# taz.de -- Merz' Beschwerde über Krankenstand: Zu wenig Erholung macht krank
> Mit seinen Aussagen zu Krankmeldungen und Arbeitszeit ignoriert der
> Kanzler arbeitspsychologische Erkenntnisse – Zeit für einen Crashkurs.
(IMG) Bild: Bei einer hohen Arbeitsbelastung wird das Stresshormon Cortisol vermehrt ausgeschüttet, wodurch die Regeneration gehemmt wird
Menschen, die permanent Unreflektiertes von sich geben, sind bisweilen
etwas anstrengend. Einer dieser Menschen ist Friedrich Merz. [1][Seine
jüngste Aussage, sinngemäß: Menschen, die sich krankmelden, sollten dies
bitte lassen]. Diese Forderung passt zu Merz’ Ansicht, dass die Deutschen
generell mehr arbeiten sollen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Es ist erstaunlich, dass Merz bei seinen Forderungen wissenschaftliche
Erkenntnisse aus der Arbeits- und Gesundheitspsychologie ignoriert. Denn
sonst würde er wissen, dass [2][ein hoher Krankenstand] ein Hinweis auf
Arbeitsüberlastung ist. Er würde auch wissen, dass mehr Arbeitszeit nicht
automatisch mehr Output bedeutet, sondern gar das Gegenteil, insbesondere
bei Wissensarbeiten. Dass generell nicht Druck, Kontrolle und das Ermahnen,
sich zusammenzureißen, zu einer besseren Arbeitsleistung führen, sondern
Wertschätzung, Motivation, körperliches und seelisches Wohlbefinden. Dass
die Menschen dafür auch Erholung, Bewegung und ein erfülltes Leben neben
der Arbeit benötigen, für das sie die entsprechende Zeit brauchen.
Beispiel Erholung: Bei einer hohen Arbeitsbelastung wird das Stresshormon
Cortisol vermehrt ausgeschüttet, wodurch die Regeneration gehemmt wird;
mehr Erholungszeit wird benötigt. Durch Mehrarbeit ist die Erholungszeit
aber zusätzlich verkürzt. Zu wenig Schlaf, Erholung und Bewegung führen
zudem zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, da das Immunsystem geschwächt
wird (Stichwort Erkältung, häufigster Grund für eine Krankschreibung). Zum
anderen führt es zu einer kognitiven Verlangsamung. Die Folgen sind
beispielsweise Unaufmerksamkeit, Lustlosigkeit, weniger Kreativität. Die
Arbeit wird weniger schnell und gut erledigt. Zudem steigt das Risiko für
Unfälle und Fehlentscheidungen – sehr teuer für Unternehmen.
Dies sind nur wenige der vielen Beispiele dafür, welchen immensen Einfluss
Arbeits- und Erholungszeit auf Gesundheit und Arbeitsergebnisse haben.
Erholung ist ein wesentlicher Faktor einer funktionierenden Wirtschaft,
kein ärgerlicher, unnötiger Kostenfaktor, den man zusammenstreichen kann.
19 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/streit-um-merz-aeusserung-ueber-hohen-krankenstand,V8fRQsL
(DIR) [2] /Studie-zu-psychischen-Problemen/!5613299
## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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