# taz.de -- Trumps „Friedensplan“: Gaza-Waffenruhe geht in die zweite Phase
       
       > Die Ziele der ersten Phase wurden bisher nur teilweise umgesetzt.
       > Womöglich könnte jetzt wieder Bewegung in die festgefahrenen
       > Verhandlungen kommen.
       
 (IMG) Bild: Zeltlager für vertriebene Kriegsflüchtlinge im Zeitoun-Viertel von Gaza-Stadt
       
       Beinahe unauffällig hat die US-Regierung am Mittwoch den Beginn der zweiten
       Phase der [1][Waffenruhe im Gazastreifen] angekündigt. Statt einer
       Pressekonferenz erklärte der US-Sondergesandte Steve Witkoff beim
       Onlinedienst X, der Schritt läute die „vollständige Demilitarisierung und
       den Wiederaufbau von Gaza“ ein. Er sehe die „Schaffung einer
       palästinensischen Technokratenverwaltung“ vor. Die seit mehr als drei
       Monaten erwartete zweite Phase könnte Bewegung in die festgefahrenen
       Verhandlungen bringen, lässt jedoch viele Fragen offen.
       
       Schon die Ziele der ersten Phase wurden nur teilweise erreicht: Die auf
       Druck der US-Regierung erwirkte Waffenruhe seit dem 10. Oktober hat zur
       Freilassung aller noch lebenden israelischen Geiseln im Tausch für von
       Israel festgehaltene Palästinenser geführt. Israels Armee zog sich auf eine
       „gelbe“ Waffenstillstandslinie zurück, kontrolliert aber weiter mehr als
       die Hälfte des Gazastreifens.
       
       Die israelischen Angriffe auf den Küstenstreifen sind stark zurückgegangen,
       haben aber nicht aufgehört: [2][Seit Beginn der Waffenruhe wurden rund 450
       Palästinenser getötet], darunter laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef mehr
       als 100 Kinder. Kritiker fürchten eine Situation wie im [3][Libanon, den
       Israel auch ein Jahr nach dem Beginn einer Waffenruhe weiter regelmäßig
       bombardiert].
       
       Hilfslieferungen haben stark zugenommen, [4][bleiben laut
       Hilfsorganisationen und Hamas aber hinter dem zurück, was die rund zwei
       Millionen Menschen in dem weitgehend zerstörten Gebiet benötigen]. Zuletzt
       fegten schwere Winterstürme über den Küstenstreifen, in dem die meisten
       Menschen in Zelten und weitgehend ohne Infrastruktur leben. Mehrere
       Kleinkinder sind nach Angaben von Ärzten in Gaza erfroren.
       
       ## Technokratenkomitee und Stabilisierungstruppe
       
       Die Hamas hat ihrerseits nur 27 von 28 Leichen der am 7. Oktober 2023
       verschleppten Israelis zurückgegeben. Angehörige der Geiseln hatten die USA
       aufgefordert, nicht zur Phase zwei überzugehen. Witkoff rief die Hamas auf,
       ihren Teil der Vereinbarung einzuhalten „einschließlich der sofortigen
       Rückgabe der letzten verstorbenen Geisel“, andernfalls drohten „ernste
       Konsequenzen“.
       
       Phase zwei sieht nun weitreichendere Schritte vor: Auf Grundlage des
       2[5][0-Punkte-Plans von US-Präsident Donald Trump] soll ein
       palästinensisches Technokratenkomitee für eine Übergangsperiode die
       Verwaltung des Gazastreifens übernehmen und eine internationale
       Stabilisierungstruppe für Sicherheit sorgen. Die Hamas soll ihre Waffen
       vollständig abgeben und die israelische Armee sich weiter zurückziehen.
       
       Witkoff nannte keine Details zu dem Komitee. Ägyptens Außenminister Badr
       Abdelatty aber hatte kurz zuvor eine Einigung auf die Besetzung der 15
       Mitglieder bekannt gegeben. Geführt werden soll das Gremium von dem aus
       Gaza stammenden Palästinenser Ali Shaath, ehemals Vizeminister in der
       [6][Palästinensischen Autonomiebehörde]. Alle Mitglieder stammen laut dem
       US-Nachrichtenportal Axios aus Gaza und sind von den USA, Israel und den
       palästinensischen Fraktionen einschließlich der Hamas bestätigt.
       
