# taz.de -- Protestwelle im Iran: Aktivisten melden mehr als 200 Tote
> Die Proteste im Iran dauern an. Trump sichert den Demonstranten Hilfe zu,
> Teheran droht mit Vergeltung. Das Internet bleibt weiter blockiert.
(IMG) Bild: Ein brennendes Auto in Zanjan, Iran
## Mittlerweile mehr als 200 Tote bei Protesten im Iran
Bei den seit zwei Wochen andauernden Protesten im Iran sind nach Angaben
von Aktivisten bisher mindestens 203 Menschen getötet worden. 162 davon
seien Demonstranten und 41 Angehörige der Sicherheitskräfte, teilte die in
den USA ansässige Human Rights Activists News Agency (HRANA) am Sonntag
mit. Die tatsächliche Opferzahl sei möglicherweise aber noch deutlich
höher.
Die iranische Regierung hat bisher keine offiziellen Gesamtopferzahlen
genannt. Unabhängig ließen sich die Zahlen von HRANA nicht überprüfen, weil
im Iran das Internet abgeschaltet und Telefonverbindungen unterbrochen
wurden. Bei früheren Protesten hat HRANA aber verlässliche und letztlich
akkurate Zahlen geliefert. Die Organisation stützt sich auf ein Netzwerk
von Aktivisten innerhalb des Irans. (ap)
## Irans Präsident will Demonstranten zuhören
Der iranische Präsident Massud Peseschkian hat nach zweiwöchigen Protesten
im Land versprochen, den Demonstranten zuzuhören. Gleichzeitig warnte er in
einem am Sonntag ausgestrahlten Interview des Staatsfernsehens aber vor
weiteren Unruhen. „Die Menschen haben Sorgen. Wir sollten uns mit ihnen
zusammensetzen und, wenn es unsere Pflicht ist, ihre Sorgen ausräumen“,
sagte Peseschkian. „Aber die höhere Pflicht besteht darin, nicht
zuzulassen, dass eine Gruppe von Randalierern kommt und die gesamte
Gesellschaft zerstört.“ Eigentlich hätte das Interview bereits am Samstag
ausgestrahlt werden sollen. Das Staatsfernsehen änderte dann aber den
Sendetermin. (ap)
## Iran wirft Demonstranten IS-Methoden vor
Der Iran hat Demonstranten im Land Gräueltaten vorgeworfen. Einige von
ihnen hätten Menschen getötet und verbrannt, Methoden, die jenen der
Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ähnelten, sagte Ali Laridschani,
Generalsekretär des iranischen Sicherheitsrats, am Sonntag im
Staatsfernsehen. In diesem Zusammenhang wurden auch Bilder von Begräbnissen
getöteter Sicherheitskräfte ausgestrahlt. In einem Bericht hieß es, sechs
weitere Sicherheitskräfte seien in der Stadt Kermanschah getötet worden.
Bilder zeigten einen Wagen mit Leichen auf der Ladefläche und eine
Leichenhalle.
