# taz.de -- Proteste gegen das islamische Regime: Irans Sehnsucht nach dem Schah
> Tausende protestieren gegen das islamische Regime. Im Kampf ums Überleben
> ist Reza Pahlavi, Sohn des letzten Monarchen, für viele der
> Hoffnungsträger.
(IMG) Bild: Die iranische Opposition bei einer Demonstration in Los Angeles am 4. Januar
[1][Die Straßenproteste gegen die islamische Regierung im Iran] haben eine
entscheidende Phase erreicht. Inmitten der unzähligen Parolen ist dabei ein
Name immer wieder zu hören: Reza Pahlavi. Vor allem junge
Demonstrant:innen skandieren: „Oh Schah von Iran, kehre zurück nach
Iran!“
Eine Szene, die vor Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Der Name des
Sohns des letzten iranischen Monarchen ist zurück im öffentlichen Diskurs.
Sprüche wie „Dies ist die letzte Schlacht. Pahlavi wird zurückkehren!“ sind
nun allgegenwärtig. Initiiert wurden die aktuellen Proteste von
Basarhändlern, die auf die desolate Wirtschaftslage im Land aufmerksam
machen wollten[2][. Doch es geht längst um mehr: den Sturz des Regimes.]
Die Regierung reagiert darauf mit brutaler Repression. Laut
Menschenrechtsorganisationen starben bereits Dutzende Menschen, rund 1.000
sollen festgenommen worden sein. Die Proteste haben sich auf das gesamte
Land ausgeweitet.
Viele Demonstrant:innen sehen offenbar die Rückkehr zur Monarchie als
einzigen Weg zur Befreiung. Am Donnerstagabend beteiligten sich Tausende an
Protestmärschen in Teheran und anderen Städten. Dazu aufgerufen hatte Reza
Pahlavi.
Der älteste Sohn von Mohammad Reza Schah Pahlavi, dem letzten iranischen
Monarchen, und Kaiserin Farah Diba, wurde 1960 in Teheran geboren und war
erst 18 Jahre alt, als die islamische Revolution 1979 die Monarchie
stürzte. Damals machte er in den USA eine Ausbildung zum Kampfpiloten und
konnte seitdem nie wieder in den Iran zurückkehren. Nach der Flucht der
Familie Pahlavi und dem Tod von Mohammad Reza Schah 1980 wurde Reza Pahlavi
zum symbolischen Thronfolger im Exil, und in den Augen der weltweit
versprengten Monarchisten zum Oberhaupt des Königshauses.
## Reza Pahlavi will die Opposition einen
Für viele seiner Anhänger:innen verkörpert er den vorrevolutionären
Iran. Er erinnert sie an eine Zeit, als das Land trotz innenpolitischer
Repression und struktureller Probleme in direktem Kontakt mit dem Westen
stand und viele Bürgerrechte, darunter die freie Kleiderwahl für Frauen,
noch weit verbreitet waren.
In den letzten Jahren hat Reza Pahlavi versucht, seine Rolle als einigende
Figur der Opposition auszubauen. Er hat alle Gegner des islamischen
Regimes, einschließlich der antimonarchistischen Republikaner:innen, zum
Kampf aufgerufen. Nach dem Ende der Islamischen Republik soll es ein
Referendum geben, und Pahlavi will demokratische Strukturen auf Basis
dieser Volksabstimmung unterstützen.
Doch ist er tatsächlich ein „einigendes Symbol der Opposition“? Oder nur
der im Exil lebende Thronfolger seines Vaters? Unter den oppositionellen
Iraner:innen ist das umstritten.
Die Pahlavi-Dynastie regierte den Iran 53 Jahre lang, von 1925 bis 1979.
Reza Schah, Reza Pahlavis Großvater, legte nach dem Fall der
Kadscharen-Dynastie den Grundstein für den modernen Iran. Sein Ansatz
sorgte für Widerstand, vor allem von traditionellen Klerikern, die den
Säkularismus des Kaisers ablehnten. Während des Zweiten Weltkriegs wurde
Reza Schah unter dem Druck der Alliierten zur Abdankung gezwungen, und sein
Sohn Mohammad Reza Schah bestieg den Thron.
## Sichtbarkeit auf internationalem Parkett
Die Herrschaft Mohammad Reza Schahs glich einer Mischung aus rasanter
Modernisierung mit zunehmendem politischen Autoritarismus. In den 1970er
Jahren hatte sich der Iran zu einer regionalen Macht entwickelt, sowohl
wirtschaftlich als auch militärisch.
Die wachsende Unzufriedenheit mit dem säkularen Machthaber gipfelte
schließlich in der Revolution von 1979 unter der Führung Ruhollah
Chomeinis, unterstützt von einer breiten Koalition religiöser Kräfte und
der muslimischen Linken, den sogenannten Volksmudschahedin.
Reza Pahlavi, Sohn des gestürzten Schahs, lebt nun seit über vier
Jahrzehnten außerhalb des Irans, hauptsächlich in den USA. Er trifft sich
mit westlichen Politiker:innen, nimmt an internationalen Konferenzen teil
und tritt in ausländischen Medien auf.
[3][2023 besuchte er sogar Israel,] das die Islamische Republik offen als
ihren Hauptfeind bezeichnet. Während dieser historischen Reise traf Pahlavi
hochrangige Regierungsvertreter, darunter Premier Benjamin Netanjahu, und
wurde beim Gebet an der Klagemauer in Jerusalem mit Kippa fotografiert. Für
seine Anhänger stärkte das sein internationales Ansehen. Bei seinen Gegnern
sorgte der Besuch für heftige Kritik. 2025 wurde Pahlavi als „Sprecher der
iranischen Opposition“ zunächst zur Münchner Sicherheitskonferenz
eingeladen. Später wurde die Einladung von Deutschland aus politischen
Erwägungen wieder zurückgezogen.
