# taz.de -- Solidarisch mit den Protesten in Iran: Vier Demos in Berlin für ein Ende der Islamischen Republik
       
       > Bundesweit gingen Unterstützer*innen der Menschen in Iran auf die
       > Straße. In Berlin teilten sie sich auch politisch in ein Spektrum auf.
       
 (IMG) Bild: Demo in Berlin zur Unterstützung der Proteste in Iran
       
       Wer in Berlin am Wochenende Solidarität mit den protestierenden
       Iraner*innen zeigen wollte, hatte am Samstag direkt vier Demonstrationen
       dafür zur Auswahl. Die unterschieden sich in ihrem Fokus sehr stark. Die
       größte Demo war ein Aufzug von Menschen, die den Sohn des früheren Shahs
       unterstützen. Laut Polizei in der Spitze rund 1.400 Teilnehmer*innen
       zogen am Samstagnachmittag über Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße
       Richtung Adenauerplatz. Im Aufzug dominierten grün-weiß-rote Flaggen,
       Flaggen in den Farben Irans also – aber statt des offiziellen
       Hoheitsemblems der islamischen Republik tragen sie das
       Löwen-und-Sonnen-Emblem im weißen mittleren Streifen.
       
       Es ist das Erkennungszeichen der sogenannten Monarchist*innen, die damit
       ihre Unterstützung für Reza Pahlavi zeigen, den ältesten Sohn des 1979
       gestürzten und 1980 gestorbenen Shah Mohammad Reza Pahlavi.
       Teilnehmer*innen der Demo skandieren seinen Namen, viele tragen sein
       Foto. Mit Schildern und Plakaten setzen sich Demoteilnehmer*innen
       auch für eine Monarchie unter Pahlavi ein. [1][Tatsächlich spielt Pahlavi,
       den einige schon lange als Heilsbringer sehen und der im Exil in den USA
       lebt, in den aktuellen Protesten] zuletzt eine größere und aktivere Rolle.
       
       Vergangenen Freitag hatte Pahlavi die in Iran lebenden Iraner*innen dazu
       aufgerufen, sich am Abend zu versammeln. Zuletzt forderte er sie dazu auf,
       nun die Innenstädte zu besetzen. In Videos, die Proteste vor Ort zeigen,
       ist immer wieder auch sein Name zu hören. Auf dem Kurfürstendamm sind am
       Samstag auch einige Israelfahnen in der Demo zu sehen. Israel gilt den
       Unterstützer*innen von Pahlavi als wichtiger Verbündeter gegen die
       islamische Republik.
       
       Nur wenige Hundert Meter vom Startpunkt dieser Demo entfernt versammelten
       sich etwa zur gleichen Zeit rund 300 Menschen am Wittenbergplatz zu einer
       Kundgebung. Dazu aufgerufen hatte neben dem Frauen-Leben-Freiheit-Bündnis
       Berlin auch der Verein Iranischer Flüchtlinge. Teilnehmer*innen halten
       Fotos von jungen Menschen hoch, die das Regime ihren Informationen zufolge
       in den vergangenen knapp zwei Wochen bei Protesten getötet hat.
       
       ## Kundgebung ohne Monarchisten-Flaggen
       
       Von der Demo der Monarchist*innen setzten sich die Versammelten am
       Wittenbergplatz klar ab, Flaggen mit Sonnen-Löwen-Emblem sind nicht zu
       sehen. Eines der Banner erteilt der Monarchie eine klare Absage. „Wir
       brauchen keine Unterstützung, weder von den USA noch von Israel noch von
       dem Shah-Sohn“, sagt eine Teilnehmerin. Sie ist Teil der Iranischen
       Feministischen Aktivist*innen im Exil, einer Gruppe, die sich in Berlin
       für Feminismus und gegen Femizide in Iran einsetzt.
       