       Gegenüber dem palästinensischen Radiosender Basma sprach Shaath über Pläne
       für den Wiederaufbau und betonte die Not der Menschen in Gaza, die binnen
       zwei Jahren fast alle mindestens einmal vertrieben wurden. Er machte jedoch
       auch deutlich, dass Sicherheit sowie die Koordination mit bewaffneten
       Gruppen nicht zu seinem Mandat zählten. „Es sind 15 Experten für
       Wiederaufbau – Köpfe statt Waffen“, sagte Shaath.
       
       ## Hamas hat die Entwaffnung bisher verweigert
       
       Doch bisher hat die Hamas ihrer Entwaffnung nicht zugestimmt und [7][sich
       seit Oktober tödliche Auseinandersetzungen mit rivalisierenden
       Palästinensergruppen geliefert.] Führende Hamas-Mitglieder hatten sich
       widersprüchlich geäußert: Chaled Mashal bezeichnete die Waffen als „das
       Recht unseres Volkes auf Selbstverteidigung“. Bassem Naim zeigte sich
       offen, sie „einzulagern“. Zwei US-Vertreter zeigten sich laut Axios
       optimistisch, dass die Gruppe ihrer Demilitarisierung zustimmen werde.
       
       Doch ist weiter unklar, wer die internationale Stabilisierungstruppe
       stellt, die im Gazastreifen für Sicherheit sorgen soll. Zwar ist etwa
       Indonesien dazu bereit, Soldaten zu schicken, besteht aber auf einem
       Bekenntnis zu einem künftigen palästinensischen Staat. Israels Führung
       lehnt das strikt ab.
       
       Die Arbeit des Technokratenkomitees soll Nickolay Mladenov überwachen, ein
       früherer bulgarischer UN-Diplomat. Er war von 2015 bis 2020
       UN-Sondergesandter für den Nahost-Friedensprozess. Der 53-Jährige
       untersteht seinerseits dem von Trump vorgeschlagenen „Board of Peace“, dem
       außer dem US-Präsidenten selbst internationale Politiker angehören sollen.
       Die sollen laut Medienberichten in den kommenden Tagen bekannt gegeben
       werden.
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Hilfe-fuer-Gaza/!6058933
 (DIR) [2] /Friedensplan-fuer-Gaza/!6138465
 (DIR) [3] /Israel-und-Libanon/!6143217
 (DIR) [4] /Israels-eingeschraenkte-Gazahilfe/!6140990
 (DIR) [5] /Trumps-Friedensplan-/!6112901
 (DIR) [6] /Gaza-Friedensplan/!6131879
 (DIR) [7] /Macht-in-Gaza/!6119226
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Felix Wellisch
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Gaza-Krieg
 (DIR) Israel
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Waffenruhe
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Israel
 (DIR) Israel
 (DIR) Gaza
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Israel wirft NGOs aus Gaza: „Wo wir arbeiten, gibt es oft niemand anderen“
       
       Israel lässt die Arbeitserlaubnis für 37 Hilfsorganisationen in Gaza
       auslaufen. Für die Menschen vor Ort ist das die nächste Katastrophe.
       
 (DIR) Diplomat über Israels Regierung: „Ohne eine glaubwürdige Lösung bleibt Israel isoliert“
       
       Der israelische Ex-Diplomat Jeremy Issacharoff kritisiert den
       strategielosen Gazakrieg. Und fordert eine realistische Lösung mit den
       Palästinensern.
       
 (DIR) Olivenernte in Gaza: Die Früchte von morgen
       
       Olivenbäume werden meist über viele Generationen vererbt, doch in Gaza hat
       der Krieg dieses Erbe zerstört. Olivenbauer Ayesh Muslih will trotzdem
       nicht aufgeben.