# taz.de -- Anschläge auf Linke und Migranten: Farbe, Öl und zerbrochene Fenster
> Am Wochenende hat es in Bremen mehrere antilinke und rassistische
> Anschläge gegeben. Ein Fall hat eine Vorgeschichte mit einem bekannten
> Rechten.
(IMG) Bild: Umkämpfter Stadtteil: Protest gegen die AfD im Bremer Stadtteil Walle vor sechs Jahren
In Bremen hat es am Wochenende und in den vergangenen Wochen mehrere
Anschläge auf linke Privatpersonen und Institutionen gegeben. Zwischen
Samstag- und Sonntagabend wurden im Bremer Stadtteil Walle insgesamt vier
Häuser mit Lackfarbe beworfen. Alle waren durch ein antirechtes Plakat an
Haustür oder Fenster von außen zu erkennen. Der Staatsschutz hat
Ermittlungen aufgenommen.
Zu den Vorfällen hat die Partei Die Linke eine Mitteilung herausgegeben –
betroffen sind neben einem Hausprojekt und einem „engagierten Bürger“ auch
ein Mitglied der Linken im Waller Beirat, dem Stadtteilparlament, und zwei
weitere Linken-Mitglieder aus dem Stadtteil.
Die ersten Vorfälle liegen dabei schon länger zurück. Der erste Betroffene
aus Walle war das Linken-Mitglied Ibou, der nur mit Vornamen auftreten
möchte. Er hatte am 23. Dezember eine große Menge brauner Flüssigkeit
bemerkt, die die Haustür hinunter- und bis in die Wohnung hineinlief.
„Altes Motoröl vielleicht“, vermutet er. Anders als bei den anderen nun
betroffenen Linken deutete kein Plakat auf seinen Wohnort hin. Aber: Ibou
ist Schwarz, Teile der rechten Szene hatten ihn offenbar schon vorher ins
Visier genommen.
Bereits im Sommer war Ibou von einem Fahrradfahrer in seiner Straße
konfrontiert und gefilmt worden, das Video landete später unter dem
Schlagwort „Invasive Menschen“ in sozialen Medien; [1][Gerald Höns,
ehemaliges Mitglied des Waller Beirats für die AfD und die Bürger in Wut,
teilte] das Video auf Facebook, bevor Ibou und eine ebenfalls gefilmte
Nachbarin Anzeige erstatteten wegen Beleidigung und der Verletzung des
Rechts am eigenen Bild.
Schluss war damit nicht: Höns und der Urheber des Videos, der einige Jahre
zuvor als „Sachkundiger Bürger“ für die AfD im Beirat gesessen hatte, seien
danach noch wiederholt durch seine Straße gelaufen. „Ich empfinde das als
Versuch, mich einzuschüchtern“, so Ibou. Eine Woche vor dem Vorfall mit der
braunen Flüssigkeit sollen in der Nachbarschaft zwei Männer mit einem Foto
von ihm nach seiner Hausnummer gefahndet haben. Und am 24. Dezember, am Tag
nach dem Anschlag, seien Höns und der Videofilmer durch die Straße gelaufen
und hätten in die Häuser geschaut, sagt Ibou.
„Für uns war es wichtig, die Anzeigen zu stellen“, sagt Ibou. „Sowohl im
Sommer als auch jetzt. So ergibt sich ein Bild für die Polizei.“ Wer auch
immer den Anschlag mit der öligen Flüssigkeit am Ende begangen habe: „Auf
jeden Fall wurde vorher in rechten Kreisen Stimmung gegen mich gemacht.“
Seit Weihnachten sei es in seiner Straße zu keinen weiteren Vorfällen mehr
gekommen. Dafür gab es nun am Wochenende die Farbanschläge auf die
Wohnhäuser von Parteikolleg*innen im Stadtteil. Die aktuell
Betroffenen hatten alle das gleiche -rechte Plakat mit dem Slogan „Bremen
bleibt stabil“ an Türen oder Fenstern aufgehängt. Christbaumkugeln oder
Eier, mit gelber und roter Lackfarbe gefüllt, wurden dabei auf die Häuser
geworfen.
Auch Jörg Tapking, Mitglied im Beirat Walle für Die Linke, ist betroffen.
„Der Farbanschlag auf mein Haus richtet sich nicht nur gegen mich
persönlich, sondern explizit gegen meine antifaschistische Haltung“, sagt
er. Das sei besonders besorgniserregend: „Ich möchte politisch frei agieren
können, ohne Angst vor Repressionen, Bedrohungen oder Gewalt.“
Ob alle Vorfälle zusammenhängen, ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Die
Polizei äußert sich noch nicht dazu – jedenfalls aber ermittelt in allen
Fällen, auch in Bezug auf das auf Facebook verbreitete Video, der
Staatsschutz, der eingesetzt wird, wenn die Polizei politische Motive
vermutet.
## Viel Arbeit für den Staatsschutz
Nelson Janßen, innenpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, fordert
neben der schnellen Aufklärung vor allem, dass die Behörden die Vorfälle
ernst nehmen und als rechte Angriffsserie benennen sollte. „Wir erwarten,
dass der Staatsschutz aus seinen erheblichen Fehlern bei den Ermittlungen
zum Brandanschlag auf die Friese gelernt hat und die alltägliche Bedrohung
durch Rechtsradikale in Bremen wirksam unterbindet“, so Janßen. Nach dem
Brandanschlag auf das linke Jugendzentrum kamen die [2][Behörden erst durch
Hinweise aus der linken Szene auf die rechten Täter.]
Auch am südlichen Ende der Stadt hat es am Wochenende einen Anschlag
gegeben, wenn auch mit anderer Handschrift: In der Nacht von Samstag auf
Sonntag hatten bisher Unbekannte die Scheiben eines Restaurants in Huchting
eingeschlagen und die Außenwände mit Hakenkreuzen, der faschistischen
Code-Nummer 88 sowie einem rassistischen Spruch besprüht. Auch hier hat der
Staatsschutz Ermittlungen aufgenommen.
13 Jan 2026
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(DIR) Lotta Drügemöller
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