# taz.de -- Raserunfälle und die Autoindustrie: Geiler töten
       
       > Drei Männer stehen nach einem tödlichen Autorennen bei Stuttgart vor
       > Gericht. Die Anklage: Mord. Die Rasertatwaffe – ein hochmotorisierter
       > Mercedes-AMG.
       
 (IMG) Bild: März 2025: Tatwaffe Auto in Ludwigsburg. Warum darf ein Wagen mit Fahrprogramm für Rennstrecken auf öffentlichen Straßen fahren?
       
       Brad Pitt lächelt schief. Er trägt Schnurrbart. Der Hotelpage auch. Gerade
       hat ihm der Star einen Zettel überreicht. „AMG GT“, steht da drauf. „I’m a
       big fan“, sagt der Page. Und als Pitt sich bedankt, fügt er hinzu: „Of the
       car.“ Er mag nicht den Schauspieler, sondern das Auto. Und um das geht es
       in diesem [1][Spot, den Mercedes Ende letzten Jahres in Netz gestellt hat].
       Er präsentiert einen Prototyp des Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé, der in
       diesem Jahr auf den Markt kommen soll.
       
       Wozu die hochmotorisierte Limousine der Mercedes-Tochterfirma AMG gut ist,
       zeigt das nicht mal zwei Minuten lange Filmchen ebenfalls. Der Page bittet
       einen Fahrer, den Wagen aus der Garage zu holen – möglichst „ohne Kratzer“.
       Der Fahrer ist George Russell. Im Film laut Plakette für „herausragend
       schnellen Kundenservice“ als „Mitarbeiter des Monats“ ausgezeichnet. Im
       echten Leben Formel-1-Pilot. Im Mercedes-Team. Und nicht nur
       [2][Formel-1-Pilot-Darsteller] wie Brad Pitt.
       
       Russel steigt in den Wagen und rast. Mit quietschenden, qualmenden Reifen
       fährt er wie ein Irrer die Rampen eines Parkhauses hoch. Lässt den Wagen
       vor dem Hotel noch ein paar Runden schleudern und bringt ihn schließlich
       mit einem Slide vor Pitt zum Stehen.
       
       Eine Fantasie aus der Traumwelt der Autonarren? Ja. Aber.
       
       Im Februar letzten Jahres gab es noch ganz andere Videos im Netz zu sehen.
       Auch hier standen Fahrzeuge von Mercedes-AMG im Mittelpunkt. „Mercedes kann
       nicht mit anderen Autos verglichen werden“, sagte darin ein Mann im Off auf
       Türkisch, während die Kamera die hochpolierte Karosse aus allen
       Blickwinkeln zeigte. Wer so ein Auto fahre, hieß es weiter, müsse seine
       Atmosphäre widerspiegeln – beim Sprechen, beim Sitzen, beim Stehen. Dann
       war wenige Sekunden lang zu sehen, wie ein Mercedes über die
       Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg rast, gefilmt aus einem daneben
       fahrenden Auto. Der Fahrer lächelt.
       
       Auf Instagram gepostet hatten die Videos Betreiber einer Kfz-Werkstatt aus
       Ludwigsburg, die sich auf Mercedes spezialisiert hatten. Am 20. März 2025
       rasten sie mit ihren Wagen durch die Stadt – und rammten auf der
       Schwieberdinger Straße einen Kleinwagen mit zwei Frauen. Beide starben
       sofort. Seit Dezember stehen die Männer in Stuttgart vor Gericht. Der
       Tatvorwurf: Mord. Mordversuch. Und Beihilfe.
       
       Sie sollen [3][laut Staatsanwaltscha]ft seit dem frühen Abend durch die
       Stadt gerast sein. Bei den Rennen hätten sie mehrfach an Ampeln gehalten,
       „um dann immer wieder stark – zuletzt auf bis zu ca. 150 km/h – zu
       beschleunigen.“ Schließlich knallte einer der beiden in einen Ford Focus,
       der von einer Tankstelle auf die Straße fuhr. „Durch den Zusammenprall mit
       dem deutlich schwereren Fahrzeug überschlug sich der Ford Focus und prallte
       gegen einen Baum. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Frauen erlagen noch am
       Unfallort ihren schweren Verletzungen.“
       
       Auf der Anklagebank sitzen zwei Brüder, die die beiden Mercedes gesteuert
       haben, und ein Cousin, der das Rennen gefilmt hat. Sie sind die
       mutmaßlichen Täter. Ein Urteil wird im April erwartet.
       
