# taz.de -- Raserunfälle und die Autoindustrie: Geiler töten
> Drei Männer stehen nach einem tödlichen Autorennen bei Stuttgart vor
> Gericht. Die Anklage: Mord. Die Rasertatwaffe – ein hochmotorisierter
> Mercedes-AMG.
(IMG) Bild: März 2025: Tatwaffe Auto in Ludwigsburg. Warum darf ein Wagen mit Fahrprogramm für Rennstrecken auf öffentlichen Straßen fahren?
Brad Pitt lächelt schief. Er trägt Schnurrbart. Der Hotelpage auch. Gerade
hat ihm der Star einen Zettel überreicht. „AMG GT“, steht da drauf. „I’m a
big fan“, sagt der Page. Und als Pitt sich bedankt, fügt er hinzu: „Of the
car.“ Er mag nicht den Schauspieler, sondern das Auto. Und um das geht es
in diesem [1][Spot, den Mercedes Ende letzten Jahres in Netz gestellt hat].
Er präsentiert einen Prototyp des Mercedes-AMG GT 4-Door Coupé, der in
diesem Jahr auf den Markt kommen soll.
Wozu die hochmotorisierte Limousine der Mercedes-Tochterfirma AMG gut ist,
zeigt das nicht mal zwei Minuten lange Filmchen ebenfalls. Der Page bittet
einen Fahrer, den Wagen aus der Garage zu holen – möglichst „ohne Kratzer“.
Der Fahrer ist George Russell. Im Film laut Plakette für „herausragend
schnellen Kundenservice“ als „Mitarbeiter des Monats“ ausgezeichnet. Im
echten Leben Formel-1-Pilot. Im Mercedes-Team. Und nicht nur
[2][Formel-1-Pilot-Darsteller] wie Brad Pitt.
Russel steigt in den Wagen und rast. Mit quietschenden, qualmenden Reifen
fährt er wie ein Irrer die Rampen eines Parkhauses hoch. Lässt den Wagen
vor dem Hotel noch ein paar Runden schleudern und bringt ihn schließlich
mit einem Slide vor Pitt zum Stehen.
Eine Fantasie aus der Traumwelt der Autonarren? Ja. Aber.
Im Februar letzten Jahres gab es noch ganz andere Videos im Netz zu sehen.
Auch hier standen Fahrzeuge von Mercedes-AMG im Mittelpunkt. „Mercedes kann
nicht mit anderen Autos verglichen werden“, sagte darin ein Mann im Off auf
Türkisch, während die Kamera die hochpolierte Karosse aus allen
Blickwinkeln zeigte. Wer so ein Auto fahre, hieß es weiter, müsse seine
Atmosphäre widerspiegeln – beim Sprechen, beim Sitzen, beim Stehen. Dann
war wenige Sekunden lang zu sehen, wie ein Mercedes über die
Schwieberdinger Straße in Ludwigsburg rast, gefilmt aus einem daneben
fahrenden Auto. Der Fahrer lächelt.
Auf Instagram gepostet hatten die Videos Betreiber einer Kfz-Werkstatt aus
Ludwigsburg, die sich auf Mercedes spezialisiert hatten. Am 20. März 2025
rasten sie mit ihren Wagen durch die Stadt – und rammten auf der
Schwieberdinger Straße einen Kleinwagen mit zwei Frauen. Beide starben
sofort. Seit Dezember stehen die Männer in Stuttgart vor Gericht. Der
Tatvorwurf: Mord. Mordversuch. Und Beihilfe.
Sie sollen [3][laut Staatsanwaltscha]ft seit dem frühen Abend durch die
Stadt gerast sein. Bei den Rennen hätten sie mehrfach an Ampeln gehalten,
„um dann immer wieder stark – zuletzt auf bis zu ca. 150 km/h – zu
beschleunigen.“ Schließlich knallte einer der beiden in einen Ford Focus,
der von einer Tankstelle auf die Straße fuhr. „Durch den Zusammenprall mit
dem deutlich schwereren Fahrzeug überschlug sich der Ford Focus und prallte
gegen einen Baum. Die beiden 22 und 23 Jahre alten Frauen erlagen noch am
Unfallort ihren schweren Verletzungen.“
Auf der Anklagebank sitzen zwei Brüder, die die beiden Mercedes gesteuert
haben, und ein Cousin, der das Rennen gefilmt hat. Sie sind die
mutmaßlichen Täter. Ein Urteil wird im April erwartet.
