# taz.de -- Streitgespräch über Brandmauern: „Es gibt Schnittmengen zwischen Union und AfD“
       
       > Die AfD darf nicht in die Nähe der Macht gelangen, sagen die
       > Politikwissenschaftler Thomas Biebricher und Christian Stecker. Doch wie
       > verhindert man das?
       
 (IMG) Bild: Die Brandmauer sei nicht per se undemokratisch, sagen die Politikwissenschaftler
       
       taz: Herr Stecker, brauchen wir eine Brandmauer gegen die AfD? 
       
       Christian Stecker: Vorneweg: Die AfD beschimpft andere als Volksverräter
       und hat Sympathien für Putin und Orbán. Wenn sie die Mehrheit hätte, würde
       sie mit der Minderheit wohl nichts mehr demokratisch aushandeln. Deswegen
       sollte die AfD nicht in die Nähe von Regierungsmacht kommen. Aber die
       Brandmauer ist trotzdem falsch. Sie ist undemokratisch, weil wir nicht nur
       die Partei, sondern auch die Wähler ausschließen. Was man zur AfD sagt,
       sagt man auch ihren Wählern. Deshalb plädiere ich für einen differenzierten
       Umgang.
       
       taz: Und das heißt was? 
       
       Stecker: Demokraten dürfen mit der AfD kein Remigrationsgesetz
       verabschieden, das die Gleichheit der Staatsbürger unterminiert. Aber wenn
       man auch ablehnt, dass die Union mit der AfD die Grunderwerbsteuer senkt
       oder finanzielle Unterstützung beim Führerscheinerwerb beschließt – dann
       schließt man AfD-Wähler unverhältnismäßig stark aus. Sie haben weniger
       Möglichkeiten, ihre Interessen durchzusetzen. Das ist ein undemokratischer
       Verdachtsfall, wenn man es im Verfassungsschutzdeutsch ausdrücken will.
       
       taz: Herr Biebricher, ist die Brandmauer undemokratisch? 
       
       Thomas Biebricher: Nicht in diesem Sinn. Dass AfD-Wähler nicht in der
       Regierung repräsentiert sind, ist nicht so gravierend. Es gibt in
       parlamentarischen Demokratien kein Anrecht darauf, in der Regierung präsent
       zu sein.
       
       Stecker: Der Ausschluss der AfD ist etwas anderes als der normale
       Ausschluss von Oppositionsparteien. Für Grüne und Linke gelten andere
       Spielregeln.
       
       Biebricher: Stimmt. Aber diese Spielregel ist nicht undemokratisch. Es gibt
       viele historische Fälle, in denen Parteien ausgeschlossen wurden. In einer
       pluralen Demokratie können Parteien frei entscheiden, mit wem sie nicht
       zusammenarbeiten. Was aber stimmt: Es schadet der politischen Kultur, wenn
       auf die Dauer ein immer höherer Prozentsatz von Wählerinnen und Wählern
       keine Chance hat, ihre Parteien an der Regierung beteiligt zu sehen.
       Langfristig ist das eine ungünstige, eigentlich eine untragbare Situation.
       Eine Demokratie hält das nur begrenzte Zeit durch.
       
       taz: Warum sind Sie trotzdem für die Brandmauer, Herr Biebricher? 
       
       Biebricher: Sie ist schlicht und einfach notwendig. Sonst wird die AfD
       normalisiert und kommt der Macht immer näher. Ist die Salonfähigkeit erst
       einmal verliehen, kann man sie nicht mehr zurückholen. Die Funktion des
       Gatekeepings, also dass bestimmte Positionen und Rhetoriken als
       inakzeptabel markiert werden, geht verloren. Aber die Brandmauer ist als
       Strategie im Umgang mit der AfD tatsächlich nur die am wenigsten schlechte
       Option. Die Kosten sind hoch. Die AfD bleibt etwa in einer bequemen
       Verantwortungslosigkeit. Es gibt keinen Anreiz, sich zu mäßigen. Götz
       Kubitschek …
       
       taz: … ein rechtsextremer Verleger … 
       
       Biebricher: … sagt, dass die Brandmauer auch die AfD schützt. Da ist viel
       dran. Und die Bündnisse, die gegen die AfD geschlossen werden, sind oft
       sehr breit. Das schadet dem Profil der Parteien.
       
       taz: Herr Stecker, Sie halten die AfD für genauso gefährlich wie Thomas
       Biebricher, sind aber gegen die Brandmauer. Was also dann?
       