       Drei junge Frauen, zwischen Mitte 20 und Anfang 30, halten Schilder hoch,
       mit denen sie auf den Shut-Down des Internets aufmerksam machen. „Seit drei
       Tagen hat das Regime das Internet abgestellt“, sagen sie. „So bekommen wir
       kaum Informationen. Aber sie schießen, sie töten gerade die Leute auf der
       Straße.“ Es sei höchste Priorität, dass das Internet für die
       Iraner*innen wieder verfügbar ist. „Alle können ihren
       Wahlkreisabgeordneten schreiben, dass sie sich dafür einsetzen sollen“,
       sagen sie. Und dass sie sich Demokratie für Iran wünschen. „Gerade die
       Menschen unter 20 im Iran merken, [2][dass sie gar keine Zukunft dort
       haben. Sie haben keine Motivation, so weiterzuleben]“, betont die Jüngste
       von ihnen.
       
       Bei dieser Kundgebung fordern Teilnehmer*innen und Redner*innen
       explizit die Sicherheit von Minderheiten. In Reden und auf Bannern fordern
       sie Solidarität mit Afghan*innen, Kurd*innen, Lur*innen, Balutsch*innen,
       Araber*innen, mit Hazaris und Aserbaidschaner*innen. Sie prangern die
       Hinrichtungen und Ermordungen an und verwehren sich jedweder Einmischung
       aus dem Ausland. „Über das Schicksal der im Iran lebenden Menschen
       entscheiden nur sie selbst“, heißt es in einer Rede. Eine Rednerin nennt
       eine ganze Reihe Städte, in denen zeitgleich ebenfalls Demos in Solidarität
       mit den Protesten in Iran stattfinden.
       
       Wiederum von kurdischen Flaggen dominiert war der Demonstrationszug mit
       laut Polizei 550 Teilnehmer*innen, der vom Neptunbrunnen zum Brandenburger
       Tor zog. Die Demo prangerte [3][Angriffe der syrischen Armee auf kurdische
       Viertel in Aleppo] an und unterstrich gleichzeitig ihre Solidarität mit den
       Protesten im Iran. Am Brandenburger Tor, auf dem Platz des 18. März
       wiederum, stehen laut Polizei rund 50 Menschen für eine Kundgebung für
       „Solidarität mit dem gerechten Aufstand des iranischen Volkes, Gedenken an
       die Opfer der jüngsten Gewalt im Iran und Protest gegen die Todesstrafe“.
       Die Teilnehmer*innen fordern ein Ende des Regimes, ein Ende der
       islamischen Republik. Und obwohl auch hier Flaggen mit dem
       Sonnen-und-Löwen-Emblem wehen, richten sich eindeutig gegen eine Monarchie.
       
       ## Ein Abbild der iranischen Diaspora
       
       Es ist ein Demogeschehen, das damit auch [4][ganz gut die Vielfalt in der
       iranischen Diaspora] in Deutschland und Berlin wiedergibt. In Berlin
       lebende Iraner*innen und Berliner*innen mit iranischem Hintergrund
       sind teils aus ganz unterschiedlichen Gründen eingewandert oder geflohen –
       etwa als Opposition gegen den Shah, aber auch als dessen Anhänger. Sie
       kommen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen. Sie sind teils
       Angehörige von Minderheiten.
       
       Während der 46-jährigen Dauer der Islamischen Republik sind verschiedene
       Gruppen zu verschiedenen Zeiten mit verschiedenen Anliegen nach Berlin
       gekommen. Aber auch das gehört zum Bild: Im Zuge der Proteste von 2022
       hatten Exil-Iraner*innen eine Demo mit rund 100.000 Teilnehmer*innen in
       Berlin auf die Beine gestellt, bei der unterschiedlichste Blöcke für
       Frauen, Leben, Freiheit – Jin, Jiyan, Azadî – rund um den großen Stern
       zogen. Das könnte auch aktuell noch kommen, denn die Solidarität steht wohl
       erst am Anfang. In Berlin waren schon [5][Proteste für Sonntagnachmittag
       angekündigt und Kundgebungen und Versammlungen] sind auch für die kommenden
       Tage bereits angemeldet.
       
       11 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://www.berlin.de/polizei/service/versammlungsbehoerde/versammlungen-aufzuege/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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