       Das Tatfahrzeug, heißt es vor Gericht, war ein Mercedes-AMG S 63. Eine
       Sportlimousine mit mehr als 500 PS. Das sei sein „absolutes Traumauto“,
       [4][ließ einer der Angeklagten durch seinen Anwalt erklären.] Es
       symbolisierte für ihn Erfolg, „was mein Bruder und ich uns durch harte
       Arbeit aufgebaut haben“.
       
       2017 waren erstmals zwei [5][Raser] wegen Mord zu lebenslanger Haft
       verurteilt worden, weil sie nicht fahrlässig, sondern mit Vorsatz gehandelt
       hatten. Fünf Jahre später hatte das Urteil auch [6][das
       Bundesverfassungsgericht bestätigt]. [7][Autofahrer:innen sind
       Mörder:innen.]Aber welche Verantwortung tragen die Autoproduzent:innen?
       
       ## Die lange Liste der Raserunfälle
       
       Mercedes und die Tochterfirma AMG stehen keineswegs allein. Nahezu alle
       Autoproduzenten setzen auf Tempo als Verkaufsargument.
       
       2022 rast die [8][Fahrerin eines Audi A6] bei einem illegalen Rennen im
       niedersächsischen Barsinghausen mit 180 Kilometern pro Stunde durch eine
       Kurve und crasht frontal mit einem Kleinwagen zusammen, in dem zwei Kindern
       sterben. Die 42-Jährige wird [9][wegen Mord zu lebenslanger Haft
       verurteilt]. Audi preist Fahrzeuge dieses Typs [10][mit dem Slogan „Keine
       Ausrede mehr fürs Zuspätkommen“ an], weil er sich in 4,7 Sekunden auf 100
       km/h beschleunigen lässt.
       
       Im November 2025 fährt ein 19-Jähriger [11][mit einem Porsche Macan so
       schnell durch München], dass ein entgegenkommender Renault förmlich
       zerrissen wird. Zwei Insassen des Renaults sterben. Die Staatsanwaltschaft
       ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Porsche lässt den Macan von
       [12][Popstar Dua Lipa] in [13][einem Video] anpreisen, in dem ein Rennen
       nicht fehlen darf. „And … race time, baby, because … Porsche“, sagt die
       Sängerin. Und zischt davon.
       
       2024 liefern sich [14][zwei junge Männer mit einem Mercedes und einem Tesla
       ein Autorennen] – und rammen ein anderes Auto, in dem ein kleiner Junge
       stirbt. [15][Sie werden später in erster Instanz zu 7 Jahren Haft
       verurteilt.] Auch Tesla stellt bei seinen Fahrzeugen die enormen
       Beschleunigungswerte hervor. Beim Tesla S reichen [16][laut Hersteller]
       schon 2,1 Sekunden, um ihn auf 100 km/h zu bringen.
       
       Im selben Jahr [17][stirbt die Insassin eines BMW 640i,] nachdem das Auto
       mit hoher Geschwindigkeit auf der Tauentzienstraße in Berlin erst abhob und
       dann in Flammen aufging. [18][BMW preist die bei dieser Fahrzeugserie
       „markentypische Sportlichkeit“] und nennt als Höchstgeschwindigkeit 250
       km/h.
       
       Die Liste ließe sich nach Belieben fortsetzen.
       