       Stecker: Ich glaube, dass es auch ohne Brandmauer gehen muss.
       
       taz: Und wie?
       
       Stecker: Wir müssen Regieren neu denken. Wir sollten Minderheitsregierungen
       mit wechselnden Mehrheiten ausprobieren. Das Koalitionskorsett, das wir
       heute haben, ist eine westdeutsche Erfindung aus den Fünfzigerjahren: hier
       Regierung, dort Opposition, streng getrennt voneinander. Das passte damals,
       in unser fragmentiertes Parteiensystem von heute passt es nicht mehr. Es
       beschleunigt den Niedergang der Volksparteien und steigert die
       Unzufriedenheit mit der Demokratie. [1][Deutschland sollte sich an
       skandinavischen Ländern orientieren]. Ein flexibleres Modell von
       wechselnden Mehrheiten würde den Zwang für die regierenden Parteien
       mildern, überdehnte Kompromisse zu machen.
       
       taz: Die Union sollte also in einzelnen Fragen die Mehrheit mit der AfD
       suchen? 
       
       Stecker: Der Vorteil daran ist, dass es keinen Ausschluss der Wähler der
       AfD mehr gibt – ohne dass die AfD an der Regierung beteiligt werden muss.
       Ich plädiere unabhängig von der AfD schon lange für dieses Modell. SPD und
       Grüne hätten 2013 mit wechselnden Mehrheiten mit der Linken
       Bürgerversicherung und Reichensteuer durchsetzen können, also mehr Politik
       in ihrem Sinne.
       
       taz: Also waren die gemeinsamen [2][Abstimmungen der Union mit der AfD Ende
       Januar 2025 zur Migrationspolitik im Bundestag] aus Ihrer Sicht richtig? 
       
       Stecker: Wenn man das desaströse Kommunikationsmanagement von Merz wegnimmt
       – ja. Die SPD hätte auch etwas davon: Sie müsste sich nicht mit der Faust
       in der Tasche auf Migrationskompromisse mit der Union einlassen und sich,
       wie beim Familiennachzug, in den Augen ihrer progressiven Wähler
       unglaubwürdig machen.
       
       Biebricher: Eine Analyse im Auftrag der CDU kommt zu dem Schluss, dass die
       Abstimmungen mit der AfD der Union bei der Bundestagswahl geschadet haben.
       Das ist ein bekanntes Problem: Wer mit dem Rand Politik macht, verliert in
       der Mitte. Merz hat sich unglaubwürdig gemacht und Zweifel geweckt, ob die
       Absage an eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin gilt.
       
       Stecker: Kein Widerspruch. Es war falsch, wie es gemacht wurde. Die Union
       hat dadurch nichts gewonnen, aber die Linke gestärkt.
       
       taz: Herr Biebricher, ist eine Minderheitsregierung, die mit wechselnder
       Mehrheiten regiert, eine gute Idee? In der Union liebäugeln ja tatsächlich
       manche mit dieser Option. 
       
       Biebricher: Ich habe Zweifel, dass das funktionieren würde. Das Modell
       wechselnder Mehrheiten wird schnell kollabieren. Wenn die Union mit der AfD
       abstimmt, werden SPD, Grüne und Linkspartei sagen: Wir spielen nicht mit.
       
       Stecker: Es wird so sein, dass die SPD den Fall der Brandmauer als
       Mobilisierungsthema nutzen würde. Aber solche parteitaktischen Kalküle
       sollten Publizistik und Politikwissenschaften nicht hindern zu sagen: Wir
       möchten konstruktive Politik. In der Welt der Koalitionsdemokratie ist die
       Brandmauer notwendig. In einem System mit wechselnden Mehrheiten nicht.
       
       Biebricher: Wenn die Union mit der AfD Gesetze beschließt und sich SPD und
       Grüne danach weigern, mit der Union gemeinsame Sache zu machen, dann wäre
       schnell Schluss mit den wechselnden Mehrheiten. Dann gäbe es de facto eine
       Duldung der Minderheitsregierung der Union durch die AfD. Für die AfD wäre
       das die ideale Konstellation. Denn: Beteiligt sich die AfD an einer
       Regierung, verliert sie den Anti-System-Nimbus. In dem Duldungsmodell nimmt
       sie politisch Einfluss, ohne Teil des Systems zu werden. Sie hat das Beste
       von beidem, von Opposition und Regierung. Man kann das in Schweden
       beobachten. Die rechten [3][Schwedendemokraten tolerieren die bürgerliche
       Regierung und betrieben gleichzeitig Trollfabriken], die die Regierung
       unterminiert, die sie selbst zu stützen vorgeben.
       
