# taz.de -- Proteste in Iran: Erste Hinrichtungen in Iran befürchtet – Trump droht Teheran
> Die Proteste in Iran nehmen ab, doch die Lage bleibt angespannt.
> Menschenrechtler warnen vor Hinrichtungen, die USA ziehen Personal in
> Katar ab.
(IMG) Bild: Noch immer dringt wenig nach außen: Dieser Screenshot aus den staatlichen Medien Irans soll Teheran am 10. Januar zeigen
dpa/afp | Nach den schweren Unruhen und landesweiten Aufständen in Iran
kehrt in den Metropolen allmählich angespannte Normalität zurück. Zwar
seien in der Stadt an vielen wichtigen Orten noch Polizisten und
Sicherheitskräfte stationiert, jedoch nicht mehr in einem Ausmaß wie am
vergangenen Wochenende, berichteten Einwohner der Hauptstadt und
Millionenmetropole Teheran. „Vielleicht gibt es die Tage aber wieder
Proteste“, sagte ein Mann.
Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember
dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Am Dienstag wurden
einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur
noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert. Das CTP wird von den
in Washington ansässigen Denkfabriken Institute for the Study of War (ISW)
und American Enterprise Institute betrieben.
## Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen Proteste vor
Irans Sicherheitsapparat geht systematisch gegen die Massenproteste vor,
die der Staat als ausländische Intervention bezeichnet. Außenminister Abbas
Araghtschi verteidigte in einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen
das Vorgehen der Staatsmacht. Ursprünglich friedliche Proteste seien durch
„ausgebildete terroristische Elemente“ in Gewalt umschlugen, sagte er.
In einer Provinz meldete der Geheimdienst der iranischen Revolutionsgarden
die Festnahme mehrerer „Hauptverantwortlicher“ der Unruhen. Die
Generalstaatsanwaltschaft warnte unterdessen vor einer Zusammenarbeit mit
dem persischsprachigen Exilsender Iran International, den viele Iranerinnen
und Iraner trotz Internetsperre in den vergangenen Tagen in ihren
Wohnzimmern empfangen konnten. Laut Menschenrechtlern droht bereits die
erste Hinrichtung eines Demonstranten.
## Bericht: Repression könnte Demonstranten abgeschreckt haben
Der Bericht wies jedoch darauf hin, dass aufgrund der Internetsperre nur
wenige Informationen nach außen gelangen. Am vergangenen Donnerstag zählte
das CTP noch 156 Demonstrationen in 27 der 31 iranischen Provinzen. Die
Autoren verwiesen zudem auf die hohe Zahl an Todesopfern bei den Unruhen,
die sich allerdings nicht unabhängig verifizieren ließ. „Das Ausmaß an
Brutalität könnte die Demonstrierenden entmutigen und die Häufigkeit der
Protestaktivität verringern.“
Bewohner in Iran können seit Dienstag erstmals nach mehreren Tagen wieder
ins Ausland telefonieren. Sie beschrieben eine angespannte Ruhe in den
Städten. Die größten Massenproteste habe es demnach am vergangenen
Donnerstag und Freitag gegeben.
## USA ziehen Personal teilweise von wichtigem Militärstützpunkt in Katar
ab
Inmitten wachsender Spannungen mit dem Iran ziehen die USA ihr Personal auf
dem wichtigsten US-Militärstützpunkt im Nahen Osten teilweise ab. Ein Teil
der Mitarbeiter sei angewiesen worden, den Luftwaffenstützpunkt al-Udeid im
Golfemirat Katar bis Mittwochabend zu verlassen, erfuhr die
Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch aus Diplomatenkreisen. Demnach werden im
Fall eines militärischen Eingreifens der USA Vergeltungsangriffe Irans
befürchtet.
Zudem hat die US-Botschaft in Saudi-Arabien ihre Mitarbeiter zu erhöhter
Vorsicht aufgerufen. „Wegen der derzeitigen regionalen Spannungen“ solle
das Botschaftspersonal besonders vorsichtig sein und Besuche von
Militäreinrichtungen in der Region möglichst vermeiden, erklärte die
Botschaft in Riad am Mittwoch auf ihrer Website. Das Gleiche gelte für
US-Bürger, die sich in Saudi-Arabien aufhalten.
## US-Präsident droht Teheran zum wiederholten Mal
US-Präsident Donald Trump hat die Staatsführung der Islamischen Republik
Iran vor der Hinrichtung von Teilnehmern [1][der jüngsten Massenproteste
gewarnt]. „Wir werden sehr hart reagieren“, sagte der Republikaner dem
TV-Sender CBS News in Detroit. Näher führte Trump seine Drohung nicht aus.
Die iranische Justiz hatte zuvor die ersten Protestteilnehmer vor Gericht
gestellt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnte, dass
bereits heute das erste Todesurteil vollstreckt werden könnte. „Falls sie
das machen, werden wir sehr entschlossen handeln“, sagte Trump.
Seit Beginn der Proteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der
Islamischen Republik vor gut zwei Wochen hatte Trump Iran schon mehrfach
mit einem Eingreifen der USA gedroht, falls Demonstranten getötet würden.
Letzteren sagte er nun erneut Unterstützung zu. Hilfe sei unterwegs. Was er
damit meinte, war aber unklar. Auf der Plattform Truth Social schrieb
Trump: „Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure
Institutionen!“
## Berichte: Trump wurde von Angriff abgeraten
Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen Trumps Regierung nach
Informationen des US-Senders NBC News nahegelegt haben, vorerst von einem
Angriff auf Iran abzusehen. Sie seien der Ansicht, dass die Führung in
Teheran möglicherweise noch nicht ausreichend geschwächt ist, um durch
einen US-Angriff gestürzt zu werden, berichtete der Sender. Er berief sich
auf einen amtierenden und einen ehemaligen US-Beamten, eine mit Israels
Überlegungen vertraute Person sowie zwei arabische Regierungsvertreter.
