# taz.de -- Proteste in Iran: „Wir brauchen dringend Hilfe“
       
       > Die Proteste in Iran scheinen weniger zu werden, weil das Regime extrem
       > brutal reagiert. Was Menschen in Iran über eine Intervention von außen
       > denken.
       
 (IMG) Bild: Über allem schwebt drohend der Blick der Revolutionsgarden, der Schutztruppe des Regimes: Straßenszene in Teheran, 6. Januar
       
       US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag US-Amerikanerinnen und
       US-Amerikaner angesichts der explosiven Lage dazu aufgefordert, Iran
       umgehend zu verlassen. Zugleich [1][warnte er die an der Macht befindliche
       iranische Führung davor, erneut mit brutaler Gewalt gegen die eigene
       Bevölkerung vorzugehen]. Sollten die Machthaber Proteste wieder blutig
       niederschlagen, werde das Konsequenzen haben: „Hilfe ist unterwegs“,
       schrieb er auf der Plattform Truth Social in Richtung der Demonstrierenden.
       Zudem warnte er als Reaktion auf eine Warnung von Amnesty International,
       das iranische Regime könnte am Mittwoch die erste Hinrichtung vollstrecken,
       man werde „sehr entschlossen handeln“.
       
       Kommunikation mit Iran ist derzeit allerdings kaum noch möglich ist.
       [2][Seit sechs Tagen ist das Internet vollständig abgeschaltet]. Die
       Telekommunikation ist sowohl innerhalb des Landes als auch ins Ausland
       weiterhin massiv gestört. Die wenigen Quellen, denen es gelingt, über
       Starlink-Verbindungen Kontakt zur Außenwelt herzustellen, berichten, dass
       die Proteste seit Sonntag deutlich zurückgegangen seien. Das Regime soll in
       zahlreichen Städten äußerst gewaltsam vorgegangen sei. Augenzeugen sprechen
       von Tausenden Ermordeten. Sie sprechen von Massakern und äußern zugleich
       ihre Enttäuschung über die ausbleibenden Konsequenzen aus dem Ausland.
       
       „Sie haben viele ermordet. Wir sind Geiseln dieses Systems. Wo ist die
       Hilfe und Unterstützung, die uns versprochen wurde?“, sagt ein junger Mann
       aus Teheran.
       
       ## „Wir brauchen sofort Unterstützung“
       
       „Es ist egal, welche politische Einstellung man hat, wenn es um
       Menschenleben geht. Wir brauchen sofort Unterstützung. Wir fühlen uns
       eingekesselt, hier findet gerade ein Massaker statt“, sagt ein Mann
       mittleren Alters aus Isfahan.
       
       „Wir waren in Kahrizak. Dort haben wir mehr als 400 Leichname gesehen, sie
       passten nicht mehr in die Räume und lagen auf dem Boden der Halle. Sie
       schießen mit militärischer Munition. Vor meinen Augen wurden Menschen
       direkt erschossen. Wir brauchen dringend Hilfe“, berichtet ein junger Mann
       aus Islamshahr.
       
       Viele der Menschen, die es trotz der anhaltenden Internet- und
       Kommunikationssperre geschafft haben, Kontakt aufzunehmen, schildern ein
       ähnliches Bild. Ihre Beschreibungen decken sich, obwohl die Kontaktpersonen
       einander nicht kennen, aus unterschiedlichen Städten stammen und unabhängig
       voneinander berichten. Alle zeigen sich erschüttert darüber, dass noch
       keine Unterstützung aus dem Ausland kam. Auffällig ist, dass sie den
       Begriff „militärische Intervention“ meist vermeiden. Stattdessen sprechen
       sie von „Hilfe“, „Unterstützung“ und „Support“.
       
       „Wallah, sie ermorden uns in einem Ausmaß, das ihr euch nicht vorstellen
       könnt. Die Straßen sind leer, weil sie sich unter Demonstrierende gemischt
       und auf Menschenmengen geschossen haben“, sagt ein weiterer Mann aus
       Teheran. „Mit bloßen Händen können wir dieses Regime niemals stürzen.“
       
       ## „Mittlerweile wird kaum noch protestiert“
       
       Die Proteste, sagt er, hätten ob der brutalen Reaktion des Regimes
       abgenommen: „Mittlerweile wird kaum noch protestiert. Die Menschen suchen
       in Krankenhäusern nach den Leichnamen ihrer Angehörigen. Scharfschützen
       stehen auf den Dächern und schießen gezielt auf Menschen.“
       
       Auch Analysten, die das Protestgeschehen seit ihrem Beginn Ende Dezember
       dokumentieren, verzeichneten einen deutlichen Rückgang. Am Dienstag wurden
       einer Analyse des amerikanischen Critical Threats Project (CTP) zufolge nur
       noch sieben Proteste in sechs Provinzen registriert.
       