Das Tatfahrzeug, heißt es vor Gericht, war ein Mercedes-AMG S 63. Eine
Sportlimousine mit mehr als 500 PS. Das sei sein „absolutes Traumauto“,
[4][ließ einer der Angeklagten durch seinen Anwalt erklären.] Es
symbolisierte für ihn Erfolg, „was mein Bruder und ich uns durch harte
Arbeit aufgebaut haben“.
2017 waren erstmals zwei [5][Raser] wegen Mord zu lebenslanger Haft
verurteilt worden, weil sie nicht fahrlässig, sondern mit Vorsatz gehandelt
hatten. Fünf Jahre später hatte das Urteil auch [6][das
Bundesverfassungsgericht bestätigt]. [7][Autofahrer:innen sind
Mörder:innen.]Aber welche Verantwortung tragen die Autoproduzent:innen?
## Die lange Liste der Raserunfälle
Mercedes und die Tochterfirma AMG stehen keineswegs allein. Nahezu alle
Autoproduzenten setzen auf Tempo als Verkaufsargument.
2022 rast die [8][Fahrerin eines Audi A6] bei einem illegalen Rennen im
niedersächsischen Barsinghausen mit 180 Kilometern pro Stunde durch eine
Kurve und crasht frontal mit einem Kleinwagen zusammen, in dem zwei Kindern
sterben. Die 42-Jährige wird [9][wegen Mord zu lebenslanger Haft
verurteilt]. Audi preist Fahrzeuge dieses Typs [10][mit dem Slogan „Keine
Ausrede mehr fürs Zuspätkommen“ an], weil er sich in 4,7 Sekunden auf 100
km/h beschleunigen lässt.
Im November 2025 fährt ein 19-Jähriger [11][mit einem Porsche Macan so
schnell durch München], dass ein entgegenkommender Renault förmlich
zerrissen wird. Zwei Insassen des Renaults sterben. Die Staatsanwaltschaft
ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Porsche lässt den Macan von
[12][Popstar Dua Lipa] in [13][einem Video] anpreisen, in dem ein Rennen
nicht fehlen darf. „And … race time, baby, because … Porsche“, sagt die
Sängerin. Und zischt davon.
2024 liefern sich [14][zwei junge Männer mit einem Mercedes und einem Tesla
ein Autorennen] – und rammen ein anderes Auto, in dem ein kleiner Junge
stirbt. [15][Sie werden später in erster Instanz zu 7 Jahren Haft
verurteilt.] Auch Tesla stellt bei seinen Fahrzeugen die enormen
Beschleunigungswerte hervor. Beim Tesla S reichen [16][laut Hersteller]
schon 2,1 Sekunden, um ihn auf 100 km/h zu bringen.
Im selben Jahr [17][stirbt die Insassin eines BMW 640i,] nachdem das Auto
mit hoher Geschwindigkeit auf der Tauentzienstraße in Berlin erst abhob und
dann in Flammen aufging. [18][BMW preist die bei dieser Fahrzeugserie
„markentypische Sportlichkeit“] und nennt als Höchstgeschwindigkeit 250
km/h.
Die Liste ließe sich nach Belieben fortsetzen.
Illegale Autorennen, also Rennen, die nicht offiziell auf einer Rennstrecke
ausgetragen werden, gelten seit 2017 als Straftat, schon ein Auto genügt
dafür. Abschreckend wirkt das offenbar kaum. Im Gegenteil. [19][Laut einer
Recherche des Tagesspiegels] stieg die Zahl der registrierten illegalen
Kfz-Rennen von circa 4.300 im Jahr 2020 kontinuierlich auf mindestens 6.900
im Jahr 2024. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres 2025
registrierte die Polizei in Baden-Württemberg noch mal [20][40 Prozent mehr
als im Vorjahreszeitraum. ]
Raserei hat zahlreiche Opfer. Im Jahr 2024 verunglückten laut Statistischem
Bundesamt bei Unfällen durch „nicht angepasste Geschwindigkeit mit
gleichzeitigem Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit“ 3.686
Menschen, davon 989 schwer. 200 Menschen kamen ums Leben.
Raserei beschäftigt [21][die Justiz]. Im Jahr 2024 wurden [22][laut
Statistischem Bundesamt] wegen [23][verbotener Kraftfahrzeugrennen] 989
Menschen verurteilt. 181 davon zu Freiheitsstrafen. Fast alle Verurteilten
waren Männer. Sehr viele davon waren sehr jung, was [24][auf ein
spezifisches Problem im Verkehr] hinweist. Aber ausnahmslos alle saßen am
Steuer eines Autos, dem die Hersteller das Image eines Rennwagens verpasst
haben.
