# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Massive russische Angriffe trotz Verhandlungen
       
       > Nach massivem Beschuss durch Russland kommt es in Kiew erneut zu
       > Ausfällen der Wärme- und Wasserversorgung. In Abu Dhabi sind die
       > trilateralen Gespräche vorerst beendet worden. Beide Kriegsparteien
       > äußerten Zuversicht.
       
 (IMG) Bild: Rettungskräfte arbeiten daran, ein Feuer nach einem russischen Angriff in Charkiw zu löschen
       
       ## Zweiter Verhandlungstag der trilateralen Gespräche beendet
       
       Der zweite Verhandlungstag bei den trilateralen Gesprächen zwischen Kiew,
       Moskau und Washington über eine Beendigung des russischen Kriegs in der
       Ukraine ist beendet. Die Delegationen seien in ihre Hotels zurückgekehrt,
       eine Fortsetzung heute sei nicht mehr geplant, berichtete die staatliche
       russische Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Verhandlungskreise.
       Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt.
       
       Nach aus Verhandlungskreisen durchdringenden Informationen sind beide
       Kriegsparteien grundsätzlich mit dem Verlauf der Gespräche zufrieden. Es
       gebe Resultate, doch diese würden von den Verantwortlichen daheim
       verkündet, zitierte Tass ein Mitglied der russischen
       Verhandlungsdelegation. Die Ukraine habe die Verhandlungen ebenfalls als
       „positiv“ und „konstruktiv“ bewertet, schrieb der politische Beobachter von
       Axios, Barak Ravid, auf X. Demnach sollen die Gespräche bereits in der
       nächsten Woche fortgesetzt werden. (dpa)
       
       ## Nato will Ostflanke mit „automatisierter Zone“ schützen
       
       Die Nato will die Verteidigung ihrer Ostflanke laut dem deutschen
       Nato-General Thomas Lowin künftig unter anderem mit einer weitgehend
       menschenleeren „automatisierten Zone“ vor einer möglichen russischen
       Invasion schützen. Es gehe dabei darum, an der Grenze zu Russland und
       Belarus „zur Verteidigung nicht nur konventionelle Truppen einzusetzen,
       sondern durch Hindernisse und den Einsatz von Technik eine roboterisierte
       oder automatisierte Zone im grenznahen Bereich zum Gegner zu schaffen, die
       dieser dann erst einmal überwinden muss“, sagte Lowin der Welt am Sonntag.
       
       Systeme wie „bewaffnete Drohnen, teilautonome Gefechtsfahrzeuge, unbemannte
       roboterisierte Bodensysteme“ sollten im Zusammenspiel mit Sensoren und
       automatischen Auslösern dabei helfen, russische Streitkräfte in der ersten
       Phase des Angriffs aufzuhalten, und dabei gleichzeitig die eigenen Soldaten
       zu schonen, sagte der Bundeswehr-Brigadegeneral weiter. Es gehe bei diesem
       System „nicht um eine Entmenschlichung des Krieges“, am Ende entscheide
       weiterhin „der Mensch in verantwortlicher Weise, wann und wie die Waffen
       eingesetzt werden“.
       
       Mit Lowin sprach laut Welt am Sonntag erstmals ein Nato-General öffentlich
       über das neue Verteidigungskonzept Eastern Flank Deterrence Line (EDFL)
       (Ostflanken-Abschreckungslinie). Das Konzept soll nach Informationen der
       Zeitung möglichst bereits bis Ende 2027 umgesetzt werden.
       
       Zum EDFL gehört laut Lowin neben dem Grenzschutz durch automatisierte
       Systeme unter anderem auch die Einlagerung von deutlich mehr Waffen. „Wir
       werden spürbar größere Vorräte als bisher in den Nato-Grenzstaaten zu
       Russland sehen“, sagte er weiter. Dazu gehörten beispielsweise „Waffen- und
       Munitionsdepots zur Wiederbewaffnung der Verteidigungssysteme in der
       automatisierten Zone, aber auch zur Ausrüstung der Nato-Streitkräfte“,
       sagte der Vizechef des Stabes für Operationsführung im Nato-Landkommando in
       Izmir.
       
       Unter dem Eindruck des massiven Eindringens russischer Drohnen in den
       Luftraum Polens im vergangenen September und weiterer Drohnen-Vorfälle
       hatten die europäischen Nato-Staaten in den vergangenen Monaten bereits die
       Planung eines „Drohnenwalls“ zur Verteidigung der Ostflanke vorangetrieben.
       Dieser gilt als eines der Vorzeigeprojekte der EU im Bereich Verteidigung.
       
