# taz.de -- Angedrohter Militärschlag gegen Iran: Zu viele Tote
       
       > Sollten die USA in Iran militärisch eingreifen, um das Mullah-Regime zu
       > stürzen und die Demonstrant:innen zu schützen? Ein Pro & Contra.
       
 (IMG) Bild: Seit mehr als zwei Wochen demonstrieren Iraner:innen gegen die autoritäre Führung ihres Landes, Teheran, am 9. 1. 2026
       
       Die Proteste auf den Straßen Irans nehmen ab, aber die Lage bleibt
       angespannt. US-Präsident Donald Trump droht dem Mullah-Regime nach wie vor
       mit Konsequenzen. Wäre ein Militärschlag der USA richtig?
       
       Ja. 
       
       In einer optimalen Welt gäbe es längst eine Weltpolizei. Eine
       Eingreiftruppe, die menschenrechtsverachtende Despoten festsetzt und vor
       den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringt. Abgesichert durch ein
       Votum der auf Verständnis und Respekt setzenden Vereinten Nationen. In
       einer noch besseren Welt wären Oppositionsbewegungen in der Lage, allein
       durch ständiges Widerstehen die sie unterdrückenden Despoten aus dem Amt zu
       treiben. Doch, doch, sowas hat es schon gegeben. 1989 zum Beispiel, in der
       DDR.
       
       Die reale Welt aber ist gerade nicht so. Schon gar nicht in Iran. Da gibt
       es einerseits eine starke Oppositionsbewegung, die über Jahrzehnte immer
       wieder die Massen auf die Straße bringen konnte, aber an der brutalen
       Gewalt der Machthaber scheitert. Auf der anderen Seite gibt es Donald
       Trump, der US-Präsident sieht sich gern als Weltpolizist. Warum? Weil er es
       kann.
       
       Trump hat die Iran:innen [1][aufgefordert, durchzuhalten, Hilfe sei auf
       dem Weg]. Was man kaum anders lesen kann als unverhohlene Androhung einer
       weiteren US-Militärintervention. Spätestens seit [2][der Entführung des
       venezolanischen Präsidenten] sollte die Welt wissen, dass das, was wie
       Kriegsvorbereitung durch die USA aussieht, auch Kriegsvorbereitung ist. Da
       dreht sich einem der Magen um. Schon allein deshalb, weil selten etwas
       Gutes dabei herauskommt, wenn ein Despot den anderen bekämpft, und das auch
       noch militärisch.
       
       Dennoch würden sich viele Menschen in Iran über eine US-Intervention
       freuen. Denn die Demonstrant:innen stehen – anders als in der DDR –
       nicht einem wankenden Regime gegenüber, das 1989 den allerletzten Schritt
       scheute. Im Gegenteil, das Mullah-Regime setzt auf die Macht der Gewehre.
       Und die Opposition hat anders [3][als 2023 in Syrien] auch keine eigenen
       bewaffneten Truppen in der Hinterhand, um den Tyrannen zu vertreiben. Eine
       weitere Intervention von Donald Trump kann niemand wollen. Aber noch
       unakzeptabler sind die offenbar zu Tausenden getöteten Demonstrant:innen.
       
       Gereon Asmuth 
       
       Nein. 
       
       Niemand weiß, [4][wie viele Menschen bei den Protesten in Iran schon
       getötet worden sind.] Manche sprechen von mehr als 2.500 Toten, darunter
       100 Sicherheitskräfte. Es können aber auch weitaus mehr sein, das lässt
       sich nicht sicher verifizieren. Bilder von Opfern und Leichensäcken in
       Kühlhäusern vermitteln einen Eindruck des Schreckens. Das iranische Regime
       hat Schnellverfahren und erste Hinrichtungen angekündigt. Es ist
       unerträglich.
       
       Viele wünschen sich schon lange den Sturz dieses Regimes und hoffen, ein
       Militärschlag der USA könnte ihn jetzt beschleunigen. Aber das könnte ein
       Trugschluss sein. Denn das Regime genießt zwar immer weniger Rückhalt in
       der Bevölkerung, stützt seine Macht aber immer noch auf Justiz, Armee,
       Polizei, Geheimdienste. Es steht mit dem Rücken zur Wand.
       
       Gleichzeitig haben zu viele Stützen des Regimes viel zu verlieren. Ein
       Angriff von außen dürfte die Reihen zusammenschweißen. Und nach den
       jüngsten Erfahrungen mit von den USA herbeigeführten Umstürzen in
       Afghanistan, Irak, Libyen darf man skeptisch sein, ob eine von außen
       erzwungene Form des „Regime Change“ überhaupt wünschenswert ist. Sie hat in
       vielen Ländern zu blutigen Bürgerkriegen mit Tausenden Toten geführt. Iran
       ist ein Vielvölkerstaat: 90 Millionen Einwohner und viele Minderheiten.
       Sollte er vollends ins Chaos stürzen, wären die Folgen nicht abzusehen.
       
       Man muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, um den Druck auf das Regime zu
       erhöhen, damit es den Forderungen der Protestierenden nachgibt. So ist es
       richtig, dass Deutschland seine Handelsbeziehungen mit Iran überprüft, und
       es sollte Abschiebungen dorthin stoppen. [5][Sanktionen und angedrohte
       Strafverfolgungen] sind besser als Militäreinsätze. Es gilt, die
       Aktivistinnen und Aktivisten zu schützen. Ein militärischer US-Angriff wäre
       kontraproduktiv. Freiheit und Demokratie lassen sich nicht herbeibomben –
       das haben die vergangenen Versuche gezeigt.
       
       Daniel Bax
       
       14 Jan 2026
       
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