# taz.de -- Venezuela, Iran, Berlin: Geizig, aber spießig
       
       > Ein venezuelanischer Friedensnobelpreis für Trump, weniger Tourismus für
       > Berlin, ein schneller Einkauf für die Bundeswehr und Solidarität für
       > Iran.
       
 (IMG) Bild: Berlin: „Viele können die Mieten nicht mehr bezahlen, dafür stehen Hotelzimmer leer.“
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Will denn wirklich niemand Sachsen?
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Trump denkt mal drüber nach.
       
       Laut Statistischem Bundesamt boomt der Tourismus in Deutschland. In Berlin
       hingegen ist die Zahl der Gäste 2025 gesunken. Isch Berlin, mit Wolfgang
       Schäuble gesprochen, endgültig over? 
       
       Küppersbusch: Spannende Frage: Was passiert, wenn man 130 Mio € Kulturetat
       streicht, einen Flughafen am Arsch der Welt installiert und die Bahn von
       einem Bahnstreik kaum zu unterscheiden ist? Für indigene Berliner:innen
       mag etwas weniger Verrollkofferung heilsam sein, für die Stadt ist
       Tourismus „unsere Schwerindustrie“, wie der Tennis- und Bürgermeister sagt.
       Eingebrochen ist vor allem der inländische Berlinbesuch, vor den Wehrdienst
       sei also die Zwangsklassenfahrt gestellt. Aus „arm, aber sexy“ kann man
       auch „geizig, aber spießig“ machen. Die klassische Mischung aus Dreck und
       Juwelen heißt aktuell: Viele können die Mieten nicht mehr bezahlen, dafür
       stehen Hotelzimmer leer. Dafür muss ich da nicht hin.
       
       taz: Der Bundestag hat das Beschaffungsbeschleunigungsgesetz verabschiedet.
       Ist die Bundeswehr nun besser gerüstet für ihre Aufgaben? 
       
       Küppersbusch: Wo die Bundeswehr bisher schlecht eingekauft hat, kann sie
       künftig schneller – schlecht einkaufen. Davon dann aber mehr. Sagen
       „Transparency International“ und die Linke. Juristische Nachprüfungen
       werden ausgesetzt, statt Einzellosen können teurere und undurchsichtige
       Generalunternehmer den ganzen Batzen kassieren. Höhere Summen können nun
       ohne Verfahren freihändig vergeben werden. Gelobt wird die Maßgabe,
       „marktgerechte“ Produkte zu kaufen. Und gemeinsam mit Partnern. Bestenfalls
       da schimmert Selbstkritik durch: Dass der deutsche
       „militärisch-industrielle Komplex“ sich Fantasiewaffen zusammengefiebert
       hat, die einerseits Jahre brauchen und andererseits kein Schwein – braucht.
       Was in der Beschaffungsbehörde selbst langatmig, bürokratisch oder
       korruptionsanfällig sein mag, geht das Gesetz nicht an. Das hat immerhin
       etwas von einem Panzer.
       
       taz: Die ARD verlängert den Moderatorenvertrag mit Bastian Schweinsteiger.
       Nach seinem Uhrenauftritt bei der EM 2021 – wofür sollte Schweini bei der
       WM 2026 Schleichwerbung machen? 
       
       Küppersbusch: Für Kramer & Mertesacker im ZDF. Die machen das toll.
       
       taz: [1][Die venezolanische Oppositionspolitikerin Machado hat US-Präsident
       Trump ihre Friedensnobelpreis-Medaille überreicht]. Vom wem würden Sie sich
       gern eine schenken lassen? 
       
       Küppersbusch: Nach der Nummer kann man sich den Preis schenken. Machados
       maximale Ranschmeiße bleibt so würde- wie erfolglos; Trump bleibt der
       Bully, den man nicht zum Kindergeburtstag einlädt, weil er alle Geschenke
       klaut. Das Nobelkomitee kann sich jetzt erpresst fühlen oder eben drum
       nicht erpressen lassen. Ich plädiere neben Glas-, Papier- und
       Altkleidersammlungen für Preiscontainer, in die wir alle unsere
       Siegerurkunden und Ramschtrophäen werfen, Geschenkpapier drum, ab zu Trump.
       
       taz: Navid Kermani hat im Deutschlandfunk mehr Unterstützung für die
       protestierenden Menschen im Iran gefordert. Hat er recht? Und wie sollte
       die aussehen? 
       
       Küppersbusch: Eben. Die Bundesregierung erklärt sich solidarisch, Offene
       Briefe fordern mehr Solidarität von der Bundesregierung – und alle haben
       recht. Und nun? Selbst wenn die „Revolutionsgarden“ endlich auf die
       „Terrorliste“ kommen – wieso sind die da nicht längst? – werden sie tags
       drauf nicht mutwillig Urlaub in Oberbayern begehren. Kanzler Merz´
       freihändige Ansage, das Regime sei in „seinen letzten Tagen und Wochen“ ist
       durch blutige Erfahrungen widerlegt. Mit sehr viel Wohlwollen gelesen, mag
       er dadurch USA und Israel bedeuten wollen, dass ein weiterer Krieg nichts
       nutze. Omid Nouripour fordert in der taz, nicht nur Iraner:innen Protest
       hier organisieren zu lassen. Beeindruckt das Regime auch nicht, stimmt
       aber.
       
       taz: Veit Ulbricht, Landesvorsitzender der „[2][Familienunternehmer“ in
       NRW], nennt die Vorschläge der SPD zur Erbschaftssteuer im Kölner
       Stadtanzeiger „realitätsfern“ und ein „fatales Signal“. Helfen nur noch
       Enteignung und Vergesellschaftung, um die Lobbykartelle an ihre
       gesellschaftlichen Verpflichtungen zu erinnern? 
       
       Küppersbusch: Ich würde, hätte ich es denn, mein unermeßliches Vermögen
       kurz vor meinem Tod in meine Firma schleusen, die Firma vererben, und dann
       können es meiner Kinder da wieder rausnehmen. Ohne Erbschaftssteuer. Nimm
       dies, Jammerunternehmer. Pech für die als „Familien“ getarnte
       Konzernversammlung: Nur die AfD fordert genau das Gleiche – Abschaffung der
       Erbschafts- und Schenkungssteuer. Dabei hattet Ihr Euch gerade so nett
       distanziert.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Hat allerhand Ab- und Zugänge und nullingert sich derweil
       durch den Winter. Ich hatte Euch versprochen, dass es aufregend wird.
       
       18 Jan 2026
       
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