# taz.de -- Kreml berichtet von Trump-Angebot: Auch Wladimir Putin soll in Gaza-„Friedensrat“
       
       > US-Präsident Trump sucht weiter Mitglieder für den von ihm geleiteten
       > Friedensrat. Ein entsprechender Brief ging offenbar auch in Moskau ein.
       
 (IMG) Bild: Wladimir Putin erhält ein Angebot der Trump-Regierung: raus aus der Isolation und rein in den Gaza-Friedensrat
       
       dpa/rtr | Der russische Präsident Wladimir Putin hat nach Kremlangaben über
       diplomatische Kanäle eine Einladung der USA zur Teilnahme am sogenannten
       Friedensrat für den Gazastreifen erhalten. „Derzeit prüfen wir alle Details
       dieses Angebots, zudem hoffen wir auf Kontakte mit der amerikanischen
       Seite, um alle Nuancen zu klären“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der
       russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Russland unterhält Kontakte
       sowohl zu Israel als auch zur Palästinenserführung und zur
       Terrororganisation Hamas.
       
       In Moskau stieß die Einladung in das von US-Präsident Donald Trump geplante
       Gremium auch deshalb auf Wohlwollen, weil Russland sich traditionell als
       wichtiger Akteur im Nahen Osten sieht und dort eigene geopolitische
       Interessen verfolgt. Zudem sieht sich Kremlchef Putin damit ungeachtet
       seines Angriffskriegs gegen die Ukraine willkommen auf internationaler
       Bühne. Putin hatte auch immer wieder Trumps Bemühungen um ein Ende des
       russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine begrüßt. Allerdings ist dort
       ein [1][Frieden nicht in Sicht].
       
       ## „Friedensrat“ und Exekutivkomitee
       
       Einladungen für den „Friedensrat“ erhielten etwa auch der türkische
       Präsident Recep Tayyip Erdoğan, Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi
       und Argentiniens Präsident Javier Milei. Das Gremium ist [2][Teil der
       zweiten Phase von Trumps Friedensplan für Gaza], die ein dauerhaftes
       Kriegsende und die Entwaffnung der islamistischen Terrororganisation Hamas
       vorsieht, was diese ablehnt.
       
       Das internationale Gremium soll die neue Übergangsregierung des im Krieg
       zwischen der Hamas und Israel weitgehend zerstörten Küstenstreifens
       beaufsichtigen. Trump selbst hat den Vorsitz. Dem Gremium gehören nach
       Angaben des Weißen Hauses unter anderem der frühere britische Premier Tony
       Blair, US-Außenminister Marco Rubio, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und
       der US-Sondergesandte Steve Witkoff an.
       
       ## Kritik an „kolonialen“ Plänen für Gazastreifen
       
       Regierungen weltweit haben zurückhaltend auf eine Einladung von
       US-Präsident Donald Trump reagiert, einem von ihm geführten „Friedensrat“
       zur Lösung globaler Konflikte beizutreten. Diplomaten warnten am Sonntag
       gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass dieser Plan die Arbeit der
       Vereinten Nationen beeinträchtigen könnte. Lediglich das EU-Land Ungarn,
       dessen rechtsnationaler Ministerpräsident Viktor Orbán ein enger
       Verbündeter Trumps ist, hat die an rund 60 Nationen gerichtete Einladung
       angenommen. Trump hatte auch Kanzler Friedrich Merz einen entsprechenden
       Brief geschrieben. Viele Regierungen bestätigten zwar den Erhalt des
       Briefes, der auch die Zahlung von einer Milliarde Dollar für eine mehr als
       dreijährige Mitgliedschaft vorsieht, äußerten sich aber zurückhaltend, ob
       sie der Initiative beitreten würden.
       
       Der Vorschlag ähnelt nach Ansicht eines EU-Diplomaten eher einer
       ⁠Klub-Mitgliedschaft, weil Trump ‍sich selbst als Chef auf Lebenszeit
       ernennen und über den Beitritt anderer Länder entscheiden wolle. „Es
       handelt sich um eine ‚Trump-Vereinte-Nationen‘, die die Grundprinzipien der
       UN-Charta ignoriert“, sagte ein anderer Diplomat. ⁠Drei weitere westliche
       Diplomaten sagten, es sehe so aus, als würde es die Vereinten Nationen
       untergraben, wenn es umgesetzt würde. „Und wenn wir das infrage stellen …
       fallen wir zurück in sehr, sehr dunkle Zeiten“, sagte Annalena Baerbock,
       Präsidentin der UN-Generalversammlung, Sky News.
       