Gleichzeitig versuchte das iranische Staatsfernsehen weiter, die Proteste
herunterzuspielen. Korrespondenten wurden auf leere Straßen in mehreren
Landesteilen geschickt, am Bildschirm waren dabei auch jeweils das Datum
und die Uhrzeit zu sehen. Bilder aus Teheran und der zweitgrößten
iranischen Stadt Mesched, wo besonders viele Menschen auf die Straßen
gegangen waren, wurden nicht gezeigt, sehr wohl aber Kundgebungen zugunsten
der iranischen Führung in Ghom und Kaswin. (ap)
## Israel: EU soll Revolutionsgarden als „Terrororganisation“ einstufen
Israels Außenminister Gideon Saar hat die EU aufgerufen, die
Revolutionsgarden im Iran als „terroristische Organisation“ einzustufen. Er
habe Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich gerade in
Israel aufhält, gesagt, dass jetzt der Zeitpunkt für eine solche Einstufung
gekommen sei, erklärte Saar am Sonntag im Onlinedienst X. „Dies ist seit
langem die Haltung Deutschlands, und heute ist die Bedeutung dieser
Angelegenheit für alle offensichtlich“, fügte Saar hinzu. (afp)
## Papst Leo XIV. besorgt wegen Blutvergießen im Iran
Auch Papst Leo XIV. ist zutiefst besorgt wegen des aktuellen Blutvergießens
im Iran. Beim Mittagsgebet sagte er am Sonntag vor Tausenden Menschen auf
dem Petersplatz: „Im Iran und in Syrien verursachen anhaltende Spannungen
den Tod vieler Menschen. Ich hoffe und bete, dass man sich dort mit Geduld
um Dialog und Frieden bemüht und das Gemeinwohl aller sucht.“
Auch zu den erneut verschärften russischen Angriffen auf die Ukraine
äußerte sich der der Papst und sagte: „Die schweren Angriffe auf die
Infrastruktur treffen vor allem die Zivilbevölkerung. Ich bete für die
Leidenden und erneuere meinen Appell, die Gewalt zu beenden und die
Bemühungen um einen Weg zum Frieden zu verstärken.“ (kna)
## Iran droht USA bei Intervention mit Vergeltung
Die mit regierungsfeindlichen Protesten konfrontierte Führung des Iran
droht mit Vergeltungsschlägen gegen Israel und US-Stützpunkte im Falle
eines US-Angriffs. Parlamentspräsident Mohammad Baker Kalibaf warnte die
Vereinigten Staaten am Sonntag im Parlament vor einer „Fehlkalkulation“.
Laut Insidern ist Israel angesichts einer möglichen US-Intervention im Iran
in höchster Alarmbereitschaft. Angesichts der größten regierungsfeindlichen
Proteste in der Islamischen Republik seit 2022 drohte US-Präsident Donald
Trump jüngst wiederholt mit einer Intervention und warnte die Führung in
Teheran davor, Gewalt gegen Demonstranten anzuwenden. Am Samstag erklärte
er, die USA seien „bereit zu helfen“.
Bundeskanzler Friedrich Merz, der britische Premierminister Keir Starmer
und der französische Präsident Emmanuel Macron (E3) hatten die iranischen
Behörden am Freitagabend nachdrücklich aufgefordert, Zurückhaltung bei den
Demonstrationen in vielen iranischen Städten zu üben. SPD-Außenpolitiker
Adis Ahmetovic kritisierte die E3-Erklärung: „Angesichts des gegenwärtigen
Zustands und der Gewalt, mit der die Proteste niedergeschlagen werden,
erklärte sich das E3-Format zu zahm“, sagte er der Nachrichtenagentur
Reuters: „Es braucht keine Drohgebärden aus Paris, London oder Berlin. Aber
ein unmissverständliches Bekenntnis zur iranischen Bevölkerung und ein
klares Signal an die Machthaber: Die Zeit ist gekommen, den Weg frei zu
machen für eine friedliche, selbstbestimmte Transformation des Landes“,
fügte er hinzu. (rtr)
## Irans Präsident will sich im TV zur Lage im Land äußern
Der iranische Präsident Massud Peseschkian will sich nach Angaben von
Staatsmedien am Sonntag in einem Fernsehinterview zur wirtschaftliche Lage
im Land sowie den „Forderungen des Volkes“ äußern. Der Präsident werde in
dem bereits aufgezeichneten Interview mit iranischen Medien, das später am
Tag ausgestrahlt werden solle, auf diese Themen eingehen, berichtete der
TV-Sender Irib. Die Massenproteste gegen die Regierung waren am
Samstagabend weitergegangen.
Das Interview befasse sich mit dem „Stand des Wirtschaftsprogramms der
Regierung“ und gehe auf „die jüngsten Ereignisse“ ein, meldete Irib. Auch
der „Ansatz der Regierung, den Erwartungen der Iraner gerecht zu werden“,
werde Thema sein. (afp)
## Aktivisten melden 116 Tote bei Protesten im Iran
Die Zahl der Todesopfer bei den seit inzwischen zwei Wochen andauernden
Protesten im Iran ist nach Angaben von Aktivisten auf mindestens 116
gestiegen. Die in den USA ansässige Human Rights Activists News Agency
(HRANA) teilte dies am Sonntag mit und berichtete zugleich, dass die Zahl
der Festnahmen mehr als 2.600 Personen erreicht habe. Die Agentur stützt
sich bei ihrer Berichterstattung auf ein Netzwerk von Aktivisten innerhalb
des Irans. Unabhängig ließen sich die Zahlen nicht überprüfen. (ap)
## Zugang zum Internet im Iran weiter blockiert
Die iranische Führung blockiert das Internet wegen der landesweiten
Massenproteste den vierten Tag in Folge. Die auf Netzsperren spezialisierte
Organisation Netblocks teilte am Morgen auf der Plattform X mit, die
Internetsperre dauere nun seit mehr als 60 Stunden an. Es handele sich
dabei um Zensur und die Maßnahme stelle eine direkte Bedrohung für die
Sicherheit und das Wohlergehen der Iraner dar.
