# taz.de -- Einigung um Grönland gefunden?: Trumps Kehrtwende in Davos
> Der US-Präsident erklärt: die angekündigten Strafzölle gegen europäische
> Staaten kommen doch nicht. Wie es nun mit Grönland weitergehen soll,
> bleibt aber unklar.
(IMG) Bild: Hat die Strafzölle gegen Europa nun doch wieder verworfen: US-Präsident Donald Trump in Davos am Mittwoch
Erst kam die Androhung von Strafzöllen. Dann wurden die [1][Märkte aufgrund
eines möglichen Handelskrieges nervös]. Und am Schluss machte US-Präsident
Donald Trump einen Rückzieher. Was sich am Mittwoch beim
Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos abspielte, war ein
Paradebeispiel für den Taco-Effekt, der im vergangenen Jahr Berühmtheit
erlangte – dieser steht für „Trump always chickens out“, also „Trump macht
immer einen Rückzieher“.
Doch egal, ob Taco-Effekt oder nicht, fest steht, die von Trump
angekündigten Strafzölle von zunächst 10 Prozent gegen acht europäische
Länder, darunter Deutschland, werden am 1. Februar nicht in Kraft treten.
Grund dafür ist laut Trump, dass er sich mit Nato-Chef Mark Rutte im Streit
um Grönland auf die Grundrisse eines Abkommens einigen konnte.
Während eines „sehr produktiven Treffens mit Nato-Generalsekretär Mark
Rutte haben wir die Rahmenbedingungen für ein zukünftiges Abkommen
bezüglich Grönlands und der gesamten Arktisregion geschaffen. Diese Lösung
wäre, sofern sie zustande kommt, ein großer Erfolg für die Vereinigten
Staaten von Amerika und alle Nato-Mitgliedstaaten“, sagte Trump in einem
Post auf Truth Social wenige Stunden nach seiner Rede beim
Weltwirtschaftsforum.
Damit ist die Zollgefahr zwar vorerst vom Tisch, doch Detail zum
zukünftigen Abkommen blieb der US-Präsident schuldig. Weitere Informationen
sollen im Verlauf der weiteren Diskussionen und Verhandlungen
veröffentlicht werden, erkläre Trump. Auch das von Trump angekündigte
Raketenabwehrsystem Golden Dome, in Anlehnung [2][an Israels Iron Dome],
soll in den Gesprächen um Grönland diskutiert werden.
## „Weder Russland noch China“
Eine Nato-Presseerklärung brachte ebenfalls nicht mehr Licht ins Dunkel.
Darin hieß es nur, dass man innerhalb der Allianz das von Präsident Trump
angekündigte Konzept besprechen werde. Das Ziel der Nato und vor allem
aller sieben an die Arktis angrenzenden Mitgliedstaaten sei es,
„sicherzustellen, dass weder Russland noch China jemals in Grönland
militärisch oder wirtschaftlich Fuß fassen werden“.
In einem Interview mit CNBC erklärte Trump später, dass neben einer
Teilnahme am Golden-Dome-Raketenabwehrsystem auch die Rohstoffgewinnung,
vor allem die für den Technologiesektor und das Militär so wichtigen
seltenen Erden, Teil des zukünftigen Abkommens sein werden.
Auf die Frage, wie lange dieses Abkommen Bestand haben würde, sagte Trump:
„Für immer.“
## Trump übt harte Kritik an Europa
Für Trump und andere Staatschefs ist das Weltwirtschaftsforum ein wichtiger
Ort, um Gespräche zu führen, Differenzen auszuloten und Abkommen zu
schließen. Der US-Präsident versuchte sich auf seine spezielle Art und
Weise diplomatisch zu geben. Er machte jedoch erneut klar, dass Grönland
ein Teil der USA werden müsse. Gleichzeitig sagte er, dass er keine
militärischen Mittel zur Erreichung dieses Ziels anwenden würde.
Trotz seiner Kritik an der Politik vieler europäischen Regierungen, führte
Trump auch immer wieder an, [3][wie sehr er Europa schätze]. „Ich liebe
Europa, und ich wünsche mir, dass es Europa gut geht, aber es entwickelt
sich nicht in die richtige Richtung“, sagte er.
Die angespannten transatlantischen Beziehungen dürften nach Trumps Auftritt
in der Schweiz zumindest keinen weiteren Schaden davongetragen haben. Und
sollte es sich bei Trumps Verhandlungsbereitschaft zu Grönland tatsächlich
um das Resultat des Taco-Effekts handeln, dann darf dies ruhig als Erfolg
für Europa gewertet werden.
## Auch Treffen mit Ukraines Selenskyj geplant
Wann es weitere Gespräche über die Zukunft Grönlands geben würde, ließ
Trump offen. Aus dem US-Kongress sind die Stimmen über Trumps Grönlandpläne
weiterhin gemischt. Der republikanische Senator Thom Tillis erklärte, dass
selbst eine durch Verhandlungen erzielte Annexion Grönlands keine
Unterstützung im Kongress finden würde. Sein Parteikollege Lindsey Graham
wurde hingegen von Trumps Rede überzeugt.
„Präsident Trump ist der Ansicht, dass er die Kontrolle über Grönland
benötigt, damit er Grönland wehrhaft machen kann, um die gemeinsame
Verteidigung zu stärken und die Vereinigten Staaten und die
Nato-Verbündeten zu schützen“, schrieb Graham in einem Post auf X. Darin
bezeichnete er Europäer zudem als „schwach und humorlos“.
Am Donnerstagmorgen wird Trump in Davos an einer Zeremonie für [4][das von
ihm initiierte Board of Peace] teilnehmen. Das Komitee soll den
Wiederaufbau des Gazastreifens leiten und sich später auch mit anderen
Konflikten beschäftigen. Auch ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten
Wolodymyr Selenskyj ist geplant, bevor es zurück nach Washington geht.
22 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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