## Speed als Gründungsmythos
Bei AMG ist dieses Image Teil der Gründungsgeschichte. [25][Gestartet wurde
die Marke] in den 1960er von zwei rennsportbegeisterten Ingenieuren von
Daimler-Benz. Schnell lagen ihre aufgemotzten Mercedes bei den Deutschen
Tourenwagenmeisterschaften oder beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans vorne.
2005 wurde die Firma zur hundertprozentigen Tochter von DaimlerChrysler.
„Motorsport ist das, was uns antreibt“, [26][heißt es noch heute auf der
Website] von Mercedes-AMG.
Bei einigen AMG-Modellen steckt Speed nicht nur im Image, sondern auch in
der Technik. Sie verfügen über automatische Fahrprogramme mit den Namen
„Race“ oder „Race Start“.
Fahrprogramme sind an sich nichts Verwerfliches. Sie helfen
Autofahrer:innen etwa beim Rückwärtseinparken. Auch Notbremsassistent,
Spurverlassenwarner, Geschwindigkeitsassistent und Müdigkeitswarner können
helfen, Unfälle zu vermeiden und Leben zu retten, [27][heißt es lobend in
einem Bericht der Unfallforschung der Versicherer]. In Städten und auf
Landstraßen sollten die Systeme aber nur mit größter Vorsicht eingeschaltet
werden. Durch „fehlendes Situationsbewusstsein“ der Fahrer:innen könnten
solche Programme „im Vergleich zum manuellen Fahren auch negative Effekte
auf die Verkehrssicherheit haben“, [28][mahnt der Deutsche
Verkehrssicherheitsrat].
Theoretisch denkbar wäre, dass [29][über Programme Autofahrer:innen
gezwungen werden, sich an Tempolimits etwa in geschlossenen Ortschaften zu
halten.] Der Einbau solcher Speed Limits ist seit 2024 europaweit
vorgeschrieben. Doch die Autolobby hatte zuvor bei der EU durchgesetzt,
[30][dass diese Tempobegrenzung abgeschaltet werden kann], sinnigerweise
durch Betätigung des Gaspedals.
## Nur für Rennstrecken gedacht?
Die AMG-Fahrprogramme „Race“ und „Race Start“ bewirken das komplette
Gegenteil. „Race“ bietet [31][laut Handbuch] „maximale Sportlichkeit“,
„besonders straffe Fahrwerksabstimmung“ und eine „sportliche
Soundausprägung der Abgasanlage“. Es toppt noch andere eingebaute
Fahrprogramme wie „Sport“ und „Sport+“, die „nur geeignet für gute
Fahrbahnverhältnisse“ sind und eine trockene Fahrbahn und einen
übersichtlichen Streckenverlauf voraussetzen. Deshalb, so heißt es weiter
im AMG-Manual, dürfe das für ein rennstreckenorientiertes Fahrverhalten
vorgesehene „Race“ „im normalen Straßenbetrieb nicht verwendet werden.“ Und
noch klarer: „Das Fahrprogramm darf nur auf abgesperrten Rundstrecken,
außerhalb des öffentlichen Straßenverkehrs, aktiviert und genutzt werden.“
„Durch die Funktion ‚Race Start‘ wird das Fahrzeug auf maximale Traktion
und Beschleunigung abgestimmt, um eine optimale Fahrzeugbeschleunigung aus
dem Stand zu ermöglichen“, erklärt Felix Siggemann, Sprecher von
Mercedes-AMG auf Anfrage. „Um ein Höchstmaß an Sicherheit zu
gewährleisten“, würden in den Bedienungsanleitungen und über Meldungen im
Fahrzeugdisplay die Fahrer „unmissverständlich“ darauf hingewiesen, dass
„Race“ und „Race Start“ nicht im Straßenverkehr genutzt werden sollen. Die
Programme seien aber vom Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt und für den
Gebrauch auf öffentlichen Straßen zugelassen.
Ist so etwas legal? Darf ein Auto mit einem Fahrprogramm für Rennstrecken
auf öffentlichen Straßen fahren? Zumal der Hersteller dringend davon abrät?
Und wenn ja, warum wurde das vom Kraftfahr-Bundesamt (KBA) genehmigt? Zur
Beantwortung dieser Fragen braucht das Amt einen ganzen Monat. Schließlich
schreibt der Pressesprecher des KBA: „Das Fahrprogramm ‚Race‘ wurde
beschrieben und gemäß der Anforderungen der Typgenehmigungsvorschriften
geprüft.“ Die Prüfung sei insbesondere bei der Genehmigung von Geräusch-
und Auspuffemissionen relevant. Dafür gebe es EU-Verordnungen.