       Stecker: Es stimmt, die Duldung ist nur eine andere Form des
       Koalitionskorsetts. Ich plädiere für thematisch flexible
       Mehrheitsbildungen, an denen die AfD beteiligt sein kann. Die Union hätte
       zum Beispiel die rechte Migrationspolitik, die sie jetzt mit der SPD
       umgesetzt hat, mit der AfD umsetzen können. Die AfD hätte sich dann
       entscheiden müssen, ob sie auf ihren Extrempositionen beharrt und sich
       verweigert, oder ob sie Kompromisse eingeht.
       
       taz: Wäre das eine gute Idee, Herr Biebricher? Manche in der Union glauben
       ja, dass sie in einer Minderheitsregierung mehr „CDU pur“ durchsetzen
       könnten. 
       
       Biebricher: Da klingt das rechte Narrativ an, dass es eigentlich eine
       rechte Mehrheit in der Bevölkerung gebe, aber die bekomme nur linke
       Politik, weil die Union wegen der Brandmauer in einer babylonischer
       Gefangenschaft mit linken Parteien stecke. Das lässt völlig aus dem Blick,
       dass es auch in der CDU mittige Milieus gibt, die nicht wollen, dass die
       Migrationspolitik noch härter wird, als sie jetzt schon ist, und die auch
       nicht wollen, dass Deutschland aus der [4][Europäischen
       Menschenrechtskonvention] austritt. Außerdem würde ich stark anzweifeln,
       dass die Bundesregierung gerade linke Politik betreibt; wo denn?
       
       Stecker: Ja, die Möglichkeiten der Union ohne Brandmauer werden von
       interessierter Seite maßlos übertrieben. Aber was stimmt: Die Wähler
       wandern derzeit stark nach rechts, die Politik folgt dem aber nicht in
       gleichem Maße. Kleine Anekdote: Horst Seehofer hat als Bundesinnenminister
       aus einem Gutachten des Verfassungsschutzes Passagen streichen lassen, die
       die AfD als verfassungsfeindlich markieren sollten, weil CSU-Politiker fast
       dasselbe gesagt hatten. Es gibt Schnittmengen zwischen Union und AfD. In
       einem Modell mit wechselnden Mehrheiten wäre es für die Union möglich, die
       AfD bei Themen wie Staatsbürgerschaft oder Migration zu Kompromissen zu
       zwingen und sie bei anderen Themen wie Putin oder der EU maximal zu
       konfrontieren.
       
       Biebricher: Aber warum sollte sich die AfD zu Kompromissen zwingen lassen?
       Sie könnte die Union etwa in der Migrationsfrage doch weiter vor sich
       hertreiben. Ohnehin ist fraglich, ob es in einer Union-Minderheitsregierung
       wirklich mehr „CDU pur“ gäbe. Die Union hat dann zwar alle Ministerien
       besetzt, aber die Forderungen, die die anderen stellen können, werden sehr
       hoch sein. Jede andere Partei kann in jeder Situation sagen: Ihr habt keine
       Mehrheit, wenn wir es nicht mit euch machen, was ist dann los? Es ist auch
       zweifelhaft, ob das Modell wechselnder Mehrheiten, das in Dänemark
       funktionieren kann, für Deutschland, das außenpolitisch verlässlich sein
       muss, übertragbar ist.
       
       taz: In [5][Sachsen-Anhalt] kann die AfD bei der Landtagswahl im Herbst so
       stark werden, dass sich alle anderen Parteien verbünden müssen, um eine
       Regierung ohne AfD zu bilden. Sollten die anderen Parteien, vermutlich
       unter Führung der CDU, das dann tun? 
       
       Biebricher: Das würde das Narrativ der AfD bekräftigen, dass sie vom System
       ausgeschlossen wird. Es gibt die Gefahr, dass sich eine rein destruktive
       Mehrheit zusammenfindet. Aber es ist notwendig, die AfD von der Regierung
       fernzuhalten. Denn wenn die CDU mit ihr zusammenarbeitet, öffnet sie ihr
       den Weg an die Macht. Wenn die Brandmauer einmal fällt, wird man sie nicht
       mehr aufbauen. Das ist eine irreversible Entscheidung.
       