       Illegale Autorennen, also Rennen, die nicht offiziell auf einer Rennstrecke
       ausgetragen werden, gelten seit 2017 als Straftat, schon ein Auto genügt
       dafür. Abschreckend wirkt das offenbar kaum. Im Gegenteil. [19][Laut einer
       Recherche des Tagesspiegels] stieg die Zahl der registrierten illegalen
       Kfz-Rennen von circa 4.300 im Jahr 2020 kontinuierlich auf mindestens 6.900
       im Jahr 2024. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 2025
       registrierte die Polizei in Baden-Württemberg noch mal [20][40 Prozent mehr
       als im Vorjahreszeitraum. ]
       
       Raserei hat zahlreiche Opfer. Im Jahr 2024 verunglückten laut Statistischem
       Bundesamt bei Unfällen durch „nicht angepasste Geschwindigkeit mit
       gleichzeitigem Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit“ 3.686
       Menschen, davon 989 schwer. 200 Menschen kamen ums Leben.
       
       Raserei beschäftigt [21][die Justiz]. Im Jahr 2024 wurden [22][laut
       Statistischem Bundesamt] wegen [23][verbotener Kraftfahrzeugrennen] 989
       Menschen verurteilt. 181 davon zu Freiheitsstrafen. Fast alle Verurteilten
       waren Männer. Sehr viele davon waren sehr jung, was [24][auf ein
       spezifisches Problem im Verkehr] hinweist. Aber ausnahmslos alle saßen am
       Steuer eines Autos, dem die Hersteller das Image eines Rennwagens verpasst
       haben.
       
       ## Speed als Gründungsmythos
       
       Bei AMG ist dieses Image Teil der Gründungsgeschichte. [25][Gestartet wurde
       die Marke] in den 1960er von zwei rennsportbegeisterten Ingenieuren von
       Daimler-Benz. Schnell lagen ihre aufgemotzten Mercedes bei den Deutschen
       Tourenwagenmeisterschaften oder beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans vorne.
       2005 wurde die Firma zur hundertprozentigen Tochter von DaimlerChrysler.
       „Motorsport ist das, was uns antreibt“, [26][heißt es noch heute auf der
       Website] von Mercedes-AMG.
       
       Bei einigen AMG-Modellen steckt Speed nicht nur im Image, sondern auch in
       der Technik. Sie verfügen über automatische Fahrprogramme mit den Namen
       „Race“ oder „Race Start“.
       
       Fahrprogramme sind an sich nichts Verwerfliches. Sie helfen
       Autofahrer:innen etwa beim Rückwärtseinparken. Auch Notbremsassistent,
       Spurverlassenwarner, Geschwindigkeitsassistent und Müdigkeitswarner können
       helfen, Unfälle zu vermeiden und Leben zu retten, [27][heißt es lobend in
       einem Bericht der Unfallforschung der Versicherer]. In Städten und auf
       Landstraßen sollten die Systeme aber nur mit größter Vorsicht eingeschaltet
       werden. Durch „fehlendes Situationsbewusstsein“ der Fahrer:innen könnten
       solche Programme „im Vergleich zum manuellen Fahren auch negative Effekte
       auf die Verkehrssicherheit haben“, [28][mahnt der Deutsche
       Verkehrssicherheitsrat].
       
       Theoretisch denkbar wäre, dass [29][über Programme Autofahrer:innen
       gezwungen werden, sich an Tempolimits etwa in geschlossenen Ortschaften zu
       halten.] Der Einbau solcher Speed Limits ist seit 2024 europaweit
       vorgeschrieben. Doch die Autolobby hatte zuvor bei der EU durchgesetzt,
       [30][dass diese Tempobegrenzung abgeschaltet werden kann], sinnigerweise
       durch Betätigung des Gaspedals.
       
