# taz.de -- Demo an iranischer Botschaft in Berlin: Polizei schützt Flagge des Iran-Regimes
       
       > Demonstranten entfernen erfolgreich die Fahne der Islamischen Republik
       > Iran auf deren Botschaftsgelände. Vorherige Versuche scheitern.
       
 (IMG) Bild: Vielen ein Dorn im Auge: die iranische Flagge vor der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Berlin
       
       In der Nacht auf Mittwoch entfernten Demonstranten erfolgreich die Fahne
       der Islamischen Republik Iran auf deren Botschaftsgelände in Berlin-Dahlem.
       Laut Pressebericht der Polizei seien „zwei Männer im Alter von 28 und 33
       Jahren“ auf das Botschaftsgrundstück vorgedrungen und hätten erfolgreich
       die Flagge entfernt. „Der Objektschützer setzte daraufhin sein
       Reizstoffsprühgerät“ ein, beschreibt die Polizei ihr Vorgehen. Dadurch
       blieb der Versuch, die sogenannte „Sonne und Löwe“-Flagge zu hissen,
       erfolglos.
       
       Nachdem die Demonstranten mit Pfefferspray vom Botschaftsgelände vertrieben
       wurden, verletzte sich einer von ihnen beim Überklettern des Zauns.
       „Einsatzkräfte nahmen das Duo mittels körperlichen Zwangs in Form von
       Zug-Druck-Techniken fest“, berichtet die Berliner Polizei. Die
       Demonstranten müssen sich nun „wegen des Verdachts der Sachbeschädigung,
       des Hausfriedensbruchs und der Verletzung von Flaggen und Hoheitszeichen
       ausländischer Staaten verantworten“.
       
       Grund für die Ausschreitungen an der Botschaft sind [1][die seit zwei
       Wochen anhaltenden Proteste] weiter Teile der iranischen Bevölkerung gegen
       das iranische Regime. Die Aktion in Berlin hat internationale Vorbilder.
       
       Viral ging ein Video, das einen Demonstranten in London zeigt, der es
       geschafft hat, auf das Vordach des iranischen Botschaftsgebäudes in der
       britischen Hauptstadt zu klettern. Dort reißt er die Fahne der Regierung
       herunter, die seit der iranischen Revolution im Jahr 1979 von dem
       Mullah-Regime Verwendung findet. Im Anschluss hisst er die historische
       „Sonne und Löwe“-Flagge. Sie steht seit der iranischen Revolution in
       Verbindung mit regimekritischen Protesten. Ähnliche Aktionen gab es zudem
       an der Botschaft in Washington und im iranischen Generalkonsulat in
       München.
       
       ## Solidaritätsbekundungen in Berlin
       
       Auch in Berlin verging in den letzten Wochen [2][kaum ein Tag, an dem nicht
       Solidaritätsbekundungen mit der iranischen Bevölkerung stattfanden] – wo
       viele die monarchistische Flagge als Symbol für den Widerstand schwenkten.
       Vergangene Nacht war denn auch nicht der erste Versuch, sich in Dahlem der
       offiziellen Flagge zu bemächtigen. Demonstranten hatten am
       Sonntagnachmittag bereits versucht, auf das Gelände der Botschaft
       vorzudringen. Videomaterial, das der taz vorliegt, zeigt, wie die Polizei
       Berlin die Demonstranten daran gehindert hat.
       
       „Nicht schlagen! Nicht schlagen!“, hört man in dem Video einen empörten
       Demonstranten von hinter der Kamera rufen. Nur ein paar Sekunden zuvor
       erklettert ein junger Mann den Zaun des iranischen Botschaftsgeländes in
       Dahlem. Drei Polizeibeamte kommen angerannt, mehrere folgen. Sie ziehen den
       Mann am Hosenbund aus einem halben Meter Höhe auf die Straße zurück und
       werfen ihn zu Boden. Ein Polizist legt sich auf ihn, drei weitere bücken
       sich über die Szene und verdecken die Sicht auf das Geschehen. Zum lauten
       Protest der Demonstrierenden ist zu sehen, wie ein Polizeibeamter seinen
       rechten Arm zum Schlag ausholt und dem festgesetzten Mann mehrere
       Rippenschläge verpasst. „Er schlägt mit der Faust auf die Rippen!“, ruft
       der Kameramann ungläubig, „wir machen eine Anzeige!“
       
       Nachdem Beamte den jungen Mann abführen und in einen Kastenwagen stecken,
       erschallt der erzürnte Sprechchor der Masse: „Lasst ihn raus!“ Der
       Kameramann wechselt daraufhin auf die Front-Kamera und filmt sich selber.
       Er trägt einen roten Hut mit dem „Sonne und Löwe“-Emblem.
       
       Das Vorgehen der Berliner Polizei wirft Fragen auf an einem Punkt, wo sich
       [3][weite Teile der internationalen Politiker:innen mit der
       Zivilbevölkerung Irans solidarisieren]. „Wird die iranische
       ‚Terror‘-Botschaft in Berlin besser geschützt als die Iraner im Exil, die
       sich vor den iranischen Geheimagenten immer noch fürchten müssen?“, fragt
       die Aktivistin und Grünen-Gründerin Eva Quistorp.
       
       Quistorp verweist auf ihre „jahrelangen Kenntnisse in der Zusammenarbeit
       mit der iranischen Opposition“. Nach ihrer Einschätzung sollte es hier
       nicht „um linke Illusionen“ gehen, „dass man jetzt die beste Demokratie
       aller Zeiten ohne Kompromisse an die Macht kriegt“. Vielmehr sind auch die
       Ausschreitungen vor der Berliner Botschaft im Licht der Notwendigkeit zu
       betrachten, „die Leute vor den Hinrichtungen und vor Folter zu bewahren“.
       
       Die Proteste gegen das iranische Regime halten jedenfalls an. Für den
       Mittwochabend ist eine Solidaritätsdemonstration für die Protestierenden in
       Iran um 17 Uhr am Hermannplatz angekündigt.
       
       14 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nathan Pulver
       
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