       ## UNO reagiert gelassen
       
       UN-Generalsekretär Antonio Guterres reagierte gelassen. Es stehe den
       Mitgliedstaaten frei, sich in verschiedenen Gruppen zusammenzuschließen,
       sagte sein Sprecher am Sonntag. „Die Vereinten Nationen werden ihre ihnen
       übertragenen Aufgaben weiterhin wahrnehmen“, fügte er hinzu. In den
       vergangenen Jahren hatte es immer wieder Kritik an den wechselseitigen
       Blockaden im UN-Sicherheitsrat mit den Vetomächten USA, China, Russland,
       Großbritannien und Frankreich als ständigen Mitgliedern gegeben. Dennoch
       sehen die Bundesregierung und die EU die UN als wichtigste internationale
       Organisation zur Wahrung des Völkerrechts an.
       
       US-Präsident Trump hatte parallel zu dem Brief einen neuen Zollkonflikt mit
       europäischen Ländern [3][im Streit um das zu Dänemark gehörende Grönland]
       vom Zaun gebrochen, das er kaufen will. Seine Idee eines „Friedensrats“ ist
       eigentlich für den Wiederaufbau und einen Friedensprozess ⁠im Gazastreifen
       vorgesehen gewesen. Das Mandat des UN-Sicherheitsrates dafür gilt nur bis
       zum Jahr 2027 und betrifft ausschließlich den Gaza-Konflikt. Trump will
       daraus laut dem Reuters vorliegenden Brief aber den Friedensrat zu einem
       Gremium zur weltweiten Konfliktlösung machen. Die Eingeladenen hätten die
       Ehre, durch „Vorbild zu führen“ und „brillant“ in eine sichere und
       wohlhabende Zukunft zu investieren, schreibt er. Die Einladung gehe deshalb
       an „wundervolle und engagierte“ Partner. Diese könnten einen Repräsentanten
       ernennen, ⁠der dem von ihm geführten Rat angehören solle.
       
       ## Bundesregierung reagiert nicht
       
       Die Bundesregierung und andere führende europäische Länder reagierten
       zunächst nicht auf den Brief. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia
       Meloni erklärte bei ihrem Besuch in Südkorea, ihr Land sei „bereit, seinen
       Beitrag zu leisten“, wobei aber unklar blieb, ob sie sich konkret auf Gaza
       oder auf den umfassenderen Friedensprozess bezog. Der kanadische
       Regierungschef ‍Mark Carney erklärte am Sonntag, ⁠er habe Trumps
       Friedensrat für Gaza im Prinzip zugestimmt, obwohl die Details noch
       ausgearbeitet würden.
       
       Das US-Präsidialamt hatte ‌am Freitag einige Personen benannt, die dem
       Friedensrat für den Gazastreifen angehören sollen, und weitere Einladungen
       verschickt. Er soll vorübergehend das Aufsichtsorgan für die Verwaltung des
       Gazastreifens wahrnehmen, unter dem die seit Oktober geltende fragile
       Waffenruhe bestehen bleiben soll. Eine palästinensische
       Technokratenverwaltung soll die praktische Regierungsführung übernehmen. Zu
       dem Aufsichtsgremium sollen US-Außenminister Marco Rubio, der
       Sondergesandte Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und der
       ehemalige britische Premierminister Tony Blair gehören. Auch der türkische
       Präsident Recep Tayyip ‌Erdoğan wurde nach Angaben aus Ankara eingeladen.
       
       ## Kritik auch aus Israel
       
       Viele Experten und Aktivisten für Menschenrechte kritisieren, dass Trumps
       Vorsitz in einem Gremium zur Überwachung der Regierungsführung eines
       fremden Territoriums einer Kolonialstruktur ähnelt. Auch an Blairs
       Beteiligung gibt es wegen seiner Rolle im Irak-Krieg Kritik.
       
       Die Pläne von Trump stoßen selbst in Israel auf Kritik. Das Büro des
       israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erklärte, die
       Zusammensetzung eines separaten, elfköpfigen „Gaza-Exekutivkomitees“ zur
       ⁠Unterstützung der Technokraten-Regierung sei nicht mit Israel abgestimmt
       worden und widerspreche dessen Politik. Unter anderem ⁠gibt es Kritik an
       der Teilnahme des türkischen Außenministers Hakan Fidan.
       
       19 Jan 2026
       
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