       Beim Aufbau der Drohnenabwehr will die EU nach eigenen Angaben auch auf die
       Erfahrung der Ukraine setzen, die sich seit mehr als drei Jahren gegen
       russische Drohnenangriffe zur Wehr setzt und kostengünstige
       Bekämpfungsstrategien entwickelt hat. (afp)
       
       ## Verhandlungen in Abu Dhabi am zweiten Tag auch über Gebietsfragen
       
       Die Verhandlungen über eine Beendigung des russischen Kriegs in der Ukraine
       haben nach Medieninformationen am zweiten Tag auch mit Gesprächen über das
       heikle Thema Gebietsabtretungen begonnen. Mehrere Dokumente würden studiert
       und erörtert, hieß es der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge aus
       russischen Delegationskreisen. „Sowohl Territorien als auch
       (Sicherheits-)Garantien und andere Aspekte“, zitierte die Agentur ihren
       Informanten.
       
       Das Thema Gebietsabtretungen ist eins der heikelsten bei den Gesprächen
       über einen Frieden. Russland fordert neben den ohnehin schon besetzten
       Gebieten im Osten der Ukraine weitere Landstriche, konkret die auch nach
       knapp vier Jahren noch nicht eroberten Reste des Gebietes Donezk, für sich
       ein. Die Ukraine wiederum lehnt einen einseitigen Rückzug aus der Region
       ab. (dpa)
       
       ## Ukraine kritisiert Russland scharf für Angriffe
       
       Kyjiw hat die massiven russischen Angriffe auf die Ukraine inmitten der
       [1][Verhandlungen über eine Beendigung des Krieges in Abu Dhabi] scharf
       kritisiert. „Friedensbemühungen? Trilaterales Treffen in den Vereinigten
       Arabischen Emiraten? Diplomatie? Für die Ukrainer war es eine weitere Nacht
       russischen Terrors“, erklärte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha
       am Samstag im Onlinedienst X. Er machte den russischen Präsidenten Wladimir
       Putin persönlich dafür verantwortlich.
       
       „Zynischerweise hat Putin einen brutalen massiven Raketenangriff gegen die
       Ukraine angeordnet, während sich Delegationen in Abu Dhabi treffen, um den
       US-geführten Friedensprozess voranzubringen“, kritisierte Sybiha. „Seine
       Raketen haben nicht nur unser Volk, sondern auch den Verhandlungstisch
       getroffen.“
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf X, Russland habe
       sein Land in der Nacht mit „mehr als 370 Angriffsdrohnen und 21 Raketen
       unterschiedlichen Typs“ beschossen. Neben der Hauptstadt Kyjiw und deren
       Umland, wo insbesondere Energieinfrastruktur angegriffen worden sei, seien
       auch die Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw betroffen gewesen. Ein
       Todesopfer und Dutzende Verletzte, darunter ein Kind, seien zu beklagen.
       
       Selenskyj forderte von allen Partnern der Ukraine eine „starke Antwort“ auf
       diese Angriffe. Dazu gehörten Lieferungen an die ukrainische Luftabwehr.
       (afp)
       
       ## Russland greift trotz Verhandlungen erneut massiv an
       
       Erneute heftige russische Angriffe auf mehrere ukrainische Regionen in der
       Nacht zum Samstag haben die ersten direkten Verhandlungen zwischen der
       Ukraine, Russland und den USA zur Beendigung des Krieges überschattet.
       Allein in der Hauptstadtregion Kyjiw und der zweitgrößten ukrainischen
       Stadt Charkiw wurden nach jüngsten Behördenangaben mindestens ein Mensch
       getötet und 27 weitere verletzt. Der ukrainische Außenminister Andrij
       Sybiha erklärte, die Angriffe hätten „auch den Verhandlungstisch
       getroffen“.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Onlinedienst X von
       „370 Angriffsdrohnen und 21 Raketen unterschiedlichen Typs“, mit denen
       Russland sein Land beschossen habe. In Kyjiw und dessen Umland sei
       insbesondere Energieinfrastruktur angegriffen worden. Betroffen seien
       darüber hinaus die Regionen Sumy, Charkiw und Tschernihiw. Selenskyj
       schrieb von einem Todesopfer und „Dutzenden Verletzten“, darunter auch ein
       Kind.
       
