des
[2][Kultursenators Joe Chialo (CDU)] ein Farbanschlag verübt wurde,
ermittelte zwar der Staatsschutz, von einer ausgesetzten Belohnung ist
hingegen nichts bekannt. Tatsächlich muss man aber gar nicht über die
Landesgrenzen sehen, um auf einen sehr unterschiedlichen Umgang mit
Farbanschlägen aus politischen Gründen zu stoßen.
Anfang Januar hatte es im Bremer Stadtteil Huchting einen offenbar
rassistisch motivierten Anschlag auf ein Restaurant gegeben, bei dem
Fenster eingeschlagen und rechte Symbole hinterlassen wurden. Fast
zeitgleich gab es im Stadtteil Walle mehrere Farbanschläge auf Mitglieder
der Linken und engagierte Bürger*innen; die Täter*innen hatten mit
Lackfarbe gefüllte Weihnachtskugeln auf vier Wohnhäuser geworfen, an denen
anti-rechte Plakate hingen.
Und ein weiteres Mitglied der Linken im Stadtteil hatte schon am Tag vor
Weihnachten eine [3][große Menge brauner Flüssigkeit vor die Haustür
gekippt bekommen], nachdem zuvor rechte Stadtteilpolitiker auf Social Media
rassistische Videos gegen ihn gepostet hatten.
Die Partei Die Linke machte alle sechs Anschläge Mitte Januar öffentlich.
Mehrere Nachbar*innen sollen sich im Anschluss ebenfalls
antifaschistische Plakate in die Fenster gehängt haben, erzählt ein
Betroffener. Eine Solidaritätsbekundung gab es auch von den Grünen.
Die [4][Reaktionen aller anderen politischen Akteure blieben damals jedoch
überschaubar:] Weder die SPD noch die CDU oder die FDP äußerten öffentlich
ihre Betroffenheit. Es gab keine gemeinsame Verurteilung der Angriffe in
der Bürgerschaft. Die Innensenatorin verlor kein öffentliches Wort zu den
Anschlägen. Und die Staatsanwaltschaft?
Die weiß zunächst nicht genau, ob sie nun bei den Anschlägen gegen die
Linken im Januar eine Belohnung ausgelobt hat – „Das ist ja schon ein
bisschen her“. Dann überwindet man sich doch noch zu einer Info: Eine
Belohnung, die gibt es nur für Infos zum Anschlag auf den
[5][Verfassungsschutzchef. „Das ist schließlich ein Angriff auf eine
rechtsstaatliche Institution“], sagt die Sprecherin. „Politisch gefärbt ist
da nichts bei uns.“
10 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Friederike Gräff
(DIR) Lotta Drügemöller
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