Durch die Internetsperren will die iranische Führung in der Regel die
Kommunikation zwischen den Demonstranten erschweren. Außerdem soll die
Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Massenproteste
unterdrückt werden. Die Maßnahme schürt zudem die Sorge, dass die Führung
in Teheran wie schon bei vergangenen Protesten das Blackout nutzen könnte,
um die Demonstrationen brutal niederzuschlagen.
Trotz der nahezu vollständigen Internetsperre gab es nach Angaben des
Menschenrechtsnetzwerks HRNA mit Sitz in den USA am Samstagabend erneut
Demonstrationen in 185 Städten des Landes. (dpa)
## Trump sichert Demonstranten im Iran Hilfe zu
US-Präsident Donald Trump hat den Teilnehmern der Massenproteste gegen die
autoritäre Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. „Der Iran
strebt nach FREIHEIT, vielleicht wie nie zuvor. Die USA sind bereit zu
helfen!!!“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Wie die Hilfe
aussehen soll, ist unklar. Die New York Times meldete unter Berufung auf
US-Beamte, Trump sei in den vergangenen Tagen über neue Optionen für
Militärschläge im Iran informiert worden. Er erwäge ernsthaft, seine
Drohung wahrzumachen, das Land wegen der Unterdrückung der Proteste
anzugreifen.
Schon zuvor hatte Trump Teheran vor der Tötung von Demonstranten gewarnt.
„Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie
anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig
vorkommen, gerne tun“, sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten
Folge des Podcasts „The Hugh Hewitt Show“. Laut dem Wall Street Journal
führten US-Beamte erste Gespräche darüber, wie ein Angriff auf den Iran
durchgeführt werden könnte, sollte dies nötig werden, um Trumps Drohungen
umzusetzen. (dpa)
## Linke: Mehr Hilfe und Schutz für iranische Aktivisten
Die Linke fordert von der Bundesregierung mehr Unterstützung für die
Opposition im Iran und für Iraner in Deutschland. „Es muss verhindert
werden, dass regimenahe Akteure und Netzwerke Aktivistinnen und Aktivisten
in der Diaspora einschüchtern, bedrohen oder kriminalisieren“, sagte die
Parteivorsitzende Ines Schwerdtner der Deutschen Presse-Agentur. „Europa
muss ein sicherer Raum für oppositionelle Stimmen sein.“
Sie schlug drei weitere Punkte vor: gezielte Sanktionen gegen
Vertreterinnen und Vertreter des Iran, die für Gewalt verantwortlich seien;
Hilfen für sichere Kommunikationswege und Internetzugänge für
Oppositionelle im Iran; und die Dokumentation von
Menschenrechtsverletzungen mit Blick auf eine künftige mögliche
Strafverfolgung.
Die Bundesregierung habe im Koalitionsvertrag Schutz für Menschen im Iran
versprochen, habe dem aber keine Taten folgen lassen, monierte Schwerdtner.
Dasselbe gelte für die Europäische Union, die faktisch kaum eine relevante
Rolle spiele. Sie warf der EU „politisches Totalversagen“ vor. (dpa)
## Israel wegen möglicher US-Intervention im Iran alarmbereit
Israel ist Insidern zufolge wegen einer möglichen US-Intervention im Iran
in erhöhter Alarmbereitschaft. Was dies genau bedeutet, sagten die drei mit
dem Vorgang vertrauten Personen nicht. Die Insider hatten am Wochenende an
den Beratungen der israelischen Regierung über Sicherheitsfragen
teilgenommen. Im Iran halten die Proteste gegen die Führung an.