       ## Nur für Rennstrecken gedacht?
       
       Die AMG-Fahrprogramme „Race“ und „Race Start“ bewirken das komplette
       Gegenteil. „Race“ bietet [31][laut Handbuch] „maximale Sportlichkeit“,
       „besonders straffe Fahrwerksabstimmung“ und eine „sportliche
       Soundausprägung der Abgasanlage“. Es toppt noch andere eingebaute
       Fahrprogramme wie „Sport“ und „Sport+“, die „nur geeignet für gute
       Fahrbahnverhältnisse“ sind und eine trockene Fahrbahn und einen
       übersichtlichen Streckenverlauf voraussetzen. Deshalb, so heißt es weiter
       im AMG-Manual, dürfe das für ein rennstreckenorientiertes Fahrverhalten
       vorgesehene „Race“ „im normalen Straßenbetrieb nicht verwendet werden.“ Und
       noch klarer: „Das Fahrprogramm darf nur auf abgesperrten Rundstrecken,
       außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs, aktiviert und genutzt werden.“
       
       „Durch die Funktion ‚Race Start‘ wird das Fahrzeug auf maximale Traktion
       und Beschleunigung abgestimmt, um eine optimale Fahrzeugbeschleunigung aus
       dem Stand zu ermöglichen“, erklärt Felix Siggemann, Sprecher von
       Mercedes-AMG auf Anfrage. „Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu
       gewährleisten“, würden in den Bedienungsanleitungen und über Meldungen im
       Fahrzeugdisplay die Fahrer „unmissverständlich“ darauf hingewiesen, dass
       „Race“ und „Race Start“ nicht im Straßenverkehr genutzt werden sollen. Die
       Programme seien aber vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt und für den
       Gebrauch auf öffentlichen Straßen zugelassen.
       
       Ist so etwas legal? Darf ein Auto mit einem Fahrprogramm für Rennstrecken
       auf öffentlichen Straßen fahren? Zumal der Hersteller dringend davon abrät?
       Und wenn ja, warum wurde das vom Kraftfahr-Bundesamt (KBA) genehmigt? Zur
       Beantwortung dieser Fragen braucht das Amt einen ganzen Monat. Schließlich
       schreibt der Pressesprecher des KBA: „Das Fahrprogramm ‚Race‘ wurde
       beschrieben und gemäß der Anforderungen der Typgenehmigungsvorschriften
       geprüft.“ Die Prüfung sei insbesondere bei der Genehmigung von Geräusch-
       und Auspuffemissionen relevant. Dafür gebe es EU-Verordnungen.
       
       „Abgesehen von den gesetzlichen Anforderungen an die Fahrprogramme
       existieren keine weiteren Auflagen seitens der Typgenehmigung.“ Daher sei
       die Typengenehmigung erteilt worden. Und die Fahrzeuge dürften „somit am
       Straßenverkehr unter Beachtung der Regelungen der StVO teilnehmen“.
       
       Mit anderen Worten: Der Hersteller baut ein Programm ein, das er selbst für
       gefährlich hält. Er beschreibt dem Kraftfahr-Bundesamt, wie es
       funktioniert. Das reicht für die Zulassung. Die Verantwortung wird dem
       Fahrer überlassen. Er muss sich an die Straßenverkehrsordnung halten. Der
       Hersteller darf seine Hände in Unschuld waschen.
       
       „Warum dürfen solche Maschinen, mehr Waffen als Beförderungsvehikel, gerne
       genutzt für immer wieder tödliche Angeberspiele, legal auf den Markt
       gebracht werden? Butterfly-Messer sind auch verboten, obwohl es ‚Messer‘
       sind und niemand am Sinn von Küchenmessern zweifelt“, [32][fragte der
       Landesverband Rheinland-Pfalz des VCD] nach dem tödlichen Unfall in
       Ludwigsburg.
       
       ## Gefährdendes Verhalten anregen oder dulden
       
       Doch der Tempowahnsinn ist nicht nur nicht verboten. In der
       tempolimitfreien Republik gehört er zur Kernaussage der Autowerbung. Dabei
       ist die Erkenntnis, dass Autoproduzenten mit „Sportlichkeitswerbung“ selbst
       „relativ sicherheitsbewusste Fahrer zu risikofreudigem, unfallträchtigem
       Fahren verleiten“ können, nicht neu. Denn genau diesen Satz konnte man
       unter Berufung auf ein entsprechendes TÜV-Gutachten [33][im Spiegel lesen –
       im Jahr 1973].
       