       Bereits vor der von der iranischen Führung verhängten Nachrichtensperre
       seit dem 8. Januar hatten sich Menschen in Iran sowohl in sozialen Medien
       als auch in Gesprächen offen geäußert. „Viele denken: Die
       Wahrscheinlichkeit, vom Regime erschossen zu werden, ist höher, als in
       einem direkten Krieg zwischen den USA und Iran zu sterben“, sagte eine Frau
       aus Karadsch der taz.
       
       Als Bilder von der Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolás
       Maduros durch die USA Anfang Januar im persischsprachigen Raum kursierten,
       äußerten viele den Wunsch, ähnliche Bilder eines festgenommenen Ali
       Chamenei, des obersten Führers der Islamischen Republik, vor einem
       internationalen Gericht zu sehen. Allerdings ist die geopolitisch fragile
       Lage in der Region mit den Interessen vieler unterschiedlicher Akteure
       überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation in Venezuela.
       
       Die Proteste waren Ende Dezember ausgebrochen und nahmen an Fahrt auf, als
       kurdische Parteien zu Streiks aufriefen – zunächst als Reaktion auf
       Verbrechen des Regimes in einem Krankenhaus in Ilam und anderen kurdischen
       Städten. Kurz darauf rief Reza Pahlavi, der älteste Sohn des letzten
       Schahs, am 8. Dezember aus dem Exil zu landesweiten Protesten auf. Pahlavi
       ist als Oppositionsfigur umstritten, die Kurdinnen und Kurden folgen ihm
       nicht.
       
       Unklar ist, ob Pahlavi damit gerechnet hat, dass die kurdische Bevölkerung
       ihn so klar ablehnen würde. Auch, ob er mit der fehlenden Strategie der
       westlichen Staaten gerechnet hat. Es bleibt derzeit vieles unübersichtlich.
       
       14 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Proteste-in-Iran/!6145489
 (DIR) [2] /Massenproteste-im-Iran/!6145455
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Mina Khani
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Reza Pahlavi
 (DIR) Teheran
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Schwerpunkt Konflikt zwischen USA und Iran
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) wochentaz
 (DIR) Schwerpunkt Iran
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Proteste in Iran
 (DIR) Reza Pahlavi
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Proteste in Iran: Es gelten jetzt Ausgangssperren
       
       Eine iranische Menschenrechtsorganisation spricht von Massenmord.
       Staatliche Kräfte würden gezielt fliehende Demonstrant*innen
       erschießen.
       
 (DIR) Omid Nouripour zur Lage in Iran: „Das Grundgefühl ist Schmerz“
       
       Irans Regime habe an Macht eingebüßt, sagt Grünen-Politiker Omid Nouripour.
       Ein Gespräch über die Zukunft des Landes und seine Kindheit in Teheran.
       
 (DIR) Proteste in Iran: Teheran streitet Hinrichtungen von Demonstranten ab
       
       In der Nacht hatte Iran zeitweise seinen Luftraum geschlossen, aus Sorge
       vor einem US-Angriff. Dass die USA militärisch eingreifen, bleibt weiterhin
       möglich.
       
 (DIR) Proteste in Iran: Erste Hinrichtungen in Iran befürchtet – Trump droht Teheran
       
       Die Proteste in Iran nehmen ab, doch die Lage bleibt angespannt.
       Menschenrechtler warnen vor Hinrichtungen, die USA ziehen Personal in Katar
       ab.
       
 (DIR) Massenproteste in Iran: Fragen und Antworten zur Internet-Sperre
       
       In Iran sollen tausende Menschen getötet worden sein. Seit Donnerstag ist
       das Netz dort blockiert. Was bedeutet der Internet-Blackout für die
       Menschen?
       
 (DIR) Iranische Diaspora: Sie lernen es einfach nicht!
       
       Während Protestierende in Iran Zusammenhalt fordern, ist die Diaspora
       heillos zerstritten. Dabei führt die Spaltung dazu, dass Aufstände
       scheitern.