       Der Kyjiwer Bürgermeister Vitali Klitschko hatte am frühen Samstagmorgen
       erklärt, die Stadt werde „massiv“ angegriffen, die Bevölkerung rief er auf,
       in Schutzräumen zu bleiben. Nach seinen Angaben wurden mehrere Gebäude
       getroffen, jedoch keine Wohnhäuser.
       
       Später schrieb Klitschko von einem Todesopfer und vier Verletzten. In
       mehreren von Drohnentrümmern getroffenen Gebäuden sei Feuer ausgebrochen,
       zudem sei die Wärme- und Wasserversorgung in Teilen der Hauptstadt
       unterbrochen. Im Kyjiwer Umland wurden nach Angaben der örtlichen Behörden
       vier weitere Menschen verletzt.
       
       Der Bürgermeister von Charkiw, Ihor Terechow, informierte im Onlinedienst
       Telegram über einen Angriff mit Schahed-Drohnen aus iranischer Produktion,
       der mehrere Wohngebäude in zwei Stadtteilen nahe der russischen Grenze
       beschädigt habe. Nach Angaben der Polizei wurden dabei 15 Menschen verletzt
       und zwei medizinische Einrichtungen beschädigt. (afp)
       
       ## Polen will Vertrag zu Drohnen-Abwehrsystem unterzeichnen
       
       Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz hat die baldige
       Unterzeichnung eines Vertrags zur Installation „des wichtigsten
       Drohnen-Abwehrsystems in Europa“ angekündigt. Die Vereinbarung zwischen
       Warschau und einem internationalen Konsortium werde bis Ende des Monats
       unterzeichnet, wurde der Minister am Samstag von der Zeitung Gazeta
       Wyborcza zitiert. Die zugrundeliegenden Verhandlungen seien bereits
       abgeschlossen. Den finanziellen Umfang des Rüstungsprojekts nannte
       Kosiniak-Kamysz nicht.
       
       Nach seinen Angaben besteht die neue Drohnen-Abwehr für Polen aus
       „verschiedenen Rüstungssystemen“, die vornehmlich von heimischen Firmen,
       aber in Zusammenarbeit mit ausländischen Konzernen geliefert würden. Im
       vergangenen Jahr habe er bereits einen Vertrag mit der US-Gruppe Anduril
       unterzeichnet, sagte der Verteidigungsminister. Auch der norwegische
       Technologiekonzern Kongsberg gehöre zu den Konzernen, „mit denen wir
       reden“.
       
       Das EU- und Nato-Land Polen grenzt an die Ukraine sowie Russland und
       Belarus und gehört zu Kiews entschiedensten Unterstützern bei der Abwehr
       des russischen Angriffskriegs. Die massiven russischen Drohnenangriffe auf
       das Nachbarland beobachtet Polen mit Argwohn, außerdem sind schon mehrmals
       russische Flugobjekte in den polnischen Luftraum eingedrungen.
       
       Die polnische Regierung hatte Kiew kürzlich angeboten, ihre Kampfflieger
       Mig-29 sowjetischer Bauart an die ukrainische Armee zu liefern. Zugleich
       äußerte sie Interesse an ukrainischer Drohnentechnologie, die infolge des
       seit fast vier Jahre andauernden russischen Angriffskriegs sehr weit
       entwickelt ist. (dpa)
       
       ## Altkanzler Schröder gegen „Dämonisierung“ Russlands
       
       Der [2][frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder] nennt den russischen
       Angriffskrieg in der Ukraine zwar völkerrechtswidrig, warnt aber vor einer
       „Dämonisierung“ Russlands. „Natürlich ist der Krieg in der Ukraine nicht zu
       respektieren, auch nicht zu relativieren. Er ist völkerrechtswidrig, eine
       Verletzung der Menschenrechte“, schreibt der 81 Jahre alte Altkanzler in
       einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung. Es müssten alle diplomatischen
       Mittel genutzt werden, um den Krieg zu stoppen. (dpa)
       
       ## Russland meldet Einnahme eines Dorfes in der Region Charkiw
       
       Russland hat nach eigenen Angaben das Dorf Staryzja in der
       nordostukrainischen Region Charkiw eingenommen. Zudem hätten die Truppen in
       der Nacht ukrainische Drohnenstellungen und Energieanlagen angegriffen,
       teilt das Verteidigungsministerium in ⁠Moskau ‍mit. Die Angaben lassen sich
       nicht unabhängig überprüfen. (rtr)
       
       24 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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