# taz.de -- Illegale Autorennen in Deutschland: Mörderisch, aber nicht kriminell genug für die Statistik
       
       > Die Zahl verbotener Kfz-Rennen ist 2025 deutlich gestiegen. Genaue Daten
       > gibt es nicht, denn die Kriminalstatistik erfasst keine
       > Verkehrsstraftaten.
       
 (IMG) Bild: Rausch der Geschwindigkeit: tödlich, aber kriminalstatistisch nicht relevant
       
       Autorennen sind schnell. Illegale Autorennen sind sogar deutlich schneller,
       als die Polizei erlaubt. Wenn man aber wissen will, wie drängend dieses
       Problem in Deutschland ist, wird man ausgebremst. Denn die Daten dazu
       werden nicht bundesweit erfasst – auch wenn sie etwa für [1][die
       Verkehrssicherheitskonferenz am Dienstag in Berlin] eine wichtige
       Entscheidungsgrundlage sein könnten.
       
       Der Grund dafür: „Verbotene Kraftfahrzeugrennen“ sind zwar seit 2017 ein
       eigener Straftatbestand. Laut [2][Paragraf 315d des Strafgesetzbuches] kann
       schon die bloße Teilnahme an einer solcher Raserei mit Freiheitsstrafe bis
       zu fünf Jahren bestraft werden, wenn das Leben eines anderen Menschen oder
       fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet sind. Und schon der Versuch
       ist strafbar. Werden Unbeteiligte getötet, können Fahrer:innen sogar
       wegen Mordes verurteilt werden – so [3][wie kürzlich im Prozess um das
       Rennen] in Ludwigsburg vor einem Jahr.
       
       Doch in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden diese Mordrennen
       nicht erfasst. Dort werden nur „verkehrsfremde Eingriffe“ gezählt, erklärt
       eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA). Gefährliche Eingriffe in den
       Straßenverkehr werden von der Polizeistatistik als kriminell erfasst.
       Fehlverhalten im Straßenverkehr aber ist [4][für die Polizeistatistik nicht
       kriminell genug] – und dazu gehört neben den illegalen Rennen zum Beispiel
       auch Trunkenheit am Steuer. Das sei 1994 von einer Kommission der
       Innenministerkonferenz beschlossen worden, schreibt die BKA-Sprecherin. Und
       die PKS-Kommission sehe auch keinen Anlass, das zu ändern.
       
       So bleibt nur die Abfrage der Zahlen bei allen 16 Bundesländern. Die taz
       fragte nach der Zahl der registrierten Rennen seit 2020. Da hierzu [5][laut
       einem Urteil des Bundesgerichtshofs] auch die Flucht vor der Polizei
       gezählt werden kann, wollten wir auch wissen, wie sich dieser Bereich
       entwickelt hat. Zudem haben wir nach Unfällen, Verletzten und Todesopfern
       gefragt. Die Antworten sind vielsagend – weit über die reinen Daten hinaus.
       
       ## Daten gibt es nur mit manueller Auswertung
       
       Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums bedauert, dass er nur die
       Zahl der Rennen aus den letzten beiden Jahren nennen kann. Sie stieg von
       555 auf 633. Ein Zuwachs von mehr als 14 Prozent. „Details ließen sich nur
       anhand einer manuellen Auswertung jedes einzelnen Anzeigen-Vorgangs aus der
       polizeilichen Vorgangsverwaltung erheben“, heißt es weiter – auch weil es
       sich um Verkehrsdelikte handelt, die nicht in der polizeilichen
       Kriminalstatistik erfasst werden.
       
       Der Sprecher des Innenministeriums in Rheinland-Pfalz kann eine Woche nach
       der taz-Anfrage zwar sagen, dass die Zahl der Rennen kontinuierlich von 288
       im Jahr 2020 auf 419 im Jahr 2025 gestiegen ist. Wie viele Menschen dabei
       ums Leben kamen, lasse sich aber „anhand des rheinland-pfälzischen
       Vorgangsbearbeitungssystems nicht valide erheben.“
       
       Die Polizei in Bremen kann nach mehr als einer Woche nur mitteilen, dass
       2023 Vorfälle „auf einem mittleren zweistelligen Niveau“, 2024 sowie 2025
       hingegen „auf einem hohen zweistelligen Niveau“ registriert wurden. Ältere
       Zahlen lägen „aufgrund von Löschfristen in den polizeilichen
       Erfassungssystemen“ nicht vor.
       