       „Wie kaum ein anderes Objekt bietet das Auto die Chance, Individualität und
       Autonomie nach außen zu vermitteln und daraus soziale Wertschätzung zu
       erfahren – oder sich dies zumindest einzubilden“, [34][sagte der
       Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier] schon 2017. In der Geschwindigkeit
       könne die Leistungsfähigkeit des Autos am unmittelbarsten erlebt werden,
       ohne dass darüber reflektiert werde, ob das vorsichtig oder unvorsichtig
       ist. Werbung „bedient solche Motive, Gefühle und kann dazu beitragen, dass
       sich Sicherheitseinstellungen verschlechtern“, so Fastenmeier weiter. Wenn
       sie den meist eh schon impulsiv handelnden jungen Fahrer:innen
       vorgaukele, sie würden Leistungs- und gar Extremsport betreiben, könnten
       sie sich bestätigt sehen in ihrem grenzwertigen Verhalten.
       
       Heute heißt es [35][in den Grundregeln des Deutschen Werberates], dass
       Werbung „keine die Sicherheit der Verbraucher gefährdenden Verhaltensweisen
       anregen oder stillschweigend dulden“ darf. „Damit ist sichergestellt, dass
       auch Automobilwerbung, die etwa verkehrsgefährdendes oder
       sicherheitswidriges Verhalten darstellen oder verharmlosen könnte, unter
       die bestehenden Verhaltensregeln fällt“, betont Sebastian Lambeck vom
       Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft.
       
       Doch der Werberat „wird grundsätzlich nur auf Basis von Beschwerden aus der
       Bevölkerung tätig“, erklärt Lambeck. Und in den letzten Jahren habe es nur
       sehr vereinzelt Beschwerden zu Automobilwerbung gegeben, in denen das
       Fahrverhalten oder die Inszenierung als riskant empfunden wurde. In diesen
       Fällen sei jedoch offensichtlich gewesen, dass es sich „um Stunts oder
       fiktionale Szenen handelte, die nicht als reales Verhalten im
       Straßenverkehr missverstanden werden konnten“. In einem anderen Fall habe
       ein Unternehmen einen Spot nach dem Hinweis des Werberats freiwillig
       zurückgezogen beziehungsweise angepasst. Eine Rüge wegen Raserwerbung wurde
       in keinem Fall ausgesprochen.
       
       Dabei ist offenbar selbst den Herstellern die Gefahr der Nachahmung
       bewusst. Unter dem AMG-Werbespot mit Formel-1-Pilot George Russell wird
       anfangs extra kurz „Filmed on closed road with professional driver. Do not
       attempt“ eingeblendet – also: „Auf abgesperrter Straße mit professionellem
       Fahrer gefilmt. Nicht nachmachen!“ Ähnliches steht unter dem Porsche-Spot
       mit Dua Lipa.
       
       Darauf weist auch der Mercedes-AMG-Sprecher hin. „Werbung will Emotionen
       wecken“, schreibt Siggemann. „Im Bereich der Automobilwerbung kann dazu
       beispielsweise die Darstellung von Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen
       Ausprägungen gehören.“ Allerdings sei durch Darstellung und Kontext klar,
       dass in dem Video „in einem betont künstlichen Setting mit ironisch
       gebrochenen Dialogen eine professionell choreografierte Fahrsequenz von
       erfahrenen Fahrern in einem abgesperrten Bereich durchgeführt wird“.
       Außerdem biete Mercedes-AMG „umfangreiche Fahrertrainings an, die unter
       anderem den sicheren und kontrollierten Einsatz auf Rennstrecken umfassen“.
       
       Doch ist die Nachahmung dadurch tatsächlich ausgeschlossen? Als im
       AMG-Werbesport der Rennfahrer den Wagen vor Brad Pitt mit qualmenden Reifen
       vor die Füße geparkt hat, bedankt sich der Schauspieler, steigt ein und
       rast davon. Wie ein Irrer. Wie der Formel-1-Fahrer. Über die Hotelauffahrt
       slidend, mit qualmenden Reifen. Nachahmung als Werbebotschaft.
       