       Stecker: Wenn sich in Sachsen-Anhalt eine Allparteienkoalition gegen die
       AfD bildet, wird das die Parteiendemokratie, so wie wir sie kennen, nicht
       überleben. Die Brandmauer setzt in der Union, vor allem im Osten, enorme
       Fliehkräfte frei. In Sachsen-Anhalt gab es schon 2019 eine Denkschrift von
       CDU-Politikern, man solle [6][das Nationale mit dem Sozialen versöhnen].
       Wenn die CDU mit der Linken zusammenarbeitet, werden diese Fliehkräfte noch
       stärker. Wenn drei, vier, fünf frustrierte CDU-Abgeordnete zur AfD
       wechseln, kann die AfD auch auf Umwegen zur absoluten Mehrheit kommen.
       
       Biebricher: Übrigens würde der Entzauberungseffekt durch die Einbindung der
       AfD, auf den so viele setzen, nur eintreten, wenn die AfD tatsächlich
       allein regiert. In einer Koalition kann die AfD immer der anderen Partei
       die Schuld geben.
       
       taz: Die Fliehkräfte in der CDU könnten aber auch in die andere Richtung
       gehen. Eine Annäherung an die AfD würde ein Teil der CDU in Westdeutschland
       nicht mitmachen. Riskiert die CDU, wenn sie die Tür zur AfD einen Spalt
       öffnet, ihre eigene Zerstörung? 
       
       Biebricher: Davon bin ich fest überzeugt. Wenn ein paar CDUler oder
       vielleicht auch die Fraktion in Sachsen-Anhalt mit der AfD
       zusammenarbeiten, vielleicht weil sie sich auch nicht mehr von der
       Bundes-CDU gängeln lassen will, kann es schwierig werden. In der Union gibt
       es zahlreiche Konfliktlinien, die dann aufbrechen können. Ob sich Ost gegen
       West, die Flügel, die Ministerpräsidenten, CDU und CSU, auch Jens Spahn und
       Merz auf eine gemeinsame Linie einigen würden, ist fraglich. Da könnte eine
       Dynamik entstehen, die die Partei zerlegt. Deshalb sind auch kleine
       Annäherungsmanöver an die AfD so gefährlich für die Union.
       
       Stecker: Aber die Alternative einer Anti-AfD-Koalition wäre doch auch
       Selbstmord. Der neurechte Stratege Benedikt Kaiser sagt, die AfD müsse nur
       geduldig sein. Die Union werde in der nächsten ideologisch völlig
       überdehnten Koalition an ihren Widersprüchen zerbrechen.
       
       Biebricher: Benedikt Kaiser hat nur recht, wenn die Lage bleibt, wie sie
       jetzt ist. Die Wahrnehmung der Bevölkerung kann sich ändern, wenn es mit
       der deutschen Wirtschaft wieder aufwärts geht und die Menschen das Gefühl
       haben, sie werden gut regiert. Ob und wann das gelingt, ist natürlich eine
       offene Frage.
       
       taz: Die Union fährt in der Migration einen harten Kurs, die
       Zustimmungswerte der AfD steigen aber weiter. 
       
       Biebricher: Das zeigt, dass es sich für CDU und CSU nicht lohnt, unbedingt
       rechte Migrationspolitik zu betreiben. Objektiv gehen die Zahlen der
       Asylsuchenden nach unten. Aber es gibt keinen erkennbaren Effekt bei den
       Umfragen. Das muss zu denken geben.
       
       Stecker: Viele AfD-Wähler fühlen sich von der Merkel-CDU betrogen. So wie
       die linken SPD-Wähler sich von Schröder durch die Hartz-IV-Gesetzgebung
       betrogen fühlten. Und für diesen Vertrauensbruch gab es aus Sicht dieser
       enttäuschten Wähler noch nicht einmal eine Entschuldigung.
       
       taz: Der Historiker Andreas Rödder, selbst CDU-Mitglied, schlägt vor, die
       AfD mit einer begrenzten Einbindung zu spalten – in einen Teil, der
       mitregieren will, und Radikale, die ein anderes System wollen. Finden Sie
       das plausibel? 
       
