# taz.de -- Verkehrsdelikte und Polizeistatistik: Auf dem Auto-Auge blind
       
       > Jahr für Jahr werden mehr mörderische Rennen registriert. Doch wie viele
       > Opfer es gibt, weiß nicht einmal die Polizei. Das ist politisch so
       > gewollt.
       
 (IMG) Bild: Wie viele Menschen durch illegale Autorennen jährlich getötet werden wissen wir nicht
       
       Jedes Jahr im Frühling serviert der Bundesinnenminister die neueste
       Polizeiliche Kriminalstatistik. Bald ist es wieder so weit. Dann wird er
       über Mord und Totschlag reden, über organisierte Kriminalität, Drogen,
       Messer und was sonst so die Themen sind, die die Politik dann durch
       Gesetzesverschärfungen bekämpfen will. Sicher raunt der Minister auch das
       Wort „Dunkelfeld“. Und da hat er sogar recht. Denn eine Tätergruppe wird
       erst gar nicht beleuchtet: die kriminellen Autofahrer:innen.
       
       Dabei sind das nicht wenige: [1][Jede vierte Verurteilung an deutschen
       Gerichten ergeht wegen einer Straftat im Straßenverkehr.] Dabei geht es
       nicht um Falschparken, sondern um handfeste Taten [2][bis hin zum Mord] –
       etwa nach einem der genauso tödlichen wie illegalen Autorennen. Von denen
       [3][werden Jahr für Jahr mehr registriert]. Doch ihre Zahl und die der
       Opfer exakt zu benennen, ist unmöglich. Warum das so ist? Weil es schon
       immer so war, mindestens seit 1994. Da einigte sich eine Kommission der
       Innenminister darauf, dass Verkehrsdelikte nicht in die Kriminalstatistik
       gehören.
       
       Deshalb tauchen zwar im Vollrausch begangene Taten in der Polizeistatistik
       auf. Aber Trunkenheit am Steuer nicht. Autofahrer müsste man sein. [4][Dann
       reagiert die Regierung nicht nur umgehend, wenn die Benzinpreise steigen.]
       Sie schaut auch gern mal weg, wenn Fahrer:innen Mist bauen.
       
       Nun ist es nicht so, dass die Polizei Raser:innen nicht verfolgt. Im
       Gegenteil, einige Landesbehörden geben ihr Bestes. Und man könnte meinen,
       es sei nachrangig, dass sie nicht in der Statistik auftaucht. Doch wenn
       nicht einmal die Polizei ohne Weiteres in der Lage ist, genau zu beziffern,
       wie drängend so ein Phänomen ist, dann muss auch kein Minister daraus
       Konsequenzen ziehen.
       
       Die Politik ist auf dem Auto-Auge blind. Sie fährt stur nach dem Motto
       „Kein Autofahrer ist illegal“. Schließlich ist [5][die Autoindustrie] ja
       der Motor für unseren Wohlstand. Da kann jemand, der deren Produkte nutzt,
       doch nichts Böses im Schilde führen. Nicht einmal, wenn es Tote gibt.
       
       14 Apr 2026
       
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