Pahlavis Basis ist heute breit aufgestellt. Zum einen gibt es die
traditionellen Monarchist:innen, jene, die sich ideologisch der
konstitutionellen Monarchie verpflichtet fühlen und Pahlavi als Irans
legitimen König betrachten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich
dieser Gruppe eine jüngere Generation angeschlossen, die die Ära des Schahs
nie selbst erlebt hat. Außerdem sind da säkulare, westlich orientierte
Liberale, die nicht unbedingt Monarchisten sind, aber Pahlavi dennoch
unterstützen. Sie befürchten, dass nach dem Ende der Islamischen Republik
radikale linke Kräfte oder extremistische antiwestliche Islamisten die
Macht ergreifen könnten.
## Viele Fans und scharfe Kritik
Auf der anderen Seite stehen republikanische Gruppen, darunter
Nationalisten, Sozialdemokraten und Linke, die allesamt den wachsenden
Einfluss Pahlavis innerhalb der Opposition entschieden ablehnen. Ihre
Einwände sind vielfältig.
Republikanische Parteien und Organisationen erklären, dass sie jede auf
Lebenszeit vergebene Position im erhofften künftigen politischen System
Irans ablehnen – sei es ein Schah oder ein religiöser Führer. Andere
argumentieren, dass es Pahlavi an Entschlossenheit und Kompetenz fehle.
Einige Kritiker behaupten sogar, er scheue sich, konkrete
Führungsverantwortung zu übernehmen. Zudem wird auf die historisch engen
Verbindungen der Familie Pahlavi zu konservativen Regierungen in den USA,
Israel und Saudi-Arabien verwiesen. Kritiker:innen warnen davor, dass
die ausländische Unterstützung den Iran künftig in die Abhängigkeit treiben
könnte.
Reza Pahlavi verkörpere einen historischen Weg der modernen Entwicklung,
den zwei Generationen vor ihm beschritten und der heute von ihm
weitergeführt werde, sagt Mehdi Hajati. Einen Weg, der dem Gemeinwohl des
Irans diene. Hajati ist iranischer Politiker und lebt in den USA. Er war
Mitglied des Stadtrats von Schiraz und wurde verhaftet und inhaftiert,
nachdem er Angehörige der Religionsgemeinschaft der Bahai unterstützt
hatte. Nach seiner Ausreise aus dem Iran wurde Hajati zum aktiven
Befürworter der Monarchie.
Jede Alternative zu einer etablierten Macht brauche einen Repräsentanten,
sagt Hajati. 47 Jahre lang habe ein repressives Regime Bürger zum Schweigen
gebracht und Stimmen erfunden, die vorgaben, den Volkswillen zu
repräsentieren. Dieser „Käfig“ sei nun gesprengt. Die Menschen, so meint
er, glaubten nicht länger an Propaganda und sprächen sich offen für eine
Monarchie aus – eine Staatsform die nach westlichem Vorbild durchaus mit
der Demokratie vereinbar sei.
## Abgrenzung vom „Royalismus“
Faradsch Sarkuhi sieht das anders. Der linke iranische Journalist, der in
Deutschland lebt, überlebte 1996 einen Mordversuch, wurde später vom
iranischen Geheimdienst entführt und 48 Tage in einem geheimen Gefängnis
festgehalten. Aus seiner Sicht hatte die Unterstützung für Reza Pahlavi
anfangs einen nostalgischen Charakter, der die Ära von Mohammad Reza Schah
idealisierte. Mangels Alternativen sei diese Nostalgie allmählich zur
politischen Weltanschauung geworden.
Laut Sarkuhi befürwortet ein Teil der Gesellschaft eine Rückkehr zur
Pahlavi-Monarchie. Entscheidend sei dabei die Wahrnehmung jener Ära durch
die Menschen: die damaligen Beziehungen zum Westen, die wirtschaftliche
Entwicklung und die gesellschaftlichen Freiheiten. Der Widerstand gegen ein
Regime mit Repressionsapparat erfordere jedoch die Bündelung verschiedener
prodemokratischer Kräfte und gesellschaftlicher Schichten – etwas, das
Sarkuhi in Reza Pahlavis Programmen nicht erkennen kann. Der Slogan „Es
lebe der Schah!“ vereine zwar Pahlavis Anhänger:innen, entfremde aber
andere, darunter die Arbeiter:innenbewegung, Frauen und Minderheiten.
Pahlavis Beliebtheit spiegele nicht seine Fähigkeiten wieder, sagt Sarkuhi,
sondern das Fehlen von Alternativen.
Pahlavi selbst hat stets betont, dass die Entscheidung über Irans künftiges
politisches System beim Volk liegen müsse. Immer wieder versucht er, sich
vom Vorwurf des „Royalismus“ zu distanzieren. Er strebt keine Erbmonarchie
an und will die Entscheidung der Iraner:innen für eine Republik oder ein
anderes System respektieren. Aber: Er scheut sich auch nicht, die Titel
Prinz oder Kronprinz zu führen und beschreibt sie als Teil seiner
historischen Identität.
Liberale, linke, grüne Gruppen sowie die Frauenbewegung sind im Iran
weiterhin gespalten. Doch wenn die Demonstrationen anhielten, hofft der
Journalist Sarkuhi, würden progressive Kräfte noch sichtbarer. Sie könnten
womöglich eine Alternative im politischen Vakuum werden.
Die Autorin war 2024 Stipendiatin des [4][Auszeit-Programms Rest and
Resilience], das die taz Panter Stiftung jährlich ausrichtet.
9 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mahtab Qolizadeh
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