       Bei dem Prozess in Baden-Württemberg gegen die Raser von Ludwigsburg wurde
       ein Augenzeuge gefragt, wie schnell die Mercedes schätzungsweise gewesen
       sind, als sie in den Ford krachten. [36][Seine Antwort]: „Man könnte es
       auch Fliegen nennen.“
       
       Mehrere Zeugen hätten zu solchen Superlativen gegriffen, berichtet Fatih
       Zingal. Der Rechtsanwalt vertritt im Prozess die Familien der getöteten
       Frauen als Nebenkläger. Das war „eine Mordsbeschleunigung, das kriegen sie
       nie mit normalen Fahrzeugen hin.“ Und das werde ein entscheidender Punkt im
       Gerichtsverfahren.
       
       ## Autos sind per se eine Gefahr
       
       Schon bei Kleinfahrzeugen gebe es zu Recht eine Gefährderhaftung:
       Fahrzeughalter haften für Schäden unabhängig davon, ob ein konkretes
       Verschulden vorliegt, weil der Betrieb eines Autos per se eine Gefahr
       darstellt. Aber wenn man so ein hochmotorisiertes Auto fahre, sagt Zingal,
       „muss einem klar sein, dass das noch viel, viel gefährlicher ist“.
       
       Die Schwieberdinger Straße, auf der der Unfall passierte, führt
       kilometerlang geradeaus. Wie gemacht für eine Rennstrecke. Aber es gebe
       Einmündungen. Das habe der Hauptangeklagte wissen müssen, sagt der Anwalt.
       Denn der kenne den Unfallort gut, er wohne in der Nähe. Deshalb könne in
       diesem Fall der bedingte Tötungsvorsatz angenommen werden, argumentiert
       Zingal. Folgt ihm das Gericht, kann der Haupttäter tatsächlich wegen Mord
       verurteilt werden.
       
       Im Laufe des Prozesses werde noch ein Sachverständiger als Zeuge geladen,
       der den Bordcomputer der Tatfahrzeuge ausgewertet hat. Daran lasse sich
       zeigen, ob die Fahrer einen Kick-Down-Start gemacht haben. Und ob sie
       Fahrprogramme dafür genutzt haben.
       
       Unter dem Formel-1-Spot präsentiert AMG einen Satz als Zitat von Brad Pitt:
       „Die Hingabe und der Nervenkitzel ist es, was Mercedes-AMG ausmacht.“ Der
       Nervenkitzel als Verkaufsargument.
       
       Ende Januar postete Mercedes-AMG [37][ein Minivideo mit Szenen aus dem
       Formel-1-Spot auf Instagram]. Über dem rasenden Neuwagen steht auf
       Englisch: „Rekordbrechende Aerodynamik. Bald auf der Straße.“ Das soll
       keine Warnung sein.
       
       Der Angeklagte, der sein eigenes AMG-Video ins Netz gestellt hatte, sagt
       darin: „Der Mann, der in einen Mercedes einsteigt, muss auf sich selbst
       aufpassen.“ Nur wer passt auf alle andern auf?
       
