# taz.de -- Öl aus der Islamischen Republik: Wie China auf die Proteste in Iran blickt
> Wenn sich US-Präsident Donald Trump im Iran einmischt, will er damit laut
> chinesischen Kommentatoren nur wieder Chinas Aufstieg behindern.
(IMG) Bild: Iranischer Messestand bei der Import Expo im November 2025 in Shanghai
Als Pekings Verbündeter Nicolás Maduro von US-Spezialkräften aus Venezuela
abgeführt wurde, hat dies die chinesische Parteiführung [1][„zutiefst
schockiert“]. Doch knapp 12.000 Kilometer nordöstlich droht in Teheran nun
ein weiterer Regierungssturz, der für Peking deutlich schwerwiegendere
Konsequenzen nach sich ziehen würde. Am Montag warnte Mao Ning, Sprecherin
des chinesischen Außenministeriums, die USA, sich nicht in die inneren
Angelegenheiten des Iran einzumischen.
Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump am Montag US-Zeit, ab sofort
25-Prozent Strafzölle gegen alle Handelspartner des Iran zu verhängen,
kritisierte Peking umgehend. Es sei die Überzeugung der chinesischen
Führung, „dass es keine Gewinner bei einem Zollkrieg gibt“, sagte die
Außenamtssprecherin Mao Ning am Dienstag in Peking. China werde „seine
legitimen Rechte und Interessen entschlossen verteidigen“.
Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping hatten im Oktober bei einem Treffen
in Südkorea eigentlich eine Pause im Zollstreit der beiden größten
Volkswirtschaften der Welt vereinbart. Der Professor für internationale
Beziehungen der Pekinger Renmin-Universität, Cui Shoujun, sagte laut dpa,
China werde seine wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Iran wegen Trumps
Ankündigung nicht verringern. China und Iran unterhielten seit geraumer
Zeit Beziehungen in Handel, Wirtschaft und beim Erdöl.
Nach Russland und Saudi-Arabien liefert der Iran die drittgrößte Menge Öl
an die Volksrepublik. „Ich kann gar nicht genug betonen, wie eng Iran
wirtschaftlich an China gebunden ist“, argumentiert der China-Experte Isaac
Stone Fish von der Beratungsfirma „Strategy Risks“. Sollte die Regierung in
Teheran fallen, wie zuvor Caracas gefallen ist, könne dies laut Stone Fish
„Chinas Fähigkeit, sich mit Energie zu versorgen, erheblich
beeinträchtigen“, argumentiert der ehemalige Peking-Korrespondent auf der
Online-Plattform X.
## Chinesische Hilfe bei Internetblockade im Iran?
Laut Medienberichten hat China Teheran offenbar gezielt militärische
Störsender zur Verfügung gestellt, mit denen es dem Regime gelungen sei,
das [2][von Elon Musks Starlink-Satelliten zur Verfügung gestellte
Internet] nahezu vollständig zu blockieren. Zuvor hatten chinesische
Forscher untersucht, wie man im Ernstfall die Starlink-Technologie über
Taiwan ausschalten könne, um die demokratisch regierte Insel vom Internet
abzuschneiden.
Innerhalb Chinas Polit-Kommentatoren sehen viele die Krise im Iran vor
allem unter geopolitischen Gesichtspunkten. Für den nationalistischen
Blogger Zhao Shengye etwa ist der Fall klar: Donald Trump möchte im Iran
eine weitere, indirekte Front gegen China eröffnen. Denn nachdem Washington
sowohl im Zoll-Konflikt als auch beim sogenannten Chip-Krieg um die
Technologieführerschaft bei Halbleitern herbe Verluste einstecken musste,
wolle man nun den chinesischen Aufstieg durch die Kontrolle der globalen
Ölreserven eindämmen.
„Die Unterstützung Israels ist dabei nur eine oberflächliche
Rechtfertigung; in Wirklichkeit geht es darum, unsere Energie-Lieferkette
zu erwürgen – eine Fortsetzung der Invasion Venezuelas“, schreibt Zhao.
China müsse nun wachsam sein und sich auf „militärische Handlungen in
externen Konfliktzonen vorbereiten“, analysiert er auf seinem
Weibo-Account.
Die Berichterstattung in den Staatsmedien über die Situation im Iran ist
derzeit noch sehr verhalten – und beschränkt sich weitgehend auf die
Perspektive des Mullah-Regimes. In den Abendnachrichten des Rundfunksenders
CCTV etwa wird auf die anhaltenden Anti-Regierungs-Proteste bislang gar
nicht eingegangen.
## Influencer: Im Iran protestiert gesellschaftlicher Abschaum
Und von den großen Polit-Influencern mit abermillionen Followern auf den
sozialen Medien werden die Demonstranten vor allem als Terroristen oder
Randalierer gebrandmarkt. „Dabei handelt es sich um eine Gruppe
gesellschaftlichen Abschaums, die aufgehetzt wurden oder sogar unter
Drogeneinfluss stehen“, kommentiert Mei Hualong von der renommierten
Peking-Universität: „Iran muss nun die Stabilität wahren und auf die
Drohung US-amerikanischer Militärschläge reagieren“.
Unter gemäßigten Akademikern dominiert die Meinung, dass ein Regime-Sturz
im Iran nach wie vor unwahrscheinlich sei. Hongda Fan von der Shaixing
Universität, einer von Chinas führenden Nahost-Experten, argumentiert, dass
die meisten Iraner sich zwar eine effizientere Regierung und
wirtschaftliche Verbesserungen wünschen würden, jedoch keinen Zusammenbruch
des Systems. „Iran ist nicht Venezuela“, übertitelte der chinesische
Experte seine im chinesischen Netz viel geteilte Analyse.
Doch anhand der Kommentarspalte lässt sich ablesen, dass viele
Internetnutzer die Einschätzung des Nahost-Wissenschaftlers nicht teilen.
„Wer auch immer von ihm erwähnt wird, geht unter – angefangen von Saddam
Hussein“, schreibt ein User. Ein anderer spielt ironisch auf die
Überschrift des Artikels an: „Syrien ist nicht Libyen, Venezuela ist nicht
Syrien, Iran ist nicht Venezuela und Russland ist nicht Iran“.
Die indirekte Kritik zeigt das Misstrauen vieler Chinesen gegenüber ihren
heimischen Polit-Kommentatoren auf, die immer wieder die Stabilität von
Chinas Verbündeten betont haben – und ein ums andere Mal falsch lagen,
zuletzt im Falle des venezolanischen Präsidenten Maduro.
13 Jan 2026
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