# taz.de -- Trump beim Weltwirtschaftsforum: Und morgen die ganze Welt?
> Donald Trumps Auftritt in Davos war die Nachhilfestunde eines
> Wahnsinnigen. Wer ihm noch entgegenkommen wollte, sollte nun eines
> Besseren belehrt sein.
(IMG) Bild: US-Präsident Trump an Bord der Air Force One, nachdem er Davos in Richtung Washington verlassen hat
Man muss Donald Trump wirklich dankbar sein. Die Schweiz zum Beispiel. Sie
würde es in ihrer jetzigen Form gar nicht geben, wäre da nicht Amerika.
Oder Venezuela. [1][Das war mal ein schönes Land], dann wurde dort ganz
schlecht regiert, und jetzt geben die USA Venezuela die Hälfte des
venezolanischen Öls ab. Ohne das US-Militär – auch das musste einmal (von
Trump) gesagt werden – wäre die Welt mit unvorstellbaren Bedrohungen
konfrontiert. Kurz gefasst, auch das mit Trumps eigenen Worten in Davos:
„Die Vereinigten Staaten halten die Welt am Laufen.“ Und die Vereinigten
Staaten, die sind bekanntlich Donald Trump. Washington, D. C., übrigens
habe auch nur deshalb ordentlich geschnittene Rasenflächen, weil der
US-Präsident die Nationalgarde hinbeordert hat, um, nun ja, Ordnung zu
schaffen.
Oder eben Grönland. Keine andere Nation sei in der Lage, diese strategisch
wichtige Insel zu schützen. Schon im Zweiten Weltkrieg hätten die USA (das
immerhin historisch korrekt) Grönland verteidigt, als die Deutschen in
Dänemark einmarschiert waren. Ohne die USA und ihren Einsatz, erklärte
Trump der globalen Elite in Davos, sprächen heute alle im Saal Deutsch oder
Japanisch. Und jetzt müsse dieses [2][„große, schöne Stück Eis“] wieder
verteidigt werden, gegen Russland und China selbstverständlich. Dafür müsse
er, Trump, eben Grönland bekommen. Übermäßige Stärke und Gewalt wolle er
aber nicht anwenden. Und jetzt verzichtet er sogar auf Zölle und die
komplette Übernahme. Ist das nicht einen Dank wert?
Ehrlich gesagt: Nein. Wer das als Entgegenkommen von Trump und gar – einmal
mehr und einmal mehr zu viel – als Erfolg der Verhandlungsstrategie
interpretiert, hat es immer noch nicht kapiert. Was für Europa und Kanada
eine Frage von Völkerrecht, Bündnistreue und geregelter Weltordnung ist,
stellt sich für Trump allein als Kräftemessen dar. Sollte es nicht zur
kompletten Übernahme Grönlands kommen – nun ist von territorialen Pockets,
US-Territorium auf Grönland, die Rede –, dann läge das nicht an der
unerträglich unterwürfigen Schmeichelei von Nato-Generalsekretär Mark
Rutte. Den US-Präsidenten zum Abwägen gebracht hätten der glaubhafte
Widerstand der europäischen Nato-Staaten und gewiss auch die Reaktion der
Aktienmärkte. Jemand muss Trump da eingeflüstert haben, dass eine
militärische Konfrontation mit anderen Nato-Staaten möglicherweise mehr
Sprengkraft hätte, als ihm lieb wäre, es ihn möglicherweise auch bei seiner
MAGA-Bewegung Zustimmung kosten könnte und dass ein 2-Prozent-Dip an der
Börse nur eine Warnung gewesen sein dürfte.
Widerstand gegen Trump hat seinen Preis. Europa hängt militärisch und
wirtschaftlich von den USA ab. Die deutsche Wirtschaft hat im ersten Jahr
Trump unter dessen Zollpolitik spürbar gelitten. Weitere Zölle könnten die
populistischen Kräfte stärken. Doch wie die Alternative dazu aussieht, hat
sich Europa jetzt ein Jahr lang angesehen. Zölle verhängt Trump, wie es den
USA politisch und wirtschaftlich nützt. Wenn nicht im Grönlandkonflikt,
könnten sie bald als Druckmittel für die nächste politische Begehrlichkeit
dienen. Und Grönland könnte doch noch das Faustpfand weiterer US-Hilfe für
die Ukraine werden. Aber wollte man sich überhaupt darauf verlassen, dass
Trump der Ukraine hilft, wenn Dänemark und Europa das große, schöne Stück
Eis preisgäben? Die Zukunft Grönlands, der Ukraine, Europas darf auf jeden
Fall nicht von dieser Illusion abhängen. Der Weg des Appeasements ist
gescheitert.
Und ist nicht Grönland ohnehin nur Teil eines Puzzles in einem viel
größeren Plan? Nicht zufällig ebenfalls auf dem Weltwirtschaftsgipfel in
Davos hat Trump sein [3][„Board of Peace“] gegründet. 60 Staaten waren
eingeladen, sich an seiner neuen Organisation zu beteiligen. Wer eine
Milliarde US-Dollar auf den Tisch lege, solle sogar einen dauerhaften Sitz
erhalten können. Der Vorsitz liegt bei Trump persönlich, nicht beim Amt des
US-Präsidenten. Beschlüsse fasst dieses Gremium des Weltfriedens nur, wenn
Trump kein Veto einlegt. Und einen potenziellen Nachfolger würde ebenfalls
er persönlich bestimmen. Was als – ebenfalls nicht legitimiertes – Gremium
zur Zukunft Palästinas angelegt war, soll nun zur Gegen-UN aufgebaut
werden.
Wer noch Nachhilfe zu Trumps Anspruch auf globale Dominanz gebraucht hätte,
bekam sie in Davos frei Haus. Diese nun auch materialisierte Trump’sche
Parallelwelt ist eine moderne Weltbeherrschungsfantasie eines Wahnsinnigen.
Aber die Welt der Eliten ist wendig. Hoffentlich hat in Davos jemand genau
notiert, wer da alles nach der Rede des US-Präsidenten zu Dank und Standing
Ovations aufgesprungen ist.
24 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Junge
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