# taz.de -- Entspannung in der Grönland-Frage: Der Trump ist erst mal vom Eis
       
       > US-Präsident Trump will mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte einen „guten
       > Deal für alle“ im Grönland-Streit gefunden haben. Strafzölle sind vom
       > Tisch.
       
 (IMG) Bild: Auf der Suche nach „verlässlichen Freunden“: Kanzler Friedrich Merz spricht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, 22. Januar 2026
       
       Im Grönland-Konflikt haben die Verhandlungen beim Weltwirtschaftsforum zu
       einer gewissen Entspannung geführt. Einen „guten Deal für alle“, verkündete
       US-Präsident Donald Trump nach seinem Gespräch mit Nato-Generalsekretär
       Mark Rutte in Davos. Details der Rahmenvereinbarung blieben beide aber
       schuldig. Während seiner Rede im dortigen Kongresszentrum am
       Donnerstagvormittag sagte Bundeskanzler Friedrich Merz: „Wir werden den
       hohen Norden schützen – als Nato.“
       
       Trump hatte [1][einen Besitzanspruch auf Grönland erhobe]n, das zum EU- und
       Nato-Mitglied Dänemark gehört. Bei seiner Rede am Mittwochnachmittag nahm
       er bereits die Drohung zurück, militärische Gewalt einzusetzen. Später am
       Abend teilte er mit, er verzichte auch auf zusätzliche Strafzölle gegen
       EU-Staaten wie Deutschland, die die US-Aggression zurückgewiesen hatten.
       Dänemark beschäftigte danach vor allem die Frage, was genau die
       angekündigte Absprache zwischen Trump und Rutte beinhalten mochte.
       
       Als erstes bemühte man sich in Kopenhagen, die Sorge zu zerstreuen, dass
       plötzlich der Nato-Chef über das Schicksal des Landes verhandele.
       Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betonte, dazu habe er
       selbstverständlich überhaupt kein Mandat. Rutte habe ihr bestätigt, dass es
       bei dem Treffen nicht um die Souveränität des Königreichs gegangen sei.
       
       Bislang hatte Trump sich weder durch Nato-Unterstützungszusagen noch den
       Hinweis auf die seit 1951 bestehende Verteidigungsabsprache zwischen
       Dänemark und den USA von seiner Annexionsmanie abhalten lassen. Die
       Verteidigungsabsprache gibt den Amerikanern große Freiheiten, die
       militärische Präsenz auf Grönland zu verstärken. Dass Trump nach dem
       Gespräch mit Rutte nun doch bereit sein könnte, diesen Rahmen zu nutzen,
       ist die Hoffnung Dänemarks.
       
       Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen sprach am späten
       Donnerstagnachmittag von einer neu wahrgenommenen Dialogbereitschaft: „Bis
       gestern konnten wir nichts ausschließen. Der Wille der USA, Grönland zu
       besitzen, war gestern immer noch Teil der Rhethorik“, sagte er auf einer
       Pressekonferenz in Nuuk, die der grönländische Rundfunk übertrug. „Wie
       gesagt, ein respektvoller Dialog über die richtigen Kanäle war immer das,
       was wir wollten. Ich habe den Eindruck, dass die andere Seite das jetzt
       auch will.“
       
       Die Details des Rahmenvertrags zwischen Rutte und Trump kenne auch er
       nicht. Wie die dänische Ministerpräsidentin erinnerte Nielsen noch einmal
       mit Nachdruck an die roten Linien. Nur Grönland und Dänemark könnten über
       Grönlands Zukunft entscheiden. „Um es zusammenzufassen“, wiederholte er den
       grönländischen Standpunkt: „Wir wählen das Königreich Dänemark, die EU und
       Nato.“
       
       Kanzler Merz sagte am Donnerstag bei seiner Rede in Davos, er „begrüße die
       Bemerkungen von Präsident Trump“, denn: „Land zu erobern und neue Zölle“ zu
       erheben, sei „nicht akzeptabel“. Das „würde das Bündnis untergraben“. Für
       „unsere Souveränität treten wir mit Festigkeit ein“, fügte er hinzu.
       
       Mit Blick auf Grönland und den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine
       sprach Merz von einer „neuen Weltordnung der Großmächte“. Diese basiere auf
       Macht, Stärke und Gewalt. Unterdessen kündigte der ukrainische Präsident
       Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag am Rande des Forums an, es werde erstmals
       ein trilaterales Treffen zwischen der Ukraine, den USA und Russland geben.
       
       Am Freitag und Samstag sollen sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten
       der US-Sondergesandte Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner mit
       nicht näher benannten ukrainischen und russischen Vertretern treffen, um
       über Aspekte eines möglichen „Friedensplans“ zu beraten.
       
       ## „Hunderte Milliarden Euro“ für die eigene Sicherheit
       
       Merz mahnte, ohne Trump direkt anzusprechen: „Autokratien haben Untertanen,
       Demokratien haben Partner und verlässliche Freunde.“ Er kündigte an, dass
       Europa in den kommenden Jahren „Hunderte Milliarden Euro“ in die eigene
       Sicherheit investieren werde. Der Kontinent müsse sich selbst verteidigen
       können und das schnell tun, um die Ukraine zu unterstützen. Das
       funktioniere aber nur, wenn die EU-Mitglieder ihre wirtschaftliche Stärke
       wiedergewönnen. Ökonomische und militärische Kraft „sind komplementär, zwei
       Seiten einer Medaille“, betonte der Bundeskanzler.
       
       Konkret erklärte er, wie die EU ihr Modell der „offenen Märkte“ gegen die
       Autokratien verteidigen wolle. Im Mittelpunkt stehe, den Austausch mit
       gleichgesinnten, teils neuen Partnern zu intensivieren. Nach dem
       Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Staatenbund [2][Mercosur –
       das nun allerdings nach einem Votum des Europaparlaments zunächst dem
       Europäischen Gerichtshof vorgelegt] werden muss – stehe als nächstes ein
       ähnlicher Vertrag mit Indien an. Außerdem verhandele die Europäische
       Kommission über Vereinbarungen mit Mexiko und Indonesien.
       
       Solche Verträge sind auch dazu gedacht, europäischen Unternehmen Ersatz für
       die Umsätze zu verschaffen, die in China oder den USA verloren gehen. Für
       den 12. Februar kündigte Merz einen Sondergipfel der EU zum „Abbau der
       Überregulierung“ an. Daran arbeite man besonders mit der italienischen
       Regierung von Ministerpräsidentin Georgia Meloni. Es gehe um „eine
       Notbremse für Bürokratie“ und einen „modernisierten EU-Haushalt“, um die
       „Wettbewerbsfähigkeit in den Vordergrund“ zu stellen. Merz plädierte für
       „schnelle Fortschritte bei der europäischen Kapitalunion“, damit hiesige
       Firmen weniger abhängig würden von „ausländischen Kapitalmärkten“. Das ist
       ebenfalls ein Teil der Souveränitätsbestrebungen gegenüber den USA Donald
       Trumps.
       
       22 Jan 2026
       
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