# taz.de -- Finanzminister Klingbeil in Warschau: Europa soll „Wirtschaftshegemon“ werden
       
       > Sechs europäische Länder haben die E6 gegründet. Jetzt formulieren die
       > Finanzminister Deutschlands und Polens ihre Ziele für das neue Format.
       
 (IMG) Bild: Zwei auf europäischer Mission: Lars Klingbeil (Mitte) und sein polnischer Amtskollege Andrzej Domanski (links)
       
       Polen ist der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands – hinter den USA,
       China, den Niederlanden und Frankreich. So spricht denn auch der polnische
       Wirtschafts- und Finanzminister Andrzej Domanski nach einem Treffen mit dem
       deutschen VizeKanzler und Finanzminister Lars Klingbeil in Warschau ganz
       selbstverständlich von einem Europa, das zu einem „wirtschaftlichen
       Hegemon“ aufsteigen solle.
       
       Polen, das auf dem Weg sei, [1][dem G20-Club der weltweit führenden
       Wirtschaftsnationen] beizutreten, so Domanski, sei bereit, zusammen mit
       Deutschland und vier weiteren EU-Staaten die Wirtschaftssouveränität
       Europas zu stärken und auszubauen. Zu Klingbeil hingewandt sagte er:
       „Unsere Beziehungen zu Deutschland befinden sich auf einem Aufwärtstrend.
       Allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres erreichte unser
       Handelsvolumen einen Rekordwert von 160 Milliarden Euro.“
       
       Klingbeil gratulierte Polen zu den seit Jahrzehnten hohen Wachstumsraten
       und erläuterte, wie wichtig der europäische Zusammenhalt angesichts der
       transatlantischen Verwerfungen sei.
       
       Ende Januar hätten die Finanzminister [2][Deutschlands, Frankreichs,
       Italiens, der Niederlande, Polens und Spaniens mit der „E6“ ein neues
       Format geschaffen], das mit vier aufeinander abgestimmten Impulsen die
       Wirtschaftssouveränität Europas voranbringen wolle. So solle die „Spar- und
       Investitionsunion“ die Finanzierungsbedingungen für europäische Unternehmen
       verbessern, der Euro als weltweit gehandelte Währung gestärkt werden, die
       Verteidigungsinvestitionen EU-weit aufeinander abgestimmt und effizienter
       werden und der Zugang zu kritischen Rohstoffen für alle EU-Staaten
       gesichert werden. Wichtig sei, dass sich in Zukunft innovative Start-ups
       und Unternehmen in Europa weiterentwickeln könnten und nicht in die USA
       weiterziehen müssten.
       
       ## Digital voran
       
       „Die deutsche Politik hat unsere volle Unterstützung“, pflichtete Domanski
       seinem Amtskollegen Klingbeil zu. Gerade was Verteidigung und
       Digitalisierung angehe, habe Polen ja schon viel investiert. Es gebe sogar
       ein e[3][igenes Digitalisierungsministerium.]
       
       Zudem habe die Europäische Kommission Polen vor kurzem den größten Kredit
       aus dem EU-SAFE-Programm für Rüstungsausgaben zugesprochen. Mit knapp 44
       Milliarden Euro aus dem 150 Milliarden-EU-Topf will Polen rund 140
       Verteidigungsprojekte finanzieren, darunter die Festigung der
       Nato-Ostgrenze und den Aufbau eines der modernsten und flexibelsten
       Drohnen-Abwehrsystems. Den Löwenanteil des Geldes wolle man in Europa
       ausgeben und [4][so die europäische Industrie und deren
       Innovationsfähigkeit stärken.]
       
       Klingbeil nickte: „Die E6 sind kein exklusiver Club. Wir wollen einfach nur
       Tempo machen!“
       
       2 Feb 2026
       
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