# taz.de -- V-Mann in Bremen enttarnt: Linke Aktivist:innen vom Verfassungsschutz bespitzelt
> Ein V-Mann bespitzelte über sieben Jahre lang die Interventionistische
> Linke in Bremen. Die Kriminalisierung von linkem Protest hat System.
(IMG) Bild: Im Blick der Behörden: Antifaschisten
Die Bremer Interventionistische Linke (IL) [1][hat nach eigenen Aussagen
Anfang Januar einen V-Mann enttarnt]. Dieser soll sich seit Ende 2017 alle
zwei bis vier Wochen mit dem Verfassungsschutz getroffen haben. Die IL
versteht sich als „linksradikal und undogmatisch“ und damit als Teil eines
bundesweiten Bündnisses zur Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Auf Anfrage der taz bezeichnet der Verfassungsschutz den Einsatz von
Vertrauenspersonen als „unerlässlich“. Die IL habe ein „taktisches
Verhältnis zu Gewalt“: Auch wenn sie selber nicht gewalttätig sei, vermeide
die Gruppe „ein klares Bekenntnis zur absoluten Gewaltfreiheit“. Teilweise
arbeite sie sogar mit gewalttätigen Akteur*innen zusammen. „Gewalttaten
nimmt sie bei Protesten in Kauf, sie bietet ihnen eine Plattform“, so eine
Sprecherin des Verfassungsschutzes.
Die IL ist vor allem an der Planung großer Aktionen beteiligt. Beispiele
aus dem vergangenen Jahr sind [2][die Proteste gegen den AfD-Parteitag in
Riesa] oder gegen die Gründung der AfD-Parteijugend in Gießen. Bei diesen
Protesten kam es tatsächlich zu Gewalt, [3][diese ging jedoch fast
ausschließlich von Polizeibeamt*innen aus.]
Die Praxis der sogenannten „Vertrauenspersonen“ ist hoch umstritten –
spätestens [4][seit der Aufarbeitung der NSU-Morde], allerspätestens seit
öffentlich wurde, [5][dass der ehemalige Verfassungsschutzchef Hans-Georg
Maaßen nach rechtextremen und verschwörungsideologischen Aussagen selber
als Rechtsextremist geführt wird].
## Angriff auf Persönlichkeitsrechte
Der Einsatz von „Vertrauenspersonen“ wird jedoch auch aufgrund seiner
sozialen Dimension kritisiert: Wenn Informant*innen über Jahre hinweg
Freundschaften aufbauen, politische Beziehungen pflegen und persönliche
Nähe simulieren, [6][entsteht ein massiver Vertrauensbruch, nicht selten
auch ein Angriff auf Persönlichkeitsrechte].
Der enttarnte V-Mann war mehr als sieben Jahre lang in der IL und weiteren
Bremer Politgruppen organisiert. Sieben Jahre wöchentliches Plenum,
gemeinsam diskutieren, streiten, Konsens finden, sieben Jahren
Protestaktionen vorbereiten, auf Demos gehen, gemeinsam wütend, aufgeregt,
traurig, empört, erleichtert sein.
Der V-Mann soll in dieser Zeit enge Freundschaften innerhalb der Gruppe
geschlossen, Liebesbeziehungen geführt haben. „Wir sind schockiert,
fassungslos, traurig und wütend über diesen Verrat“, heißt es in einem
Statement der IL.
Der Fall der verdeckten Ermittlerin, die über sechs Jahre lang die Rote
Flora in Hamburg überwacht hatte, hat gezeigt, [7][wie anhaltend
traumatisierend der Einsatz von „Vertrauenspersonen“ für die Betroffenen
sein kann.] [8][Dort konnten Betroffene teilweise erfolgreich klagen.]
Die Veröffentlichung des Bremer Falles kommt zu einer Zeit, in der
bundesweit verstärkt über die Überwachung linker Strukturen und politische
Repression diskutiert wird. [9][In Hamburg müssen zukünftige Beamt*innen
nun unterschreiben, dass sie keinem „Personenzusammenschluss“ angehören,
den der Verfassungsschutzbericht erwähnt.]
Als der Linken-Abgeordnete Deniz Çelik die Pläne des rot-grünen Senats für
eine Regelanfrage kritisierte, [10][wollte ihn das Landesamt für
Verfassungsschutz verklagen]. Bei der Regelanfrage geht es darum, Bewerber
für den öffentlichen Dienst vom Verfassungsschutz abklopfen zu lassen. Die
Klage wurde mittlerweile zurückgezogen.
Fast zeitgleich wurden der Roten Hilfe [11][alle Konten gekündigt].
Regelmäßig wird – [12][nach US-amerikanischem Vorbild] – ein Antifa-Verbot
gefordert. [13][Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz kündigte die
Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) an, in Zukunft noch härter
gegen „die Antifa“ vorgehen zu wollen.]
## Senatorin verweist auf Berliner Anschlag
Dem Neuen Deutschland gegenüber verweist die Bremer Innensenatorin Eva Högl
(SPD) in einer [14][Stellungnahme] zum V-Mann in der Bremer IL ebenfalls
auf den Anschlag auf das Berliner Stromnetz. [15][Es ist nach wie vor
unklar, wer verantwortlich für den Brandanschlag ist.]
Für die Bremer Interventionistische Linke beginnt die Aufarbeitung jetzt
erst. Die Menschen, die mit dem enttarnten V-Mann teilweise über sieben
Jahre lang enge Freundschaften geführt, sich gemeinsam ehrenamtlich gegen
die AfD, den Klimawandel oder globale Ungerechtigkeit engagiert, teilweise
auch mit ihm zusammengelebt haben, sind momentan noch nicht bereit, sich
öffentlich zu dem Fall zu äußern.
18 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Viele-Fragezeichen-rund-um-einen-enttarnten-V-Mann-in-Bremen/!6145196
(DIR) [2] /Protest-gegen-AfD-Parteitag/!6058447
(DIR) [3] /Polizeieinsatz-in-Giessen/!6134956
(DIR) [4] /Nationalsozialistischer-Untergrund-NSU/!t5020499
(DIR) [5] /Nach-Einstufung-vom-Verfassungsschutz/!5989675
(DIR) [6] /Kommentar-Enttarnung-in-Roter-Flora/!5305623
(DIR) [7] /Bis-ins-intimste-Detail-ausspioniert/!5229488
(DIR) [8] /Hamburger-Spitzeleien/!5418531
(DIR) [9] /Hamburger-Senat-fordert-Gewissenspruefung/!6145789
(DIR) [10] /Keine-Klage-gegen-Linken-Abgeordneten/!6137235
(DIR) [11] /Alle-Konten-gekuendigt/!6140903
(DIR) [12] /Aktivistinnen-zu-US-Terrorvorwurf/!6136525
(DIR) [13] /Berliner-Senat-schiesst-gegen-die-Antifa/!6144198
(DIR) [14] https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196808.interventionistische-linke-in-bremen-v-person-des-verfassungsschutzes-soll-oeffentlich-gemacht-werden.html
(DIR) [15] /Siebtes-Schreiben-einer-Vulkangruppe/!6145174
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
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