US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Tagen wiederholt mit einem
Eingreifen gedroht und die iranische Führung davor gewarnt, Gewalt gegen
Demonstranten einzusetzen. Am Samstag erklärte Trump, die USA stünden
„bereit zu helfen“. Am Freitag hatte er gedroht: „Ihr solltet besser nicht
anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch schießen.“
In einem Telefongespräch am Samstag sprachen der israelische
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Außenminister Marco Rubio über
die Möglichkeit einer US-Intervention im Iran, wie ein israelischer
Insider berichtete, der bei dem Gespräch anwesend war. Ein US-Vertreter
erklärte, dass die beiden miteinander gesprochen hätten, äußerte sich
jedoch nicht zu den besprochenen Themen. (rtr)
## Iran droht mit Gegenangriff auf Israel und US-Basen
Der Iran droht dem Erzfeind Israel und den USA für den Fall eines
US-Angriffs zur Unterstützung der landesweiten Protestbewegung gegen die
autoritäre Staatsführung mit Gegenschlägen. Jede Attacke der USA werde zu
Angriffen auf Israel und regionale US-Militärstützpunkte als „legitime
Ziele“ führen, zitierte der arabische Sender Alaraby auf X Irans
Parlamentssprecher Mohammad Baqer Qalibaf. US-Präsident Donald Trump hatte
kurz zuvor den Teilnehmern der andauernden Massenproteste gegen die
Staatsführung im Iran Unterstützung zugesichert. (rtr)
## Rubio spricht mit Netanjahu über Iran
Einem Medienbericht zufolge hat US-Außenminister Marco Rubio mit dem
israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gesprochen. Themen des
Telefonats vom Samstag seien die Proteste im Iran sowie die Lage in Gaza
und Syrien, meldet der Reporter Barak Ravid vom Nachrichtenportal Axios
auf der Plattform X unter Berufung auf einen US-Insider. (rtr)
## Laschet fordert schärfere Sanktionen gegen Teheran
Angesichts der regierungskritischen Proteste im Iran fordert der
CDU-Außenpolitiker Armin Laschet verstärkten Druck auf die Führung in
Teheran. „Die Sanktionen gegen die Regime-Eliten müssen nun verschärft
werden, damit die Führung versteht: Wer im Iran mit Gewalt, Folter und Mord
das eigene Volk unterdrückt, wird Konsequenzen spüren“, sagte der
Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag den Zeitungen der
Funke Mediengruppe (Sonntagausgaben).
Millionen Menschen hätten ihre Angst verloren, sagte Laschet weiter. Sie
forderten überall im Iran „das Ende des Terror-Regimes“. Die gemeinsame
Verurteilung durch die Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs und
Großbritanniens begrüßte der CDU-Politiker. Dies zeige, dass Europa „klar
und eindeutig an der Seite der Freiheitsbewegung steht“.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am Samstag erklärt,
die Europäische Union stehe „voll“ hinter den Demonstranten im Iran. Zuvor
hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Staatspräsident
Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer „die Tötung
von Demonstranten auf das Schärfste“ verurteilt. (afp)
## Solidaritäts-Demos in Berlin und Frankfurt
Die Massenproteste im Iran haben auch Menschen in Berlin und Frankfurt am
Main auf die Straße gebracht. Rund 1.400 Menschen hätten sich an einer
Demonstration vom Kurfürstendamm zum Adenauerplatz beteiligt, sagte ein
Sprecher der Berliner Polizei. Am Wittenbergplatz hätten sich zudem rund
300 Menschen versammelt. Auch in Frankfurt am Main gingen nach Angaben der
Polizei bei mehreren Veranstaltungen rund 1.800 Menschen auf die Straße.
Mit Fahnen und Plakaten solidarisierten sich Demonstranten in Berlin mit
den Protesten im Iran, wo es in mehreren Großstädten zu Aufmärschen gegen
die Regierung gekommen war. Nur wenige Informationen dringen nach außen,
die iranische Führung verhängte eine Internetsperre.
