# taz.de -- 40 Tage bis zum Facharzt: Das ewige Wartezimmer für gesetzlich Versicherte
> Laut einer Befragung dauert es länger als zuvor, bis man einen Termin bei
> einem Spezialisten bekommt.
(IMG) Bild: Hier gesagt bekommen, dass die Sprechstunde vorbei ist
afp | Gesetzlich Versicherte mussten 2024 im Schnitt 42 Tage auf einen
Facharzttermin warten und damit deutlich länger als noch vor einigen
Jahren. Dies geht aus einer Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf
eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Gesundheitsministerin Nina Warken
(CDU) sieht in den Wartezeiten „ein Problem“, [1][sie will mit
„Strukturveränderungen“ gegensteuern.] Scharfe Kritik kommt von Grünen und
Linkspartei.
Einer Versichertenbefragung zufolge, auf die sich die Bundesregierung
beruft, betrug die Wartezeit 2019 noch 33 Tage. Die Zahlen beziehen sich
demnach auf Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die
mindestens einen Tag auf Facharzttermine gewartet haben.
[2][Der Antwort zufolge, über die zunächst die Rheinische Post berichtet
hatte], stiegen zugleich die jährlichen GKV-Ausgaben für offene
Sprechstunden bei Ärzten rasant an. Die Vergütung für Leistungen im Rahmen
offener Sprechstunden kletterte im Jahr 2023 auf rund 814 Millionen Euro.
2022 waren es noch 547 Millionen Euro, im Jahr 2020 rund 291 Millionen
Euro.
Zu offenen Sprechstunden können Patientinnen und Patienten ohne vorherige
Terminvereinbarung in die Praxis kommen. Bestimmte Fachärzte wie
Augenärzte, Orthopäden und Psychiater müssen mindestens fünf Stunden pro
Woche als offene Sprechstunden anbieten. Dafür bekommen sie von den Kassen
zusätzliches Geld, was zu einem besseren Zugang zur ärztlichen Versorgung
für GKV-Versicherte führen soll.
## Wo ist das Geld geblieben?
„Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind für zu viele Versicherte ein
Problem“, erklärte Ministerin Warken. Helfen sollen „konkrete
Strukturveränderungen, die das Problem von Grund auf angehen“. Die
CDU-Politikerin nennt die geplante Einführung eines Erstversorgungssystems
mit „an der Dringlichkeit des medizinischen Anliegens orientierten
Wartezeiten“.
Scharfe Kritik kommt von der Opposition. „Trotz wachsender Ausgaben,
offener Sprechstunden und Sondervergütungen warten gesetzlich Versicherte
heute länger als noch vor fünf Jahren“, sagte der
Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen der Nachrichtenagentur AFP. Dies
sei „das Ergebnis von Reformstillstand“.
Warken habe es bislang versäumt, die ambulante Versorgung wirksam neu zu
ordnen, kritisierte Dahmen. „Seit Monaten kündigt die Bundesregierung eine
bessere Versorgungssteuerung und ein Primärarztsystem an – geliefert wurde
bislang vor allem Rhetorik.“
Die Linken-Gesundheitsexpertin Julia-Christina Stange nannte die bisherigen
Regelungen für eine bessere Versorgung und schnellere Termine „einen
Rohrkrepierer“. Sie ergänzte: „Sie kosten die gesetzlich Versicherten mehr
Geld bei schlechterer Leistung.“ Stange warf der Bundesregierung vor, statt
endlich durchzugreifen, die Augen zu verschließen.
Kritik kommt auch vom GKV-Spitzenverband. „Über einen Monat auf einen
Termin beim Facharzt zu warten, ist zu lang“, sagte Verbandsvorstand Martin
Krasney der Rheinischen Post. Notwendig sei „eine ambulante Versorgung, die
mit einer modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbar ist“. Um die
Terminvergabe effizienter zu machen, sprach sich Krasney für „eine
gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal“ aus.
## Primärversorgungssystem im Koalitionsvertrag
„Obwohl wir in Deutschland eine verhältnismäßig hohe Facharztdichte haben,
warten die Menschen teilweise sehr lange auf Termine“, kritisierte auch die
Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Nicola
Buhlinger-Göpfarth, in der Zeitung. Sie forderte grundlegende Reformen: So
müsse das geplante Primärversorgungssystem „zeitnah“ ausgerollt werden.
Auf die Einführung eines Primärarzt- oder Primärversorgungssystems hatten
sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag geeinigt. Die Hausärztin oder
der Hausarzt soll demnach künftig die erste Anlaufstation sein. Ein
Facharzt soll erst danach aufgesucht werden können. Dies soll Arztbesuche
reduzieren und damit Kosten sparen.
Ministerin Warken will bis zum Sommer einen ersten Gesetzentwurf dazu
vorlegen. „Mit den ersten Wirkungen“ des neuen Systems rechnet die
Gesundheitsministerin 2028, wie sie kürzlich sagte.
4 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.google.com/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://taz.de/Warkens-Konflikt-mit-Krankenkassen/!6140927/&ved=2ahUKEwii7vTQjMCSAxWlA9sEHfJUE1UQFnoECBsQAQ&usg=AOvVaw3OSaVgzaLZLq4HscaubhKW
(DIR) [2] https://rp-online.de/politik/deutschland/wie-lange-gesetzlich-versicherte-auf-einen-facharzttermin-warten_aid-143299137
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