„Abgesehen von den gesetzlichen Anforderungen an die Fahrprogramme
existieren keine weiteren Auflagen seitens der Typgenehmigung.“ Daher sei
die Typengenehmigung erteilt worden. Und die Fahrzeuge dürften „somit am
Straßenverkehr unter Beachtung der Regelungen der StVO teilnehmen“.
Mit anderen Worten: Der Hersteller baut ein Programm ein, das er selbst für
gefährlich hält. Er beschreibt dem Kraftfahr-Bundesamt, wie es
funktioniert. Das reicht für die Zulassung. Die Verantwortung wird dem
Fahrer überlassen. Er muss sich an die Straßenverkehrsordnung halten. Der
Hersteller darf seine Hände in Unschuld waschen.
„Warum dürfen solche Maschinen, mehr Waffen als Beförderungsvehikel, gerne
genutzt für immer wieder tödliche Angeberspiele, legal auf den Markt
gebracht werden? Butterfly-Messer sind auch verboten, obwohl es ‚Messer‘
sind und niemand am Sinn von Küchenmessern zweifelt“, [32][fragte der
Landesverband Rheinland-Pfalz des VCD] nach dem tödlichen Unfall in
Ludwigsburg.
## Gefährdendes Verhalten anregen oder dulden
Doch der Tempowahnsinn ist nicht nur nicht verboten. In der
tempolimitfreien Republik gehört er zur Kernaussage der Autowerbung. Dabei
ist die Erkenntnis, dass Autoproduzenten mit „Sportlichkeitswerbung“ selbst
„relativ sicherheitsbewusste Fahrer zu risikofreudigem, unfallträchtigem
Fahren verleiten“ können, nicht neu. Denn genau diesen Satz konnte man
unter Berufung auf ein entsprechendes TÜV-Gutachten [33][im Spiegel lesen –
im Jahr 1973].
„Wie kaum ein anderes Objekt bietet das Auto die Chance, Individualität und
Autonomie nach außen zu vermitteln und daraus soziale Wertschätzung zu
erfahren – oder sich dies zumindest einzubilden“, [34][sagte der
Verkehrspsychologe Wolfgang Fastenmeier] schon 2017. In der Geschwindigkeit
könne die Leistungsfähigkeit des Autos am unmittelbarsten erlebt werden,
ohne dass darüber reflektiert werde, ob das vorsichtig oder unvorsichtig
ist. Werbung „bedient solche Motive, Gefühle und kann dazu beitragen, dass
sich Sicherheitseinstellungen verschlechtern“, so Fastenmeier weiter. Wenn
sie den meist eh schon impulsiv handelnden jungen Fahrer:innen
vorgaukele, sie würden Leistungs- und gar Extremsport betreiben, könnten
sie sich bestätigt sehen in ihrem grenzwertigen Verhalten.
Heute heißt es [35][in den Grundregeln des Deutschen Werberates], dass
Werbung „keine die Sicherheit der Verbraucher gefährdenden Verhaltensweisen
anregen oder stillschweigend dulden“ darf. „Damit ist sichergestellt, dass
auch Automobilwerbung, die etwa verkehrsgefährdendes oder
sicherheitswidriges Verhalten darstellen oder verharmlosen könnte, unter
die bestehenden Verhaltensregeln fällt“, betont Sebastian Lambeck vom
Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft.
Doch der Werberat „wird grundsätzlich nur auf Basis von Beschwerden aus der
Bevölkerung tätig“, erklärt Lambeck. Und in den letzten Jahren habe es nur
sehr vereinzelt Beschwerden zu Automobilwerbung gegeben, in denen das
Fahrverhalten oder die Inszenierung als riskant empfunden wurde. In diesen
Fällen sei jedoch offensichtlich gewesen, dass es sich „um Stunts oder
fiktionale Szenen handelte, die nicht als reales Verhalten im
Straßenverkehr missverstanden werden konnten“. In einem anderen Fall habe
ein Unternehmen einen Spot nach dem Hinweis des Werberats freiwillig
zurückgezogen beziehungsweise angepasst. Eine Rüge wegen Raserwerbung wurde
in keinem Fall ausgesprochen.
Dabei ist offenbar selbst den Herstellern die Gefahr der Nachahmung
bewusst. Unter dem AMG-Werbespot mit Formel-1-Pilot George Russell wird
anfangs extra kurz „Filmed on closed road with professional driver. Do not
attempt“ eingeblendet – also: „Auf abgesperrter Straße mit professionellem
Fahrer gefilmt. Nicht nachmachen!“ Ähnliches steht unter dem Porsche-Spot
mit Dua Lipa.