Einige würden es vorziehen, abzuwarten, bis die Führung in Teheran noch
stärker unter Druck gerät, hieß es. Die Lage in Iran entwickele sich rasch.
Die Stabilität des Regimes [2][könne sich schnell in die eine oder andere
Richtung verändern.] Das Wall Street Journal berichtete, Irans arabische
Rivalen hätten sich bei der US-Regierung gegen einen Angriff auf Teheran
ausgesprochen.
Hinter den Kulissen hätten Saudi-Arabien, Oman und Katar das Weiße Haus
gewarnt, dass ein Versuch, die iranische Führung zu stürzen, die Ölmärkte
erschüttern und letztlich der US-Wirtschaft schaden würde, wurden arabische
Beamte zitiert. Vor allem fürchteten sie Auswirkungen in den eigenen
Ländern.
Außenminister Johann Wadephul sieht für Irans Führung keine Legitimation
mehr. Wenn ein „Regime“ Demonstrationen nur noch mit Waffengewalt
niederschießen könne, sehe man, dass es „am Ende“ sei, sagte der
CDU-Politiker in den ARD-„Tagesthemen“ am Rande seines US-Besuchs. „Es
verliert jede Legitimation. Es verliert jede Berechtigung, dieses Land zu
regieren.“
## Bewohner Teherans berichten von angespannter Ruhe
In der iranischen Hauptstadt herrscht unterdessen angespannte Ruhe, wie
Bewohner am Telefon erzählten, nachdem am Dienstag erstmals wieder Anrufe
ins Ausland möglich waren. Ab Samstag seien die Demonstrationen zunehmend
kleiner geworden, hieß es. Einige Protestteilnehmer hätten sich nach den
Drohungen von Trump ein Eingreifen der Vereinigten Staaten gewünscht. „Wir
hören, dass täglich Hunderte Opfer – Tote und Verletzte – in die
Krankenhäuser gebracht werden. Die Lage ist nicht gut“, sagte ein junger
Mann am Telefon.
Der britische Guardian berichtete unter Berufung auf Ärzte in Teheran, dass
es sich bei den Schusswunden meist um Verletzungen an den Augen handele.
Die Sicherheitskräfte würden absichtlich auf den Kopf und die Augen
schießen. Das sei laut Menschenrechtlern eine schon bei früheren Protesten
angewandte Taktik, berichtete die Zeitung weiter. Ein Augenarzt habe allein
in einem Krankenhaus mehr als 400 durch Schüsse verursachte
Augenverletzungen dokumentiert. Vielen Patienten hätten die Augen entfernt
werden müssen.
## Trump deutet hohe Opferzahl in Iran an
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen
sind seit dem Ausbruch der Proteste mindestens 2.500 Menschen in Iran ums
Leben gekommen. Trump sagte im CBS-Interview, es gebe verschiedene Angaben
zur Zahl der getöteten Demonstranten. „Aber es sieht so aus, dass es eine
beträchtliche Zahl sein könnte. Und das wird für sie viele Probleme
bedeuten“, sagte der Präsident mit Blick auf die Führung in Teheran.
Die durch eine Wirtschaftskrise ausgelösten Proteste haben sich zu
[3][einem landesweiten Aufstand entwickelt]. In Städten kam es zu schweren
Unruhen. Es sind die heftigsten Massenproteste in Iran seit Jahren. Die
Staatsführung verteidigt das gewaltsame Vorgehen gegen die Demonstranten
damit, dass es sich bei den Teilnehmern um „Terroristen“ oder „Randalierer“
gehandelt habe.
## Erste Anklagen gegen Demonstranten
Die Justiz des Landes leitete unterdessen erste Anklagen gegen
festgenommene Demonstranten in die Wege. Im Raum steht dabei auch der
Vorwurf der „Kriegsführung gegen Gott“ – ein Tatbestand, der nach
islamischem Recht in Iran mit der Todesstrafe geahndet werden kann. Auch
bei früheren Protestwellen hatte die Justiz des Landes Todesurteile
verhängt.
Das Internet bleibt derweil gesperrt. Die Menschen in Iran sind daher stark
auf den Satellitendienst Starlink von Elon Musk angewiesen, um Videos von
den Protesten mit der Welt zu teilen. Musks Firma SpaceX machte den Dienst
für das Land kostenlos, wie dem Finanzdienst Bloomberg bestätigt wurde.
Irans Behörden gelang es aber laut Medienberichten, den Empfang teils zu
stören.
## Sicherheitskräfte gehen gegen Satelliten-Internet vor
Am Wochenende hätten die Behörden zudem im Westen Teherans mit der Suche
nach und der Beschlagnahme von Starlink-Antennen begonnen, zitierte das
Wall Street Journal die Miaan Group, eine US-Organisation, die sich gegen
Internetzensur einsetzt. Antennen und Empfangsgeräte für Starlink sind
verboten. Dennoch sollen Schätzungen nach etwa 20.000 der Terminals ins
Land geschmuggelt worden sein. Auch normale Satellitenschüsseln sind
offiziell verboten. In mehreren Teilen Teherans begannen die
Sicherheitskräfte, auch diese zu beschlagnahmen – eine alte Praxis aus der
Zeit vor dem Internet.
14 Jan 2026
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