       Biebricher: Nein. Das hätte vielleicht 2013 funktioniert. Da hätte man
       vielleicht die Spreu vom Weizen noch trennen können. Aber inzwischen ist
       der ganze Laden doch auf Höcke-Linie. Es gibt auch international kaum
       Beispiele, wo diese Taktik geklappt hat.
       
       taz: Wo hat es sich für konservative Parteien denn ausgezahlt,
       Rechtspopulisten und Rechtsradikalen die Tür zur Macht zu öffnen? 
       
       Biebricher: Es gibt vor allem Gegenbeispiele. In Österreich, den
       Niederlanden und Italien kann man ziemlich gut zeigen, dass sich das
       letztendlich für die Konservativen nie gelohnt hat oder sogar ziemlich
       desaströs geendet ist. Italien hat die längste Erfahrung damit, dort geht
       es bis 1994 zurück. Und dort hat man wirklich eine beständige
       Hegemonieverschiebung nach rechts. Anfangs war die Forza Italia die
       stärkste Partei in diesen Bündnissen, dann die Lega, jetzt sind es die
       Fratelli d’Italia – wobei man sagen muss, dass die Fratelli bis dato
       vergleichsweise moderat agieren. Auch in Österreich gibt es diese
       Umkehrung: Da war die ÖVP am Anfang Seniorpartner – mittlerweile wäre sie
       nur Juniorpartner. Und in den Niederlanden hat man eine ähnliche
       Geschichte. Da hat man ein komplizierteres Parteiensystem, aber die Tendenz
       ist klar: Wenn man mit Geert Wilders Partei zusammenarbeitet, profitiert
       man eher nicht.
       
       taz: Aber Geert Wilders Partei hat bei der letzten Wahl verloren. 
       
       Biebricher: Das stimmt. Aber die Parteien, die mit ihm zusammengearbeitet
       haben, haben noch viel heftiger verloren, teilweise sind sie ja ausradiert
       worden. Historisch ist es so: Wenn diese Parteien in der Regierung waren,
       gab es für sie danach meist eine kurze Delle in den Zustimmungswerten. So
       ging es der FPÖ nach der ersten Regierung unter ÖVP-Kanzler Wolfgang
       Schüssel und auch der Wilders-Partei nach der ersten Regierungsbeteiligung.
       Aber mittel- und langfristig geht es weiter nach oben. Es gibt keinen
       Entzauberungseffekt. Sondern eine weitere Normalisierung.
       
       Stecker: Die Debatte ist wissenschaftlich gesehen hochkompliziert. Wir
       reden über Ursache-Wirkung-Beziehungen in völlig unterschiedlichen
       politischen Systemen – und die Welt drumherum hat sich auch verändert. Als
       Politikwissenschaftler können wir das nicht genau sagen. Dafür wird ein
       bisschen zu laut erzählt, dass wir wissen: Wenn wir die Rechten einbinden,
       dann stärkt es sie.
       
       taz: Eine [7][Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung], die die Zusammenarbeit
       in vielen europäischen Ländern untersucht hat, kommt aber zu einem recht
       eindeutigen Ergebnis: In maßgeblichen Fällen sei „eine ‚Zähmung‘
       rechtspopulistischer oder gar rechtsextremer Parteien durch Kooperation
       nicht gelungen“. Geschwächt worden seien eher die Mitgliedsparteien der
       EVP. Warum überzeugt Sie das nicht? 
       
       Stecker: Meine Skepsis ist der Komplexität sozialwissenschaftlicher
       Forschung geschuldet. Die Staaten, Parteien und Zeiten sind so
       unterschiedlich, dass es weder zur Vorhersage für den Abstieg noch für den
       Aufstieg immer gültige Rezepte gibt.
       
       Biebricher: Es stimmt natürlich, dass wir als Politikwissenschaftler mit
       Blick auf die Zusammenarbeit nicht hundertprozentig klar benennen können,
       was was bewirkt. Aber eine Kausalität liegt sehr nahe. Und deshalb sollten
       sich konservative Parteien ziemlich genau überlegen, ob sie mit Rechten
       zusammenarbeiten. Das ist in vielen Fällen sehr schlecht ausgegangen.
       
       10 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] /Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6138289
 (DIR) [6] /Debatte-ueber-CDU-AfD-Koalition/!5601979
 (DIR) [7] https://www.kas.de/documents/252038/33607021/Zwischen+Abgrenzung,+Einbindung+und+Tolerierung.pdf
       
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