In Berlin hielten auch mehrere Demonstranten das Bild von Reza Pahlavi
hoch, dem Sohn des 1979 gestürzten Schahs. Auf Plakaten stand zum Beispiel
„Democracy just with Pahlavi“ (übersetzt: Demokratie nur mir Pahlavi). Aus
seinem Exil in den USA heraus beansprucht Pahlavi eine Führungsrolle in der
Opposition.
Pahlavi rief auf der Plattform X zu landesweiten Streiks im Iran auf:
Arbeiter und Angestellte von Schlüsselbranchen wie der Öl-, Gas- und
Energieindustrie sollten ihre Arbeit niederlegen. Ziel sei es, die
finanziellen Lebensadern zu schwächen und den Unterdrückungsapparat in die
Knie zu zwingen. (dpa)
## Mullah-Regime spielt Massenproteste herunter
Im Iran weiten sich die Demonstrationen gegen die Regierung aus. Die
Führung reagiert mit Internetsperren und spricht pauschal von „bewaffneten
Terroristen“. Staatsmedien verharmlosen die Proteste.
Die iranische Führung hat die landesweiten Massenproteste heruntergespielt.
In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein
Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der
Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews,
hervorgeht.
Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten „bewaffnete
Terroristen“ zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in
verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte
und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten
Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen
„bewaffneter Terroristen“ scharf verurteilt. (dpa)
## Massenproteste im Iran am zweiten Abend in Folge
Im Iran haben am zweiten Abend in Folge massenhaft Menschen in
verschiedenen Großstädten des Landes gegen die Regierung protestiert. Zu
Aufmärschen kam es unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und
Maschhad.
Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an
zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen
zunächst nicht. Auch das genaue Ausmaß der Demonstrationen war vorerst
unklar. Wegen der landesweiten Internetsperre drangen nur noch wenige
Aufnahmen nach außen.
In einem von Aktivisten veröffentlichten Video waren Menschenmassen im
nordwestlichen Teheraner Stadtteil Saadat Abad zu sehen. Eine Stimme im
Hintergrund berichtet von einer angezündeten Moschee. Auf den Aufnahmen
sind Brände und chaotische Szenen auf den Straßen zu erkennen. „Tod dem
Diktator“, ruft die Menge in einem anderen Teil des Videos.
Das Zentrum für Menschenrechte im Iran (CHRI) mit Sitz in New York zeigte
sich besorgt angesichts staatlicher Gewalt. Man habe glaubwürdige
Augenzeugenberichte aus Krankenhäusern, die in Gebieten von Teheran,
Maschhad und Karadsch mit verletzten Demonstrierenden überfüllt seien, hieß
es in einem Bericht.
## „Time“-Bericht: Mehr als 200 Tote
Ein Arzt aus Teheran sagte dem US-Magazin Time, sechs Krankenhäuser in der
iranischen Hauptstadt hätten zusammen mehr als 200 Todesfälle unter
Demonstranten verzeichnet – die meisten seien demnach „durch scharfe
Munition“ getötet worden. Unabhängig bestätigen lassen sich diese Zahlen
jedoch nicht.
Aktivisten zufolge sind bei den landesweiten Protesten bisher 51
Demonstrierende getötet worden, allerdings fehlten dabei noch Zahlen aus
mehreren Großstädten vom Donnerstag und aus der vergangenen Nacht. Hunderte
weitere Menschen sollen bei Konfrontationen mit den Sicherheitskräften
verletzt worden sein, berichtete die Organisation Iran Human Rights
(IHRNGO) mit Sitz in Oslo. (dpa)
## Trump warnt iranische Regierung
US-Präsident Donald Trump wiederholte unterdessen seine Warnung an die
iranische Regierung, dass die USA eingreifen würden, falls wie in der
Vergangenheit Menschen getötet werden: „Ich hoffe nur, dass die
Demonstranten im Iran in Sicherheit sind, denn dort ist es derzeit sehr
gefährlich. Und ich sage den iranischen Führern noch einmal: Sie sollten
besser nicht anfangen zu schießen, denn dann werden wir auch anfangen zu
schießen.“ Trump fügte hinzu: „Wir werden uns einmischen, wir werden sie
sehr hart treffen, wo es wehtut.“ Damit sei allerdings kein Einsatz von
US-amerikanischen Bodentruppen gemeint.
