# taz.de -- Tod nach Autorennen in Ludwigsburg: Auch Deutschland ist schuld
> Bei einem illegalen Autorennen in Ludwigsburg werden zwei unbeteiligte
> Frauen getötet. Nicht nur Einzelpersonen tragen die Verantwortung für
> ihren Tod.
(IMG) Bild: Unfall/Tatort nach dem Autorennen in Ludwigsburg am 20. 3. 2025
Zwei junge Frauen sind tot. Gestorben, weil drei Männer im Autoland
Deutschland rücksichtslos Spaß haben wollten. Ein 33-Jähriger ist deswegen
jetzt wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein zwei Jahre
älterer Bruder, mit dem er innerorts Autorennen fuhr, muss unter anderem
wegen versuchten Mordes für 13 Jahre ins Gefängnis. Der dritte Angeklagte,
ein Cousin, bekam wegen Beihilfe zu dem Rennen ein Jahr auf Bewährung. Die
Verteidiger wollen das Urteil überprüfen lassen.
Merve wurde 23, ihre beste Freundin Selin 22 Jahre alt. Merve wollte am
nächsten Tag zu ihrem Junggesellinnen-Abschied nach Portugal fliegen. Kurz
danach wollte sie heiraten. Die beiden waren am Abend des 20. März 2025 von
einer Tankstelle in Ludwigsburg auf die Schwieberdinger Straße eingebogen.
Dort galt zu dem Zeitpunkt Tempo 50, inzwischen darf nur noch 40 gefahren
werden. In dem Moment kam der 33-Jährige mit seiner übermotorisierten
Limousine mit einer Geschwindigkeit von deutlich über 100 km/h angerast. Er
prallte in die Seite des Autos der beiden Frauen. [1][Sie hatten keine
Überlebenschance.]
Denn die wurde ihnen genommen, obwohl ihr Tod vermeidbar gewesen wäre. Er
ist nicht nur die Schuld der verurteilten Männer, sondern auch die eines
Landes, das sich wieder und wieder weigert, Autos und ihre Fahrer schärfer
zu kontrollieren.
## 113 Einträge in der Führerscheinakte
Der jetzt mit dem Urteil beendete Prozess am Landgericht Stuttgart hatte
Anfang Dezember begonnen. Im Verlauf der zahlreichen Verhandlungstage waren
Details über die Angeklagten bekannt geworden, die bei manchen
Prozessbeobachtern nur verständnisloses Kopfschütteln ausgelöst hatten.
Die beiden jetzt verurteilten Brüder hatten schon zahlreiche Einträge in
ihrer Führerscheinakte. Bei dem 33-Jährigen waren es 113 Vermerke,
beispielsweise Fahren ohne Fahrerlaubnis, deutlich zu schnelles Fahren oder
auch Unfallflucht. Unter den 51 Einträgen bei seinem Bruder sind ebenfalls
Unfallflucht und Trunkenheitsfahrten.
Der Führerschein war auch ihm schon mehrfach entzogen worden. Er hatte ihn
aber nach Vorlage eines Gutachtens immer wieder zurückbekommen. Dass dieses
Land Menschen, die offensichtlich nicht dazu befähigt sind, Autos zu
bedienen, immer wieder die Chance gibt, ihr Unheil anzurichten, ist
beängstigend.
Nach der Urteilsverkündung war es zwischen zwei Angehörigen der Opfer und
der Angeklagten zu Handgreiflichkeiten gekommen. Schon vorher waren die
Familien der Opfer im Internet verunglimpft worden, was der Vorsitzende
Richter scharf kritisierte.
## Warum kein automatischer Tempomat?
Die beiden Brüder rasten an dem Abend mit Limousinen mit jeweils 450 PS
über die Straße. Ein Gutachter hat festgestellt, dass die Geschwindigkeit
des Fahrzeugs des 33-Jährigen etwa 100 Meter vor dem Aufprall noch bei
knapp 150 km/h lag. Beim Zusammenstoß waren es noch knapp 130 Kilometer pro
Stunde.
Auch für kleinere Autos, zumal für E-Autos, gibt es längst
Sicherheitssysteme, die solche Unfälle verhindern oder zumindest abmildern
können. Wenn plötzlich ein Fußgänger auf die Straße rennt, gehen nicht nur
alle möglichen Alarme los, sondern es wird eine Vollbremsung eingeleitet.
Wenn zu schnell gefahren wird, piepst es aufdringlich. [2][Und wenn die
Hersteller und die Politik es wollten], könnten längst Tempomaten dafür
sorgen, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit automatisch eingehalten
wird.
Dass das irgendwann einmal wie ein funktionierender Blinker zur Pflicht
wird, scheint aber in einem Land, das es trotz Klimakrise und nicht einmal
wegen ziemlich teuren Benzins schafft, ein Tempolimit einzuführen, eher
unwahrscheinlich.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Autounfaelle/!6048401
(DIR) [2] /Raserunfaelle-und-die-Autoindustrie/!6144030
## AUTOREN
(DIR) Jürgen Brand
## TAGS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) talkshow
(DIR) Illegale Autorennen
(DIR) Auto
(DIR) Autolobby
(DIR) Toxische Männlichkeit
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Illegale Autorennen
(DIR) Illegale Autorennen
(DIR) SPD-CDU-Koalition
(DIR) fahrlässige Tötung
(DIR) Illegale Autorennen
(DIR) Selbstfahrendes Auto
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Verkehrsdelikte und Polizeistatistik: Auf dem Auto-Auge blind
Jahr für Jahr werden mehr mörderische Rennen registriert. Doch wie viele
Opfer es gibt, weiß nicht einmal die Polizei. Das ist politisch so gewollt.
(DIR) Illegale Autorennen in Deutschland: Mörderisch, aber nicht kriminell genug für die Statistik
Die Zahl verbotener Kfz-Rennen ist 2025 deutlich gestiegen. Genaue Daten
gibt es nicht, denn die Kriminalstatistik erfasst keine Verkehrsstraftaten.
(DIR) Tempolimit: Langsam fahren ist billig
Während die Koalition über hohe Spritpreise berät, fordert Greenpeace ein
Tempolimit. Das könnte nicht nur den Geldbeutel der Fahrer:innen
schonen.
(DIR) Mann fährt Frau und Kinder tot: Kein Führerscheinentzug nach tödlichem Unfall
Im Oktober 2024 erfasste ein Autofahrer auf einem Gehweg eine Frau und zwei
Kinder mit seinem Wagen und tötete sie. Nun hat der Prozess in Esslingen
begonnen.
(DIR) Raserunfälle und die Autoindustrie: Geiler töten
Drei Männer stehen nach einem tödlichen Autorennen bei Stuttgart vor
Gericht. Die Anklage: Mord. Die Rasertatwaffe – ein hochmotorisierter
Mercedes-AMG.
(DIR) Autounfälle: Das Tötungsprivileg
Bei Unfällen zwischen Autofahrern und Fußgängern oder Radfahrern ist die
Ursache bekannt: Es ist das Auto. Wie können wir die tödliche Waffe
entschärfen?