       3 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://youtu.be/mz-kg4yXQEo?si=ck0P39sbA_Bf1a4p
 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/F1_(Film)
 (DIR) [3] https://staatsanwaltschaft-stuttgart.justiz-bw.de/pb/,Lde/25230514/?LISTPAGE=23509397
 (DIR) [4] https://www.sueddeutsche.de/panorama/aussagen-im-prozess-ludwigsburger-raser-prozess-was-die-gestaendnisse-bedeuten-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260127-930-602646
 (DIR) [5] /Vor-dem-Urteil-im-Berliner-Raser-Prozess/!5579897
 (DIR) [6] /Karlsruhe-zu-Kudamm-Raser/!5903086
 (DIR) [7] https://gereonasmuth.de/taz-titel-und-kommentar-autofahrer-sind-moerder
 (DIR) [8] https://www.bild.de/regional/hannover/hannover-aktuell/nach-toedlichem-crash-staatsanwaltschaft-sicher-mord-mit-180-km-h-83130072.bild.html
 (DIR) [9] https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Toedliches-Autorennen-BGH-bestaetigt-Urteil-gegen-Fahrer,autorennen314.html
 (DIR) [10] https://www.audi.de/de/neuwagen/a6/a6-avant/
 (DIR) [11] https://www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-unfall-milbertshofen-zwei-tote-porsche-foto-staatsanwaltschaft-li.3346755
 (DIR) [12] /Tourauftakt-von-Dua-Lipa-in-Hamburg/!6085986
 (DIR) [13] https://youtu.be/ccqn7r9WUHI?si=fUwh4C9z1-SGbA07
 (DIR) [14] https://www.youtube.com/watch?v=_za7qWj-fC4
 (DIR) [15] https://www.sueddeutsche.de/panorama/urteil-lange-haftstrafen-fuer-toedliches-autorennen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250723-930-830263
 (DIR) [16] https://www.tesla.com/de_de/models
 (DIR) [17] https://www.tagesspiegel.de/berlin/todlicher-unfall-in-berlin-charlottenburg-autofahrer-rast-gegen-granitmauer--polizei-spricht-von-alleinrennen-11731166.html
 (DIR) [18] https://www.press.bmwgroup.com/austria/article/detail/T0308850DE/der-neue-bmw-6er-gran-turismo
 (DIR) [19] https://www.tagesspiegel.de/politik/anstieg-von-rund-60-prozent-deutlich-mehr-illegale-rennen-auf-deutschen-strassen-13593163.html
 (DIR) [20] https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.raser-in-baden-wuerttemberg-immer-mehr-illegale-autorennen.a99e822e-b78f-4bf7-bb89-bdc83f921e8e.html
 (DIR) [21] /Kriminalitaetsschwerpunkt-Strassenverkehr/!6041990
 (DIR) [22] https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Justiz-Rechtspflege/Publikationen/_publikationen-innen-strafverfolgung.html
 (DIR) [23] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__315d.html
 (DIR) [24] /Verursacher-von-Verkehrsunfaellen/!6138783
 (DIR) [25] https://www.mercedes-amg.com/de/history
 (DIR) [26] https://www.mercedes-amg.com/de/motorsport
 (DIR) [27] https://www.udv.de/udv/themen/stadt-land-autobahn-wo-assistierte-fahrfunktionen-im-pkw-helfen-193642
 (DIR) [28] https://www.dvr.de/ueber-uns/positionen-des-dvr/beschluesse/sichere-nutzung-assistierter-fahrfunktionen-level-2
 (DIR) [29] https://www.spiegel.de/auto/wie-geofencing-notorische-raser-stoppen-koennte-a-69f4f9e4-f504-403c-8fdc-b1ec6c6f07d1
 (DIR) [30] /SUV-Unfall-in-Nuertingen/!6017448
 (DIR) [31] https://www.mercedes-benz.de/passengercars/services/manuals.html/gle-suv-2024-03-v167-mbux/dynamic-select/funktion-des-dynamic-select-mercedes-amg-fahrzeuge?srsltid=AfmBOooeIE1aImAK9IvLkpaD8xObxUbU-wUHy8egj_OOzxurRddyFnKK
 (DIR) [32] https://rlp.vcd.org/startseite/detail/stoppt-das-killen
 (DIR) [33] https://www.spiegel.de/politik/ausweichen-abwarten-a-1b34e5d4-0002-0001-0000-000041458151?context=issue
 (DIR) [34] https://itstartedwithafight.de/2017/12/14/wie-werbung-den-sittenverfall-auf-unseren-strassen-befoerdert/
 (DIR) [35] https://werberat.de/leitfaden-zum-werbekodex-des-deutschen-werberats/grundregeln/
 (DIR) [36] https://www.bietigheimerzeitung.de/inhalt.ludwigsburg-unfallzeugen-berichten-vom-geschehen.a07b521f-3372-4451-9723-f569a7aaed35.html
 (DIR) [37] https://www.instagram.com/p/DT994iQEykb/
       
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