Am Donnerstagabend war es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der
Protestwelle gekommen, einen Tag später wurde erneut dazu aufgerufen. Nach
Darstellung des Bürgermeisters von Teheran, Aliresa Sakani, wurden bei den
Unruhen in der Hauptstadt mehr als 50 Banken und mehrere staatliche
Einrichtungen angezündet. „Mehr als 30 Moscheen gingen in Flammen auf“,
sagte er in einem von der Nachrichtenagentur Mehr verbreiteten Video.
Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei verurteilte die Proteste. In
einer am Freitag veröffentlichten Rede sprach der 86-Jährige von
„Unruhestiftern“ und „dem Land schädlichen“ Menschen. „Es gibt auch Leute,
deren Arbeit Zerstörung ist“, sagte er. Sie richteten Zerstörung an, „nur
damit sich der Präsident der Vereinigten Staaten freut“, sagte das
Staatsoberhaupt mit Blick auf Trump. Chamenei signalisierte einen harten
Kurs gegen die Demonstranten.
Ausgelöst wurden die Demonstrationen Ende Dezember durch eine massive
Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung
Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Straße.
Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.
Daraufhin schaltete die Führung das Internet für die Bevölkerung ab, um die
Kommunikation zu erschweren.
Deutschland, Frankreich und Großbritannien forderten die iranische
Staatsführung zum Gewaltverzicht auf. „Wir sind zutiefst besorgt über
Berichte von Gewalt durch iranische Sicherheitskräfte und verurteilen die
Tötung von Demonstranten auf das Schärfste“, heißt es in einer gemeinsamen
Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Frankreichs Präsident
Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer.
Die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen
Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen
zulassen, ohne dass Angst vor Repressalien herrsche. Der Iran warf den drei
Ländern in einer Reaktion vor, dass ihre Sorgen „heuchlerisch“ seien. „Wir
verurteilen böswillige Einmischungen in Irans innere Angelegenheiten, die
darauf abzielen, Gewalt zu provozieren“, hieß es dort. (dpa)
## USA sagt iranischer Bevölkerung Unterstützung zu
Die USA haben den Menschen im Iran ihre Unterstützung zugesagt. „Die USA
unterstützen das tapfere Volk im Iran“, schrieb Außenminister Marco Rubio
am Samstag auf X mit Blick auf die anhaltenden Proteste in dem Land. Um
diese einzudämmen, hatten die Behörden am Freitag das Internet landesweit
abgeschaltet. US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran erneut. „Ihr fangt
besser nicht an zu schießen, sonst schießen wir auch“, teilte er mit. „Ich
hoffe nur, dass die Demonstranten in Sicherheit sein werden, denn das ist
im Moment ein sehr gefährlicher Ort.“
Die Proteste hatten sich zunächst an der schlechten Wirtschaftslage
entzündet. Inzwischen richten sich die Slogans jedoch auch direkt gegen
die Führung des Landes. (rtr)
10 Jan 2026
## TAGS
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Teheran
(DIR) Demonstrationen
(DIR) GNS
(DIR) Schwerpunkt Iran
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) Proteste in Iran
(DIR) wochentaz
(DIR) Proteste in Iran
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Proteste im Iran: Iraner trotzen Repression
Auch nach zwei Wochen und massiver Gewalt gehen Iraner in Massen gegen das
Mullah-Regime auf die Straße. Viele umgehen auch die Internetsperre.
(DIR) Solidarisch mit den Protesten im Iran: Vier Demos in Berlin für ein Ende der Islamischen Republik
Bundesweit gingen Unterstützer*innen der Menschen im Iran auf die
Straße. In Berlin teilten sie sich auch politisch in ein Spektrum auf.
(DIR) Proteste gegen das islamische Regime: Irans Sehnsucht nach dem Schah
Tausende protestieren gegen das islamische Regime. Im Kampf ums Überleben
ist Reza Pahlavi, Sohn des letzten Monarchen, für viele der
Hoffnungsträger.
(DIR) Proteste gegen das Mullah-Regime: Mindestens sieben Tote in Iran
Die Demonstrationen in Iran wegen der miserablen Wirtschaftslage
eskalieren. Es sind die größten Proteste seit dem Tod von Mahsa Amini im
Jahr 2022.