Darauf weist auch der Mercedes-AMG-Sprecher hin. „Werbung will Emotionen
wecken“, schreibt Siggemann. „Im Bereich der Automobilwerbung kann dazu
beispielsweise die Darstellung von Leistungsfähigkeit in unterschiedlichen
Ausprägungen gehören.“ Allerdings sei durch Darstellung und Kontext klar,
dass in dem Video „in einem betont künstlichen Setting mit ironisch
gebrochenen Dialogen eine professionell choreografierte Fahrsequenz von
erfahrenen Fahrern in einem abgesperrten Bereich durchgeführt wird“.
Außerdem biete Mercedes-AMG „umfangreiche Fahrertrainings an, die unter
anderem den sicheren und kontrollierten Einsatz auf Rennstrecken umfassen“.
Doch ist die Nachahmung dadurch tatsächlich ausgeschlossen? Als im
AMG-Werbesport der Rennfahrer den Wagen vor Brad Pitt mit qualmenden Reifen
vor die Füße geparkt hat, bedankt sich der Schauspieler, steigt ein und
rast davon. Wie ein Irrer. Wie der Formel-1-Fahrer. Über die Hotelauffahrt
slidend, mit qualmenden Reifen. Nachahmung als Werbebotschaft.
Bei dem Prozess in Baden-Württemberg gegen die Raser von Ludwigsburg wurde
ein Augenzeuge gefragt, wie schnell die Mercedes schätzungsweise gewesen
sind, als sie in den Ford krachten. [36][Seine Antwort]: „Man könnte es
auch Fliegen nennen.“
Mehrere Zeugen hätten zu solchen Superlativen gegriffen, berichtet Fatih
Zingal. Der Rechtsanwalt vertritt im Prozess die Familien der getöteten
Frauen als Nebenkläger. Das war „eine Mordsbeschleunigung, das kriegen sie
nie mit normalen Fahrzeugen hin.“ Und das werde ein entscheidender Punkt im
Gerichtsverfahren.
## Autos sind per se eine Gefahr
Schon bei Kleinfahrzeugen gebe es zu Recht eine Gefährderhaftung:
Fahrzeughalter haften für Schäden unabhängig davon, ob ein konkretes
Verschulden vorliegt, weil der Betrieb eines Autos per se eine Gefahr
darstellt. Aber wenn man so ein hochmotorisiertes Auto fahre, sagt Zingal,
„muss einem klar sein, dass das noch viel, viel gefährlicher ist“.
Die Schwieberdinger Straße, auf der der Unfall passierte, führt
kilometerlang geradeaus. Wie gemacht für eine Rennstrecke. Aber es gebe
Einmündungen. Das habe der Hauptangeklagte wissen müssen, sagt der Anwalt.
Denn der kenne den Unfallort gut, er wohne in der Nähe. Deshalb könne in
diesem Fall der bedingte Tötungsvorsatz angenommen werden, argumentiert
Zingal. Folgt ihm das Gericht, kann der Haupttäter tatsächlich wegen Mord
verurteilt werden.
Im Laufe des Prozesses werde noch ein Sachverständiger als Zeuge geladen,
der den Bordcomputer der Tatfahrzeuge ausgewertet hat. Daran lasse sich
zeigen, ob die Fahrer einen Kick-Down-Start gemacht haben. Und ob sie
Fahrprogramme dafür genutzt haben.
Unter dem Formel-1-Spot präsentiert AMG einen Satz als Zitat von Brad Pitt:
„Die Hingabe und der Nervenkitzel ist es, was Mercedes-AMG ausmacht.“ Der
Nervenkitzel als Verkaufsargument.
Ende Januar postete Mercedes-AMG [37][ein Minivideo mit Szenen aus dem
Formel-1-Spot auf Instagram]. Über dem rasenden Neuwagen steht auf
Englisch: „Rekordbrechende Aerodynamik. Bald auf der Straße.“ Das soll
keine Warnung sein.
Der Angeklagte, der sein eigenes AMG-Video ins Netz gestellt hatte, sagt
darin: „Der Mann, der in einen Mercedes einsteigt, muss auf sich selbst
aufpassen.“ Nur wer passt auf alle andern auf?
3 Feb 2026
## LINKS
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(DIR) [24] /Verursacher-von-Verkehrsunfaellen/!6138783
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(DIR) [26] https://www.mercedes-amg.com/de/motorsport
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(DIR) [30] /SUV-Unfall-in-Nuertingen/!6017448
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