       Die Polizei in Hamburg benennt zwar einen dramatischen Zuwachs der Rennzahl
       von 117 im Jahr 2024 auf 186 im letzten Jahr. Weitere Details hat sie aber
       auch nicht, da „eine händische Einzelauswertung aller erfassten Fälle für
       eine journalistische Anfrage nicht leistbar ist“. Auch hier verweist der
       Sprecher darauf, dass verbotene Kfz-Rennen nicht Bestandteil der PKS sind.
       
       Ähnlich ist es in Sachsen-Anhalt. Dort wurde nach Angaben einer Sprecherin
       des Innenministeriums „durch händische Sichtung der einzelnen Vorgänge,
       folglich in einem sehr aufwändigen Verfahren“ zwar ein spezielles Lagebild
       zu den verbotenen Rennen erstellt – aber nur für die Jahre 2020 bis 2022.
       Seither ist die Zahl der registrierten Straftaten zwar von 303 auf 468 im
       letzten Jahr um mehr als 50 Prozent gestiegen. Aber wie viele Unfälle
       dadurch verursacht, wie viele Menschen verletzt oder getötet wurden, bleibt
       unbekannt. Als Grund nennt die Sprecherin auch hier, dass eine
       „qualitätsgesicherte Statistik analog der polizeilichen Kriminalstatistik“
       fehle.
       
       Dass es auch anders geht, sieht man an Nordrhein-Westfalen. Christoph
       Wickhorst, der dortige Sprecher für Polizeiangelegenheiten beim
       Innenministerium brauchte nach der taz-Anfrage hingegen keine zwei Stunden,
       um detaillierte Zahlen aus dem größten Bundesland zu mailen. 2.384 illegale
       Rennen wurde dort 2025 registriert, 5 Prozent mehr als im Vorjahr, 17
       Prozent mehr als 2021. Die Zahl der dadurch verursachten Unfälle sprang von
       2021 bis 2025 gar um 72 Prozent auf 663.
       
       NRW hat die Zahlen parat, weil man das Thema traditionell ernst nehme,
       schreibt Wickhorst. „Wir schöpfen alle rechtlichen Möglichkeiten aus.“ In
       den Großbehörden gebe es spezielle Teams der Verkehrsdirektion, die sich
       nur um das Thema kümmern.
       
       ## Wo die Polizei genau hinschaut, werden Raser:innen ertappt
       
       Ähnlich engagiert klingt die Antwort aus Hessen. „Geschwindigkeit ist eine
       der Hauptunfallursachen“, betont Adina Murrer, Sprecherin des dortigen
       Innenministeriums. Es gebe daher „derzeit rund 50 Beamtinnen und Beamte in
       sieben spezialisierten Kontrolleinheiten bzw. Kontrollgruppen“, schreibt
       Murrer, bevor sie die gefragten Zahlen nennt: ein Zuwachs von 155 Anzeigen
       wegen illegaler Rennen im Jahr 2020 auf 403 im vergangenen Jahr.
       
       „Ein hoher Anteil der festgestellten Straftaten entstammt der damit
       einhergehende Spezialisierung sowie den zielgerichteten Kontrollen“,
       schreibt Murrer. Was zweierlei bedeutet: Wo die Polizei genau hinschaut,
       werden mehr Raser:innen ertappt. Das wiederum hat aber auch Auswirkungen
       auf die Statistik.
       
       Genaueres ließe sich über die Zahl der tatsächlich durch Rennen
       verursachten Unfälle erschließen, weil die unabhängig von der
       Kontrollintensität registriert werden. Aber eine detaillierte Analyse der
       Unfallzahlen kann auch Hessen nicht liefern, „da der Aspekt des illegalen
       Kraftfahrzeugrennens in der statistischen Erfassung von Verkehrsunfällen
       nicht abgebildet wird.“
       
       Dabei scheint ein genaueres Hinschauen angemessen. Elf Bundesländer konnten
       der taz die Zahl der Anzeigen wegen illegaler Rennen aus den Jahren 2024
       und 2025 nennen: Sie stiegt dort von 6.075 auf 6.800 – ein Zuwachs um rund
       12 Prozent. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen dabei 19 Menschen ums Leben
       – so viel wie nie zuvor.
       
       14 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/K/nationale-verkehrssicherheitskonferenz-2026.html
 (DIR) [2] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__315d.html
 (DIR) [3] /Tod-nach-Autorennen-in-Ludwigsburg/!6169219
 (DIR) [4] /Kriminalitaetsschwerpunkt-Strassenverkehr/!6041990
 (DIR) [5] https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Strafsenate/4_StS/2020/4_StR_225-20.pdf?__blob=publicationFile&v=1
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gereon Asmuth
       
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