# taz.de -- EU-Reaktion auf Trumps Erpressung: Europas Suche nach den richtigen Worten
> Ob Zukunft der Nato, Umgang mit Trump oder Mercosur-Abkommen: Aus Brüssel
> kommen lediglich Absichtserklärungen. Moskau träumt vom Zerfall des
> Westens.
(IMG) Bild: Plenarsitzung des Europäischen Parlaments am Donnerstagabend
In der Stunde des Ringens um den Erhalt der seit dem Zweiten Weltkrieg
geltenden Friedensordnung und der transatlantischen Beziehungen zwischen
Europa und Nordamerika setzt die Europäische Union auf ihr schärfstes
Schwert: Entschlossen wirkende Rhetorik.
Gut fünf Stunden brauchten die Staats- und Regierungschef:innen der 27
EU-Mitgliedstaaten, um bis zum frühen Freitagmorgen über ihren weiteren
Umgang mit US-Präsident Donald Trump und dessen Forderungen nach dem zu
Dänemark gehörenden, großteils autonomen Grönland zu beraten. Am Ende
fasste EU-Ratspräsident António Costa zusammen: „Die Europäische Union wird
weiter für ihre Interessen eintreten und sich gegen jede Form von Zwang
wehren.“
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen assistierte: „Wir haben die
Lehren gezogen aus unserer kollektiven Strategie.“ Am 12. Februar werde es,
so Costa, in Form eines weiteren informellen EU-Gipfels ein „strategisches
Brainstorming zur Stärkung des Binnenmarktes im neuen geopolitischen
Umfeld“ geben.
Am konkretesten war das Zugeständnis von der Leyens, die EU habe „zu wenig
investiert in der Arktis und in die arktische Sicherheit“. Deshalb habe die
EU-Kommission den Vorschlag gemacht, „im nächsten Haushalt die finanzielle
Unterstützung für Grönland zu verdoppeln“ und EU-Mittel für
„arktistaugliche Ausrüstung wie einen europäischen Eisbrecher“ einsetzen zu
wollen. „Die EU-Kommission wird in Bälde ein substantielles
Investitionspaket vorlegen“, so die CDU-Politikerin.
## Hörbare Ratlosigkeit
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte in seiner Rede auf dem
Weltwirtschaftsforum in Davos am Vortag die EU kritisiert: „Worte“, „alles
bewegt sich schneller als Europa“, sagte er. In der Tat: Was den weiteren
Umgang mit dem erratisch agierenden Trump angeht, herrschte hörbare
Ratlosigkeit.
„Der europäische Way of Life ist eben anders als der American Way of Life“,
sagte Costa. [1][Und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron antwortete bei
seiner Ankunft im EU-Ratsgebäude auf die Frage einer Reporterin, ob Trump
noch ein Freund Europas sei: „Ich kann das so nicht einschätzen.“]
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte: „Wir werden die Resilienz der
Europäischen Union stärken müssen, dabei geht es um Verteidigungs- und
Wettbewerbsfähigkeit.“ Auch was das westliche Verteidigungsbündnis angeht,
zeigte sich der CDU-Politiker zurückhaltend: „Wir sollten jedenfalls
versuchen, die Nato zu erhalten“, sagte Merz und fügte hinzu: „Dieses
transatlantische Bündnis gibt man nicht einfach mal so auf.“
Zuvor hatte einer der Chefunterhändler von Kremlchef Wladimir Putin die von
Trump erst angekündigten und dann am Donnerstag zurückgenommenen Strafzölle
gegen die aktiv Grönland unterstützenden EU-Länder als „Zeichen des
Zusammenbruchs des Nordatlantischen Bündnisses“ bezeichnet.
## Übergriffiges Verhalten
Und Kirill Dmitrijew, der Chef des russischen Staatsfonds, der mit Trumps
Russland-Unterhändler Steve Witkoff über die Ukraine verhandelt, fügte
triumphierend hinzu: „Die transatlantische Allianz ist am Ende.“ Europa
wolle sich nicht mit ihrem „Daddy“ anlegen, wie Dmitrijew Trump spöttisch
nannte.
Immerhin übte Ratspräsident Costa hörbare Kritik am übergriffigen Verhalten
des US-Präsidenten: An Trumps in Davos gegründeten „Friedensrat“ haben „wir
ernsthafte Zweifel zu einer Reihe von Elementen, was die Größe, seine
Governance und seine Vereinbarkeit mit der Charta der Vereinten Nationen
angeht“. Das „Board of Peace“ soll unter Trumps lebenslangem Vorsitz und
gegen Milliardenbeitragszahlungen als private Konkurrenz zu den Vereinten
Nationen Konflikte schlichten.
[2][Im Konflikt um das Freihandelsabkommen Mercosur] deutete von der Leyen
an, dass die EU-Kommission dieses einseitig in Kraft setzen könne. Das
EU-Parlament hatte vor einer Ratifizierung des Vertrages zwischen der EU
und südamerikanischen Staaten mit knapper Mehrheit den Europäischen
Gerichtshof wegen des Ratifizierungsverfahrens angerufen.
Das könnte ein Inkrafttreten um ein oder zwei Jahre verzögern. Aber bei den
nächtlichen Beratungen in Brüssel habe es „ein klares Interesse daran
gegeben, dass sich die Vorteile dieses wichtigen Abkommens so bald wie
möglich entfalten können“.
Ob und wann die Kommission das Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft setze,
sei noch nicht entschieden. Wie im Falle Trump scheint die EU auch in
diesem Fall das Handeln der Gegenseite abzuwarten. Wenn die ersten
Mercosur-Staaten das Abkommen ratifizierten, gelte, so von der Leyen: „We
are ready when they are ready.“
23 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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