# taz.de -- Umgang mit künstlicher Intelligenz: Akzeptanz braucht Transparenz
       
       > KI bietet Chancen. Um einen guten Umgang mit ihr zu finden, muss es noch
       > viel mehr Transparenz über ihren Einsatz und ihre Risiken geben.
       
 (IMG) Bild: Das Ziel: nachvollziehbar machen, in welchen Programmen KI verwendet wird
       
       Nachrichtenagenturen wie dpa haben diese Woche [1][ein Foto des britischen
       Königshauses zurückgezogen] – es enthielt digitale Nachbearbeitungen.
       Parallel zu der Debatte darum hat das EU-Parlament [2][den AI Act], das
       europäische Regelwerk für künstliche Intelligenz (KI), verabschiedet.
       
       Was beides miteinander zu tun hat? Es scheint das Bewusstsein dafür zu
       wachsen, dass es bestimmte Rahmenbedingungen braucht, wenn Gesellschaften
       in einer zunehmend technologisierten Welt funktionieren sollen. Und dass
       diese nicht einfach von selbst entstehen, sondern dass sie hart erarbeitet
       werden müssen: durch klare Regeln der Gesetzgeber, durch faires und
       regelkonformes Verhalten von Unternehmen und staatlichen Stellen, und ja,
       auch durch ein Mindestmaß an Bewusstsein bei der Nutzung durch
       Verbraucher:innen.
       
       Die Basis dafür, dass Vertrauen in die Menschen oder Institutionen, die
       hinter dem Einsatz der Technologie stehen, möglich ist: Transparenz.
       Bleiben wir kurz bei der Bildbearbeitung. Das, was das britische Königshaus
       mutmaßlich an dem Bild verändert hat – eine Haarlinie hier, einen Ärmel
       dort und da hinten einen Türknauf –, ist Kleinkram, verglichen mit dem, was
       eine übliche KI-Bildbearbeitungsapp heute schon kann.
       
       ## Was ist Realität?
       
       Ein Gruppenfoto? Ein paar Mal abgedrückt und die KI sucht personenweise die
       jeweils vorteilhaftesten Bilder heraus und fügt diese zusammen zu einem,
       auf dem möglichst alle lachen und niemand die Augen zu hat. Bildet dieses
       Foto die Realität ab? Das ist eine gleichermaßen philosophische wie
       praktische Frage. Also: Wenn ein Ministerium ein so erstelltes Gruppenfoto
       seiner frisch komplettierten Führungsriege auf seine Webseite stellt, doch
       den Entstehungsweg geheim hält – würde es nicht Fragen dazu aufwerfen, wie
       es die Hausleitung in wichtigeren Fragen hält mit Transparenz und
       Integrität?
       
       Während hobbymäßige Hochzeitsfotograf:innen vielleicht noch sagen:
       „KI? Nehme ich, und es darf gerne ein bisschen mehr sein“, bekommt ihr
       Einsatz gleich eine ganz andere Dimension, wenn es um sensiblere Bereiche
       geht. Medizin zum Beispiel, Rechtsprechung, Personalauswahl,
       Bonitätseinschätzung oder Einreise. Der AI Act trägt diesen Unterschieden
       Rechnung, indem er verschiedene Bereiche [3][unterschiedlich streng regelt,
       je nachdem, wie viel Risiko ihnen jeweils beigemessen wird]. Die Idee ist
       gut, weil sie von der Zukunft her denkt und einschließt, nicht zu wissen,
       was in zwei Jahren ist.
       
       Wie schnell die Entwicklung geht, zeigt das Beispiel Videogeneratoren. Vor
       drei Wochen hat der US-Konzern OpenAI Ergebnisse seines
       Text-zu-Video-Modells Sora veröffentlicht. Mit ein paar Zeilen Prompt, das
       sind die Anweisungen, erstellt er Videos mit bis zu einer Minute Länge. Und
       auch wenn die durch den weiß leuchtenden Schnee trampelnden Mammuts einen
       Tick zu sehr nach Videospiel aussehen – dass eine künstliche generierte
       Kamerafahrt durch ein Museum eben nicht echt ist, ist praktisch nicht zu
       erkennen. Das heißt: Die Portion Vorsicht, die jetzt schon bei Fotos gilt,
       ist immer mehr auch bei Videos angebracht.
       
       ## Trainings-Daten, Haftung und Kontrolle
       
       Für jede Einzelperson ist so eine Überprüfung nicht mehr leistbar.
       Vertrauen in den Sender wird damit zum wichtigen Wert – und das ist nicht
       möglich ohne Transparenz. Das gilt gleichermaßen für andere Einsatzzwecke:
       wenn eine KI-Anwendung Ärzt:innen beim Operieren hilft, wenn ein
       Unternehmen im Bewerbungsverfahren Lebensläufe mit KI scannt, wenn die Uni
       Klausuren mit einer KI korrigieren lässt oder die zuständige Behörde
       Visumsanträge per KI prüfen will. All das sind von der EU als „hochriskant“
       eingestufte, aber erlaubte Anwendungen.
       
       Fragen, die heute noch abstrakt wirken, rücken dann ins Zentrum: Welche
       Daten sind in das Training der KI eingeflossen? Gab es valide Tests, um
       mögliche Verzerrungen zum Vorschein zu bringen? Wer haftet, wenn die KI
       einen Fehler macht? Und nickt ein Mensch das Ergebnis der KI nur ab oder
       überprüft er es? Bleiben solche Fragen ungeklärt, wird es schwierig mit dem
       Vertrauen.
       
       Das Problem ist, und daran [4][kranken auch Teile der AI Acts]: Selbst wenn
       das Bewusstsein für die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen wächst – es
       stößt immer noch auf zu viele Vertreter:innen der wirtschaftsnahen
       Maxime. Sie sind der Überzeugung, der Markt werde es schon richten. Zu viel
       Regulierung schade nur der Innovation, dann leide der Wirtschaftsstandort
       und damit der Wohlstand. Abgesehen davon, dass auch das Bild vom Wohlstand
       als primär materiellem Wert immer mehr infrage gestellt werden muss – wenig
       zu regeln, weil andere möglicherweise auch wenig regeln, ist ein
       Unterbietungswettbewerb, bei dem alle verlieren. Alle, bis auf die wenigen
       Konzerne, die es ganz nach oben schaffen.
       
       15 Mar 2024
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Prinzessin-Kate-und-das-Foto/!5995991
 (DIR) [2] /Neue-Regeln-fuer-KI/!5994919
 (DIR) [3] https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20240308IPR19015/gesetz-uber-kunstliche-intelligenz-parlament-verabschiedet-wegweisende-regeln
 (DIR) [4] /Gesetz-zur-kuenstlichen-Intelligenz/!5994905
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Svenja Bergt
       
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